Seit 1-2 Jahren ist das Web 2.0 in aller Munde. Zentraler Bestandteil des Web 2.0 ist das Social Web. “Die Macht zurĂŒck in die HĂ€nde der Nutzer” heiĂt das Motto und so schieĂen seit einiger Zeit immer mehr Communities und Social Networks aus dem Boden. Doch wie viel Freiheit vertrĂ€gt das Internet, denn immer öfter gibt es Probleme mit dem Social Web. Ist das Social Web am Ende?
Die Wikipedia wird restriktiver
Das Flagschiff der Social Web Bewegung hat seit einiger Zeit Probleme mit Nutzern, die EintrÀge absichtlich manipulieren. Sei es um die eigene Website zu promoten und einen Link aus der Wikipedia zu bekommen oder um wissentlich Fakten zu manipulieren.
Ersteres wurde vor einiger Zeit bereits durch die EinfĂŒhrung des nofollow-Attributs versucht einzudĂ€mmen. Das nofollow-Atribut soll verhindern, dass Suchmaschinen-Spider die betreffenden Links weiterverfolgen. Somit soll es fĂŒr “LinkjĂ€ger” uninteressanter werden, eigene Links in die Wikipedia einzuschleusen.
Ebenso angreifbar ist die Wikipedia aber auch fĂŒr Ănderungen am eigentlichen Inhalt. Das Prinzip der Wikipedia ist es ja, dass jeder die Inhalte mitpflegen kann. Allerdings eben auch nach seinem GutdĂŒnken Ă€ndern kann. Das die Selbstkontrolle durch die Community nicht immer funktioniert, zeigen Beispiele die der Spiegel in einem Sonderheft zum Thema “Digitale Welt” veröffentlicht hat. Demnach haben wohl auch Personen aus dem Bundestag heraus Texte von Politikern geschönt. Und wenn schon unsere Volksvertreter zu solchen Mitteln greifen, dann kann man sich vorstellen, was sonst noch so los ist.
Deshalb will die Wikipedia in Zukunft auch eine manuelle Kontrolle einfĂŒhren. Experten sollen die EintrĂ€ge der User nochmals prĂŒfen und so eine interne Kontrolle (Zensur?) durchfĂŒhren.
Digg-Gruppen
Ebenfalls groĂe Player des Web 2.0 sind die Social News Websites wie Digg.com oder die deutschen Varianten Yigg.de und Webnews.de. Auch hier gab es in der Vergangenheit vermehrt Hinweise, dass sich einzelne User zu Gruppen zusammen geschlossen haben, um eigene EintrĂ€ge ganz nach oben zu pushen. Gerade bei Artikeln die auf der Digg-Startseite landen, bringt das tausende User auf die eigene Website.
Da ist eine Manipulation natĂŒrlich sehr interessant. Es gab auch schon Versuche mit solchen “Manipulations-Services” Geld zu verdienen, indem man Votes fĂŒr Geld kaufen konnte. Vor kurzem wurde auch eine erste Software veröffentlicht, die solche Manipulationen automatisiert. Es ist anzunehmen, dass es solche Versuche weiterhin geben wird.
In wieweit es solche Manipulationsversuche bereits bei deutschen Web-News-Services gibt, kann ich nicht sagen. Auf Grund der noch geringen Nutzerzahlen ist es allerdings bei weitem nicht so interessant wie im amerikanischen Raum.
DMOZ-Erpresser
Ebenfalls in den Schlagzeilen war in letzter Zeit hĂ€ufiger das DMOZ-Verzeichnis. Dieses wichtigste Web-Verzeichnis der Welt wurde schon mehrfach tot gesagt, lebt aber immer noch und ein Link aus dem DMOZ soll wohl immer noch sehr viel “Eindruck” bei Google machen.
Das scheint auch manche DMOZ-Editoren “kreativ” werden zu lassen. So wurde der bekannte amerikanische Blogger Shoemoney letztens erpresst (so behauptet er jedenfalls). Er sollte 5.000 Dollar zahlen, sonst fliegt er aus dem DMOZ raus. Einige bezweifeln die Geschichte. Allerdings gab es solche “Erpressungs-Vesuche” schon vorher.
Datenschutz im Social Web
Neben den Manipulationsmöglichkeiten der Websites gibt es auch eine ganz andere Gefahr. Das Social Web lebt von der Beteiligung der Nutzer. Das betrifft sowohl die Registrierung in diversen Diensten, als auch die eigene Erstellung von Inhalten, sei es als Blogger oder Mitglied einer Community.
Das man dabei viele Spuren hinterlĂ€sst ist klar und es gibt mittlerweile viele Unternehmen, die sich dem Sammeln dieser Spuren verschrieben haben. Am Bekanntesten ist sicher die “Sammelleidenschaft” von Google. Was Google mit diesen Daten anfangen wird und ob dies immer im Interesse der Nutzer sein wird, wie man bei Google betont, ist nicht abzusehen. Klar ist, dass weltweite Konzerne sehr viel Geld fĂŒr möglichst umfangreiche User-Profile bezahlen.
