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Manipulation 2.0 – Schwachstellen des Social Web
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Web 2.0 ist derzeit in aller Munde. Täglich schießen dutzende neue Social Websites aus dem Boden und wollen erst erfolgreich und dann aufgekauft werden. Viele selbsternannte Experten loben alles wo 2.0 draufsteht über den grünen Klee. Doch auch das Web 2.0 hat Schwachstellen, wie unter anderem jetzt der Spiegel aufdeckte.

Die Macht der Nutzer im Web 2.0

Kernpunkt des neuen Internets ist die Macht der Nutzer. Überall wird bewertet, kommentiert und selbst publiziert. Fast jede Website bietet mehr oder weniger viele Möglichkeiten an, dass die Nutzer sich an den Inhalten beteiligen.

Das hört sich erstmal nicht schlecht an. Und die meisten Internet-Nutzer würden auch nicht auf die Idee kommen, dieses System auszunutzen. Aber es gibt immer Menschen, die Schwachstellen in einem System als Herausforderung sehen, diese auszunutzen.
Und dies geschieht mittlerweile schon in großen Maßstab.

Organisierte Manipulation

In den vergangenen Jahren machten vor allem die bezahlten Klick-Kolonnen aus Indien von sich reden. Entweder sie klickten massiv auf AdWords-Anzeigen, erzeugten damit hohe Kosten für den Werbetreibenden und erpressten ihn dann mit der Drohung, damit weiter zu machen. Oder es wurde in Partnerschaft mit Webmastern die Klickrate auf AdSense-Anzeigen in die Höhe getrieben und damit die Einnahmen für den Website-Betreiber. Auch ein einträgliches Geschäft.

Heutzutage bieten die ganzen Social Web Services, angefangen beim amerikanischen Riesen Digg.com bis hin zum deutschen Webnews.de ganz neue Möglichkeiten der Manipulation.

So gibt es z.B. bei Digg die Möglichkeit “Diggs”, also Stimmen für eigene Website-Artikel, zu kaufen. Findige “Geschäftsleute” haben einige hunderte Digger da sitzen und pushen für einen Betrag X einen Artikel auf die erste Seite von Digg.com. Da dadurch zehntausende Besucher innerhalb von Stunden auf eine Website gelangen, ist das für beide Seiten ein einträgliches Geschäft.

Eine Schwachstelle anderer Art hat der deutsche Digg-Clon Webnews.de. Hier ist es möglich selbst immer wieder für den eigenen Artikel zu voten. Da bei Webnews.de schon 20-30 Stimmen ausreichen, um auf die Startseite zu gelangen, ist es relativ problemlos möglich selbst dafür zu sorgen. Einfach IP wechseln und man kann selbst wieder abstimmen. Natürlich hat Webnews nicht den Traffic von Digg, aber Manipulation ist Manipulation.

Ebenfalls relativ einfach zu beeinflussen ist Alexa.com. Diese Popularitätsanzeige von Websites wurde vor kurzem hier vorgestellt. Dort wurde auch auf die Manipulationsmöglichkeiten hingewiesen.

Und so gibt es noch viele weitere Beispiele für die Manipulierbarkeit der neuen Web 2.0 Portale.

Collactive – der Web 2.0 Killer

Einen neuen Service für die Manipulation von Web 2.0 Websites hat Spiegel.de kritisch besprochen. Collactive ermöglicht es, eigene Websites innerhalb kürzester Zeit populär zu machen.

Der große Vorteil ist, dass Collactive eine Vielzahl von Web 2.0 und News-Portalen unterstützt. Eigene Inhalte können unter anderem bei YouTube, Yahoo! News, reddit, Digg, Netscape, LA Times usw. automatisiert promotet werden. Da muss sich keiner mehr die Hände bei jedem einzelnen Dienst dreckig machen.

Bis solche Tools auch den deutschen Markt abdecken ist es sicher nur eine Frage der Zeit.

Wird diese Manipulation das Web 2.0 zerstören?

Nun finden viele Webmaster solche Tools sehr hilfreich. Sind sie im ersten Moment ja auch. Ohne großen Aufwand kann man die eigenen Inhalte pushen und freut sich über große Besucher-Zuwächse.

Langfristig werden solche Tools aber dem Web 2.0 schaden. Denn die Nutzer solcher Social Services nutzen diese gerade deshalb, weil Sie das Gefühl haben, das dort reale Menschen gute Websites empfehlen. Sobald die Manipulation überhand nimmt und diesen Nutzern bewusst wird, werden Sie sich von den Web 2.0 Portalen abwenden.

Der Grund, dass es überhaupt möglich ist, soviel zu manipulieren ist sicher die Anonymität im Internet. Obwohl diese immer mehr abnimmt (Stichwort Google-Krake), sind solche Web 2.0 Websites nicht in der Lage wirklich jemanden zu identifizieren. Das ist einerseits natürlich wünschenswert, denn niemand will zum gläsernen Surfer werden. Allerdings reicht es dann auch einfach aus die IP zu wechseln und vielleicht noch ein Cookie zu löschen und schon ist man für eine Website ein völlig neuer Nutzer. Solange hier keine Lösungen gefunden werden, Internet-Nutzer klar einzelnen Aktionen zuzuordnen, solange wird es möglich sein zu manipulieren.

Welche Konsequenzen sollte ein Selbständiger im Internet daraus ziehen?

Das Web 2.0 und seine Social Services sind ein wichtiger Trend. Diesen sollte man nicht verschlafen. Allerdings sollten Sie auch mit der nötigen Skepsis an solche Themen herangehen und niemals nur auf ein Pferd setzen. Verteilen Sie Ihre Vermarktungsaktivitäten auf viele unterschiedliche Standbeine. Dann wird Ihnen auch der mögliche Kollaps einiger diese Vorzeige Web 2.0 Portale nicht so viel ausmachen.



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