Optimale Vorbereitung auf die Selbständigkeit

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Vielen Existenzgründer gehen überraschenderweise sehr unvorbereitet in die Selbständigkeit. Ich treffe immer wieder auf Selbständige die sich überhaupt nicht vorbereitet haben und sich nun wundern, warum das Geschäft nicht so läuft wie es soll.

Deutschland ist ja sowieso das Land der Jammerer (vor allem die, die eigentlich gar keinen wirklich Grund dazu haben). Da überrascht es nicht, dass viele Selbständige und Existenzgründer vor allem erstmal die Fehler woanders suchen und nicht bei sich.

Da ist eben der Markt nicht da, die Konkurrenten zu unfair oder der Kunde zu knauserig. Das es aber meistens am Selbständigen selbst liegt, das kommt den wenigsten in den Sinn.

Es reicht eben nicht, sein Fachgebiet zu beherrschen und dann zu hoffen, dass die Kunden schon kommen werden. Betriebswirtschaftliche Kenntnisse sind ein Grundstein für den Erfolg, ohne den es in der Regel nicht klappen wird.

Deshalb möchte ich heute einfach mal einen Blick auf die Vorbereitung für die Selbständigkeit werfen. Dabei geht es nicht wirklich um ganz konkrete Maßnahmen, da diese doch von Selbständigen zu Selbständigen recht unterschiedlich sein können.
Es geht mehr um die grundsätzliche Einstellung.

Warum sollte man sich vorbereiten

Den Kopf in den Sand zu stecken und zu hoffen, dass schon alles gut gehen wird ist keine sehr erfolgsversprechende Taktik. Und trotzdem gehen nach diesem Muster erstaunlich viele Selbständige vor.

Bei der Vorbereitung auf die Selbständigkeit geht es auch nicht darum, nun Experte in allen Bereichen zu werden. Niemand kann gleichzeitig alles über Buchhaltung und Liquiditätsplanung wissen und zusätzlich auch Marketing und Kundengewinnung perfekt beherrschen.

Und es Selbständiger muss diese Sachen auch nicht perfekt beherrschen, er muss sich aber bewusst sein, dass diese und andere Dinge sehr wichtig sind. Als Selbständiger muss man als aller erstes erstmal die richtige Einstellung bekommen. Denn diese Einstellung ist eines der Hauptmerkmale, die Selbständige von normalen Arbeitnehmern unterscheidet.

Viele Selbständige arbeiten mit der Einstellung eines Angestellten. Das führt über kurz oder lang (meistens) in die Katastrophe. Nicht weil Angestellte nicht arbeiten, denn das tun die meistens sehr gut. Doch im Gegensatz zu einem Angestellten, der “nur” in seinem Unternehmen arbeitet, müssen Selbständige und Existenzgründer vor allem auch an Ihrem Unternehmen arbeiten.

Und das ist ein gewaltiger Unterschied in der Einstellung, der bei vielen erstmal reifen muss.

Wie sollte man sich vorbereiten

Nun stellt sich die Frage, wie muss ich mich vorbereiten. Dazu gibt es allerdings keine klare und einfache Aussage. Es hängt natürlich stark von der Branche ab, in der man sich selbständig macht ab. Aber auch die eigene Vorbildung und die eigenen Erfahrungen spielen eine wichtige Rolle.

Kommt jemand aus dem Marketing, muss er in diesem Bereich wahrscheinlich recht wenig nachholen, dafür vielleicht mehr im betriebswirtschaftlichen Bereich.

Deshalb ist der erste Schritt bei der Vorbereitung auf die Selbständigkeit die Selbstanalyse:

  • Was kann ich bereits?
  • Welche Erfahrungen kann ich aufweisen?
  • Wie gut kenne ich den Markt?
  • Was muss ich noch lernen?
  • Was kann ich selber machen und wo brauche ich Hilfe?
  • usw.

Diese Frageliste ist natürlich nicht vollständig. Jeder sollte in sich gehen und ehrlich seine Vor- und Nachteile bezüglich der geplanten Selbständigkeit auflisten.

Man sollte sich auch mal mit anderen Selbständigen unterhalten. Aber haltet euch von den Jammerern fern. Es nützt euch nichts, wenn diese euch die Ohren zuheulen. Sprecht mit den positiv eingestellten Zeitgenossen, die euch relativ ehrlich über Vor- und Nachteile aufklären.

