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Wenn Blogger Bücher schreiben – Interview mit Frank Bueltge
- 10 Kommentare - Peer Wandiger | Interviews, Selbständig



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Heute nun das zweite Interview zum Thema “Bücher schreiben”. Frank Bueltge hat bisher zwar “nur” ein WordPress-Buch geschrieben, das zweite ist aber bereits bald erhältlich.

Frank betreibt einen sehr interessanten Blog, den jeder WordPress-Blogger, der auch mal gern an seinem Blog herumschraubt, kennen sollte. Ich habe auch ihn dazu befragt, wie er zum Bücher schreiben gekommen ist und wie genau das abgelaufen ist.

1) Stelle doch bitte dich und deinen Blog kurz vor.


Mein Name ist Frank Bültge und mein Blog ist unter bueltge.de zu finden, ganz einfach und schlicht mein Nachnahme. Ich betreibe das Blog in meiner Freizeit neben etlichen anderen Aktivitäten und habe es seit dem ersten Kommentar lieb gewonnen. Daher kommt auch in der Regel die Motivation weiter zu machen und neue Ideen, die ich immer wieder gern versuche, zu beschreiben und zu veröffentlichen.

Demzufolge liegt der Schwerpunkt meines Blog auch im Bereich Tutorials, Tipps und Tricks zu Webdesign bzw. Webdevelopment. In erster Linie arbeite ich mit der Plattform WordPress. Dabei begeistert mich die Flexibilität von WordPress und daher spiele und entwickle ich immer wieder für und im System. Die Artikel meines Blogs sind dann in der Regel solche Lösungen und Erfahrungen.

2) Du hast ja auch schon das ein oder andere Buch geschrieben. Wie läuft das ab. Gehst du mit der Idee auf Verlage zu oder läuft das umgekehrt?

Ich habe lediglich ein Buch geschrieben: WordPress. Weblogs einrichten und administrieren*

Die Idee kam für dieses Werk vom Verlag Open Source Press, der sich auf Grund meines Blog bei mir gemeldet hat. Im übrigen hatte ich ähnliche Angebote von Galileo und O’Reilly. Die Entscheidung habe ich aber nie bereut.

3) Wie schreibst du ein Buch, wie sieht der Prozess aus? Wie viel Zeit hast du dafür gehabt/gebraucht?

Für das Buch hatte ich ca. einen Zeitraum von 6 Wochen, mehr war aus verschiedenen Gründen nicht möglich. Die Vorgaben waren klar und da ich mich mit WordPress recht gut auskenne, war es fast ein reiner Schreibprozess, wenig Ablenkung und Versuche im System waren nötig.

Das Schreiben erfolgt ausschließlich in meiner Freizeit, ich leide also unter Bettflucht und versuche die anderen Hobbys parallel zu betreiben, nicht immer einfach. Geschrieben habe ich in LaTex, was ich im Vorfeld nur von einigen Einblicken kannte. Aber auch diese Form des Schreibens kann ich wärmstens empfehlen; man konzentriert sich mehr auf den Inhalt.

Im zweiten Buch, welches voraussichtlich im Juni/Juli erscheinen soll, ist der Entwicklungsprozess wesentlich länger und ich habe sehr viele Versuche und Möglichkeiten im System WordPress durch gespielt. Außerdem habe ich dieses mal Hilfe – Thomas Boley (wildbits.de).

Wir hoffen und wünschen, dass wir ein Nachschlagewerk für WP bringen können, auf das Laien und Profis während des Entwicklungsprozesses zugreifen und immer wieder nachschlagen können.

4) Was ist der Unterschied zum Blog-Schreiben?

Die Sprache ist ganz klar der Unterschied. Das Buch kommt in der Sie-Form und so sollten sich auch die Kapitel darstellen, klarer und seriöser.

Während man mir den einen oder anderen Fehler im Blog verzeiht, ist das Buch eher nicht so. Hier kommt sofort Kritik. Man erwartet eben etwas für sein Geld. Die Inhalte des Blogs sind frei und Anerkennung erfolgt nur per Kommentar oder Spenden. Mit einem Buch geht man einen Schritt weiter und gibt sich der Welt offener und wird daher auch eher angegriffen.

5) Hat es sich finanziell gelohnt Bücher zu schreiben oder geht es mehr um Image/Bekanntheit?

