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You can say you to me – Netiquette auf der eigenen Webseite
Peer Wandiger - 13 Kommentare - Tipps, Webdesign, Zielgruppen - Ähnliche Artikel


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Dieser Gastartikel wurde von Luca Rosemann geschrieben. Er betreibt unter anderem das Projekt kickbacks.de und hat sich zudem intensiv mit Firmenwebsites und deren Gestaltung beschäftigt.

“Der Ton macht die Musik”, so wahrt man in der Geschäftswelt ganz selbstverständlich zu potenziellen oder aktiven Kunden eine natürliche Distanz. Man möchte ja schließlich möglichst seriös und vertrauenswürdig wirken.

In der realen Welt käme die Bedienung wohl nicht auf die Idee den unbekannten Gast „Bekommst du noch eine Tasse Kaffee?“ zu fragen, es sei denn der Gast könnte – bezogen auf den Altersunterschied – der Enkel der Bedienung sein.

Das Internet als Raum des „duzens“?

Unklarer wird der Fall, wenn wir unser Gegenüber nicht kennen. Im Internet können wir ihn meistens nicht einmal sehen um beurteilen zu können, ob ein „Sie“ angebracht wäre oder nicht.

So wird in Foren und Blogs dieser Republik hemmungslos geduzt. Dabei spielt die Anonymität eine ganz wichtige Rolle. Baut man mit dem Anbieten des „duzens“ gewollt eine Distanz zu seinem Gegenüber ab, so gibt man wiederum im anonymen Web auch selten viel von seiner Persönlichkeit preis. Das „du“ braucht daher nicht entzogen werden, da ich eventuell nie wieder mit meinem Gegenüber in Kontakt treten werde.

Deutlich wird der Sieg des „Du“ über das „Sie“ im Internet, wenn man sich die Ergebnisse der Suchmaschine Google genauer ansieht. Die gewiss etwas plumpe Suche nach „Du“ wirft fast doppelt so viele Ergebnisse aus wie die Anfrage nach „Sie“ (1.7 Milliarden zu 940.000 / Stand Juni 09) wobei noch zu beachten ist, dass „Sie“ in der deutschen Sprache gleich mehrere Bedeutungen hat (Singular / Plural).

Google´s  „Insights for Search“ bestätigt den häufigeren Gebrauch bei Suchanfragen. Das Internet scheint in Deutschland ganz selbstverständlich ein Raum voller enger Bekannter zu sein.

Netiquette Firmenwebsites

Die deutsche „du-Reform“ im Internet

Gut 40 Jahre nach den Schweden (http://de.wikipedia.org/wiki/Du-Reform) zeichnet sich eine ähnliche Reform im deutschsprachigen Raum ab. Zum Glück oder leider – je nachdem wie man es sehen will – bislang nur in der digitalen Welt.

Das “Du” wirkt auf die meisten User sympathischer, vertrauter um nicht zu sagen vertrauenerweckender. Dieser Umgangston schafft eine lockere Atmosphäre.

Das “Sie” hingegen wird oft als altmodisch, kühl oder distanzierend bewertet. Letzteres ist jedoch oft gerade der Grund für diese Form der Anrede.

Mag es an der größeren Zahl von jungen Menschen liegen, die das Internet nutzen, oder dem allgemeinen lockereren Umgang in Foren und Blogs, der Rückzug des „Siezens“ ist klar und deutlich.

Das ganze deutschsprachige Internet unterwirft sich nach und nach dem „Du“…. wirklich alle?
Nein, seriöse Firmenwebseiten halten ganz klar weiterhin gegen den oben angesprochenen Trend.

Der Kunde ist König und wird mit gebührendem Respekt behandelt, was sich auch die meisten Internetnutzer trotz umgreifenden “geduze” weiterhin so wünschen. Es wäre wohl befremdend, wenn der Bankangestellte plötzlich zum “Du” wechselt und so soll es auch im Netz bleiben.

Vertrauen – Seriösität vs. Partner

Einen Sonderfall nehmen die in den letzten Jahren aus dem Boden sprießenden Online-Communities ein. Halten Sie doch zum Teil erschreckend viele Details aus unserem Leben auf Ihren Servern, so wirft sich die Frage auf, wo das Vertrauen in den guten ‘Freund’ aufhört und wo das Vertrauen in den seriösen Partner anfängt?!?

Mit Ausnahme von ‘Xing’ wird auf so ziemlich jeder bekannten Plattform das “Du” verwendet. Man könnte meinen, die Anredeform wäre Abhängig von der Zielgruppe doch Facebook, MeinVZ und Co. richten sich längst nicht mehr nur an Jugendliche unter 20.

