
In letzter Zeit gibt es immer mehr Blogs, die auch Produkte (virtuell oder real) verkaufen.
Ganz aktuell hat der Hasenfarm-Blog von Henning Groß einen eigenen Merchandising-Shop gestartet. Eine interessante und relativ leicht einzubindende Lösung.
Doch damit nicht genug. Das Beispiel Hasenfarm-Shop zeigt auch die Möglichkeiten von Twitter in diesem Zusammenhang auf. Was Twitter mit dem Gewinnspiel von Henning zu tun hat und vieles mehr, erfahrt ihr in diesem Interview.
1. Bitte stell dich und deinen Blog “Hasen-Farm.de” meinen Lesern vor.
Knapp über 30, Hamburger, Backpackender Weltreisender, Biker, MacBookPro-Verliebter. Ach ja, und Hasen-Sympatisant. Ende der ´90er begann ich, mich mit HTML-Coding zu beschäftigen. 2004 gründete ich als freiberuflicher Webdesigner “HASENFARM Webdesign”.
Mit dem Bloggen habe ich 2005 aus Neugierde und ohne Konzept begonnen. Damals ging es mir nur darum, den neuen Hype “Blogging” auszuprobieren.
Inzwischen habe ich dem Blog ein Konzept verpasst: “HASENFARM – Das Leben ist schön” – so weit gefächert wie der Name, so breit ist auch das Themenspektrum, dass ich bearbeite. Neben dem Aufstöbern von interessanten Themen, dem Schreiben an sich, interessiert mich zudem auch der technische Hintergrund (PHP, CSS) sowie das Vermarkten des Blogs.
2. Wie kamst du auf die Idee zu Hasen-Farm.de und vor allem, wie kamst du auf den Namen?
Ursache für den Namen ist der reelle Traum meiner Co-Autorin, eines Tages viele Hasen zu besitzen – also eine Hasenfarm.
Die Idee zum heutigen Konzept der HASENFARM kam mir 2006, als ganz Deutschland anlässlich der WM die negativen Schlagzeilen ausblendete. Ich kritisiere die Negativgeilheit der heutigen Medienlandschaft – und auch die Empfänglichkeit der Konsumenten. Zwar sollte man wissen, was in der Welt vor sich geht, aber der Überschuss an negativen Nachrichten ist schon erschreckend und wirkt z.T. deprimierend.
Und so versuche ich im Auftrag des Claims “Das Leben ist schön” Beiträge zu verfassen, die das Leben schöner machen, spare aber auch nicht an wohlformulierter Kritik.
3. Seit kurzem hast du auch einen Shop in deinem Blog. Warum und was kann man da kaufen?
Seit Ostern gibt es im Blog den Shop “HASENSHIRTS“.
Die Idee, einen Shop zu betreiben, entstand zuerst aus rein egoistischer Motivation: wir fanden unser Logo – den springenden Hasen – so sexy, dass wir ihn unbedingt auf T-Shirts haben wollten. In zweiter Linie interessiert uns, ob es A) grundsätzlich möglich ist, innerhalb seines Blogs Umsätze mit diesen Produkten zu realisieren und B) wie sich Shop und Blog beeinflussen.
Per heute bieten wir neben T-Shirts, Longsleeves, Sweater für Männer und Frauen auch Pins, Taschen und – wichtig für Hamburg – Regenschirme an. Eine kleine Auswahl an Baby-Kleidung rundet das Sortiment ab.
4. Wie verlief der Start des Shops und wie hast du diesen bekannt gemacht? Welche Vermarktungsmaßnahmen waren besonders effektiv?
Da der Shop erst wenige Tage alt ist, lässt sich über Ergebnisse leider noch nicht sprechen. Aber ich kann einen kleinen Ausblick auf das geben, was in den kommenden Wochen stattfinden wird.
Im Moment läuft die große Twitter-Parade von Spreadshirt, bei der wir unter allen Helfern und Helfershelfern zwei T-Shirts verlosen (weitere Details zur Aktion siehe Frage 5).
Im zweiten Schritt planen wir eine abgewandelte Blogparade, um den Shop bei Blog-Lesern bekannt zu machen. Hierbei geht es nicht wie sonst üblich nur um einen Beitrag mit Trackback, sondern um den Erfolg und das Engagement der Partner. Mehr möchte ich noch nicht verraten.