Man kann davon nicht leben! Aber es ist ein Zubrot und die Frau freut sich über ein schönes Essen ;-)

Ganz klar, ein Buch in diesen Segment/Sparte schreibt man nicht, weil man sich finanziell etwas gutes tun will. Das Verhältnis von Arbeit und Lohn ist nicht gerechtfertigt. Das war aber auch nie mein Ansporn. Ich hatte die Chance und habe sie ergriffen. Ich wollte mein Wissen gern weiter geben und die Faszination WordPress zeigen. Die Möglichkeiten und die Flexibilität sind beispielhaft.

Das Image wird sicher nicht besser, zumindest nicht, wenn der Beruf und die Freunde sich nicht in diesem Bereich aufhalten. In meinem Umfeld, ob beruflich oder der Freundeskreis, wissen die meisten nicht, dass ich einen Blog betreibe und ein Buch geschrieben habe. Die Kontakte zu Lesern sind aufwendig, aber oft interessant. Ebenso erfordert das Pflegen der zugehörigen Webseite Zeit.

Der Ansporn eines Buches sollte also nicht der Verdienst sein, schon gar nicht in so einem sich sehr schnell ändernden Bereich wie das Web bzw. Web-Applikationen. Da empfiehlt sich das Schreiben eines Thrillers oder “Harry Potter” sicher eher ;-) .

6) Wie hast du die Recherche für die Bücher vorgenommen und inwieweit unterscheidet sich diese von der Recherche für Blog-Posts?

In beiden Fällen recherchiere ich gründlich und vielschichtig. Das Thema WordPress ist schon lange ein Steckenpferd von mir und macht mir noch immer Freude, so dass es mir nicht schwer fällt, auf dem Laufenden zu bleiben und die nötige Zeit und Energie zu investieren. Eine gute und gründliche Recherche halte ich in beiden Fällen für wichtig und das schafft Vertrauen gegenüber den Lesern.


7) Fachbuch schreiben und Bloggen. Wie groß ist die Gefahr des kreativen Burnouts?

Schwer zu sagen, aber aktuell ist es immer noch so, dass ich alle meine Ideen nicht umsetzen, geschweige denn veröffentlichen kann, leider. Ähnlich geht es mir in anderen Bereichen meines Geistes, ich quelle quasi über. Das hat leider den Nachteil, dass ich wenig oder schlecht schlafe und mit Ideen aufwache und diese notieren muss. Zusätzlich bringt es mich aber dazu, dass ich mir neue Themen aneigne, um die Ideen umzusetzen und das nötige Wissen zu erlernen. Gleichzeitig sind das aber Punkte, die mich antreiben und immer wieder in neue Bereiche führen und das Leben somit verschönern.


8 ) Wie hast du deine Bücher vermarktet?

Darum kümmert sich der Verlag. Ich habe es genossen, dass ich mich lediglich um den Inhalt kümmern muss; das Layout, Vermarktung, Seitenanzahl etc. wird vom Lektor und dem Team des Verlages arrangiert und kontrolliert.


9) Welche Tipps hast du für einen Blogger oder Selbständigen, der gern ein Buch veröffentlichen möchte?

Schwierig, denn auf mich kam der Verlag zu. Aber aus Gesprächen mit Kollegen und Anfragen beim Verlag kann ich nur sagen, so wie es in vielen Bereichen ist: Entscheidend ist die Leidenschaft es zu tun. Hat man eine Idee und besser, eine Inhaltsübersicht und einige Probeseiten, so empfiehlt sich das direkte Anfragen per Mail bei dem einen oder anderen Verlag.

Alternativ kann man das Buch auch selbst verlegen, das Internet bietet eine ganze Reihe von Möglichkeiten und Peter Müller hat mit “Little Boxes” (die Urfassung) gezeigt, dass das geht.


Danke für deine interessanten Antworten.

Auch Frank liefert einige interessante Einblicke. Dass Verlage aktiv auch auf Blogger zugehen finde ich sehr interessant. Aber auch da muss natürlich schon ein gewisser Expertenstatus vorhanden sein. Wer Franks Blog kennt, der weiß, dass Frank wirklich Ahnung von WordPress hat.

Aber auch er bestätigt, dass man von Büchern in diesem Markt nicht leben kann. Es ist ein Zubrot, welches aber sicher den ein oder anderen Vorteil hat. Es sieht im Blog oder auch im Lebenslauf einfach gut aus, wenn dort das eigene Buch vorgestellt wird.
Und auch die Kontakte, die man durch ein Buch knüpfen kann, schaden langfristig sicher nicht.

