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iPhone Apps entwickeln und davon leben?
Peer Wandiger - 18 Kommentare - Geld verdienen, Programmierung, Selbständig - Ähnliche Artikel


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Mit iPhone Apps viel Geld zu verdienen ist sicher ein Traum vieler Entwickler. Doch nicht nur die Chancen, sondern auch die Konkurrenz ist groß.

Ich habe mich deshalb mal mit dem iPhone-Entwickler Hans Schneider unterhalten. Dieser hat ein paar iPhone Apps geschrieben, unter anderem eines, dass ich sehr gern und häufig nutze.

Ihn habe ich gefragt, wie man überhaupt dazu kommt iPhone Apps zu entwickeln und ob man davon leben kann. Zudem gibt er ein paar Tipps.

Viel Spaß beim Lesen.

1. Hallo Hans, kannst du dich meinen Lesern bitte vorstellen?

iPhone Apps entwickelnHallo! Ich heiße Hans Schneider, bin jetzt 32 Jahre alt und bin seit sicherlich 12 oder 13 Jahren immer mehr oder weniger im Bereich “Online Marketing” tätig.

Ich habe einige Jahre als Entwickler in einer Agentur gearbeitet und bin seit letztem Jahr selbstständig als Affiliate, SEO und eben iPhone Entwickler tätig.

2. Du entwickelst unter anderem iPhone Apps. Wie bist du dazu gekommen?

Ich bin ein ziemlicher Autofreak. Für Nokia Smartphones gab es ein Programm, mit dem man die Beschleunigung, Höchstgeschwindigkeit, usw. per GPS messen konnte.

Als 2008 Apple das iPhone für externe Applikationen geöffnet hat, wollte ich so ein Programm auch gerne auf dem iPhone haben.

Ich habe mich dann mit “DynoBox” in die iPhone Programmierung eingearbeitet. Allerdings kamen dann sehr schnell andere Applikationen, die die gleiche Funktion deutlich besser umgesetzt haben.

3. Ich habe dich durch die sehr empfehlenswerte iPhone-App “SenseEarn” kennen gelernt. Wie bist du auf die Idee gekommen eine AdSense App zu machen? Wie wählst du generell aus, was für eine App du als nächstes programmierst?

iPhone Apps entwickelnUrsprünglich wollte ich eine Applikation entwickeln, mit der iPhone Entwickler die Umsätze ihre Applikationen aus dem AppStore auf ihrem iPhone überprüfen konnten. Leider werden solche Applikationen von Apple nicht in den Appstore zugelassen.

Da ich selbst auf meinen Webseiten Google Adsense einsetze, habe ich die App dann kurzerhand zu einer Adsense Statistik App umgebaut. Zu diesem Zeitpunkt gab es eine Hand voll Apps, die bereits einen Zugriff auf die Adsense Statistiken ermöglichten, die jedoch eher einfach aufgebaut waren.

Ich selbst würde im Moment wohl eher nicht wieder so ein Nischen-Produkt wie SenseEarn entwickeln sondern eher auf Apps setzen, die für einen breiteren Markt interessant sind. Von Spielen lasse ich im Moment eher die Finger. Hier konkurriert man nicht nur mit den anderen drei oder vier Adense- oder GPS-Apps, sondern im Grunde mit allen anderen zigtausend Games.

4. Man hört ja immer mal wieder von Großverdienern durch iPhone Apps? Lohnt es sich, iPhone Apps zu entwickeln?

Legendär ist natürlich die iFart App, die dem Entwickler innerhalb weniger Tage einige hundertausend Dollar Umsatz generiert hat. Ich denke der Gold-Rush aus den Anfängen des AppStore ist aber vorbei. Mittlerweile hat die Anzahl von Apps im AppStore die 100.000er Marke durchbrochen. Eine gute App, die vielleicht einige Alleinstellungsmerkmale und eine schöne Grafik hat, wird sicherlich eher gekauft, allerdings wird es schwieriger im Appstore noch die Aufmerksamkeit der User zu bekommen.

Wenn man allerdings eine App hat, die sich auch nur halbwegs gut verkauft, hat man auch langfristig ein nettes passives Einkommen.

Neben dem Verkauf von Apps kann man seine Appliaktion auch über Werbung monetarisieren. Admob.com bietet dazu einen Adsense-Ähnlichen Marktplatz. Damit sich das wirklich rentiert braucht man allerdings eine recht große Installationsbasis und User, die die App auch häufig benutzen.

