Gewerbeanmeldung – Teil 7. Schritt für Schritt in die Selbständigkeit im Netz

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Nach all den Vorbereitungen ist es nun endlich soweit. Die Gewerbeanmeldung steht an.

Ist diese überhaupt notwendig und auf was muss man bei der Gewerbeanmeldung achten?

Diesen und anderen Fragen gehe ich in Teil 7 meiner Artikel-Serie nach.

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[Übersicht der Artikel-Serie “Schritt für Schritt in die Selbständigkeit im Netz“]

Die Gewerbeanmeldung

Nun geht es zum bürokratischen Teil, der Gewerbeanmeldung.

Für die meisten Selbständigen im Netz ist damit aber gar keine besonders schlimme Bürokratie verbunden.

Wer eine Gewerbeanmeldung braucht und was damit alles zusammenhängt, wird im Folgenden geklärt.

Wann ist eine Gewerbeanmeldung notwendig?

In Teil 5 “Die richtige Rechtsform” haben ich ja schon erklärt, wie sich Selbständige und Freiberufler unterscheiden.

Selbständige mit einem Gewerbe müssen eine Gewerbeanmeldung durchführen.

Laut § 15 Abs.2 EStG ist ein Gewerbe an den folgenden Punkten zu erkennen:

  • Selbständig
    Man muss selbständig tätig sein und für die eigenen Entscheidungen verantwortlich.
  • Nachhaltig
    Ein Gewerbe muss nachhaltig sein und damit langfristig angelegt.
  • Gewinnerzielungsabsicht
    Das ist wohl das wichtigste Merkmal und sorgt dafür, dass selbst einfache Websites mit ein paar Werbebannern zu der Pflicht führen, dass man ein Gewerbe anmelden muss.
  • Beteiligung am wirtschaftlichen Verkehr
    Wenn man also mit anderen Unternehmen und Selbständigen Waren und Leistungen handelt.

Dabei müssen nicht alle Bedingungen erfüllt sein, meist ist es aber so.

Die Anmeldung passiert beim örtlichen Gewerbeamt und man benötigt erstmal nur den Personalausweis.

Normalerweise darf jeder ein Gewerbe anmelden. Es gibt aber genehmigungspflichtige Gewerbe, wie z.B Taxi-Unternehmen oder eine Gaststätte.

Inhalt der Gewerbeanmeldung

Das Ausfüllen der Gewerbeanmeldung ist nicht besonders schwer, aber man sollte darauf achten, dass man beim “Gewerbezweck” gut nachdenkt.

Der “Gewerbezweck” sollte natürlich nicht zu allgemein gehalten werden, da dies sonst bemängelt werden könnte. Aber man sollte auch nicht zu genau sein, da man sonst später eine Änderung der Gewerbeanmeldung beantragen muss, die wiederum Geld kostet.

“Schreiben und verkaufen” wäre sicher zu allgemein. “Überspielservice von Videoband auf DVD” wäre sicher zu eng gefasst.

Die Gewerbeanmeldung kostet so um die 30 Euro, wobei das je nach Ort etwas schwankt.

Gewerbesteuer

Kurz was zur Gewerbesteuer. Man wird mit der Gewerbeanmeldung zusätzlich zur Einkommenssteuer gewerbesteuerpflichtig.

Allerdings muss man nur dann auch Gewerbesteuer zahlen, wenn der Gewinn mehr als 24.500 Euro im Jahr beträgt (Freibetrag).

Im Extra-Artikel zum Thema Steuern schreibe ich dann noch mehr dazu, wie die Gewerbesteuer berechnet wird.

Finanzamt

Nach der Gewerbeanmeldung bekommen diverse Ämter die entsprechende Information und deshalb kommt normalerweise nach ein paar Wochen auch Post vom Finanzamt.

Sollte das auch nach Monaten nicht der Fall sein, sollte man beim Finanzamt nachfragen. Man sollte nicht denken, dass man da herum kommt, nur weil man vergessen wurde.

Man erhält vom Finanzamt einen “Fragebogen zur steuerlichen Erfassung eines Gewerbebetriebes oder einer selbständigen Tätigkeit“. Diesen kann man mit der ersten Umsatzsteuervoranmeldung zum Finanzamt schicken.