Parallel zu allen Aktionen werden wir den Anteil “Style & Fashion” etwas erhöhen, um potentielle Käufergruppen auf uns aufmerksam zu machen.
5. Zur Vermarktung des Shops nutzt du unter anderem Twitter. Kannst du etwas über die Spreadshirt-Aktion verraten? Wie lief diese bisher an?
Hintergrund: Unser Shop-Partner Spreadshirt veranstaltet bis zum 20.4.09 eine Twitter-Parade.
Werden bis dahin mehr als 100 Tweets in der Form “Bei http://www.hasen-farm.de gibt es ziemlich coole Shirts! #hasenfarm #spreadshirt” getwittert, nehmen wir ein einer Verlosung für ein professionelles Model-Shooting teil und gewinnen 10.000 Flyer.
Ziemlich coole Aktion also. Unsererseits werden wir, sollten wir die 100 Tweets erhalten, unter allen Unterstützern zwei T-Shirts verlosen.
Vor dem Hintergrund, dass unser Shop nahezu zeitgleich mit der Twitterparade startete und wir noch keinen einzigen Kunden hatten, erhielten wir innerhalb von 2 Tagen bereits ein erstaunliche 20 Tweets. Damit spendiert Spreadshirt unseren Kunden 20% Rabatt für eine Woche auf alle Produkte im Shop. Wir sind optimistisch, aber der Weg zu den 100 Tweets ist noch sehr weit und die Zeit ist knapp.
Diese Entwicklung zeigt dennoch eindrucksvoll, wie Twitter neue Leser/Kunden aktivieren kann und als neues Marketinginstrument funktionieren kann.
6. Nutzt du sonst auch Twitter? Wenn ja, warum und was bringt es dir? Welche Marketing-Möglichkeiten bietet Twitter?
Twitter ist ein Instrument gegen das ich mich anfangs sehr gewehrt habe. Inzwischen hat sich meine Meinung grundlegend geändert, sehe ich es doch als zusätzliche Möglichkeit, neue Leser zu gewinnen und meinen Blog zu ergänzen.
Während im letzten Halbjahr 2008 Twitter gerade einmal Platz 20 der Zugriffsquellen belegte, hat sich der Dienst im Q1/2009 als Quelle neuer Besucher schon auf Platz 6 hervor gearbeitet. Ich nutze einen separierten Account (hasenfarm_news), auf dem ich ausschließlich neue Beiträge verlinke. Damit verwandle ich Twitter quasi in einen “RSS”-Feed.
Eine weitere spannende Eigenschaft von Twitter ist, dass ich gezielt potentielle Leser “sammeln” und gezielt ansprechen kann.
Auf meinem privaten Twitter-Account (hasenfarm) twittere ich alles, was keinen Platz als eigenen Artikel im Blog findet, sei es zu banal, zu aktuell oder thematisch nicht passend. Je aktiver ich den Kanal bearbeite, desto häufiger kommen Leser auf meinen Blog.
7. Warum hast du den Shop in deinem Blog eingebunden und nicht in einer normalen Website? Was sind die Vor- und Nachteile?

“My Blog is my castle” – ich halte wenig von zersplitterten Anwendungen im Netz. Da der Shop ja quasi aus dem Blog geboren wurde, war es von vornherein klar, ihn in den Blog zu implementieren. Dennoch ist er auch separat über die Adresse hasenfarm.spreadshirt.net zu erreichen.
In Bezug auf die geplanten Maßnahmen und zu erwartenden Erkenntnisse (siehe Frage 4) ist eine Einbindung im Blog unabdingbar.
8. Wie siehst du grundsätzlich die Zukunft von eCommerce in Blogs?
Beobachten wir uns doch mal im “Offline”-Leben: Wir gehen lieber in Geschäfte, zu deren Mitarbeitern wir einen Draht haben. Warum soll ich dann in einem völlig anonymen Online-Shop kaufen? Heute zählt der Preis, aber was ist Morgen?
Viele Onlineshops bemühen sich, die Nähe zum Kunden zu suchen. Es werden Communities eingerichtet, Kunden können Produkte bewerten und vereinzelt sieht man Versuche, wie Blogs ins Leben gerufen werden.
