
Heute habe ich mal wieder ein interessantes Interview fĂŒr euch.
Paul Herwarth von der Freizeit-Community new-in-town hat sich meinen Fragen gestellt und ein paar sehr interessante Einblicke in den Start und das Erfolgsgeheimnis einer Online-Community gegeben.
Viel SpaĂ beim Lesen.
1. Bitte stellen Sie sich und ihre Community “www.new-in-town.de” meinen Lesern vor.
new-in-town ist eine Online-Community fĂŒr Offline-AktivitĂ€ten, die seit 1998 online ist.
Ăber unsere Seite verabreden sich Leute aus ganz Deutschland, Ăsterreich und der Schweiz zu Freizeit- und Sportveranstaltungen in ihrer Umgebung.
Betrieben wird new-in-town von der Wiesbadener Full-Service-Internetagentur //SEIBERT/MEDIA, die bereits seit 1996 besteht. Ich selbst bin seit Anfang 2008 in der GeschĂ€ftsfĂŒhrung von new-in-town.
2. An wen richtet sich “www.new-in-town.de”? Wer ist die Zielgruppe?
new-in-town richtet sich in erster Linie an Leute, die neu in eine Stadt gezogen sind und sich einen neuen Freundeskreis aufbauen möchten.
DafĂŒr bieten wir zwei Wege an. Zum Einen kann man sich ĂŒber unsere “Freundesuche” selbst aktiv auf die Suche begeben und User suchen, die aus der selben Stadt kommen und die gleichen Interessen teilen.

So kann man sich Vanessa vorstellen, die 35 Jahre alt ist, neu nach Köln gezogen ist und gerne Badminton spielt.
Sie kann nun ĂŒber unsere Suche Leute finden, die dieses Hobby teilen und eine Ă€hnliche SpielstĂ€rke haben wie sie. Zu jedem “Interesse” können die User nĂ€mlich noch zwei Angaben machen, “Können” und “HĂ€ufigkeit”.
Wenn Vanessa nun nĂ€mlich dreimal die Woche spielen möchte, wird sie jemanden suchen, der ebenfalls hĂ€ufiger spielen möchte. “Können” und “HĂ€ufigkeit” werden ĂŒber eine 5er-Skala dargestellt. Die passendsten User kann Vanessa dann anschreiben und ein Treffen im Badminton-Center vorschlagen.
Die Zweite Möglichkeit ist, dass Vanessa auf der Pinnwand von new-in-town vorbeischaut. Dort ist eine Mischung von EintrĂ€gen zu finden, wie sie breiter kaum sein könnte. Von A wie Aerobic bis Z wie Zoobesuche findet sich da alles, was man sich so vorstellen kann. Auch haben sich lokale Stammtische herausgebildet oder es wird Begleitung fĂŒr öffentliche Events gesucht.
Unsere Kern-Zielgruppe ist etwa zwischen 30 und 45 Jahre alt und hat einen gehobenen Bildungsstand. In einer Umfrage, die wir mit unseren Usern im Sommer diesen Jahres durchgefĂŒhrt haben, gaben ĂŒber 50 Prozent an, einen Fachhochschul- oder Hochschulabschluss zu haben.
Die Umfrage wurde im Rahmen der Magisterarbeit eines Mitarbeiters von uns durchgefĂŒhrt und auch Dank eines Preises vom Online-Kaffeeröster Sonntagmorgen.com gab es ĂŒber 3.000 User/innen, die daran teilgenommen haben.
3. Es gibt im Web ja eine Unzahl von Dating-Sites, auch wenn “www.new-in-town.de” keine klassische Dating-Site ist. Wie sind Sie auf die Idee zu “www.new-in-town.de” gekommen?
Die Idee stammt aus dem Jahr 1998. Ein IT-Berater wollte in fremden StĂ€dten den passenden Tennispartner finden, um nicht jeden Abend an der Hotelbar zu sitzen. Klassische Dating-Seiten helfen da natĂŒrlich nicht weiter.
Es sollte eine Möglichkeit geschaffen werden, nette Freizeitpartner zu finden. Die gab es so zu der Zeit online nicht. Daraus ist new-in-town entstanden und diese Idee treibt uns auch heute noch an.
4. Das Projekt ist ja schon sehr lange am Markt. Wie verlief der Start von “www.new-in-town.de” und wie wurde der Service bekannt gemacht? Welche VermarktungsmaĂnahmen waren besonders effektiv?
Zum Start wurden viele lokale Veranstaltungen durchgefĂŒhrt. Das fĂŒhrte zunĂ€chst zu einem starken regional ausgerichteten Userbestand.
Es ist auch wichtig, im lokalen Umfeld eine Art Best-Practice zu schaffen. Eine Basis, von der aus man wachsen kann. Wenn das Konzept nicht einmal im eigenen Umfeld Bestand hat, wird ein weiteres Wachstum ĂŒber die Region hinaus sehr schwierig werden.
