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Wissen, was der Anwender wirklich braucht
Peer Wandiger - 5 Kommentare - Usability, Webdesign - Ähnliche Artikel


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In diesem Gastartikel von Kerstin Schubert geht es um das Thema “Website-Relaunch aus Anwender-Sicht”.

Ob Sie eine neue Internetseite planen oder mit einer neuen Software Unternehmen im Arbeitsablauf unterstützen möchten. Am Anfang einer neuen Lösung steht immer die Frage: Was brauchen die Anwender wirklich?

Hierfür sind eigene Erfahrungen über die Zielgruppe sehr wertvoll, jedoch meistens nicht ausreichend. Denn welcher Entwickler hat dem Endanwender schon einmal direkt über die Schulter geschaut, wenn er in einem Onlineshop Produkte bestellt. Einfache Nutzerbefragungen liefern hier nur einen kleinen Teil der Erkenntnisse. Kennen Sie hier wirklich alle Arbeitsschritte und Probleme? Gewohnheiten und Erwartungen der Anwender ändern sich ständig.

Erfolgreiche Internetseiten und Softwarelösungen basieren immer auf Wissen über Nutzerbedürfnisse, nicht nur auf Annahmen. Dabei spielten Arbeitsumgebungen, Motivationen, Erfahrungen und Gewohnheiten der Nutzer eine wichtige Rolle. Unkenntnis darüber kann schnell Fehlinvestitionen zur Folge haben. Mit den richtigen Kenntnissen können Sie Ihren Mitbewerbern immer einen Schritt voraus sein.

Um die Erwartungen der Anwender zu erfüllen und ihren Anforderungen gerecht zu werden, gibt es einige Methoden, mit denen Sie größtmögliche Benutzerfreundlichkeit für Ihre Programme und Webseiten erzielen können.

Artikel der Serie:
Wissen, was der Anwender wirklich braucht
Möglichkeiten einer Usability-Untersuchung
Barrierefreiheit für Webseiten
Usability-Schnelltest für die eigene Firmenwebsite

Das Vorgehen – Usabilitytest mit Anforderungsanalyse

Ergonomische Medien wie Internetseiten und Softwarelösungen sind gebrauchstaugliche Medien. Ob das Medium ergonomisch ist oder nicht, hängt vor allem von der Bewertung der Nutzer ab. Dazu gehört der Grad der Effizienz, welcher angibt, inwiefern Anwender Aufgaben mit möglichst geringem Aufwand erledigen können. Des Weiteren muss eine Internet- bzw. Softwareoberfläche effektiv sein, d. h. mit ihrer Hilfe müssen die Aufgaben zielgerichtet erledigt werden können. Dabei soll der Anwender zufrieden gestellt werden: Er soll eine positive Einstellung zu dem Programm oder der Webseite entwickeln können und gerne damit arbeiten.

Der benutzerzentrierte Gestaltungsprozess ist in der DIN EN ISO 13407 „Benutzerorientierte Gestaltung interaktiver Systeme“ beschrieben und bildet den Rahmen des Redesigns Ihrer Internetseite oder Softwareoberfläche. Grundsätzlich unterstützt der Gestaltungsprozess die Bedürfnisse und den Nutzungskontext des Benutzers und gilt als eine etablierte Grundlage für die Entwicklung eines erfolgreichen interaktiven Systems.

Im Folgenden wird davon ausgegangen, dass eine Internetseite optimiert werden soll. In diesem Fall gliedert sich eine Usabilitystudie beispielsweise in folgende Phasen, welche zugleich die Arbeitsschritte zur Entwicklung des Redesigns darstellen:

1. Phase: Nutzungskontextanalyse

Hier werden die Grundlagen für alle weiteren Schritte geschaffen. Es gilt festzulegen, welche Menschen das Produkt nutzen, wofür sie es einsetzen und unter welchen Bedingungen sie es nutzen. Die dafür benötigten Informationen über die Anforderungen, die an die Benutzeroberfläche gestellt sind, werden aus Personalbeschreibungen, Interviews mit den Nutzergruppen und einzelnen Anwenderbeobachtungen ausgearbeitet.

2. Phase: Festlegung der Anforderungen

Aus den Ergebnissen des Nutzungskontextes werden die ersten Anforderungen festgelegt. Für die Artikulation der Anforderungen hat die IEEE (Institute of Electrical and Electronics Engineers) einen Standard herausgegeben. Dieser so genannte „Guide to Developing System Requirements Specifications“ (IEEE Std P1233/D3, 1995) bestimmt vier zu beachtende Eigenschaften, die gut formulierte Anforderungen ausmachen: Die Eigenschaft „Abstraktheit“ besagt, dass die Anforderungen unabhängig von der konkreten technischen Umsetzung formuliert sein sollen. Auch dürfen sie nur eine Interpretation zulassen (Eigenschaft „Eindeutigkeit“).

Zudem muss es möglich sein, die Anforderungen zu ihrer Quelle zurückzuverfolgen (Eigenschaft „Nachvollziehbarkeit“) und es soll gezeigt werden können, dass das System die Anforderung tatsächlich erfüllt (Eigenschaft „Überprüfbarkeit“).

3. Phase: Usability-Untersuchungen

Bei der Evaluation bewerten potentielle Anwender und Experten die Internetseite oder Software auf Gebrauchstauglichkeit.

