Usability-Schnelltest für die eigene Firmenwebsite

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Kerstin Schubert hat bereits ausführlich über das Thema Usability hier im Blog geschrieben. Heute gibt sie viele praktische Tipps, um die eigene Website einem Usability-Schnelltest zu unterziehen.

Gleich vorweg sei erwähnt: Ein Schnelltest ersetzt mit Sicherheit keine durchgeplante Usabilitystudie.

Hier soll es vielmehr darum gehen, die eigene Seite auf die ersten Schwachstellen hin zu überprüfen, ohne das große Kosten entstehen.

Welche Möglichkeiten gibt es also?

Artikel der Serie:
Wissen, was der Anwender wirklich braucht
Möglichkeiten einer Usability-Untersuchung
Barrierefreiheit für Webseiten
Usability-Schnelltest für die eigene Firmenwebsite

Zugänglichkeit

Zu Beginn einer jeden Testserie sollte die Zugänglichkeit Ihrer Internetseite geprüft werden.

Usability SchnelltestDazu gehört die Validierung Ihres HTML-Codes und den Code der CSS-Datei. Die beiden Punkte können online kostenlos unter validator.w3.org bzw. jigsaw.w3.org/css-validator überprüft werden. Die Seiten zeigen Ihnen jeweils die Schwachstellen in Ihrem Quellcode auf und liefern Möglichkeiten zur Optimierung.

Anschließend sollten Sie Ihre Internetseite mit Hilfe der Web Accessibility Toolbar überprüfen. Für den IE kann das Menü hier heruntergeladen und installiert werden.

Über diese Toolbar können Sie verschiedene Aspekte der Barrierefreiheit überprüfen. Sie besteht aus den Funktionen wie die Komponenten einer Internetseite erkennen und die Simulation von Wahrnehmungen der Benutzer.

Wobei wir eigentlich schon direkt beim Thema Barrierefreiheit sind:

Usability SchnelltestDie Seite barrierefinder.de bietet einen Onlinetest an, mit dessen Hilfe Sie über einfaches ankreuzen erfahren, ob Ihre Seite barrierefrei ist oder nicht.

Die Seite wave.webaim.org analysiert Ihren Internetauftritt auf Nutzerfreundlichkeit. Das Ergebnis wird Ihnen mit Hilfe von platzierten Icons auf Ihrer Seite ausgegeben.

Dann ist das kostenlose Tool A-Promt zu erwähnen. Das kleine deutsche Programm überprüft Ihren Quellcode und berücksichtigt dabei die Anforderungen der BITV (Barrierefreie Informationstechnik-Verordnung), die Richtlinien der WCAG (Web Content Accessibility Guidelines) und die Zugänglichkeitsrichtlinien in den USA – also alles zu dem Thema :o)

Die Software dient – kurz gesagt – zur Verbesserung Ihrer Seite für Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen.

Dann gibt es die Möglichkeit, Sehschwächen zu simulieren. Wenn Sie jetzt denken „Welcher Blinde bestellt bei mir schon Zeitschriften?“, dann denken Sie mal an die nicht gerade wenigen Männer, die unter der Rot-Grün-Blindheit leiden und damit auch zu den Sehschwachen gehören. Und dann schauen Sie mal Ihre Farbgebung der Seite an. Finden auch diese Männer eine Zeitschrift bei Ihnen?

Kurz: Verwenden Sie doch einfach mal den Farbkontrast-Analyzer, der ebenfalls kostenlos erhältlich ist, und schauen Sie, wie Menschen mit Sehschwächen sich auf Ihrer Internetseite zurecht finden… – oder auch nicht ;-)

Der Analyzer testet dabei die Kombination von Vorder- und Hintergrundfarbe und stellt fest, ob die Kontrastwerte ausreichend sind. “Von einer guten Sichtbarkeit zweier Farben kann dann ausgegangen werden, wenn der Helligkeitsunterschied und die Farbdifferenz zwischen den beiden Farben größer ist als ein bestimmter Grenzwert. Der vom W3C vorgeschlagene Grenzwert ist größer als 125 für die Helligkeit und größer als 500 für die Farbdifferenz.”