Die wichtigsten Faktoren für die Wahl der Anredeform

  • Nutzen der Webseite
    Private oder Kommerzielle Webseite? Kenne ich evtl. meine Zielgruppe in der Realität?
    Oder möchte ich mit meiner Webseite Geld verdienen? Wobei der kommerzielle Betrieb nicht zwangsläufig zum “Sie” führt. Bei der Anpreisung von Produkten oder Dienstleistungen ist und bleibt das “Sie” die Anredeform der Wahl
  • Zielgruppe
    Richtet sich der Webauftritt an eine bestimmte Zielgruppe? z.B: Senioren oder Schüler?
  • Gewünschte Atmosphäre
    Soll eine gewisse Hierarchie hergestellt werden? Veröffentliche ich nur Informationen oder soll eine Diskussion zu und zwischen den Usern der Seite geschaffen werden?

 

Fallbeispiel – Kickbacks.de

KickbacksAls Betreiber der Plattform Kickbacks.de war die Wahl der Anredeform ebenfalls Bestandteil des Relaunches im Frühling 2009. Kickbacks versteht sich als kostenlose Shopping-Community für Jedermann.

Gemessen an den oben aufgestellten Kriterien geht Kickbacks den schmalen Pfad zwischen seriösem Partner (immerhin werden Bankdaten anvertraut) und usernahen Community für alle Altersklassen. Im Unterschied zu anderen Mitbewerbern im gleichen Genre setzen wir jedoch größtenteils auf ein “Sie”. Auch wenn die Webseite vollständig “siezt”, so wird im direkten Kundenkontakt aufgrund der nicht vorliegenden Namen (Kickbacks benötigt lediglich einen Usernamen und Kontodaten für die Auszahlung der Provisionen) generell zum “Du” gegriffen. Uns würde interessieren wie Leser und andere Websitebetreiber darüber urteilen.

Eure Meinung

Wie steht ihr zum "Du" und zum "Sie" im Internet?

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Kommentare
13 Kommentare und Trackbacks zu 'You can say you to me – Netiquette auf der eigenen Webseite'

Kommentare zu 'You can say you to me – Netiquette auf der eigenen Webseite' mit RSS

  1. 1 MF kommentierte am 04.06.2009 um 10:35 Uhr

    Dazu fällt mir ein guter Spruch meines Opas ein: “es ich einfacher DU Depp zu sagen als SIE Depp” – und dieses Motto stimmt auch. Bei neuen Kontakten sollte man zu allererst perSIE sein. Freunde und engere Bekannte natürlich das Sie. Diese Etikette mag vielen als Altmodisch erscheinen ist aber schlicht und einfach Seriöser. Man kann übriegens auch perSIE gut befreundet sein, mich persönlich stört das überhaupt nicht, ganz im Gegenteil.

  2. 2 Monika kommentierte am 04.06.2009 um 10:41 Uhr

    In Oberösterreich gibt es ein Viertel in dem das Du kulturell ist— Du , Frau T-S täten da die Leut zu mir sagen, solang ich fremd bin, Du , Herr Chef ist dort die Norm

    ich komme noch aus NewsgroupsZeiten, für mich ist ein *Sie* im WWW fremd, fremder gehts nicht, anfangs dacht ich auch ich muss so schreiben – ist nicht meines, obwohl ich weiß, tät ich direkt Firmenkunden anreden und keine Fachartikel liefern müßt ich bei einem zu 90% deutsch Deutschem Kundenstamm auch aufs *Sie* wechseln.

    und ich zähle mich nicht zu den *jungen* des WWW, weder biologisch noch an der Aufenthaltsdauer in dem Medium ;)

    lg

  3. 3 Daniel kommentierte am 04.06.2009 um 11:00 Uhr

    Der Artikel war sehr interessant, danke für die neuen Ansichten. Prinzipiell bin ich (sowohl im Netz, als auch offline) für ein Sie bei neuen Bekanntschaften.
    Dass das für mich nicht sehr einfach ist (ich bin erst 19 und werde daher von 90% der älteren Personen mit Du angesprochen) steht dabei allerdings nicht außer Frage.
    In Foren habe ich allerdings nichts gegen ein ! höfliches ! Du. Die meisten Communities entstehen aus dem Wunsch heraus, ungezwungen zu kommunizieren und/oder Informationen auszutauschen – und das ist nunmal per Du einfacher.

  4. 4 Steffen Geyer kommentierte am 04.06.2009 um 12:23 Uhr

    Ola!

    Die Verwendung des Sie als Anrede stammt aus einer Zeit, in der so Standes- und Wohlstandsunterschiede gekennzeichnet wurden. Für meinen Geschamck verträgt sich eine derartige pseudohierarchische Trennung nicht mit einer Welt, die ein “globales Dorf” sein will.

    Ich duze daher auch im Alltag jeden und alles – von Polizisten und Richtern mal abgegesehen. Wenn sich wer darüber beschwert, dann entschuldige ich mich mit den Worten:
    “Ich wollte Sie nur auf Augenhöhe heranheben.” :)

    Mit hanfigen Grüßen
    Steffen

    P.S. Mein Chef will das auf seiner Seite ausschliesslich gesiezt wird – zur Not kriege ich das aber auch hin.