Und hört nicht auf die “Ich arbeite jeden Tag 16 Stunden”-Angeber. Entweder sie lügen euch an, um sich wichtig zu machen, oder aber sie arbeiten wirklich 16 Stunden und machen deshalb irgendwas falsch. Natürlich kann man als Selbständiger nicht immer nach 8 Stunden alles fallen lassen. Gerade in der Anfangszeit sind Überstunden auch normal. Doch wer es mittelfristig nicht schafft, als Selbständiger auch wieder Freizeit zu haben, der macht entweder was falsch oder hat einfach kein Leben.

Idee formulieren
Wenn ihr euer Geschäft vorbereitet, solltet ihr versuchen, euer Geschäftsmodell kurz und knapp vortragen zu können. Wenn ihr dazu 10 Minuten braucht und selbst nicht so richtig auf den Punkt kommt, wie sollen dann eure Kunden das verstehen.

Hier ist Klarheit anzustreben. Es sollte das sogenannte Fahrstuhl-Pitching möglich sein. Man sollte also einem potentiellen Kunden das eigene Produkt oder die eigene Dienstleistung in 20 Sekunden schmackhaft machen können.

Den Markt finden

Einen Fehler, den ich immer wieder beobachte ist, dass Selbständige “Alle Kunden” erreichen wollen. Dabei verzettelt man sich dann aber sehr schnell und bietet den potentiellen Kunden nur ein recht unscharfen Bild. Und man kommt vor allem nicht als Experte rüber.

Besser ist es meistens, sich ein Nische zu suchen und sich auf bestimmte Zielgruppen zu spezialisieren. Das erleichtert die Marketing-Ansprache dieser Firmen und ist zudem effektiver.

Suchen Sie sich möglich Nischen mit viel Bedarf und wenig Angebot. Es ist oft keine gute Idee zu sagen “Es gibt in dem Ort schon 10 XY, also scheint da ein Markt zu sein”. Das muss man sich natürlich im Detail anschauen, aber i.d.R. ist es besser sich Nischen zu suchen, in denen man keine oder wenig Konkurrenz findet und die trotzdem Kundenpotential aufweisen.

Der Businessplan
Meinen Businessplan habe ich ehrlich gesagt, nur selten aus dem Schrank geholt. Das heißt aber nicht, dass ich Businesspläne für unwichtig halte. Im Gegenteil. Ein Businessplan enthält all diese Punkte, die ich heute hier bereits angesprochen habe oder noch ansprechen werde und dazu noch viele interessante Dinge mehr.

Deshalb halte ich einen Businessplan, mit dem man sich wirklich und ehrlich beschäftigt auch für eine sehr gute Vorbereitung auf die Selbständigkeit. Von den evtl. benötigten Finanzgebern mal ganz abgesehen.

Aber für die spätere täglich Arbeit ist er dann nur noch von geringem Nutzen, zumindest war das meine Erfahrung. Dazu ändern sich sich Marktgegebenheit zu schnell. Die Konzepte der meisten Selbständigen ändern sich in den ersten Monaten der Selbständigkeit. Trotz aller Vorbereitung ist der direkte Kundenkontakt doch nochmal was anderes. Gerade Nischen entdeckt man meist erst, wenn man mit Kunden spricht und ihnen zuhört.

Trotzdem sollte man einen Businessplan haben, denn zur Vorbereitung eignet er sich schon sehr gut.

Kaufmännische Dienstleistungen Werbung

Geschäftsunterlagen
Geschäftsunterlagen sind so eine Sache. Letztens habe ich eine “Nageldesignerin” getroffen, die für Logo und Geschäftsunterlagen 1.700 Euro bezahlt hat. Nun bin ich selbst Fan von guten Geschäftsunterlagen, aber da habe ich dann doch mit dem Kopf geschüttelt. Weder brauch diese Dame von einem Profi designte Briefköpfe, noch steht diese Ausgabe mit den zu erwartenden Einnahmen im Verhältnis.

Auf der anderen Seite gibt es B2B-Firmen, die weder einen ordentlichen Briefkopf haben noch überhaupt ein Logo. Und die Visitenkarten sind Gratis-Drucke mit Word-Bildchen drauf.

Nun muss jeder für sich abwägen, was ihm wichtig ist. Allerdings kommt es vor allem darauf an, wie der Selbständige nach außen hin wirkt. Denn der Eindruck beim Kunden ist das, was am Ende zählt.

Hier muss der Außenauftritt dem Geschäftskonzept entsprechen. Wenn jemand teure Individualreisen für viel Geld verkauft, sollte er sich anders präsentieren, als der Last-Minute-Schnäppchen-Laden. Es geht um den ersten Eindruck und um Glaubwürdigkeit. Die Geschäftsunterlagen tragen einen wichtigen Teil dazu bei, Vertrauen in die eigenen Leistungen aufzubauen und sich von der Konkurrenz abzuheben.

