Existenzangst – Bremse oder Motivation für Gründer?

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Gestern habe ich über Angst und Sorgen als Marketing-Ansatz geschrieben.

Heute möchte ich das Thema Angst erneut aufgreifen. Diesmal aber die Angst des Selbständigen bzw. Existenzgründers.

Gerade am Beginn der Selbständigkeit läuft es meist noch nicht so rund und die Einnahmen schwanken noch stark. Deshalb kommt es bei vielen Gründern zu finanziellen Engpässen.

All das verursacht natürlich oft mehr oder weniger starke Existenzängste.

Ist eine gewisse Angst aber vielleicht sogar hilfreich?

Steigert diese die Motivation oder sorgt sie eher für eine Demotivation?

Angst ist der einzige Feind

Schon Sun Tsu* wusste, dass der einzige wirkliche Feind die eigene Angst ist.

Wer mit seiner Angst umgehen kann und sich davon nicht lähmen lässt, der hat die besten Karten.

Angst spielt natürlich auch in der Selbständigkeit eine Rolle. Existenzängste kennen viele Gründer, da nicht alle sofort ein ausreichendes und stabiles Einkommen erzielen.

Auch ich hatte zu Beginn meiner Selbständigkeit Existenzängste. Schließlich weiß man selber noch nicht so richtig, ob es überhaupt funktionieren wird.

Und es ist gewöhnungsbedürftig nicht zu wissen, welche Rechnungen man im nächsten und im übernächsten Monat überhaupt schreiben kann.

Wichtig ist vor allem, dass man sich von der Angst nicht überwältigen lässt.

Wenn die Angst lähmt

Angst essen Motivation auf” könnte man sagen.

Auch bei Angestellten gibt es Ängste, wie z.B. vor der Kündigung oder zu großen Aufgaben.

Nehmen die Ängste Überhand, dann wirken sie sich schädlich aus. Wenn man das Gefühl hat die Kontrolle zu verlieren und nur noch Passagier zu sein, der keinen Einfluss hat, dann führt das in der Regel zu Motivationslosigkeit, Erkrankungen oder sogar zum Burnout.

Zu viel negativer Stress, verbunden mit Existenzängsten, ist also besonders gefährlich und sollte vermieden werden.

Wie das geht, habe ich im Artikel “Burnout – Wenn Selbständige ausbrennen und wie man vorbeugen kann” schon ausführlich diskutiert.

Kann Angst auch ein Freund sein?

In letzter Zeit habe ich allerdings viel darüber nachgedacht, wie sich meine Selbständigkeit entwickelt hat.

2006 habe ich mich Selbständig gemacht und bin damals ins kalte Wasser gesprungen.

Ich habe mich natürlich grundsätzlich vorbereitet und viel Zeit investiert, aber es ging ohne Kunden los und entsprechend lange hat es gedauert, bis ich wirklich ausreichende und regelmäßige Einnahmen verzeichnen konnte.

Und im Rückblick muss ich sagen, dass ich zu dieser Zeit natürlich auch mit Existenzängsten zu kämpfen hatte.

Ganz besonders, als meine Frau zum zweiten mal schwanger wurde, was kurz danach passierte. Schließlich wusste ich oft nicht, wie viel ich überhaupt im nächsten Monat verdienen würde.

Allerdings habe ich die Existenzängste bis auf wenige Ausnahmen immer als Motivation empfunden. Ich erinnere mich noch, dass ich als Angestellter auch schon Websites erstellen wollte, aber Abends nach der Arbeit oft einfach nicht mehr motiviert war mich an den PC zu setzen und zu arbeiten.

Das hat sich mit der Selbständigkeit massiv geändert. Die Tatsache, dass ich mir jetzt nicht nur was im Internet aufbauen wollte, sondern dass ich mir etwas aufbauen musste hat mich jeden Abend dazu motiviert zu arbeiten.