  5. 5 Gero kommentierte am 04.06.2009 um 13:27 Uhr

    Das Sie aus dem Internet wegzudenken ist wohl kaum eine Lösung, schließlich sprechen Firmenwebsites oder offizielle Institutionen “wichtige” Personen an, die sich das SIE nicht nehmen lassen. Für viele ist es schon schlimm genug, dass sie im Internet nicht vorsichtshalber mal mit Herr oder Frau Dr. angesprochen werden.

    Die DUzer finde ich cool. Untereinander sollten Seitenbetreiber es locker handhaben. Alle sind auf einem gleichen Pfad unterwegs.

    Auf meiner neusten Website habe ich auch lange überlegt was passt. Doch eigentlich soll jeder meine Inhalte gut finden. Die Lösung ist einfach: Einige sagen: “DU ist OK” – viele sagen: “SIE ist OK”. Ich kann mehr Leuten mit einem Du vor den Kopf stoßen. Wollen wir das?

  6. 6 Markus kommentierte am 04.06.2009 um 16:23 Uhr

    Solange es nur um Web-Kontakte geht, ist es meiner Meinung nach gleich bzw. dem “Du” wird eher der Vortritt gegeben. Probleme sehe ich immer dann, wenn sich virtuelle und reale Welt begegnen. Ein Beispiel: ebay. Nimmt ein Käufer zu mir per Mail Kontakt auf, so wählt er fast immer das “Du”. Telefonieren wir dann oder er/sie kommt vorbei, ist auf einmal das “Sie” wieder selbstverständlich. Das halte ich für inkonsequent. Ich verwende daher durchgängig das “Sie”.

  7. 7 Marc kommentierte am 05.06.2009 um 09:21 Uhr

    Zum Einen wirkt “Sie” für mich immer seriöser. Ausserdem warum sollte ich Unbekannte Duzen. Zum Einen will das der Betreffende vielleicht nicht und da ist man mit “Sie” auf der sicheren Seite, zum Andren vielleicht will ich selbst auch den ein oder anderen Besucher gar nicht duzen, da es sich vielliecht auf um ein Arschl…. handeln könnte. Und bei solchen Leuten sage ich ohnehin immer “Sie Arschl…”

  8. 8 Kickbacks kommentierte am 05.06.2009 um 10:21 Uhr

    Vielen Dank Peer für die Veröffentlichung unseres Artikels!
    Danke auch an die bisherigen Kommentare, sicher keine einfache Wahl. Klare Regeln gibt es scheinbar einfach nicht um so wichtiger auf Anhieb den richtigen Ton auf der eigenen Webseite zu treffen.
    Wie sieht es mit dem Fallbeispiel aus? Sollten Communitys eher Siezen oder Duzen? Oft wird gerade diesen mehr anvertraut als einem Autohändler beim Autokauf, und der soll bitte seriös daher kommen – warum also ein “Du” ?

  9. 9 Dirk kommentierte am 15.06.2009 um 16:53 Uhr

    Höflichkeit sollte sowohl im Berufs-als auch Privatleben immer selbstverständlich sein, egal ob man per Telefon, Mail oder persönlich kommuniziert! Im Deutschen wird ein Geschäftspartner immer gesiezt, es sei denn man kennt sich besser! Im Englischen steht “you” für Sie und du. Das ist man fein raus;-)

    Im Privatleben geh ich relativ schnell zum Du über, wenn mir die Person sympathisch ist. Dann ist das Verhältnis gleich viel entspannter!

  10. 10 elexpress kommentierte am 19.06.2009 um 13:18 Uhr

    Auf Webseiten wo geschäftlich bzw komerziell und keine Community herscht (Shops) bevorzuge ich das Sie. In der Blogosphäre, Communityplattformen (Private Webseiten) bevorzuge ich das Du.

  11. 11 Peter kommentierte am 21.06.2009 um 14:57 Uhr

    Einen Kunden zu siezen, der lieber geduzt werden möchte, ist in meinen Augen weitaus harmloser als jemanden zu duzen, der ein “Sie” erwartet. Aus diesem Grund würde ich im Zweifel immer zum “Sie” greifen. Insbesondere auf Firmenseiten.

  12. 12 Peer Wandiger kommentierte am 27.06.2009 um 19:41 Uhr

    @ Peter
    Das ist sicher richtig.

  13. 13 Manuel kommentierte am 23.07.2009 um 09:30 Uhr

    Man möge mir vergeben falls es unangebracht ist nach einem Monat noch zu kommentieren, doch das Thema finde ich recht interessant.
    Ich unterscheide das selbst von Fall zu Fall, aber in den meisten Foren, Blogs oder Chats neigen die Teilnehmer dazu bei ihrem Namen schlicht den Vornamen zu nennen. Warum sollte dort noch der Versuch unternommen werden zu siezen?
    Trotz der Distanz ist man durch den Vornamen praktisch perdu und käme sich höchstens merkwürdig vor, würden andere krampfhaft von einem selbst in der dritten Person sprechen um die “Form” zu wahren.



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