5. Vermarktest du deine iPhone Apps? Wenn ja, was genau machst du, damit diese mehr Käufer finden? Wie schwer ist es, seine iPhone Apps zu verkaufen?

iPhone Apps entwickelnAufgrund des geringen Preises für die Apps ist es schwierig Marketingmaßnahmen wie Bannerwerbung oder Adsense zu refinanzieren. Evtl. könnte man solche Werbemaßnahmen als Investment sehen, um durch gesteigerte Verkäufe in den Top-Listen des AppStores weiter nach oben zu rutschen.

Für den US Appstore gibt es außerdem Gutscheincodes, mit denen die Apps gratis herunter geladen werden können. Diese kann man an die mitlerweile unzähligen App-Review Seiten oder an auf das Thema der App spezialisierte Webseiten oder Blogs verteilen.

Leider gibt es bisher keine verlässliche Möglichkeit die Performance von Applikationen im AppStore zu messen. Der Entwickler sieht natürlich wie viele Downloads erzeugt wurden, aber ansonsten ist der AppStore eine Blackbox. Für die Messung von Marketingmaßnahmen wäre zumindest die Anzahl der Aufrufe pro verkaufte App wichtig. Aber diese Zahlen gibt Apple leider nicht heraus.

Bis auf Firmen, die wirklich Geld in Branding-Maßnahmen stecken können, ist man für eine große Verbreitung seiner App auf den AppStore angewiesen und muss versuchen dort möglich oft wahrgenommen zu werden. Hier kann man zum Beispiel auch mit SEO-Methoden arbeiten, um für möglichst viele Keywords in der Suche gefunden zu werden.

6. Welche Voraussetzungen muss man mitbringen, um selber iPhone-Apps entwickeln zu können?

Man braucht auf jeden Fall einen soliden Background in der Objektorientierten Softwareentwicklung, speziell mit der Programmiersprache C.

Für die Gestaltung der Oberfläche kann es ausserdem sinnvoll sein, mit Techniken aus der Flash-Entwicklung vertraut zu sein, vor allem, wenn man eigene, besonders hübsche Oberflächen entwickeln möchte, wie zum Beispiel die Applikationen Weightbot oder Convertbot von Tapbots


7. Kann man bei dir auch eine iPhone App in Auftrag geben? Was würde z.B. eine App wie SenseEarn kosten?

Ich arbeite sowohl im SEO-Bereich als auch bei der iPhone Programmierung lieber auf eigene Rechnung. Ich habe gerade ein Fremd-Projekt für das iPhone fertig gestellt, allerdings auch nur, weil es auf Basis einer bestehenden Applikation aufbauen konnte. Ich hoffe, die App kommt dieses Jahr noch raus, sie ist nämlich ganz cool geworden.

SenseEarn ist technisch nicht wirklich schwierig, ich vermute, dass man so eine Applikation für vielleicht 5000,- Euro in Auftrag geben könnte.


8. Wie siehst du die Zukunft der iPhone Apps bzw. auch anderer App-Stores? Entsteht da eine große Branche oder ist das eher ein Hype, der wieder vorbeigeht?

Im iTunes AppStore wird die Zahl der Apps immer weiter zunehmen und damit für jede einzelne App immer weniger Marktanteil übrig bleiben. Ich glaube aber nicht, dass die iPhone Benutzer der Apps überdrüssig werden. Mich hat am Erfolg des Appstore am meisten erstaunt, dass die Applikationen nicht nur von Nerds geladen werden, sondern vor allem von “ganz normalen” Handy-Benutzern.

Persönlich würde ich mir wünschen, dass sich Handies mit dem Android OS besser verkaufen und damit der AppStore für Entwickler lukrativ wird. Allerdings gibt es schon jetzt Probleme bei der Entwicklung, weil die Geräte mit unterschiedlicher Hardware und teilweise inkompatiblen Software-Versionen ausgestattet sind. Ich habe noch ein bisschen Bedenken, ob Android wirklich signifikante Marktanteile (vor allem abseits der Nerds) erobern kann. Und das wäre der Schlüssel für einen erfolgreichen AppStore.

Von Microsoft gibt es ja auch einen Appstore für WIndows Mobile Geräte, aber davon hab ich weder viel gehört, noch habe ich Lust mich damit zu beschäftigen. Nokia und RIM kann man in diesem Bezug, glaub ich, vollkommen vergessen.