Die ersten 2 Jahre meiner Selbständigkeit habe ich fast nur gearbeitet. Tagsüber, Abends bis in die Nacht und auch viel am Wochenende. Mal davon abgesehen, dass dies auf Dauer natürlich nicht gut ist und ich irgendwann kürzer treten musste, um einen Burnout zu verhindern, habe ich die Ängste immer als Antrieb empfunden.

Ich weiß nicht wo ich heute stehen würde und ob Selbständig im Netz in dieser Form existieren würde, wenn ich damals nicht den Druck gehabt hätte, den die Existenzangst erzeugt hat.

Viele schaffen es vielleicht auch deshalb nicht, sich etwas nebenberuflich im Internet aufzubauen. Da fehlt an Tagen, an denen man eigentlich keine Lust hat, die entscheidende Motivation.

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Gesunde Angst

Ich würde es “gesunde Angst” nennen.

Natürlich hängt es auch von jedem selbst ab, was er noch als gesunde Angst empfindet und was ihn eher lähmt.

Folgende Möglichkeiten gibt es unter anderem, um für ein Klima der gesunden Angst zu sorgen:

  • Absicherung
    Mir hat es z.B. geholfen, mich in der freiwilligen Arbeitslosenversicherung zu versichern. Das war einfach ein Sicherheitsnetz, welches ich im Hinterkopf hatte und welches mich etwas beruhigt hat.

    Manche sehen dies ja kritisch und sind der Meinung, dass so ein “Hintertürchen” als Ausrede genommen wird, um nicht 100% für die Selbständigkeit zu geben.

    Das traf zumindest bei mir nicht zu. Mir hat es dabei geholfen, mich mit weniger Angst vor dem Absturz voll auf meine Selbständigkeit zu konzentrieren.

  • Planung
    Ich werde immer dann unsicher, wenn ich nicht weiß, was auf mich zukommt. Manche machen dann eher noch das Gegenteil und stecken den Kopf in den Sand.

    Ich finde es dagegen sehr wichtig, dass man vorausplant. Wie sehen Einnahmen und Ausgaben der nächsten 6 Monate aus? Welche Projekte sind in der Pipeline und wo muss ich noch was tun?

    Angst macht uns Menschen vor allem das Unbekannte. Wenn man sich aber damit beschäftigt und um das Kommende weiß, dann sinkt die Angst davor.

  • Einfachheit
    Oft verzweifelt man auch wegen unüberschaubaren Hindernissen und füllt sich überlastet. Deshalb sollte man seine (Teil-)Aufgaben möglichst klein und einfach halten.

    Hier spielt natürlich wieder die Planung eine Rolle, aber eben auch die tägliche Arbeit. Viele kleine und einfache Aufgaben lassen sich einfach besser umsetzen und verursachen weniger Angst damit los zu legen.

  • Schlafen
    Das mag simpel klingen, war aber auch für mich eine wichtige Erkenntnis. Schlaf ist sehr wichtig für die Motivation und wenn man ausgeruht ist, empfindet viele Menschen auch deutlich weniger Angst.

    Deshalb sollte man bei allen Überstunden von Anfang an darauf achten, dass man genug Schlaf bekommt.

  • mehrere Standbeine
    Auch das habe ich selber am eigenen Leib gemerkt. Wer sich nur auf eine Einnahmequelle konzentriert, ist von dieser natürlich auch stärker abhängig.

    Ich habe mir mit der Zeit mehrere Standbeine aufgebaut und das ist deutlich beruhigender.

    Unter anderem habe ich nun auch Einnahmequellen, die jeden Monat mehr oder weniger stabil Einnahmen abwerfen. Damit bin ich also wieder ein wenig mehr in Richtung Angestellten-Verhältnis gekommen und es ist sehr beruhigend zu wissen, dass neben den unregelmäßigen Projekt-Rechnungen eben auch stabile und regelmäßige Einnahmen vorhanden sind.

  • Worst Case
    Existenzangst sorgt auch oft dafür, dass man aus einer Mücke einen Elefanten macht. Deshalb hilft es, wenn man sich genau überlegt, was im schlimmsten Fall passieren könnte.

