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Preissuchmaschinen in Nischen – Interview mit Carsten Ussat
- 13 Kommentare - Peer Wandiger | Interviews, Suchmaschinen, Selbständig



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Heute habe ich mal wieder ein interessantes Interview für euch.

Die seit 2004 bestehende Medikamenten-Suchmaschinen MediPreis.de ist ein gutes Beispiel dafür, wie Preissuchmaschinen das Internet verändert haben.

Doch nicht nur die großen Suchmaschinen haben eine Chance, sondern auch kleine Nischen-Projekte.

Ich konnte mit Herrn Ussat, dem Geschäftsführer der CYBERLINE GmbH (Betreiber von MediPreis.de) ein Interview führen.

1. Bitte stellen Sie sich und ihr Projekt MediPreis.de meinen Lesern vor.

Carsten Ussat
Gerne. Ich bin Carsten Ussat, Diplom-Medienberater und Geschäftsführer der CYBERLINE GmbH in Berlin. Unsere Internet-Agentur beschäftigt sich schon seit unserer Gründung im Jahr 1995 mit Websites und Internet-Projekten in vielfältiger Art. Ging es damals noch um die Erstellung der “Homepage”, die für die meisten Firmen noch neu und erklärungsbedürftig war, so setzen wir heute Websites mit CMS um und realisieren Online-Shops mit unserer eigenen Shop-Software “Cybershop”.

MediPreis.de ist unser erstes Projekt, bei dem wir es direkt mit Endkunden, also dem Internet-User zu tun haben. Das Portal ist eine Preissuchmaschine für Medikamente und eigentlich alle Produkte, die man in einer Apotheke kaufen kann. Wir vergleichen Arzneimittel und Medikamente, für die man kein Rezept braucht, denn diese sind frei verkäuflich und nicht preisgebunden.

2. MediPreis.de besteht schon seit 2004. Warum haben Sie dieses Projekt damals gestartet? Was waren ihre Ziele?

MediPreis
Im Jahr 2004 ist in Deutschland das Versandverbot für apothekenpflichtige Produkte gefallen. Wir hatten damals schon einige Kunden aus dem Apothekenumfeld und daher schon einige Einblicke, wie dieser Markt funktioniert. Durch die ersten Apothekenshops hatten wir uns auch schon mit den Daten der Arzneimittel beschäftigt, da lag es nahe, diese Idee auszuprobieren.

Große Ziele haben wir damals nicht formuliert, wir haben einfach ausprobiert, wie es läuft. Und anscheinend haben wir unseren Job gut gemacht.

3. Wie hat sich diese Medikamenten-Suchmaschine in den letzten vier Jahren verändert?

In den letzten vier Jahren sind über 2.000 Versandlizenzen für deutsche Apotheken erteilt worden, davon sind vielleicht 600 mit einem Apothekenshop online. Allerdings schätze ich, dass lediglich 150 bis 200 Online-Apotheken relevante Umsätze machen. MediPreis.de ist mit diesem Markt mitgewachsen, dadurch haben wir jetzt eine hohe Marktabdeckung, die dem User zugute kommt.

Wir haben schon kurz nach dem Start auf Kooperationen mit Premium-Partnern gesetzt, so betreiben wir seit Ende 2004 bis heute eine sehr erfolgreiche Kooperation mit FOCUS online. MediPreis.de ist mit White-Label-Löungen bei vielen weiteren Partnern eingebunden, diese tragen natürlich zu unseren Erlösen bei und steigern unsere Reichweite jenseits von www.medipreis.de.

Durch den Relaunch vor zwei Monaten haben wir noch einmal grundlegend die Usability verbessert und viele Funktionen neu eingeführt. Ein bisschen Ajax ist nun auch dabei, aber ich finde, dass man das immer sehr sparsam und im Sinne der Usability einsetzen sollte und nicht nur, damit “Web 2.0″ drauf steht.

4. Wie unterscheiden Sie sich von anderen Medikamenten-Suchmaschinen? Was ist Ihr USP?

MediPreis
Zuerst einmal haben wir alle relevanten Online-Apotheken in Deutschland als Partner und können damit wirklich die besten Preise ermitteln.

Es gibt viele kleine Websites, die haben vielleicht 20 oder 30 Apotheken, da sind dann selten die mit dem günstigsten Preis dabei. MediPreis.de hat über 160 Apotheken im Bestand und ist damit einer der größten Anbieter.