Ein ähnliches Tool ist auch direkt über die Seite snook.ca anzuwenden, ohne das Sie irgendetwas installieren müssen.

Usability SchnelltestEine weitere Möglichkeit bietet die Seite colorfilter.wickline.org.

Hier müssen Sie nur Ihre Domain eingeben und die entsprechende Sehschwäche auswählen… und schon spuckt die Seite einen Screenshot Ihrer Internetseite aus, wie Menschen sie mit der jeweiligen Sehschwäche sehen, aus.

Das ist wirklich spannend und für Sie die Möglichkeit, auch diese Menschen in Ihre Zielgruppe mit einzubinden.

AttrakDiff

Eine erste Einschätzung Ihrer Seite liefert der AttrakDiff. Dieses kostenlose Tool wurde bereits erwähnt und ist unter www.attrakdiff.de zu erreichen.

Sie haben hier die Möglichkeit, Einzelauswertungen zu bekommen, einen Vorher-Nachher-Test anzulegen oder direkt zu vergleichen. Bei jedem Testlauf können bis zu 20 Personen teilnehmen, die Sie ebenfalls über dieses Tool online verwalten können. Eine Demo zeigt Ihnen alle Möglichkeiten im Detail.

Fünf-Sekunden-Test

Dieser Test ist schnell organisiert und trotzdem sehr effektiv. Zumindest was die Inhalte Ihrer Seite angeht.

Legen Sie für eine Testperson (Verwandte, Freunde, Ihr Nachbar,…) eine Aufgabe fest, die sich an den Zielen Ihrer Internetseite orientiert. Die Testperson hat nun fünf Minuten, um sich Ihre Seite anzuschauen, ohne dabei die Links zu verwenden oder sonstige Funktionen zu testen.

Befragen Sie die Testperson, nachdem Sie die Seite wieder geschlossen haben, zuerst nach den Elementen, die ihr aufgefallen sind. So stellen Sie fest, ob die Schwerpunkte, die Sie für sich festgelegt haben, auch ihr Ziel erreichen.

Anschließend lassen Sie die Testperson die Aufgabe lösen und beobachten Sie sie dabei genau. Hinweise gibt es auch über das laute Denken. D.h. Ihre Testperson sollte alle Gedanken, Überlegungen und Handlungen laut äußern.

Ein kleines „Ähm“ oder auch Stillschweigen lässt Rückschlüsse auf Problemstellen zu. Halten Sie das Lösen der Aufgabe mit einer Webcam fest. Wenn Sie diese nicht haben, schreiben Sie alles mit, um am Ende auch den Versuchsablauf auswerten zu können. Vieles vergisst man ja doch schnell wieder ;-)

Werden gewünschte Funktionen, Links usw von der Testperson nicht verwendet, so sollten Sie Ihre Seite daraufhin optimieren.

Beobachten

Den Fünf-Sekunden-Test können Sie natürlich ausweiten und mehrere Personen mit mehreren Aufgaben konfrontieren – aber bitte nicht länger als 40 Minuten, denn sonst vergeht Ihren Probanden womöglich die Lust und es ist alles „doof“ ;-).

Nach Jakob Nielsen reichen 5 Personen aus, um 70% der Fehlerquellen herauszufinden. Achten Sie bei der Wahl der Aufgaben darauf, dass Ihre Schwerpunkte der Seite auch abgefragt / getestet werden.

Führen Sie den Test an einem Tag durch. So bleibt der Aufwand sehr gering und Sie haben den direkten Vergleich zwischen den Probanden. Auch hier gilt also: Immer Notizen machen oder mit einer Webcam oder Ähnliches die Versuche festhalten. Rechnen Sie diese Zeit in der Gesamtdauer eines Testdurchgangs mit ein.

Befragung

Sie können von Anfang an Ihre Anwender, Mitarbeiter, Freunde, … in die Entwicklung einer Seite mit einbeziehen. Legen Sie zum Beispiel Layoutentwürfe Ihrer Zielgruppe vor und fragen Sie diese konkret nach Ihren Meinungen. Wer, wenn nicht die, können Ihnen ein direktes Feedback geben und das beste Layout und damit den besten Weg auswählen?