Nach und nach, zu weiten Teilen ĂŒber Mund-zu-Mund-Propaganda, wurde der Userbestand dann auch ĂŒber die Region hinaus gröĂer. Mittlerweile ist Berlin unsere aktivste Stadt, gefolgt von Frankfurt, Hamburg, MĂŒnchen und Köln.
5. Was unterscheidet Ihre Website von der Konkurrenz?
Wir unterscheiden uns durch eine klare Distanzierung von den Dating-Seiten. Der relevante Auszug aus unseren Nutzungsregeln bringt es auf den Punkt:
“new-in-town ist keine Online-Partner-Vermittlung fĂŒr One-Night-Stands oder sonstige erotische Erlebnisse. Es ist im eigentlichen Sinne auch nicht primĂ€res Ziel von new-in-town LebensabschnittsgefĂ€hrtInnen zu vermitteln. (Seriöse Kontakte und Events mit Sport- und FreizeitpartnerInnen sind der Fokus.) Die NutzerInnen von new-in-town wĂŒnschen keine derartigen Anfragen oder Konfrontationen. Aufdringliches und unziemliches Verhalten, dass gemeinhin “baggern” genannt wird, kann zum Ausschluss und zur Sperrung fĂŒhren.”
Das mit dem Ausschluss ist durchaus ernst gemeint. Aufdringliche User werden von unseren Usern an uns gemeldet und verwarnt. Bei wiederholter AuffÀlligkeit werden die User dann gesperrt. Das danken uns vor allem unsere weiblichen User.
Der Anteil von Frauen an unserer Community wĂ€chst ĂŒber die letzten Jahre kontinuierlich und liegt mittlerweile bei 51,3 Prozent. Wir gehen davon aus, dass dieser Trend anhalten wird.
Wir freuen uns natĂŒrlich auch, wenn wir Mails von Usern bekommen, die sich ĂŒber uns gefunden haben. Es gab auch schon Hochzeiten, die sich ĂŒber new-in-town ergeben haben. Das ist aber nicht unser Fokus, sondern eine schöne “Nebenwirkung”.
Weiterer wichtiger Punkt fĂŒr new-in-town ist der schlanke Aufbau und einfache Nutzbarkeit. Nicht eine Masse an FunktionalitĂ€ten zĂ€hlt, sondern deren EffektivitĂ€t. Wichtig ist uns auch, dass wir nicht als “Freunde-Sammel-Portal” fungieren, sondern auf echte Bekanntschaften setzen. Letztlich zĂ€hlt fĂŒr uns der Kontakt zwischen den Usern in der Offline-Welt.
Eine weitere Besonderheit ist, dass es bei new-in-town keine Bilder in den Profilen gibt. Das fĂŒhrt dazu, dass unsere User primĂ€r den Menschen mit seinen Interessen wahrnehmen und nicht sein Aussehen. Das unterstĂŒtzt letztlich auch, dass wir als Sport- und Freizeitpartner- und nicht als Partnerbörse wahrgenommen werden.
6. Sie sind in einem sehr umkÀmpften Themenbereich tÀtig? Was haben Sie daraus gelernt und welche Tipps können Sie neuen Projekten geben, die ebenfalls in Themenbereichen aktiv werden wollen, die sehr umkÀmpft sind?
Fokussierung ist elementar. LÀngerfristig können sich nur Communities halten, die ein klares Ziel verfolgen.
Wir bezeichnen uns daher auch als “Hilfsmittel”. Eine Community, die kein wirkliches “Hilfsmittel” ist, wird sich auch lĂ€ngerfristig nicht halten können.
Dion Hinchcliffe stellte auf der diesjĂ€hrigen Web 2.0-Expo in Berlin die zentrale Frage: “Wo ist der Wert, der geschaffen wird?“.
Diese Frage sollte sich jedes Community-Management regelmĂ€Ăig stellen. Wer darauf keine Antwort geben kann, hat schon verloren.
7. Wie wichtig ist das Web 2.0 in einer “Dating”-Community?
In unserem Falle ist User Generated Content extrem wichtig. Unsere Pinnwand ist das HerzstĂŒck von new-in-town. Diese basiert rein auf User Generated Content.
Was jedoch nicht zu new-in-town passen wĂŒrde, wĂ€re die Ăberladung mit zahlreichen Features, nur weil andere diese auch bieten. Wir werden daher sehr selektiv bei weiteren Funktionen vorgehen.
8. Können Sie mir ein paar statistische Eckdaten fĂŒr den heutigen Stand von “www.new-in-town.de” verraten?
Wir haben eine knappe Viertelmillion User aus ganz Deutschland, Ăsterreich und der Schweiz. Unsere Top-Stadt ist Berlin, gefolgt von den anderen deutschen GroĂstĂ€dten. 51,3 Prozent unserer User sind weiblich, 48.7 Prozent mĂ€nnlich.
Die meisten unserer User interessieren sich fĂŒr “Talk / Treffen”, z.B. also fĂŒr Treffen auf einen Kaffee. Ebenso ein extrem hĂ€ufiges Interesse ist Kino.
Unsere Community erzielt im Schnitt etwa 3 Millionen PageImpressions pro Monat.
