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Ein Fachbuch schreiben – Interview mit Vladimir Simovic
- 10 Kommentare - Peer Wandiger | Interviews, Selbständig



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Vladimir Simovic, vielen besser bekannt als Perun, ist ein sehr netter Zeitgenosse. Da habe ich die Gelegenheit doch gleich genutzt und ihn um die Beantwortung einiger Interview-Fragen gebeten.

In diesem Interview geht es vor allem um Peruns Tätigkeit als Buchautor. 3 Bücher sind von ihm bereits erschienen (2 zu WordPress und 1 CSS-Buch), das vierte Buch zum Thema “Geld verdienen im Web 2.0″ erscheint im kommenden Juni.

Seine Antworten sind sehr aufschlussreich und sicher auch für eBook-Autoren ganz interessant.

1) Stelle doch bitte dich und deinen Blog kurz vor.

Mein Name ist Vladimir Simovic und im Netz sehr oft unter dem Spitznamen Perun anzutreffen. Im Web bin ich schon seit 1998 aktiv, seit Mitte 2003 als Webworker selbständig tätig. Zuerst nebenberuflich und dann hauptberuflich. Seit Januar 2004 führe ich auf www.perun.net mein Weblog zum Thema “Webwork und Internet” mit starkem Fokus auf die Themen rund um WordPress.

2) Du hast ja auch schon das ein oder andere Buch geschrieben. Wie läuft das ab. Gehst du mit der Idee auf Verlage zu oder läuft das umgekehrt?

Momentan wird das vierte Buch fertig gestellt und es wird im Juni 2008 erscheinen.

Wie läuft das ab? Ich habe zwar von Verlagen Anfragen bekommen, aber meistens ist es so, dass ich eine Idee habe, diese dann entweder konkretisiere (oder auch verwerfe) und dann den Verlag kontaktiere.

Bei meinem ersten Buch (“Modernes Webdesign mit CSS“) wurde ich von Data Becker kontaktiert und bei den anderen drei Büchern bis jetzt, bin ich auf die Verlage zugegangen.

3) Wie schreibst du ein Buch, wie sieht der Prozess aus? Wie viel Zeit hast du dafür gehabt/gebraucht?

Ich sammle zuerst die Ideen, verfeinere das Konzept und erstelle dann ein Inhaltsverzeichnis, welches mir dann als eine Art Gedächtnisstütze dient. Dann recherchiere ich und anschließend schreibe ich auch sofort in das Textverarbeitungsprogramm rein. Ich mache zwar meine Korrespondenz in Open- bzw. StarOffice, aber die Manuskripte schreibe ich in Word.

Zum einen weil die Vorlagen von den Verlagen im Office-Format waren und zum anderen (sehr wichtig), weil die Rechtschreibprüfung bei Word einfach besser und leistungsfähiger ist: für mich essentiell.

Bis jetzt habe ich gute drei bis vier Monate pro Buch gebraucht um das Manuskript zu verfassen. Der Verlag braucht dann weitere 2-3 Monate um die Texte zu sichten, zu setzen und in den Druck zu geben.

4) Was ist der Unterschied zum Blog-Schreiben?

Kurz: die Recherche und die Rechtschreibung. :-)

Im Weblog, wie auf jeder privaten Website kann man sehr lässig schreiben. Das betrifft sowohl den Schreibstil, wie auch die Recherche. Das heißt jetzt nicht, dass man z. B. jegliche Interpunktion vergessen kann und das man Lügen in seinem Weblog verbreiten darf. Aber wenn man einen Buchstabendreher, ein Kommafehler und aus Frau Müller einen Herrn Müller macht, dann ist das kein Beinbruch. Man kann es korrigieren, verbessern, sich entschuldigen, Besserung geloben usw.

Im Buch dagegen kannst du bis zu der Abgabe des Manuskripts Sachen ändern. Danach hat es sich erledigt und wenn dann das Buch in den Läden steht und du, sagen wir es mal ganz salopp, “Blödsinn verzapft hast”, dann kann es unter Umständen peinlich für dich werden. Mit der Website zum Buch, die man auf jeden Fall haben sollte, kann man lediglich Schadensbegrenzung betreiben.

5) Hat es sich finanziell gelohnt Bücher zu schreiben oder geht es mehr um Image/Bekanntheit?

Direkt hat es sich nicht gelohnt. Sicher, man bekommt Geld, wenn sich die Bücher verkaufen, aber wenn man die Zeit und die Mühe dazu in Relation setzt, dann bin ich der Meinung das es sich eher lohnt im Cafe um die Ecke nebenher Kelnern zu gehen als IT-Fachbücher zu schreiben… vorausgesetzt, man denkt ausschließlich nur an die direkten Einnahmen.