Referenzen
Ein wichtiger Punkt sind die Referenzen. Die meisten Kunden, gerade im hochpreisigen oder B2B-Bereich, wollen sehen, dass man bereits etwas erfolgreich gemacht hat. Diesen Referenzstamm erst aufzubauen, wenn man selbständig ist, ist meist die schlechtere Alternative, denn das dauert.

Sorgen Sie bereits vor der Selbständigkeit für Referenzen. Das geht zwar nicht in allen Branchen, aber in vielen, gerade im Bereich der Dienstleistungen ist dies möglich.

Wenn man dann mit einer Reihe von Referenzen starten kann, geht vieles leichter.

Outsourcing
Eine der entscheidenden Fähigkeiten erfolgreicher Selbständiger ist das “Loslassen”. Existenzgründer tendieren verständlicherweise zum “Alles selber machen”. Das ist aus Kostengründen ja auch verständlich und in der Anfangsphase auch in Ordnung. Doch es wird der Punkt kommen, wo dies dazu führt, dass man sich selbst limitiert.

Man hat eben nur einen 24 Stunden-Tag und irgendwann ist die Zeit aufgebraucht. Zudem wird man bestimmte Dinge eben nicht so gut können, wie ein Spezialist.

Deshalb ist es wichtig mit der Zeit Kontakte zu knüpfen und mit Partnern zusammen zu arbeiten. Gerade im Dienstleistungssektor macht das Sinn und dadurch entstehen oft auch wieder neue Geschäftskontakte.

Sonstiges
Natürlich gibt es noch eine Reihe von weitere Punkten, über die man sich Gedanken machen sollte. Dazu gehören solche Dinge wie “Finanzierung”, “Einrichtung der Geschäftsräume” etc. Dazu finden sich die Infos bei speziellen Ansprechpartnern oder in der Literatur.

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Ansprechpartner

Man sollte die eigene Selbständigkeit nicht alleine im Keller vorbereiten. Zumindest nicht nur.

Gehen Sie zu Ihrer IHK oder Handwerkskammer und lassen Sie sich Info-Material geben. Darin sind viele Broschüren mit Anleitung, Kontaktadressen und Checklisten enthalten. Aber auch DVDs mit nützlicher und kostenloser Software.

Eine gute Anlaufstelle ist auch das Existenzgründer-Portal des BMWi (Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie). Dort findet man zu sehr vielen Themen kurze und gute PDF-Broschüren.

Dort gibt es aber auch einen interessanten Podcast. Dieser erscheint alle paar Wochen und hat immer wieder interessante Themen. Hier ist der RSS-Feed-Link.

Eine sehr gute Möglichkeit Kontakte zu knüpfen und sein Wissen zu erweitern sind auch Kurse für Selbständige. So bieten Schulungsunternehmen mehrtätige Crash-Kurse für angehende Selbständige an. Da lernt man zwar nicht wirklich viel, bekommt aber einen guten Überblick über die wichtigen Punkte der Selbständigkeit. Und man kann wieder Kontakte knüpfen.

Ihr merkt schon, “Kontakte knüpfen” ist eine der wichtigsten Aufgaben für Selbständige.

Bücher für Selbständige

Es gibt eine Reihe von empfehlenswerten Büchern für Selbständige und Existenzgründer. So behandeln manche Bücher den kompletten Weg in die Selbständigkeit, während andere nur bestimmte Aspekte beleuchten.

Sehr empfehlen kann ich die folgenden Bücher:
Praxisbuch Existenzgründung* und Businessplan*

Beide Bücher sind recht einfach gehalten und nicht zu dick. Man erfährt aber die wichtigsten Grundlagen.

Sehr nett finde ich ebenfalls die kleinen Bücher aus der Reihe “Pocket Business” von Cornelsen. Die kleinen Büchlein haben etwas über 100 Seiten und kosten nur 7 Euro. In jedem Buch wird ein anderes Thema behandelt. So zum Beispiel “Local-Marketing”, “Kunden-Aquise”, “Public Relations” und andere interessante Themen.

Zeitschriften für Selbständige

Über “Zeitschriften für Selbständige” habe ich ja bereits ausführlich berichtet. Ich lese regelmäßig solche Zeitschrift und sei es nur, um mich in die Gedankenwelt meiner B2B-Kunden zu versetzen. Denn die lesen solche Zeitschriften auch.

Das bringt mich auch gleich zum nächsten Tipp. Lest die Branchenblätter eurer B2B-Kunden. Fast jede Branche hat ein oder mehrere Fachzeitschriften. Eine sehr gute Möglichkeit seine Kunden und deren Bedürfnisse noch besser kennen zu lernen.