Der Artikel von “Internet Hunger” erklĂ€rt ganz gut, wie groĂ die Gefahren im Internet doch sind.
Welche Informationen man z.B. ĂŒber die eigene eMail-Adresse herausfinden kann, zeigt die Website von www.rapleaf.com. FĂŒr deutsche eMail-Adressen ist dieser Service zwar noch nicht so geeignet. FĂŒr amerikanische Nutzer finden sich aber reichlich interessante VerknĂŒpfungen.
Interessant ist auch die Gefahr, die von fehlerhafter Technik oder menschlichem Versagen ausgehen. Schlagzeilen machte die versehentliche Veröffentlichung von AOL-Such-Logfiles. Dabei wurde eine Datei mit 20 Millionen Suchanfragen von insgesamt 657,426 AOL-Nutzer veröffentlicht. Und da User auch gern mal nach dem eigenen Namen suchen und anderen Dingen, die man zuordnen kann, war es möglich zu sehen, nach was diese realen Personen sonst so gesucht haben.
Das Social Web und die menschliche Natur
Die Frage die sich mir bei dem Social Web Boom stellt ist seit lĂ€ngerem: Hat so ein auf Idealen basierendes System eigentlich langfristig eine Chance gegen die menschliche Natur. NatĂŒrlich finde ich viele dieser Websites sehr interessant und nutze auch selber viele. Aber es wird immer Menschen geben, die nicht nur mit positiven Absichten solche System nutzen und ausnutzen.
Ist es zu naiv zu glauben, dass die Masse an Nutzer mit einer kollektiven Schwarmintelligenz die MissbrÀuche zu 100% aufdecken und verhindern werden. Ich glaube, dass dies nur teilweise funktioniert. Vor allem deshalb, weil die meisten User nur passiv teilhaben am Social Web. Die meisten lesen nur Artikel, statt diese zu bewerten oder gar selber einzureichen.
So lange das Social Web nur von einer kleinen Gruppe aktiv gestaltet wird, so lange wird es manipulierbar sein und selbst wenn viel mehr User aktiv teilnehmen, wird so ein offenes System immer angreifbar sein.
Was bedeutet das fĂŒr den Webmaster und Blogger
Es ist nicht auszuschlieĂen, dass der Social Web Trend in Zukunft auch wieder zurĂŒckgehen wird, wenn der Missbrauch ĂŒberhand nimmt und viele Nutzer enttĂ€uscht sein werden.
Blogger und Webmaster sollten deshalb nicht einzig und allein auf Social Websites setzen, wenn es darum geht die eigenen Websites und Blogs zu vermarkten. Hier ist es sehr ratsam auch auf andere, vielleicht etwas altbackene Methoden zu setzen. Und man sollte auch als Webmaster und besonders als Blogger darauf achten, wie viel man von sich preis gibt. Irgendwann kann einen diese Offenheit auch wieder einholen.
Am Ende ist das Social Web nicht, aber es kÀmpft mit vielen Problemen und ob es diese lösen kann steht noch in den Sternen. Ganz ohne ordnende Hand wird es wohl doch nicht gehen.
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Mein Name ist Peer Wandiger und ich bin selbständiger Webdesigner, Programmierer und Blogger.










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Peer Wandiger, Du meintest oben: ëIst es zu naiv zu glauben, dass die Masse an Nutzer mit einer kollektiven Schwarmintelligenz die MissbrÀuche zu 100% aufdecken und verhindern werden.û Ich meine: DIE MASSE IST EBEN AUCH DER DIGITALE MOB !
Auch was ist schon die Masse. Das weiĂ so genau keiner. Wenn man sich allerdings die neuesten Internet-Nutzer-Zahlen anschaut, so ist mittlerweile die ganze Breite der Bevölkerung im Netz. Und genau so wie die meisten BĂŒrger abends vor dem Fernseher sitzen und sich berieseln laasen, so nutzen Sie auch passiv das Netz und konsumieren nur.
Die breite Masse ist lÀngst nicht so aktiv, wie manche behaupten. Allerdings ist auch das nur eine subjektive Behauptung
WĂ€re doch auch schrecklich wenn jeder eigene Inhalte einstellen wĂŒrde. Mehr Konkurrenz, weniger Besucher/Kunden. Ist doch gut so wie es ist
Naja, so kann man es auch sehen. Allerdings ist die schiere Masse an neuen Artikeln und Posts sowieso nicht mehr zu bÀndigen, auch nicht von Yigg oder Webnews. Es ist wahrscheinlich also doch besser, dass die meisten User einfach nur lesen
Was es braucht, ist MEDIENKOMPETENZ und ein Bewusstsein fĂŒr das, was man tut. Was ich ins Netz gebe, kreist dort auch und kann UNTER UMSTĂNDEN zu jeder Zeit von XYZ “gegen mich verwendet” werden. Das ist nicht erst seit dem “Social Web” so, schon 1996 bis 1998, in der Steinzeit des Webs, gab es unzĂ€hlige persönliche Homepages, die dieselben Fragen aufwarfen.