Ich gebe dir ein Beispiel. Nehmen wir mal an du schreibst ein Buch, was im Handel rund 30 Euro kostet. Der Verlag “bekommt” ca. die Hälfte des Preises, der Rest geht u. a. als Steuer oder als Rabatt weg.

Der Autor bekommt in der Regel 8-12% von der Hälfte des Buchpreises. Damit wir leichter rechnen können, tun wir so als ob der Autor 10% bekommen würde. Also 10% von 30 Euro geteilt durch 2 = 1,50 pro verkauftem Buch. Und die meisten IT-Bücher in Deutschland haben, nach meinen Informationen, eine Auflage die die Zahl von 2.000-2.500 nicht überschreitet.

Verkauft sich das Beispiel-Buch bombig, dann verdient der Autor in unserem Beispiel etwa 3.000 bis 3.750 Euro. Für eine Arbeit, die sich über 3-6 Monate hinziehen kann. Verkauft sich das Buch dagegen nur gut oder solide, dann ist der Verdienst entsprechend weniger. Und nicht zu vergessen: das Einkommen muss versteuert werden.

Dennoch habe ich die Bücher gerne geschrieben und wenn ich vor der Wahl stehen könnte, die Zeit zurückdrehen zu können, ich würde es genau so tun. Warum? Zum einen macht es Spaß Bücher zu schreiben, auch wenn man während des Prozesses des Öfteren schwitzt und heftig flucht. Es ist ein ganz wunderschönes Gefühl, wenn du dann eigenes Buch in den Händen hältst.

Gut, das ist Futter für die Seele. Aber wenn man Fachbücher schreibt, dann kann sich das indirekt auch finanziell lohnen. Jetzt mal ehrlich. Nehmen wir mal an du hast die Wahl zwischen zwei Steuerberatern. Beide haben die gleiche Qualifikation, identische Preise etc. Einer von denen hat allerdings zwei Bücher zum Thema “Steuerrecht in Deutschland” geschrieben. Wenn würdest du nehmen?

Wenn du Fachbücher schreibst, dann ist es auf jeden Fall gut für den Image und für den Lebenslauf, speziell für Quereinsteiger. Du steigerst deinen Wert, hast eine gute Referenz und erreichst unter Umständen auch Leute, die deine Website oder Weblog nicht kennen. Mit ein bisschen Glück kommst du so an neue Aufträge als Selbständiger oder du bekommst auch evtl. ein Jobangebot.

Es gibt allerdings auch wenige Ausnahmen, wo sich das Verfassen der IT-Fachbücher auch in direkter Linie finanziell lohnt. Speziell wenn sich das Buch an die breite Masse wendet und schon in die x-te Auflage geht oder sogar in andere Sprachen übersetzt wird. Aber das sind die Ausnahmen, die bekannter Weise die Regel bestätigen.

Übrigens: der Autor von Fachbüchern bekommt für jeden Titel, was sich öfter als 100 Mal verkauft hat, von der VG Wort pauschal 350 Euro Tantiemen. Siehe auch meinen Blog-Beitrag zu diesem Thema.

6) Wie hast du die Recherche für die Bücher vorgenommen und inwieweit unterscheidet sich diese von der Recherche für Blog-Posts?

Vom Prinzip her unterscheidet sich die Recherche für meine Blog-Beiträge und für die Bücher nicht. Sie ist lediglich etwas ausgedehnter. Aber ich greife auch bei Büchern auf die üblichen verdächtigen zurück: andere Bücher, Foren, Newsgroups, Gespräche mit Kollegen und natürlich Suchmaschinen und andere Websites.


7) Fachbuch schreiben und Bloggen. Wie groß ist die Gefahr des kreativen Burnouts?

Sehr groß. Ich merke es jetzt auch schon wieder ein bisschen, obwohl ich einiges an Erfahrung habe. Wenn du über einen längeren Zeitraum sehr viel zu tun hast und auch recht angespannt bist und dann eine große Last weg fällt, dann stehst du erstmal leicht “orientierungslos” dar und denkst die ganze Zeit “Mensch, ich hatte doch noch etwas zu tun”. Irgendwie braucht sowohl der Körper, wie der Geist ein paar Tage bis man sich daran gewöhnt und wieder tritt gefasst hat.