Eine Befragung der direkten Zielgruppe kann auch im Web organisiert werden, etwa über einen Onlinefragebogen. Machen Sie dem User klar, warum er an dem Fragebogen teilnehmen soll. Geben Sie ihm das Gefühl, dass eine Teilnahme an der Umfrage für ihn Vorteile bringt oder locken Sie gar direkt mit einem Gutschein oder ähnlichem.

Eine weitere Methode ist die direkte Befragung „am Geschehen“: So Jakob Nielsen (übrigens in meinen Augen der „Guru“ im Bereich der Usability) „Mache die Beteiligung zum Nebeneffekt.“ Die Bewertung einer Artikelrelevanz gibt schon wertvolle Hinweise an den Anbieter. Oder stellen Sie Ihre Fragen doch einfach direkt an den entsprechenden Prozessschritten („Wünschen Sie weitere Möglichkeiten für eine Onlinebezahlung“, „Welche Produktangaben benötigen Sie zusätzlich?“,…)

Verzichten Sie jedoch darauf, dass Ihnen die Fragebögen per Email zugeschickt werden sollen. Denn die User werden nicht gerne während ihrem Einkauf ihren Browser verlassen, den Emailclient öffnen,… nur um Ihnen die Meinung zu sagen.


Für Onlineshops

Für Onlineshops hat trustedshops.de einen Usability-Schnelltest veröffentlicht. Das Wichtigste für jeden Onlineshop-Betreiber ist die leichte Bedienbarkeit, die in diesem Schnelltest abgefragt wird.

Dabei werden Ihre Startseite, Produktseiten, die Suchfunktion und der Warenkorb angeschaut. Am Ende werden noch allgemeine Fragen gestellt. Das Ergebnis wird in Punkten ausgegeben und ein Diagramm zeigt Ihnen an, in welchem Bereich Sie noch mehr optimieren können.

Gut, eine detailreiche Auswertung sieht anders aus, aber ich finde, dass dieser Test einem erste Ideen gibt, auf was geachtet werden sollte und was getan werden kann. Für den Anfang also nicht schlecht.

Jetzt bleibt mir nur noch, Ihnen viel Spaß beim ersten Testen und Optimieren Ihrer Seite zu wünschen.


Target Grafix

Target Grafix ist ein „Full-Service-Netzwerk“, das im Jahr 2002 von Kerstin Schubert gegründet wurde.

Die Arbeiten konzentrieren sich auf Usability, Print- und Onlinemedien. Dabei richtet Target Grafix den Blick auf Analyse, Konzeption, Beratung, Design und Evaluation.


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Kommentare

  1. meint

    Barrierefinder mit IE8:

    ###
    … Leider ist momentan nur der Internet-Explorer so steuerbar, dass er diese Szenarien automatisiert erzeugen und wiedergeben kann. Sie verwenden zur Zeit einen Browser, mit dem diese Tests nur manuell durchgeführt werden können. …
    ###

    Und so eine Seite will mir dann gute Ergebnisse liefern?

    Ansonsten sehr guter Artikel und alle anderen Tools auch gut nutzbar.

  2. brb meint

    Danke diese Infos sind sehr nützlich..allerdings suche ich schon denn ganzen morgen nach einer I-Net seite oder Tool wo mir mein page in Opera/FF/IE5.5 – 8 / Safari anzeigen tut..

    kennt jemand sowas?

  3. meint

    Hallo Markus,
    danke für den Hinweis. Ich benutze selber eigentlich nur den FF, es sei denn, ich teste die Seiten im IE. Ansonsten “schimmelt” der bei mir so vor sich hin :oops:
    Das ist natürlich arg peinlich, wenn Seiten über Barrierefreiheit reden und dann selber solche Macken aufweisen… – keine Frage

  4. meint

    @ Kerstin
    Naja, das ist schon eine sehr spezielle Anwendung, die wahrscheinlich irgendeine Technik benutzt, die nicht jeder Browser anbietet. Das ist zwar nicht optimal, aber für solche Testzwecke wahrscheinlich erträglich.

    @ Dilizo
    Das sieht cool aus. Das schaue ich mir gleich mal an.

  5. Christian meint

    Wollte nur eines klarstellen: Usability != Accessibility (auch wenn beides wichtig und gut ist)

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