Jedoch nehme ich großen Unternehmen den Blogansatz nicht ab, da er mir zu oft zu sehr strategisch aufgesetzt und gekünstelt vorkommt. Ich glaube, dass Blogger, die in Special-Interest-Gebieten agieren und eine hohe Leserschaft und Lesertreue haben, Synergien und Umsatz aus der Vernetzung von Blog und Shop ziehen können.
Dabei geht es nicht darum, Produkte in Artikeln zu beschreiben, sondern das redaktionelle Fachgebiet mit einer Produktsektion zu unterstützen. Damit würden dann auch mal die nervigen Werbebanner verschwinden
9. Auf was können wir uns in Zukunft auf hasen-farm.de freuen? Was ist da geplant?
Ich würde mal sagen “Stillstand ist Rückschritt”. Es wird in Zukunft weiterhin Eindrücke, Experimente und Erfahrungen auf der HASENFARM geben.
Wir entwickeln im Moment neue Konzepte, bei denen es um aktive und massentaugliche Content-Gestaltung geht. Zudem überlegen wir, personelle Verstärkung an Bord zu holen. Wer auch der Meinung ist, “das Leben ist schön” darf sich gerne bei uns melden.
10. Für alle, die jetzt auch in Ihrem Blog Produkte verkaufen wollen. Welche Tipps und Erfahrungen kannst du meinen Lesern dazu geben?
Meiner Meinung nach sollte zwischen Bloginhalt und Produktportfolio ein enger Zusammenhang bestehen und auch im Shop die Individualität des Bloggers erkennbar sein.
Danke Henning für die Einblicke in deine Hasenfarm
Der Ansatz, eCommerce in einen Blog zu integrieren ist in letzter Zeit im Kommen. Dabei bieten solche fertigen Shop-Lösung zum einfachen Einbinden natürlich eine sehr bequeme Möglichkeit. Zudem lagert man rechtliche Dinge und Zahlungsmodalitäten aus.
SEO-mäßig kann man im Shop allerdings nichts machen, das muss über den Blog selber laufen.
Interessant finde ich auch die Möglichkeiten von Twitter in diesem Zusammenhang. Mittlerweile scheint Twitter wirklich guten Traffic zu bringen.
Ich nutze Twitter auch nicht zur direkten Kommunikation, sondern freue mich immer wieder über interessante neue Links.
weiterführende Artikel zu diesem Thema
- Kostenloser Shop-Check von Trusted Shops
- Warum neu starten? Kaufen Sie sich einen Online-Shop!
- Aller Blog-Anfang ist schwer – Interview
- Lohnt sich ein Online-Shop noch?
- Interview – Werbung im eigenen Blog verkaufen
Im Forum von Selbständig im Netz diskutieren
Der Eintrag hat Dir gefallen?
Dann abonniere den Blog-Feed!



















Mein Name ist Peer Wandiger und ich bin selbständiger Webdesigner, Programmierer und Blogger.









Ich wünsche Euch viel Glück mit dem neuen Shop. Es sei nur so viel gesagt, Werbebanner werden wohl mehr bringen als ein solcher Shop. Ich betreibe selbst solch einen und habe mich auch schon mit Bekannten darüber ausgetauscht, die ebenfalls einen betreifen. Das Geschäft läuft wirklich nicht gut. Und ich glaube nicht, dass es gerade bei Euch dann anders sein wird.
Dennoch viel Glück.
Grüße
Julia
Und wie sieht es mit den rechtlichen Voraussetzungen für einen solchen Shop aus?
Das sollte in diesem Fall weniger das Problem sein, dass man den Shop ja bei Spreadshirt erstellt und nur einbindet.
Hi,
das nennt man dann Social Commerce
Der Artikel hat mich dran erinnert, dass ich bei uns auch mal T-Shirts anbieten kann. Natürlich schön mit Schriftzeichen der Art “zieh mich bitte nicht über den Tisch”, für den unbedarften China-Besucher…
Wäre noch ganz interessant gewesen, ob der Aufwand zwischen Erstellung und den Einnahmen sich denn gelohnt hat?! Denke das interessiert nicht nur mich!
Cheers und danke,
Sven
Viel Gück und Erfolg bei dem Shop und nur nicht den spaß am bloggen verlieren