Es hilft auf jeden Fall, dass man sich vorher aufschreibt, was man nach der Abgabe des Manuskriptes gerne tun möchte. Mir hilft das Zocken (am PC spielen). Ich gönne mir nach der Abgabe des Buches ein paar ausgedehntere Abende, wo ich dann dem PC-Spiel fröne. Es wirkt auf mein Hrin ein bisschen wie das Defragmentieren der Festplatte. :-)


8 ) Wie hast du deine Bücher vermarktet?

Ich habe das Glück, dass ich bis jetzt alle meine Bücher bei Verlagen veröffentlichen durfte, so dass ich davon ausgehe, dass die Verlage den Großteil dieser Aufgabe geschultert haben.

Dennoch habe ich auch selbst “Hand angelegt”. Ich habe Rezensionsexemplare verschickt, im eigenen Weblog über das Buch berichtet, im eigenen Weblog Gewinnspiele veranstaltet und natürlich auf anderen Weblogs Gewinnspiele die Bücher zur Verfügung gestellt. :-) Darüber hinaushabe ich bei meinem zweiten WordPress-Buch eine Website zum Buch erstellt.


9) Welche Tipps hast du für einen Blogger oder Selbständigen, der gern ein Buch veröffentlichen möchte?

Tue es einfach. Mache dir Gedanken und rede auch ruhig mit Personen denen du vertrauen kannst: Lebenspartner, Freunde, Verwandte etc. Auch wenn Sie nicht vom Fach sind, was manchmal auch ein Vorteil sein kann, können die Gesprächspartner dennoch kritische Fragen aufwerfen und dir somit helfen deine Idee zu verfeinern.

Ich bin heilfroh, dass meine Ehefrau auch bloggt und von der ganzen Materie recht viel Ahnung hat, so dass ich bei Gesprächen nicht immer bei “Adam und Eva” anfangen muss. Dennoch hat Sie sich, dadurch dass Sie nicht zu tief bzw. nicht zu professionell in der “Materie” hängt, den kritischen, distanzierten Blick auf die Dinge bewahrt. Das hilft um eine Idee kritisch zu durchleuchten.

Dann einfach die Idee verfeinern, ein Inhaltsverzeichnis ausarbeiten und damit die Verlage ansprechen. Bekommt man von den bekannten Verlagen Absagen, dann würde ich es bei kleineren versuchen. Bekommt man auch von denen absagen, dann würde ich nicht aufgeben. Ich würde mich einfach bei “Books on Demand” oder “Lulu” umschauen und das Buch in Eigenregie veröffentlichen. Mittlerweile bekommt man bei BoD für nur 40 Euro ein interessantes Angebot: eine ISBN und den Anschluss an den Buchhandel.

Ich habe selbst einige interessante Ideen für Bücher, die ich gerne realisieren würde. Findet sich dafür kein Verlag, dann werde ich es auf jeden Fall bei einen der beiden o. g. Adressen versuchen.


Danke für deine Antworten.

Vladimir hat in diesem Interview einige sehr interessante Einblicke gewährt. So ist es sicher für jeden angehenden Buchautor interessant, die durchschnittlichen Auflagen von IT-Fachbüchern zu sehen. Und das dann von dem Buchpreis nicht viel für den Autor übrig bleibt, ist auch klar.

Doch die positiven Effekte scheinen ja zu überwiegen. Mal abgesehen davon, dass es richtig süchtig machen kann zu schreiben und man deshalb davon gar nicht lassen kann, bringt es immer noch ein gewisses Ansehen, wenn man ein Buch veröffentlicht hat.

Es macht bei den meisten Menschen deutlich mehr Eindruck, wenn man ein Buch vorzeigen kann, als wenn man seine drei eBooks oder seinen Blog auf dem Computer vorführt.

Und das Beispiel mit den Steuerberatern kann ich sehr gut nachvollziehen. Dieser zusätzliche “Experten”-Effekt durch eigene Bücher kann sich sehr positiv auf die eigene Selbständigkeit auswirken.

Morgen erscheint hier ein weiteres Interview zu diesem Thema, bevor ich nochmal einen genaueren Blick auf das Schreiben von Fachbüchern werfe.



weiterführende Artikel zu diesem Thema
  1. Interview – Christian Strang – webdesignblog.de
  2. Interview – Gerald Schönbucher – hitflip.de
  3. Gewinner des Ostergewinnspiels
  4. Interview – Frank Bueltge – bueltge.de
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Kommentare