9. Was sind deine Lieblings-iPhone Apps?

“Trails” ist großartig und hat bei meinen Radtouren fast die Wanderkarte ersetzt. Der Twitter-Client “Tweetie 2″ ist auch super und ein gutes Beispiel für ein super-smoothes und funktionales Userinterface.

Auf Twitter findet ihr mich übrigens unter dem Usernamen @haentz


10. Hast du noch den einen oder anderen wichtigen Tipp für die Leser, die auch gern iPhone Apps entwickeln wollen?

Wenn beim iPhone OS ein großes Update bevor steht oder gar ein neues iPhone auf den Markt kommt, können durch neue Techniken die Karten im Appstore neu gemischt werden.

Lange Zeit war zum Beispiel eine Applikation recht erfolgreich, die den Benutzer mit Hilfe des GPS zu seinem Parkplatz zurück lotsen konnte. Super Idee!

Als das iPhone 3GS mit eingebautem Kompass und Video auf den Markt kam, kam eine App, die den Standort des Autos im Live-Videobild (Stichwort “Augmented Reality”) angezeigt hat. Das ist natürlich viel cooler als eine 2D Karte!

Mein kleines Portfolio an iPhone Apps findet Ihr bei iTunes


Danke Hans

für die ein Einblicke in die Welt der iPhone-App-Entwicklung.

Wie man sieht ist aber auch die iPhone-App-Entwicklung keine Garantie auf Wohlstand und Reichtum. Der Weg zum Erfolg scheint fast weniger von der eigentlichen App abzuhängen, sondern eher von der Vermarktung und wie man es schafft, überhaupt von den iPhone und iPod Touch Nutzern wahrgenommen zu werden.

Das erinnert ein wenig an neue Blogs, die sich ja auch gegen eine sehr große Konkurrenz durchsetzen müssen.

Allerdings hat man mit einem Blog oder einer Website doch eine Menge mehr Möglichkeiten auf sich aufmerksam zu machen. Eine iPhone App sollte im App-Store schon gefeatured werden, damit sie wahrgenommen wird. Hier liegt der Flaschenhals ganz klar im App-Store.

Trotzdem gibt es natürlich auch außerhalb des App-Stores Möglichkeiten eigene iPhone Apps zu vermarkten. Hans hatte ja unter anderem die Gutscheine angesprochen, die eine Möglichkeit sind, auf die eigene App aufmerksam zu machen. (auch wenn es für deutsche Apps nicht wirklich taugt)

Weitere Möglichkeiten der iPhone App Vermarktung werde ich in einem kommenden Artikel vorstellen und vielleicht auch noch ein Interview dazu führen.

Wenn unter den Lesern dieses Interviews auch iPhone Entwickler sind, freue ich mich natürlich über eure Meinung und Erfahrungen.

Übrigens: Ich habe hier im Blog schon einige interessante iPhone-Apps für Selbständige vorgestellt.


Hier findest Du weitere Informationen zu diesem Thema:

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Kommentare
18 Kommentare und Trackbacks zu 'iPhone Apps entwickeln und davon leben?'

Kommentare zu 'iPhone Apps entwickeln und davon leben?' mit RSS

  1. 1 Freetagger kommentierte am 15.12.2009 um 13:55 Uhr

    Sehr interessant zu lesen ;) Die App werde ich mir sicherlich mal besorgen, denn iAdsense gibt mir immer verkehrte Einnahmen aus.

  2. 2 Daniel kommentierte am 15.12.2009 um 14:01 Uhr

    Interessantes Interview. Mich würde mal interessieren, was man alles braucht, um die erste eigene “Hello World” App auf dem iPhone zu haben. Ist das mit einem PC möglich? Was kostet es die erste App im iPhone Store zum Download anzubieten?

  3. 3 Jessica kommentierte am 15.12.2009 um 14:20 Uhr

    Hallo Peer, sehr interessantes Interview – bitte mehr davon! Viele Grüße, Jessica

  4. 4 jaood kommentierte am 15.12.2009 um 14:28 Uhr

    Du hast die Frage vergessen – die einzig Wichtige – was der Mann denn nun mit seinen Apps verdient hat..

  5. 5 Sascha kommentierte am 15.12.2009 um 14:29 Uhr

    @Daniel

    Software für das iPhone lässt sich nur mit einem Mac entwickeln. Das SDK und die IDE bekommst du kostenlos von Apple samt einigen Dokumenten gestellt. Möchtest du eine App im Appstore anbieten können, musst du einen Lizenz kaufen, die dich 99€ kostet und ein Jahr lang gültig ist.