Hierfür werden zahlreiche Methoden angeboten. Die Ergebnisse werden so aufbereitet, dass sie direkt in der Umsetzung realisiert werden können.

4. Phase: Redesign

Die Anforderungen und Ergebnisse aus den Usability-Testverfahren werden im Designprozess umgesetzt. Dabei ist der erste Schritt eine „Grobgestaltung“, in der die benötigten Elemente auf der Oberfläche angeordnet werden. Dazu gehört auch die Festlegung der Navigationsstruktur.

In der Feingestaltung werden dann die grafischen Elemente ausgearbeitet und das Interaktionsverhalten festgelegt. Dabei wird meist die Methode des Prototyping verwendet, um die Gestaltungsideen zu visualisieren und für andere erfahrbar zu machen. Das Prototyping führt schnell zu ersten Ergebnisse und ermöglicht somit ein frühzeitiges Feedback im Hinblick auf die Eignung eines Lösungsansatzes.

Eine weitere Methode ist hier das Storyboarding, in der Handlungs- und Ereignisabfolgen, vergleichbar mit einem Drehbuch, dargestellt werden. Anschließend sollte das Redesign noch einmal auf die Usability-Aspekte hin untersucht werden. Ein solches Iterationsverfahren verringert Usability-Probleme auf ein Minimum.

Der hier dargestellte Ablauf stellt nur eine grobe Usabilitystudie dar. Da jedes Projekt, die Ziele und dessen Anwender individuell sind, müssen die Methoden je nach Projekt und vor allem nach Entwicklungsphase separat zusammengestellt werden, um das beste Ergebnis zu erzielen.

Potenziale entdecken

Usabilitystudien sind zielgerichtete Methoden, um die Anwenderqualität eines interaktiven Systems zu überprüfen. Ist das Projekt am Anfang der Entwicklungsphase, liefern die Ergebnisse eine starke Argumentation, warum bestimmte Handlungsschritte dementsprechend umgesetzt werden. In den jeweiligen Entwicklungsphasen unterstützen die Ergebnisse eine zielgerichtete und benutzerfreundliche Umsetzung, so dass ein optimales Projekt realisiert wird.

Ist die Software bereits auf dem Markt oder die Internetseite online, so kann mit Hilfe unterschiedlicher Usabilitymethoden eine Optimierung oder Erweiterung erreicht werden, die im nächsten Relaunch umgesetzt werden. Ziel sollte jedoch immer eine benutzerzentrierte Gestaltung sein.

An erster Stelle steht eine einfache Strukturierung der Funktionen und Daten, so dass auch ein unerfahrener Benutzer angemessen mit der Oberfläche arbeiten kann. Menüführung und Datenpräsentation müssen verständlich, einfach und ansprechend gestaltet sein. Das Design soll passend zum Corporate Identity (CI) und zur Zielgruppe umgesetzt werden. So kann den wachsenden Ansprüchen der Kunden entsprochen werden.


Vorteile

Nutzerorientiertes Gestalten von Programmoberflächen und Webseiten unterstützt den Benutzer darin, einen positiven Bezug zum Projekt herzustellen. Durch Berücksichtigung der Ergebnisse einer Usabilitystudie wird die Attraktivität der Internetseite bzw. Softwareoberfläche gesteigert. Die Anwender arbeiten gerne mit den Medien. Des Weiteren stellt eine Studie die Konsistenz sicher und erhöht die Produktivität der Anwender. Letztendlich können durch Usabilitystudien Kosten gespart werden, da bereits im Entwicklungsstadium Fehler vermieden werden können.


Target Grafix

Target GrafixTarget Grafix ist ein „Full-Service-Netzwerk“, das im Jahr 2002 von Kerstin Schubert gegründet wurde.

Die Arbeiten konzentrieren sich auf Usability, Print- und Onlinemedien.

Dabei richtet Target Grafix den Blick auf Analyse, Konzeption, Beratung, Design und Evaluation.


Hier findest Du weitere Informationen zu diesem Thema:

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Kommentare
5 Kommentare und Trackbacks zu 'Wissen, was der Anwender wirklich braucht'

Kommentare zu 'Wissen, was der Anwender wirklich braucht' mit RSS

  1. 1 Carsten kommentierte am 27.08.2009 um 19:48 Uhr

    Der Artikel ist wirklich gelungen. Fachlich tiefgreifend und schön mit Grafiken anschaulich dargestellt.

    Und außerdem zeigt dieser Artikel hervorragend, wie man sich mit Gastartikeln einen Namen als SpezialistIn machen kann. Klasse!

  2. 2 Kerstin kommentierte am 28.08.2009 um 08:14 Uhr

    Danke :-) Ich hoffe, es macht die Leser hier ein wenig neugierig auf mehr. Denn es wird eine Fortsetzung geben.

  3. 3 Peer Wandiger kommentierte am 28.08.2009 um 08:44 Uhr

    Ich finde den Artikel auch sehr fundiert und fachlich gelungen. Und ich freue mich auf die Fortsetzung. :-)

  4. 4 so kommentierte am 28.08.2009 um 11:18 Uhr

    Kann dem nur beipflichten, ein Gastbeitrag sollte auch für den Leser einen Nutzen darstellen. Ziel erreicht ;)

Trackbacks

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