Dann erhält man auch eine Steuernummer.

Falls man international tätig werden will, braucht man eine Umsatzsteuer-Identifikationsnummer.

Mehr zum Thema Steuern dann später in einem anderen Artikel.

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IHK

Für Gewerbetreibende gilt eine Pflichtmitgliedschaft in der IHK.

Die IHK bietet eine Reihe von Leistungen an, die man in Anspruch nehmen kann. Zudem erfüllt die IHK eine Reihe von Tätigkeiten, die ihr der Gesetzgeber auferlegt hat.

Keine IHK-Beiträge fallen grundsätzlich an, wenn der Gewinn pro Jahr unter 5.200 Euro liegt.

Ansonsten setzt sich der Beitrag aus Grundbeitrag und einer prozentualen Umlage zusammen. Die Höhe ist regional unterschiedlich und sollte bei der zuständigen IHK erfragt werden.

Von der IHK-Gebühr komplett befreit ist man als Existenzgründer im 1. und 2. Jahr, wenn der Gewinn nicht mehr als 25.000 Euro beträgt.

Im 3. und 4. Jahr ist man zumindest von der Umlage befreit, wenn diese Grenze ebenfalls nicht erreicht wird.


Handwerk

Gründet man ein Handwerk, dann gibt es ein paar Extra-Regelungen. So muss man sich z.B. vorher in Handwerksrolle eintragen, was wiederum einen Meisterbrief voraussetzt.

Allerdings sollte dies die meisten Leser meines Blogs nicht betreffen, da es hier ja primär um die Selbständigkeit im Netz geht.

Deshalb gibt zum Thema Handwerk hier keine weiteren Infos. Mehr dazu auf www.handwerkskammer.de.


Arbeitgeber

Sollte man nebenberuflich ein Gewerbe anmelden, dann muss man dies dem Arbeitgeber vorher frühzeitig und schriftlich melden und sich das auch genehmigen lassen.

Der Arbeitgeber kann, wie in Teil 4b “Nebenberuflich selbständig machen” beschrieben, einen Nebenjob zwar grundsätzlich nicht verbieten. Aber man muss ihn ausführlich und genau darüber informieren.

Und sollte es Bedenken wegen einem Interessenkonflikt geben, dann muss man mit dem Arbeitgeber genau klären, was man macht und was man nicht macht.


Arbeitsagentur

Man sollte auch nicht vergessen, die Arbeitsagentur rechtzeitig zu informieren, falls man aus der Arbeitslosigkeit gründet.

Mehr Informationen dazu in Teil 4a “Existenzgründung als Schüler, Student oder aus der Arbeitslosigkeit“.


Fazit

Ich habe die Existenzgründung als relativ schmerzlos empfunden, auch wenn man ein paar Wege hat und ein paar Formulare ausfüllen muss.

Viel aufwändiger ist dies jedoch z.B. für Gaststätten-Betreiber. Da hat man es als Selbständiger im Netz schon etwas einfacher.

Mit der Gewerbeanmeldung in der Hand, kann man sich nun endlich in die Selbständigkeit stürzen.


So geht es weiter

In Teil 8 der Artikel-Serie “Schritt für Schritt in die Selbständigkeit im Netz” geht es um sinnvolle und notwendig Geschäftsunterlagen und wie man diese günstig und trotzdem hochwertig bekommt.


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Kommentare

  1. meint

    Abgesehen von den Öffnungszeiten der Rathäuser ist das tatsächlich der einfachste Schritt. Hingehen, ausfüllen, bezahlen, fertig. Als Nebenerwerbsgründer muss man halt nur sehen, wann man es schafft, hinzugehen.

    Ein Tipp noch: Die Anmeldung kann auch rückwirkend erfolgen. Für welchen Zeitraum, kann ich leider nicht sagen und liegt sicher auch im Ermessen der Mitarbeiter derbeteiligten Behörden.

