Yannick Eckl von blogschrott.net hat zum einem neuen Blogprojekt aufgerufen. Die teilnehmenden Blogger sollen Ihre Gedanken zum Thema “Selbständigkeit durch das Internet” aufschreiben. Bei diesem Thema muss ich natürlich was beisteuern.
Das Bild der Selbständigkeit
Selbständigkeit hat in unserer Gesellschaft, zumindest nach meinen Erfahrungen immer noch etwas negatives an sich. Oder sagen wir besser ambivalent.
Denn einerseits unterstellt man Selbständigen, dass sie große Autos fahren, immer frei machen können, alles mögliche von der Steuer absetzen können und sowieso viel zu viel Geld verdienen. Die Realität sieht oft genug anders aus, dazu aber gleich mehr.
Andererseits hat Selbständigkeit auch etwas negativ für viele Angestellte und Lohnempfänger. Ich habe schon öfters abschätzige Bemerkungen gehört, die zwar nicht direkt mir gewidmet waren (hoffe ich zumindest
), aber so eine unterschwellige Verachtung. Selbständige sind halt Unternehmer oder Firmenchefs und damit nicht besser als die Heuschrecken, von denen man öfter ließt und hört. Mitarbeiter werden generell ausgenutzt und insgesamt ist den Selbständigen sowieso nur das Geld wichtig.
Das Selbständige Jobs schaffen und sei es nur für den Einzelunternehmer selber, wird kaum anerkannt.
Gut, ich will hier nicht ein zu negatives Bild malen. Aber es gibt Länder, da wird Selbständigen sicher mehr Anerkennung zu teil.
Meine Erwartungen an die Selbständigkeit
Doch mit welchen Erwartungen geht ein Selbständiger nun in diese neue Lebensphase. Erwartet wirklich jemand auf die schnelle reich zu werden, teure Autos kaufen zu können und kaum noch arbeiten zu müssen?
Ich hatte mir vor meiner Selbständigkeit eine Menge Gedanken gemacht. Ich habe mich nicht nur fachlich darauf vorbereitet, sondern auch viel über das Führen einer kleinen Firma gelernt. Mein BWL-Studium mag da geholfen haben, auf die Selbständigkeit hat es mich aber nicht vorbereitet.
Insofern war ich eigentlich mit relativ realistischen Erwartungen gestartet. Ich wusste, dass gerade der Start sehr schwierig sein würde. Die ersten Jahre können, je nach Branche, viel Ausdauer erfordern, bevor man sich einen Kundenstamm erarbeitet hat, der die Planung leichter macht.
Das Internet spielte in meinen Planungen natürlich eine große Rolle. Deshalb hatte ich hier auch schon vor meiner Selbständigkeit viel Arbeit investiert.
Ich hatte keine Probleme mit der Bürokratie, obwohl einige Bekannte das Gegenteil berichteten. Allerdings hatte ich in meiner Branche auch nicht viel bürokratische Dinge zu regeln.
Ganz ehrlich muss man auch sagen, dass einige Selbständige völlig sorglos und unvorbereitet loslegen. Irgendwann kommt dann ein Brief von einem Amt, dass irgendeinen Nachweis oder was auch immer anfordert. Doch der unvorbereitete Selbständige hört davon zum ersten mal und fängt an über die Bürokratie zu schimpfen. Dabei hätte eine sorgfältigere Vorbereitung solche Probleme meistens verhindert.
Die Realität der Selbständigkeit
Die Realität der Selbstständigkeit hat dann auch meine Erwartung größtenteils erfüllt. Es ist erstaunlich wie viele Menschen auf einmal deine Telefonnummer und Adresse kennen. Man lernt relativ schnell freilich aber bestimmt den Hörer aufzulegen.
Das die meisten Selbständigen nicht sofort im Geld schwimmen ist nun wirklich kein Geheimnis. Die erste Zeit kann sehr schwierig werden, besonders wenn auch die angepeilte Zielgruppe nicht gerade mit Geld um sich wirft.