9. Was ist das GeschĂ€ftsmodell hinter Ihrem Projekt? Auf welche Art “verdienen” Sie etwas?

new-in-town finanziert sich ĂŒber Werbung und ĂŒber Eventveranstaltungen.
Neben klassischer Banner- und Newsletterwerbung haben wir eine eigene Werbeform: Unsere Pinnwandanzeigen. Neben den User-BeitrÀgen auf der Pinnwand werden kleine Werbeblöcke eingebunden, die aus Text und Bild bestehen und in verschiedene Kategorien unterteilt sind.

Besonders hĂ€ufig werden Anzeigen in den Bereichen “Event” und “Shopping” geschaltet. Die Anzeigenschaltung lĂ€uft dabei komplett automatisiert. DarĂŒber hinaus reagieren wir flexibel auf Anfragen von Werbetreibenden und bieten unter anderem auch Content-Integration an.
Im Event-Bereich gibt es von uns durchgefĂŒhrte User-Treffen sowie Events von externen Anbietern. Das ist eine Alternative zu den von unseren Usern selbst durchgefĂŒhrten Events.
10. Wie sieht die Zukunft von “www.new-in-town.de” aus? Was erwartet uns da in Zukunft?
Wir werden unseren Funktionsumfang nach und nach ausbauen, wobei wir darauf bedacht sein werden, dass die neuen Funktionen unserem Ziel, neue Freunde zu finden, gerecht werden mĂŒssen.
11. Ihr ultimativer Tipp zur User-Gewinnung in Online-Communites?
FĂŒr uns sind die Weiterempfehlungen durch unsere User mit Abstand der gröĂte Treiber fĂŒr Neuanmeldungen.
Dazu gilt es, den Usern einen wirklichen Mehrwert zu liefern, so wie wir das durch neue Bekanntschaften fĂŒr unsere User machen.
Danke fĂŒr diesen ausfĂŒhrlichen Einblick
An diesem Beispiel sieht man sehr schön, warum manche Communities letztendlich funktionieren und andere nicht. Es geht um den wirklich Mehrwert fĂŒr die Nutzer.
Ein kurzfristiger Hype hÀlt meist nicht lange vor. Nur wer auf lange Sicht seinen Usern einen wirklichen Nutzen bieten kann, wird bestehen können.
Dabei muss der Mehrwert fĂŒr einen selber zwar definierbar, aber nicht unbedingt verstĂ€ndlich sein. Ich verstehe z.B. bis heute nicht die Faszination von Facebook und Co.
Aber man sollte nicht immer sich selbst zur Zielgruppe machen. Wenn es genĂŒgend Leute gibt, die einen Nutzen sehen, ist das super.
Sehr interessant fand ich auch den Start des Projektes. Man ist erstmal regional in einer Stadt gestartet und hat das Einzugsgebiet dann nach und nach ausgebaut. So wĂ€chst man natĂŒrlich und bindet User an sich, die wirklich auch das Portal nutzen.
Zu guter letzt sollte man sich eine Nische suchen. Statt ein weiteres Dating-Portal zu bauen, hat man sich fĂŒr eine andere Nische entschieden und ist damit anscheinend erfolgreich.
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Mein Name ist Peer Wandiger und ich bin selbständiger Webdesigner, Programmierer und Blogger.









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Interessantes Interview. Die Idee finde ich super. Gerade in einer Zeit, wo MobilitÀt sehr wichtig ist, ist so ein Portal ein gute Chance in seinem neuen Wohnort Anschluss zu finden.
Die url könnte man sprachlich aber noch immens optimieren. Das Interview ist recht interessant soweit, aber nichts was man (ich) nicht schon geahnt hÀtte.
Aus eigener Erfahrung kann ich nur bestĂ€tigen, dass die Fokussierung von new-in-town auf Sport- und Freizeit Interessen wirklich interessante Kontakte ermöglicht. Und auch die Idee, keine Profilbilder zuzulassen, halte ich fĂŒr wirklich wegweisend, weil es vielen Menschen, die ggf. sonst “ausgemustert” wĂŒrden ermöglicht, neue Leute kennen zu lernen.
Und was Paul galant verschweigt – wenn zwei Menschen sich aufgrund eines gemeinsamen Interesses kontaktieren und kennen lernen, wĂ€chst daraus viel eher eine Freundschaft als bei den ganzen gehypten Portalen.
Das tolle an new-in-town ist eben die Möglichkeit, dann auch tatsĂ€chlich etwas offline mit Menschen zu erleben – ob Basketball spielen oder Jazzkonzerte besuchen.
Sehr schönes Interview. Hat mich inspiriert. Weiter so… Zu dem Thema könntest von meiner Seite gern öfter mal was verfassen.
Hallo zusammen, vielen Dank fĂŒr eure positiven RĂŒckmeldungen und auch ein Dankeschön an Peer, der hier wirklich ein super Blog betreibt.
die Idee finde ich klasse…und auch fĂŒr den Aufbau einer Community generell waren sehr hilfreiche Anregungen drin. Super!