Checklisten

Checklisten sind etwas schönes. Leider gibt es davon viel zu viele, so dass man sich einfach eine aussuchen muss. Auf der BMWi-Website gibt es schöne Checklisten und auch hier.
Auch ein Businessplan ist eigentlich so etwas wie eine Checkliste.

Es gibt nicht die perfekte Vorbereitung

Natürlich sind die Tipps und Hinweise in diesem Artikel keineswegs vollständig. Jeder Selbständige macht eigene Erfahrungen und setzt andere Schwerpunkte. So habe ich z.B. überhaupt nichts mit Immobilien zu tun gehabt. Einige mir bekannte Selbständige aber schon und da kann ich nur empfehlen, möglichst zeitig die Genehmigungen einzuholen, da sich das etwas hinziehen kann.

Wichtig war mir eigentlich nur, dass das Bewusstsein bei zukünftigen Selbständigen dafür steigt, dass man eben nicht nur seine Arbeit macht, sondern viele andere Dinge an der Selbständigkeit dran hängen. Je eher man dies akzeptiert und sich darüber Gedanken macht, um so besser.


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Kommentare

  1. meint

    Heutzutage ist die Selbstständigkeit schwieriger den je, Euer Artikel ist echt klasse. Super geschrieben und Inhaltlich sehr gut fundiert, Respekt.

  2. meint

    Interessanter Artikel. Ich habe da auch so meine Erfahrungen gemacht bzgl. Selbstständigkeit (neue Rechtschreibreform) und davon ein “Lied singen”.
    Mein Tipp – unbedingt ein Extrakonto anlegen (in Deutschland) was Tageszins gibt. Dann regelmäßig nach Umsatz Geld einzahlen und dann Finger weg. Die Steuer kommt sicher!

    Igor

  3. Réka meint

    Ein gut geschriebener Artikel und zweifellos ein bedeutsames Thema für alle Selbständigen.

    Ich bin besonders mit der Wichtigkeit des Outsourcings einverstanden. Auf den ersten Blick scheint es billiger zu sein, wenn man alles selbst erledigt. Aber wenn man ein bisschen kalkuliert, kann man zu einem anderen Ergebnis kommen. z. B. wenn man nur einen Stundensatz von 30 Euros hat, lohnt es sich nicht an einer Aufgabe 10 Stunden zu arbeiten, und damit 200 Euros zu „sparen“.

    Na ja, am Anfang ist es möglich, dass man nicht zu viele Bestellungen hat, wo man diesen bestimmten Stundensatz realisieren könnte, aber man soll schon am Anfang planen, welche Tätigkeiten wie und wann zu „outsourcen“.

    Outsourcing ist noch aus einem anderen Aspekt wesentlich. Man soll lernen, auf andere Leute und ihre Arbeit zu vertrauen. Und es fällt vielen ganz schwer.

    Im Thema habe ich einen Buchtipp. E-Myth (auf Deutsch mit dem Titel „Das Geheimnis erfolgreicher Firmen“ erschienen) von Michael E. Gerber. In den 1. und 2. Teilen schreibt er gerade über diese „unternehmerische“ Einstellung.

  4. meint

    Hallo Réka,
    das sehe ich genauso.

    @ Igor
    Ja ein Extra-Konto ist mit Sicherheit zu empfehlen. Allerdings wollte ich nicht so tief in solche Einzelheiten eintauchen. Da gibt es sicher noch eine Menge anderer “kleiner” Tipps für die Selbständigkeit.

  5. meint

    Bin von Eurer Seite begeistert. Ihr habt einen Knaller Artikel nach dem anderen. Habe selten so gute Artikel mit den Basis Informationen gefunden. Respekt, weiterso und hoffe noch lange, lange mehr von Euch. Danke…

  6. Ferienjobs meint

    Gut, dass sich jemand mal so ausführlich über das Thema Selbstständigkeit Gedanken gemacht hat, denn viele Existenzgründer tun das im Vorfeld anscheinend nicht. Wer diesen großen Schritt wagt, sollte sich über jeden einzelnen kleinen Aspekt im Klaren sein, den die Selbstständigkeit mit sich bringt, ansonsten könnte es unangenehme Überraschungen geben – und da spreche ich aus Erfahrung.

Trackbacks/ Pingbacks

  1. Optimale Vorbereitung auf die Selbständigkeit…

    Der Start in die Selbständigkeit will gut vorbereitet sein. Vielen Existenzgründern mangelt es abe…

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