Seit unseren Relaunch spielen wir auch in der Usablity in der oberen Liga mit. Im Gegensatz zu anderen fokussieren wir uns ganz klar auf den Preisvergleich: Unser Ziel ist es, dass der User mit möglichst wenigen Klicks zum Erfolg kommt.

Bei circa 10 Millionen hinterlegten Datensätzen kann man die günstigste Apotheke manuell gar nicht herausfinden. Bei Medipreis.de werden daher alle Produkte auf einen virtuellen Einkaufszettel gepackt, dadurch ermittelt das System automatisch den besten Preis für den gesamten Warenkorb.

Ein weiter Vorteil: Wir überprüfen die teilnehmenden Apotheken und gehen auch Beschwerden – zum Beispiel über zu lange Lieferzeiten – nach. Wir haben auch schon in extremen Fällen einzelnen Apotheken gekündigt, denn MediPreis.de steht für Qualität und das bezieht sich auch auf die Qualität der angeschlossenen Versandapotheken.

5. Welche konkrete Vorteile haben die Nutzer von MediPreis.de?

Was mich immer wieder erstaunt: Sehr viele Leute wissen einfach noch nicht, dass man online die gleichen Medikamente wie in der “Apotheke um die Ecke” teilweise bis zu 70% günstiger kaufen kann. Wenn man auf ein Medikament zwei bis drei Tage warten kann, dann ist es schon erheblich, was man mit MediPreis.de sparen kann.

Wenn ich direkt vom Arzt kommt, das Rezept in der Hand, dann gehe ich natürlich in die Apotheke vor Ort.

Wenn ich aber planbaren Bedarf habe, oder Cremes und Kosmetika kaufen möchte, dann kaufe ich online. Gerade heute hat niemand etwas zu verschenken, und es ist schon ein Unterschied, ob ich 85,00 oder 55,00 Euro für das gleiche Produkt bezahle.

6. Wie viele Preissuchmaschinen in einer Nische verträgt der Markt? Wie sehen Sie die zukünftige Entwicklung?

Für spezialisierte Suchmaschinen wird es immer einen Markt geben, der dann für drei bis vier Marktteilnehmer groß genug ist. Wir streben danach, MediPreis.de zu einer führenden Adresse für den Medikamenten-Preisvergleich im Internet zu etablieren, ähnlich mobile.de für Autos oder Immoscout für Immobilien.

Die Entwicklung bei uns hängt aber im besonderen auch mit der politischen und rechtlichen Lage ab: Wenn in Deutschland große Ketten wie Drogerien oder Supermärkte Arzneimittel verkaufen und versenden sollten, kann sich der gesamte Markt wandeln, bzw. wird die Zahl der erfolgreichen Versandapotheken zurückgehen. Dies hätte natürlich auch Auswirkungen auf MediPreis.de.


7. Welche Maßnahmen zur Vermarktung haben Sie durchgeführt? Was hat besonders gut funktioniert und was nicht?

Nicht so gut waren eigentlich alle Arten von Bannern, die wir mal hier, mal da geschaltet haben. Hier ist wohl die Zielgruppenaffinität entscheidend, da hatten wir zu viele Streuverluste.

Wir haben im Bereich SEO sowohl gute als auch schlechte Erfahrungen gesammelt, da kommt es auf den Partner an, da sollte man genau hinschauen bzw. konkrete Ziele und Vergütungen definieren. Zurzeit warten wir auf die Ergebnisse unserer aktuellen SEO-Maßnahme.

Unsere Premium-Partnerschaften haben maßgeblich zu unserem Erfolg beigetragen, diesen Weg werden wir konsequent weiter gehen.


8. Was ist das Geschäftsmodell hinter MediPreis.de? Wie verdienen Sie Geld?

Ähnlich wie AdWords von Google verdienen wir eine Klick-Provision, wenn der User auf das Shop-Logo klickt und zum Online-Shop der Versandapotheke kommt.

Das ist unser Kerngeschäft und deshalb nehmen wir auch (fast) keine Banner oder andere Werbung bei uns auf.

Teilnehmende Apotheken können noch eine kleine Anzeige in der Rubrik “Apotheken” schalten.