Ich habe aber auch ein wenig Lehrgeld zahlen müssen. Könnte ich nochmal starten, so hätte ich mir nun vor dem offiziellen Start meiner Selbständigkeit viel mehr Referenzen besorgt. Genau diese Phase nimmt relativ viel Zeit in Anspruch.
Gute Referenzen sind eines der wichtigsten Verkaufsargumente gegenüber einem potentiellen Kunden. Ohne Referenzen wird es schwer die ersten Kunden zu finden.
Da hilft auch ein guter Internet-Auftritt nicht viel. Auch hier helfen Referenzen sehr. Zudem musste ich auch viel über den Einsatz einer Website bei der Suche nach lokalen Kunden lernen. Dies läuft teilweise völlig anders ab, als wenn ich bundesweit Kunden suche.
Mittlerweile konnte ich das Internet aber auf verschiedenste Weise für meine Selbständigkeit nutzen. Unter anderem mit diesem Blog hier. Viele meiner Erfahrungen möchte ich hier auch weitergeben. Viele Erfahrungen muss man aber auch selber machen.
Eine weitere Sache, die nicht so ist, wie viele sie sich Vorstellen, ist das Thema Arbeitszeit. Diese ist bei weitem nicht so flexibel, wie man es den Selbständigen gerne zuschreibt. 14 Stunden Arbeitstage sind in der Anfangszeit eher die Regel als die Ausnahme. Mit der Zeit wird man effektiver und kann durch viele Stammkunden einiges an Zeit einsparen. Mehr Freizeit als normale Arbeitnehmer haben aber die wenigsten Selbständigen, besonders wenn sie alleine arbeiten.
Jeder kann es schaffen! Oder doch nicht?
Jeder könnte es schaffen, aber natürlich schafft es nur ein Teil. Dies hängt sowohl mit den grundsätzlichen Befähigungen des Selbständigen zusammen. Man sollte mit Menschen umgehen können, kaufmännisch denken können und fachlich up to date sein.
Allerdings gehört auch genau so viel Stressresistenz, Selbstdisziplin und -motivation dazu, um auch in harten und anstrengenden Zeiten seine Arbeit zu machen.
Und gerade wenn man sich im Internet selbständig machen möchte gehört viel Know How dazu. Ein wenig HTML zu können reicht heute nicht mehr aus, um mehr als nur eine handvoll Besucher auf den eigenen Internet-Auftritt zu holen.
Wer diese Eigenschaften nicht mitbringt und durchhält, der wird es schwer haben erfolgreich selbständig zu bleiben. Dann wird der Fehlschlag natürlich oft auf die Konkurrenz und die Kunden geschoben. Und ach ja, der Staat ist natürlich auch schuld.
Zum Teil stimmt das ja auch, aber die wenigsten gescheiterten Selbständigen suchen die Fehler bei sich.
Würde ich es wieder so machen?
Sicher würde ich es wieder so machen. Ich kann mir kaum vorstellen wieder irgendwo angestellt zu sein.
Ich liebe es mein eigener Chef zu sein, auch wenn es Tage gibt, an denen es schwierig ist. Meistens aber macht die Arbeit Spaß. und es gab noch nie Stress mit meinem Chef
Ein paar Dinge, wie z.B. die Sache mit den Referenzen würde ich anders machen. Ebenso würde ich bei einem heutigen Start gleich von Beginn an eine Reihe Internet-Websites starten und damit meine Selbständigkeit auf mehrere Standbeine verteilen.
Aber aus Fehler lernt man ja bekanntlich mehr, als aus Erfolgen. Oder wie es auf Yannicks Blog steht: “Unsere Fehlschläge sind oft erfolgreicher als unsere Erfolge”. Genau so ist es.
Yannick stellt es den Teilnehmern übrigens frei, ob sie einen Link zu ihm setzen. Es soll keine Backlink-Aktion werden. Aber ich bin da nicht so knauserig. Deshalb hier der Link zum “2. Blogprojekt auf Blogschrott.net“. Noch ist Zeit bis zum 25.Oktober um teilzunehmen.
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Mein Name ist Peer Wandiger und ich bin selbständiger Webdesigner, Programmierer und Blogger.









Danke für die Teilnahme. Ein sehr guter Artikel!