10 Kommentare und Trackbacks zu ' Ein Fachbuch schreiben – Interview mit Vladimir Simovic '

Kommentare zu 'Ein Fachbuch schreiben – Interview mit Vladimir Simovic' mit RSS

  1. 1 Sebastian kommentierte am 01.04.2008 um 09:15 Uhr

    Ich teile Peruns Sicht voll und ganz. Ich habe bereits auch ein Buch veröffentlicht. Da hatte zwar kein IT-Thema, aber ich bin ähnlich vorgegangen. Dieses Buch hatte ich bei dem von Perun angesprochenen Books on Demand (bod.de) veröffentlicht. Es hatte einen regionalen Bezug mit kleiner Zielgruppe (Liebhaberprojekt). Das war damals noch ziemlich teuer (rund 400 Euro). Die Kosten habe ich nicht raus bekommen. Aber auch ich kann bestätigen, dass man sich dadurch Referenzen aufbaut. So wurde ich danach einige Male gefragt, ob ich nicht einen Artikel zu ähnlichen Themen für regionale Publikationen schreiben wolle.

    Von Books on Demand war ich damals begeistert. Der Service stimmt einfach und man kann seine Marge selbst festlegen, was auch seine Vorteile hat. Natürlich erhöht sich auch der Ladenpreis dementsprechend. Auf BoD.de gibt es dazu einen sehr schönen Preiskalkulator.

    Ich habe auch einige Projekte im Hinterkopf zu IT-Themen. Bei dem Preis kann man da nichts verkehrt machen. :grin:

  2. 2 MöchteSchreiberling kommentierte am 01.04.2008 um 13:26 Uhr

    hab auch schon öfters gedacht ein Buch zu schreiben.
    aber mal angenommen ich würde alles selber produzieren, wie komme ich an die isbn-nummer und den Asnschluss an den Buchhandel?

  3. 3 Peer Wandiger kommentierte am 01.04.2008 um 13:34 Uhr

    Das Paket nennt sich BoD Classic und kostet 39,- Euro.
    Man liefert das fertige Buch (auch vom Layout) bei BoD ab und dann erhält man eine ISBN-Nummer. Zudem wird das Buch in über 1.000 Online-Shops eingebunden und ist auch im Buchbestellsystem des Buchhandels gelistet.

    Nur für die richtige Vermarktung muss man dann selbst noch sorgen.

  4. 4 MöchteSchreiberling kommentierte am 01.04.2008 um 13:41 Uhr

    ich meinte ja wenn ich es selber drucken lasse, quasi als eignener mini-verlag

  5. 5 Peer Wandiger kommentierte am 01.04.2008 um 13:49 Uhr

    Da kann ich keine genauen Aussagen zu treffen. Allerdings wird man da immer ein bestimmte Anzahl Bücher drucken lassen müssen, was natürlich bedeutet, dass man relativ viel Geld vorstrecken muss.

    Am besten mal die ein oder andere lokale Druckerei fragen.

  6. 6 MöchteSchreiberling kommentierte am 01.04.2008 um 13:59 Uhr

    das Drucken wäre eben nicht das Problem. ich habe im Moment einen sehr guten Kontakt zu einer Druckerei die so günstig Bücher druckt, dass ich mir schon überlegt habe nur deshalb schon was zu schreiben. allderdings hab ich noch keine Ahnung wie das Buch dann am besten vertreiben könnte

  7. 7 blogfeuer kommentierte am 01.04.2008 um 15:46 Uhr

    Reputations-Author/Blogger :razz: mit Spass an der Arbeit. Das gefällt :)

    Ich hab übrigens auch eins seiner Bücher, was ich auch Einsteigern empfehlen kann.

    Schöner Artikel. Besonders, wie Bücher / Artikel recherchiert werden. Das erinnert mich auch daran, wenn ich längere Beiträge schreibe.

  8. 8 Sascha kommentierte am 01.04.2008 um 19:55 Uhr

    Freue mich auf sein kommendes Buch. Bin gespannt ob es die Qualität der WordPress Bücher halten kann.

    Danke für das Interview, bietet einige interessante Einblicke.

    Sollte mich selber auch mal an das Schreiben machen. Steht noch auf meiner ToDo vor meinem 60 Lebensjahr ;-)

  9. 9 Perun kommentierte am 02.04.2008 um 14:28 Uhr

    Hallo Peer,

    bitteschön und gern gemacht! Ich habe zwar ein Pingback geschickt, ich vermute mal aber das Akismet es sich gekrallt hat.

    Sascha,

    ich hoffe das Buch kann deinen Ansprüchen Stand halten, bin aber recht zuversichtlich.

  10. 10 Webstandard-Team kommentierte am 15.04.2008 um 15:28 Uhr

    Den Artikel bzw. das Interview hätte ich mal vor ein paar Monaten benötigt ;o)



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Sehr schön, der Gastartikel kommt für mich gerade zur richigen Zeit:wink:
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