9. Ihr wichtigster Tipp für alle, die ein eigenes Webprojekt starten wollen?

Ich glaube, das sind im Wesentlichen vier Punkte:

  • Glaube an Deine Idee und verfolge sie konsequent.
  • Frage Dich immer, was Du noch verbessern kannst, frag andere um Rat, frag Deine User. Mach vor allem Tests mit Leuten, die das Projekt nicht kennen und optimiere dann die Site anhand dieser Ergebnisse.
    Für einen selbst ist alles klar, aber für beim User tauchen dauernd Fragezeichen auf. Der User hat (fast) immer Recht. Schon Kleinigkeiten spielen eine Rolle: Es kann schon sein, dass der Button “suchen” besser ist als “Los!”. Wie verbesserst Du Deine Vermarktung, mit wem kannst du kooperieren, wer hat Reichweite?
  • Mach Dich nie zu abhängig. Damit meine ich: Abhängig von Mitarbeitern, Kunden, Werbekunden, Banken usw. Ein Projekt besteht aus vielen Einzelteilen, aber keines sollte zu “übermächtig” werden.
  • Es kann anstrengend sein, hektisch, chaotisch, aber es sollte immer noch Spaß machen. Denn sonst verlierst Du die Lust daran.


Danke für das Interview Herr Ussat

Preisvergleiche in Nischen ist sicher ein Wachstumsmarkt. Nicht zuletzt auf Grund der derzeitigen Wirtschaftslage.

Als Nischen-Preissuchmaschine muss man sich jedoch spezialisieren. Ich finde die Spezialisierung sieht man MediPreis auf jeden Fall. Bei den Suchergebnissen werden sehr viele Daten präsentiert. Die einzelnen Versandapotheken mit Preis und Versand-Kosten natürlich. Die Produkte mit sehr viele speziellen Infos, die man in “normalen” Preisvergleichen nicht findet.

Das ist auch wichtig, da nicht immer alleine der Produkt-Preis entscheiden sollte.

Zudem bietet MediPreis.de auch noch an, sich kostenlos zu registrieren. Dann kann man Einkaufslisten anlegen, für Medikamente die man immer wieder braucht. Auch einen Newsletter gibt es.

Ich finde diese Suchmaschine wirklich gut gemacht und würde eigentlich nur die AdSense-Anzeige in der rechten Spalte raus nehmen. Diese lenkt den Nutzer ein wenig vom eigentlichen Geschäftsmodell ab.

Alles in allem eine spannende, aber auch nicht ohne Aufwand zu erledigende Sache.

Doch eine gute Website reicht eben nicht. Sie will auch vermarktet werden. Da ist Herr Ussat noch ein wenig auf der Suche. Den einen Königsweg scheint es da nicht zu geben.



weiterführende Artikel zu diesem Thema
  1. eCommerce-Nischen in Deutschland und international – Interview mit Samater Liban
  2. Ein Nischen-Forum macht viel Arbeit – Interview mit Markus Krieg
  3. Interview – Christian Strang – webdesignblog.de
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Kommentare

13 Kommentare und Trackbacks zu ' Preissuchmaschinen in Nischen – Interview mit Carsten Ussat '

Kommentare zu 'Preissuchmaschinen in Nischen – Interview mit Carsten Ussat' mit RSS

  1. 1 Leo kommentierte am 09.12.2008 um 21:17 Uhr

    Bestimmt ein sehr lukratives Geschäftsfeld und interessant stelle ich mir die Arbeit von denen auch vor.

  2. 2 Marten kommentierte am 09.12.2008 um 23:09 Uhr

    Ich finde es gut, dass der (zumindest scheint es so) ehrlich schreibt und nicht nur Marketing-bla-bla. Das Thema Medikamente + Internet war bei mir noch nicht so aufm Schirm, aber die Site ist gut gemacht -> kann man ja mal ausprobieren.

    Marten

  3. 3 FirstDayBlack kommentierte am 09.12.2008 um 23:38 Uhr

    »Doch nicht nur die großen Suchmaschinen haben eine Chance, sondern auch kleine Nischen-Projekte« – Wieso Nischenprojekt? Verschreibungsfreie Arzenimittel sind ja nun alles andre als ein Nischenprodukt. Das braucht sicher jeder Zweite dreimal im Monat. Oder so. Jedenfalls oft. Ein echtes Nischenprojekt ist was anderes.