Ich versuche noch 1-2 Interviews mit Verlagen zu führen, um auch mal die andere Seite der Medaille zu betrachten.



weiterführende Artikel zu diesem Thema
  1. Interview – Frank Bueltge – bueltge.de
  2. Ein Fachbuch schreiben – Interview mit Vladimir Simovic
  3. WordPress 2.5 ist da, wenn auch nur als Testversion
  4. Interview – Christian Strang – webdesignblog.de
  5. Was tun, wenn Ihre Website stagniert
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Kommentare

10 Kommentare und Trackbacks zu ' Wenn Blogger Bücher schreiben – Interview mit Frank Bueltge '

Kommentare zu 'Wenn Blogger Bücher schreiben – Interview mit Frank Bueltge' mit RSS

  1. 1 Julian kommentierte am 02.04.2008 um 08:53 Uhr

    Ich denke, dass es sich finanziell allein deswegen nicht lohnt, weil das Buch in 3 Jahren spätestens veraltet ist (leider).

  2. 2 Frank kommentierte am 02.04.2008 um 09:05 Uhr

    Gern geschehen. Ich hoffe, dass die Ausführungen ausreichen und danke ebenfalls.

    @Julian: da hast du sicher recht, auch wenn sich in den grundlegenden Punkten bei WP wenig ändert. Allerdings ist so ein Sprung wie v2.5 schon schwierig in einem Buch zu händeln. Gerade Einsteiger orientieren sich an Screenshots, die ich möglichst gering halte, einerseits aus Platzgründen und andererseits aus Versionsgründen und möglicher Unabhängigkeit vom Design, was ja in WP 2.5 leichter beeinflussbar ist.

  3. 3 Tony kommentierte am 02.04.2008 um 10:51 Uhr

    naja mir kommts jetzt eher so vor als möchte jeder der schon länger wie 1,5 jahre einen blog besitzt nun noch mehr geld aus der ganzen geschichte schöpfen in dem ein buch geschrieben wird.

  4. 4 Frank kommentierte am 02.04.2008 um 12:43 Uhr

    @Tony: so ist es auf meiner Seite nicht, dazu ist die Arbeit zu groß für die Vergütung. Für das Image ist es vielleicht anders, ein Buch mit dem eigenen Namen ist schon toll, auch wenn das nach wenigen Tagen abklingt und es eh nur Insider wissen. Alle “Nichtblogger” bekommen das nicht mal mit.

  5. 5 Peer Wandiger kommentierte am 02.04.2008 um 13:50 Uhr

    Es kommt ja auch auf die Image-Ziele an, die man hat.
    Will man sich ein einer bestimmten Branche einen Namen machen, reicht es ja, wenn diese Insider von dem Buch wissen.

  6. 6 Perun kommentierte am 02.04.2008 um 14:26 Uhr

    @Tony,

    noch mehr geld aus der ganzen geschichte schöpfen

    setze dich 3-6 Monate hin, schreibe 200-350 Seiten, bekomme wenn du Pech hast keine 1000 Euro und dann unterhalten wir uns noch einmal über “mehr Geld schöpfen”.

  7. 7 Tina kommentierte am 02.04.2008 um 20:21 Uhr

    Ein interessantes Interview.
    Es braucht keiner denken, dass man mit einem solchen Segment-Buch das große Geld verdient. Dafür ist die Auflagenzahl einfach viel zu gering. Mehr als ein Zubrot kann es nicht sein. Aber das ist dann auch völlig okay, denn es steckt dennoch eine Menge Arbeit hinter jeder umfangreicheren Publikation. Die Leser eines solchen Buches haben sicherlich mehr inhaltlichen Gewinn als der Autor im monetären Bereich.
    Frank zeichnet sich aber auch dadurch aus, dass er stets ansprechbar ist, wenn selbst blutige Anfänger um seine Hilfe bitten (ich weiß das ganz genau…).
    Und das genau ist der Unterschied, wenn ein aktiver Blogger ein Buch schreibt (im Vergleich zu den Theoretikern). Er ist Praktiker, teilt sein Wissen dann auch ausführlicher in Buchform mit. Stellt sich aber auch weiterhin spontan im Blog als kompetenter Ansprechpartner für individuelle Fragen zur Verfügung.
    Ein Gewinn in jeglicher Hinsicht, wie ich finde.

  8. 8 Frank kommentierte am 03.04.2008 um 15:19 Uhr

    @Tina: vielen Dank für die Blumen!

  9. 9 Ilja kommentierte am 16.04.2008 um 17:27 Uhr

    ich kann die entscheidungen der autoren nur vollstens unterstützen… solche bücher bieten allemal einen rießen mehrwert für die bloggerszene, weiter so!

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