  6. 6 Peer Wandiger kommentierte am 15.12.2009 um 14:53 Uhr

    @ jaood
    Schon vor dem Interview hatte er mir gesagt, dass er keine Einnahmen veröffentlichen möchte. Und das kann ich natürlich verstehen und respektiere das.

    @ Sascha
    Abgesehen vom Mac und idealerweise einem iPhone, sind die Kosten für die Entwicklung von iPhone-Apps sehr übersichtlich. In Zukunft soll es ja auch die Möglichkeit geben, Flash-Apps in iPhone-Apps umzuwandeln. Apple ist da insgesamt vorbildlich, was die Öffnung für Entwickler angeht.

  7. 7 Steffen kommentierte am 15.12.2009 um 15:05 Uhr

    @Peer: Naja, und weil es so entwicklerfreundlich ist kann man auch nur mit einem Mac entwickeln :roll:

  8. 8 Sascha kommentierte am 15.12.2009 um 15:06 Uhr

    @Peer
    Ich erwarte nicht all zu viel von Flash-Apps auf dem iPhone. Flash ist ein Leistungsfresser und wird hier auch noch in einer Containerapp von Adobe laufen, ohne Zugriff auf die API vom iPhone..
    Aber ansonsten hast du recht, der Einstieg in die Entwicklung fürs iPhone ist sehr gut und man wird von Apple ordentlich unterstützt. Ich muss auch mal nen kleinen Prototypen fürs iPhone bauen. Bisher hatte ich da noch nicht groß den Kopf für, aber spannend ist es allemal.

  9. 9 Peter kommentierte am 15.12.2009 um 15:25 Uhr

    Wenn ich betrachte was US App Entwickler wirklich verdienen, dann frage ich mich doch ob diese Modell sich wirklich lohnt.

    Nicht vergessen es gibt rund 100 000 Apps und das heißt, Unübersichtlichkeit, viel Konkurrenz und vor allen meist nur mäßige Chance wirklich was zu verdienen.

    Ein App lässt sich zur Zeit nur auf ein Mac entwickeln. Hierzu sind aber schon recht gute Kenntnisse nötig so das dies sicherlich nur von wenigen wirklich beherrscht wird.

    Die meisten App Vermarkter die ich kenne, lassen diese von Profis entwickeln. Hier sind mit Kosten zwischen 1500 und 3500 US Dollar zu rechnen.

  10. 10 Peer Wandiger kommentierte am 15.12.2009 um 16:23 Uhr

    @ Steffen
    Ja, das hatte ich ja explizit ausgenommen von der Aussage. Ein Mac ist eben teuer.

    Wenn man allerdings sieht, welche finanziellen Hürden andere App-Stores errichten. Um WiiWare zu veröffentlichen werden gute 5 stellige Beträge fällig.

  11. 11 Daniel kommentierte am 15.12.2009 um 16:36 Uhr

    @ Sascha: Danke! :wink:

  12. 12 Martin kommentierte am 15.12.2009 um 18:10 Uhr

    Sehr interessant das Interview. Ich habe auch schon öfter nachgedacht einmal ein iPhone App zu entwickeln und mich mehr in diese Richtung weiterzubilden. Mal
    schauen.

    Grüße, Martin

  13. 13 Daniel kommentierte am 15.12.2009 um 22:33 Uhr

    “Apple ist da insgesamt vorbildlich, was die Öffnung für Entwickler angeht.” — Manchmal weiß man wirklich nicht mehr, ob man lachen oder weinen soll. Wie war das mit dem Stockholm-Syndrom?

  14. 14 Olli kommentierte am 16.12.2009 um 10:18 Uhr

    Schönes Interview. Was aber auch immer wieder vergessen wird sind die Aufnahmekriterien für eine Applikation. Apple sollte einmal ein paar Richtlinien bzw. Kriterien veröffentlichen die ein App besitzen muss um im Store zugelassen zu werden. Ich denke damit haben Sie schon einige Entwickler ganz schön vor den Kopf gestoßen und verärgert und neue Apps-Entwickler von der Entwicklung abgehalten. Die Aufnahme sollte ein wenig transparenter gestaltet werden, würde dem Store mit Sicherheit gut tun…

    Beste Grüße
    Olli

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