  2. Jonas meint

    Ich war auch überrascht, wie schnell und einfach die Anmeldung im Bürokratieland Deutschland abläuft und habe schon mit zig Seiten Formularen und Kümmerkram gerechnet. Aber nach 15 Minuten war ich mit dem Gewerbeschein in der Hand wieder raus aus dem Ordnungsamt. War irgendwie ein gutes Gefühl, offiziell Unternehmer zu sein :smile:

  3. meint

    Ich glaube es sind drei Monate, die man rückwirkend die Gewerbeanmeldung ausstellen lassen kann. Und ja in der Tat, die Gewerbeanmeldung ist tatsächlich sowas von unbürokratisch, da fragt man sich zu erst, ob da auch alles mit rechten Dingen zugeht, aber der eigentliche Hammer kommt ja dann erst vom Finanzamt, wenn das dann seine Formulare ausgefüllt haben will ;)

  4. Maik meint

    Man kann es sich auch noch einfacher machen und die Gewerbeanmeldung vorher ausdrucken und ausfüllen. Beim Gewerbeamt brauchen die dann nur noch alles abschreiben, sofern alles richtig angegeben wurde. Dann kurz unterschreiben und fertig. Die Gebühren waren bei mir 20 Euro und den Steuererfassungsbogen hab ich direkt mitbekommen.

  5. meint

    Schöner Artikel – bei uns in Eisenach (Thüringen) hat mich damals die Anmeldung 15€ gekostet – wie gesagt, überall unterschiedlich.

    Ich fand es nur irgendwie “blöd” nur weil man mit einer kleinen Seite ein paar Cent verdient und Monate auf eine Auszahlung warten muss, ein Gewerbe anzumelden. Da war die Gebühr für mich höher als der Gewinn. Naja, das ist halt Deutschland – die denken, denen geht massig Geld verloren. ^^

  6. meint

    Rückwirkend kann man schon bis zu 3 Monate gehen, wobei dies nicht immer gerne gesehen wird.

    Da jeder Gründer auch die in Teilzeit sicherlich nicht von heute auf morgen beginnen, wird jeder die 30 Minuten Zeit finden um seine Gewerbeanmeldung zu bekommen.

    Richtig finde ich Peers Hinweis das die Tätigkeit nicht zu eng gefasst werden sollte. Zwar kann man nachher die Tätigkeit erweitern aber dies kostet wieder Geld.

    Beim Erfassungsbogen vom FA kann ich jeden nur raten möglichst bescheiden zu antworten. Auf Basis der hier genannte Summen entstehen nämlich auch die Vorauszahlungen. Wer hier zu hoch schriebt der muss zu viel ans FA leiten auch wenn die Einnahmen zu Beginn nicht so rosig sind.

  7. Hagen meint

    Ich kann mich meinen Vorrednern nur anschließen: Die Gewerbeanmeldung ist wirklich der einfachste Schritt. Der ganze Papierkram ist halb so schlimm, das Gewerbe ist in einer halben Stunde angemeldet, für meine erste Steuererklärung (in meinem noch jungen Leben wohlbemerkt) habe ich eine Stunde gebraucht. Irgendwann muss man sich dann nochmal mit der IHK auseinandersetzen, aber auch das ist eine Sache von 10 Minuten. Ist zwar Bürokratie, aber in den Ämtern sitzen auch keine Monster ;)

  8. meint

    Sehr anschauliche Zusammenfassung. Ich hatte damals auch etwas Panik vor dem ganzen Papierkram und war erleichtert als das vorbei war. Zu meiner Überraschung musste ich aber feststellen, dass es gar nicht so kompliziert war wie ich mir das vorgestellt hab. Ich hab eine Gewerbean- um- und abmeldung hinter mir. Das war beim Amt jedes Mal innerhalb von einigen Minuten erledigt.

    Gewinnerzielungsabsicht ist auch ein wichtiger Punkt. Ich denke die meisten Hobby Webmaster wissen gar nicht, dass sie ein Gewerbe anmelden müssen sobald sie den ersten Cent mit Werbeeinnahmen verdienen.

  9. meint

    Hallo,

    die Gewerbeanmeldung ist ein sehr spannendes Thema, obwohl man es gar nicht denken mag.

    Man sollte sich in jedem Fall darüber Gedanken machen, ob man nicht zunächst ein Kleinunternehmergewerbe betreiben möchte. Kleinunternehmer ist man, wenn man unter der jährlichen Umsatzgrenze von 17500 Euro bleibt. Man muss dann von seinen Kundenendpreisen keine Umsatzsteuer abführen und kann sich so einen kleinen Vorteil gegenüber der Konkurrenz verschaffen.