Also hilft da nur, sich bei allem, was man von sich gibt, darĂŒber klar zu sein, ob man dazu stehen will und kann: gegenĂŒber Geliebten, Freunden, Verwandten und Bekannten, Arbeit- und Auftraggebern, Kollegen und Nachbarn. Ein Pseudonym schĂŒtzt, wenn’s denn fĂŒr bestimmte Themen sein muss (Gesundheit, Erotik, exotische Hobbys…), vor dem Google-SchnĂŒffler, nicht aber vor Strafverfolgung, sollte jemand kriminelle Energien entfalten.
Diese Basics zu begreifen und zu berĂŒcksichtigen, kann doch nicht so schwer sein!
Wieviel Offenheit oder Verschlossenheit sich eine/r dann leistet, ist immer auch ein Gradmesser der erreichten persönlichen Freiheit und UnabhĂ€ngigkeit – grade fĂŒr SelbstĂ€ndige eine interessante Reflexionsebene!
Wichtig ist auch, im Fall persönlicher Offenheit nicht ANDERE in Verlegenheit zu bringen – dies und alles rund um das “soziale Leben im Netz” sollte m.E. in der Schule gelehrt werden. Leider höre ich, dass wir davon noch sehr weit entfernt sind!
Sicher ist es seit 1996 möglich Daten von anderen zu sammeln. Allerdings ist daraus erst seit einigen Jahren ein richtiges GeschĂ€ft geworden. Und das ein Unternehmen wie Google solche Marktmacht hat, war frĂŒher auch nicht so.
Und was die Medienkompetenz betrifft, so wurde danach auch schon z.B. beim Fernsehen und Computerspielen gerufen. Aber solche Rufe helfen wenig. Es ist unrealistisch von allen Menschen da drauĂen solch eine Kompetenz zu erwarten. Viele können grad mal den Computer anschalten.
“Allerdings ist die schiere Masse an neuen Artikeln und Posts sowieso nicht mehr zu bĂ€ndigen, auch nicht von Yigg oder Webnews.”
Das Internet ist eben ein Long Tail, indem es viel Gutes und jede menge Schrott gibt… Deswegen sind wir, meiner Meinung nach, auch auf oben genannte Dienste angeweisen. Vor allem Google (auch wenn es manche nicht gern hören
) hilft uns da noch zu finden was wir suchen.
Ein kritischer Blick ist aber in jedem Falls sinnvoll! Und auch ich wĂŒrde nichts ins Netz stellen, ohne vorher darĂŒber nachzudenken…
Ich denke nicht, dass Social Web bald gar nicht mehr funktioniert und nicht existent ist – wieso sollte es im Internet anders sein, als im normalen Leben? Die Gesellschaft spaltet sich, Gruppen entwickeln sich, hier macht wer Stress, dort sitzt einem ein Furz quer und und und!
Die User werden sich nicht anpassen. Die Konzepte und Plattformen mĂŒssen sich anpassen. Insgesamt gesehen wĂŒrde ich dem Social Web durchaus noch eine Chance geben.
GruĂ
@Yannick
Ich denke ja auch nicht, dass das Social Web am Ende ist. Und es wird sich weiter entwickeln. Ich glaube nur (wie du) das sich die Technik und die Konzepte weiterentwickeln werden (mĂŒssen).
War auch nicht ganz klar auf deine Aussage im Artikel bezogen
Bin jedenfalls gespannt, wie es in der Szene weitergeht.
Oh mein Gott!
Die.. Die… Die ganze Infrastruktur bricht zusammen! AHhh!
Ich frage mich aber, was der nÀchste Trend sein wird.
Ich bin mir sehr sicher, dass es da bald wieder ein neues todsicheres Ding geben wird. ich muss nur schauen, dass ich diesmal mit bei den ersten bin, die dafĂŒr eine Website machen und diese dann fĂŒr Millionen verkaufen
Naja im Social Web ist schon viel Geld geflossen, ob nun bald die Blase platzen wird, ist eine Frage, die wohl keienr beantworten kann.
Mal gucken wie sich das ganze entwickelt
@ Eugen
Stimmt, einerseits wird im Gegensatz zur ersten Webblase diesmal wirklich Geld verdient und nicht nur Versprechung und TrÀume.
Anderseits gibt es tÀglich so viel neue Websites, die am Kuchen mitverdienen wollen und das wird nicht klappen.
Ich bin wirklich mal gespannt wie das weitergeht.