  4. 4 Medienflackern kommentierte am 10.12.2008 um 07:31 Uhr

    Ich denke schon, dass man es als Nische bezeichnen kann. Es ist doch egal, wie groß diese ist und wie sehr diese gebraucht wird, meiner Meinung nach heißt Nischenprojekt nur, dass man sich auf ein bestimmtes Gebiet spezialisiert, dass nicht so viel beinhaltet.

    Aber ansonsten ein wirklich tolles Interview, hat mir sehr gut gefallen. Weiter so und noch ein paar mehr davon, ich höre immer gerne von Leuten, die schon ein Projekt gut gestartet haben, welches man so noch nicht unbedingt so oft gehört hat. Das steckt einem immer wieder neue Ziele und gibt einem gute Infos!

  5. 5 Chris kommentierte am 10.12.2008 um 08:14 Uhr

    Was die verdienen am Klick??? und nicht am Sale. das kommt mir doch sehr spanisch vor. Kaum einer zahlt doch heute noch Klicks, und wenn dann würde es sich ja wohl am ehesten für die Preissuchmaschine auszahlen, dass man per Sales bezahlt wird.

  6. 6 Whoopster kommentierte am 10.12.2008 um 08:22 Uhr

    Werde das Interview später noch genauer lesen, aber alleine Punkt 9 wäre einen eigenen Artikel wert – das spricht mir aus der Seele, genau so sollte man ein solches Projekt verfolgen.

    Schöne Grüße,
    Sascha

  7. 7 Peer Wandiger kommentierte am 10.12.2008 um 08:36 Uhr

    @ Chris
    auch andere Preissuchmaschinen kassieren pro Klick. Das ist zumindest leichter zu berechnen und wahrscheinlich auch lukrativer. :-)

    Was die Bezeichnung “Nische” betrifft, so kann man sich sicher streiten. Ich definiere eine Nische eher thematisch und weniger von der Größe her.

  8. 8 Meg kommentierte am 10.12.2008 um 09:13 Uhr

    @chris
    per klick macht doch sinn: wie willst du denn überprüfen, welches sales du mit deiner werbung im shop generiert hast? oder glaubst du an die ehrlichkeit von affiliates??? ;)
    er sprach doch von adwords – und google macht ja nicht alles falsch denke ich mal.

  9. 9 FirstDayBlack kommentierte am 10.12.2008 um 10:31 Uhr

    Peer, nach dieser Definition wären also auch die Buchhändler Nischenanbieter?

  10. 10 Peer Wandiger kommentierte am 10.12.2008 um 10:37 Uhr

    Wie schon gesagt, wollte ich mit dem Wörtchen “eher” darauf hindeuten, dass man beides in Betracht ziehen sollte. “Thema” und “Größe”.

    Aber du hast schon recht, ich muss mich mal ausführlich mit der Definition von “Nische” beschäftigen. Die Erkenntnisse werdet ihr hier im Blog zu lesen bekommen. :smile:

  11. 11 Max kommentierte am 10.12.2008 um 19:53 Uhr

    es gibt noch mind. 3 weitere, siehe auch
    http://www.2wid.net/Gesundheit/Produkte-und-Dienstleistungen/Online-Shops/Apotheken/Preisvergleiche/kt7402.php

    u.a. http://www.medvergleich.de

  12. 12 Peer Wandiger kommentierte am 10.12.2008 um 20:17 Uhr

    Keine Frage, es gibt genug Konkurrenz. Hatte ich ja im Interview in Frage 4 und 6 angesprochen.

    Und auch wenn es nicht so aussieht (Beispiel: Google’s Dominanz) ist bei den “Nischen”-Suchmaschinen sicher Platz für mehr als einen Anbieter. Allerdings herrscht auch da ein Verdrängungswettbewerb.

  13. 13 LinsenMeister kommentierte am 07.01.2009 um 11:09 Uhr

    Alle grossen Portale rechnen über den Klickpreis ab. Bei diesem Modell ist man unabhängig vom dahinter liegenden Shop und dessen ConversionRates. Auch wenn z.B. der Warenkorb beim Partner nicht funktioniert oder ähnliches, der Klick zählt, alles andere interessiert den Vergleich nicht.
    Gerade im Medikament-Bereich ist es einfach(er), einen Preisverlgeich aufzumachen, da jedes Medikament über eine eigenstämdige Nummer (PZN oder so ähnlich) verfügt, so etwas gibt es in anderen Bereichen leider nicht…



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