    Außerdem muss man keine Umsatzsteuervoranmeldung beim Finanzamt abgeben, was bei den meisten Anfängern oft zum Problem werden kann. Man spart sich Steuerberaterkosten und gibt einfach am Jahresende eine einfach Einnahme-Ausgaben Liste ab. Das ist alles. Zum Thema Steuerbearter: Das sins meiner Meinung nach nur geldgierige “Berater”. Professionelle Beratung zum fairen Preis findet in den meisten Steuerkanzleien schon lange nicht mehr statt.

    Viele werden jetzt wahrscheinlich denken, dass sich die Kleinunternehmerregelung gar nicht lohnt, da die geschätzten Einnahmen natürlich höher liegen werden. Theorie und Praxis sind auch hier zwei unterschiedliche Paar Schuhe. Viele merken es erst zu spät, dass die geplanten Einnahmen doch nicht so hoch sind. Kleiner Tipp: Bleibt man im ersten Jahr als Kleinunternehmer unter der Umsatzgrenze von 17500 Euro, kann man im nächsten Jahr “umsatzsteuerfrei” einen Umsatz bis 50.000 EUR machen. Im dritten Jahr wäre man dann normaler Unternehmer mit Umsatzsteuerschuld.

    Im dritten Jahr sollte man dann spätestens so weit sein, sein Gewerbe umzustellen und dann ein Vollunternehmer zu sein. Eventuell fallen dann Investitionen an und man kann als Normalunternehmer auch die Vorsteuer ziehen.

    Auf keinen Fall sollte man bei der Anmeldung beim Finanzamt auf die Kleinunternehmerregelung verzichten. Da muss man ein Häkchen an der richtigen Stelle machen. Man verpflichtet sich dann nämlich mindestens 5 Jahre die Umsatzsteuervoranmeldung abzugeben.

    Sollte man nämlich als Existenzgründer ein “normaler Unternehmer” sein und nach kurzer Zeit dann merken, dass die Umsätze doch gar nicht so hoch sind wie erwartet, kann man immer noch in die Kleinunternehmerregelung wechseln.

    Als Fazit kann ich sagen: Jeder muss seine Erfahrung selbst machen. Könnte ich es mir heute nochmal aussuchen, würde ich meine Ausgaben so niedrig wie möglich halten (wirtschaftliches Handeln) und gegenüber dem Finanzamt als Kleinunternehmer auftreten. Das spart gerade “am Anfang” eine menge Äger mit den Behörden und man kann sich als Anfänger mehr auf sein Geschäft konzentrieren.

    LG Micha

  10. Daniel meint

    Ich denke auch gerade darüber nach , ein Gewerbe anzumelden. Deshalb würde es mich mal interessieren, welchen Zweck du bei der Anmeldung angegeben hast. Ich bin einerseits als Journalist tätig, habe aber auch meine Webseite, wo ich zukünftig Werbung schalten will und bin deshalb etwas schlüssig…

  11. meint

    Was hier vielleicht mal wirklich interessant wäre:
    Ein genauer Aritkel darüber, wie man eine Briefkastenfirma (Inland/Ausland) anmeldet :-)

    Besonder bei Firmen, die mit “internet” Geld verdienen, egal ob SEO, Werbung, eBooks etc,
    wäre das auch eine sehr interessante alternative (ich weiß jedoch nicht, wie es mit den Kosten ausschaut).
    Der Aritkel sollte natürlich nicht dazu dienen, einen Abzockservice aufzumachen. Es geht mehr um Zwangsabgaben wie die an die IHK zu umgehen, wenigestens für den Anfang.

    vielleicht tummeln sich hier auch einige BWL/Steuer Profis rum, die dann Tipps bezüglich der Steuern mit einbringen könnten (Steuern für Briefkasten-Firmen im Ausland).

  12. meint

    Der Artikel ist gut und sehr detailliert. Andererseits finde ich, dass man das Thema der Anmeldung nicht so aufbauschen muss, denn die eigentliche Anmeldung und der Aufwand bei der zustaendigen Behoerde ist minimal. Kein Grund zur Sorge also.

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