    Und wenn man eine Absicherung hat, Rücklagen und/oder eine hilfsbereite Familie, ist der Worst Case meist gar nicht so dramatisch.

Meiner Meinung nach sollte man also versuchen, durch Maßnahmen wie den eben genannten, für eine gesunde Existenzangst zu sorgen, die einen antreibt, aber nicht lähmt.

Ein schmaler Grat

Natürlich bin ich mir bewusst, dass dies ein schmaler Grad ist.

Deshalb sollte man sehr wachsam auch sich selbst gegenüber sein und auf Signale des eigenen Körpers achten und reagieren.

Ebenso hilft es, wenn man Personen hat, mit denen man offen reden kann und die einen auch mal zur Seite nehmen, wenn sie negative Veränderungen feststellen.

Fazit

Für mich war die Existenzangst in den ersten Jahren nach der Gründung ein starker Motivationsfaktor, ohne den ich wahrscheinlich heute nicht da wäre, wo ich bin.

Eine gesunde Angst sorgt dafür, dass man sich auch dann motiviert zu arbeiten, wenn man eigentlich lieber auf der Couch liegen möchte (was natürlich auch hin und wieder gut und wichtig ist :-) ).

Allerdings muss man aufpassen, dass die Angst nicht überhand nimmt und in Lähmung und Motivationslosigkeit umschlägt.

Das ist die Gratwanderung, die viele Selbständige zu meistern haben.

Umfrage

Motiviert oder lähmt euch Existenzangst?

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Kommentare

  1. meint

    Hallo Peer,

    “Natürlich hängt es auch von jedem selbst ab, was er noch als gesunde Angst empfindet und was ihn eher lähmt.” -> das ist so ziemlich der springende Punkt. Nicht jeder kann das als Antrieb handlen bzw auf Dauer nutzen.

    Es hängt z.B. auch viel mit der Zielsetzung und den folgenden Erfolgen zusammen. Die Angst als Antrieb zu nehmen – sollte es bei einem funktionieren – ist erst die halbe Miete. Wenn man sie nicht mit Erfolgen step by step abbaut, wird sie einen früher oder später zerfressen.

    Aber was nicht zum Abstreiten ist, ist, dass sie eine starke Regung auslöst, wenn auch leider ab und zu ins Negative.

    Von dieser “Regung” ausgehend finde ich das Konzept dieses Artikels egtl. genial. Potentielle Existenzängste quasi eingestehen und versuchen sie positiv zu nutzen. Vor allem mehrere Standbeine können rapide dagegenwirken.

    gruß,

    John

  2. meint

    Ich glaube eine kleine Portion Angst hilft, nicht gleich am Anfang übermütig zu werden und alles was mit der Existenzgründung zusammen hängt, genauestens zu betrachten und abzuwägen. Natürlich sollte man es nicht übertreiben *g*

  3. meint

    Schöner Artikel!

    Ich war bereits Selbständig und die Angst ist ja ganz normal. Man kann hingegen noch so viel Arbeiten und dennoch reicht man gerade so bis zum Monatsende. Es ist bei mir eher die Angst neue Aufträge nicht im Zeitplan fertig zu bekommen bzw. einfach zu viele Projekte “gleichzeitig” zu besitzen. Wenn man für nichts und niemand mehr Zeit hat, ist das eine Angst kein Wochenende mehr mit seiner Liebsten zu verbringen oder Freunde zu vernachlässigen. Das ist das, was mich an der Selbständigkeit gestört hat. Immer zu Arbeiten. Klar kann man das anders machen, aber um Fuß zu fassen muss man in den ersten Jahren mehr Leisten und mehr Zeit damit verbringen. Viele Langzeit-Selbständige haben ja bereits viele Langzeit-Kunden und sind die Ruhe selbst.
    Auch bei mir gab es dazu heute einen passenden Artikel, den ich gern verlinke würde.
    http://webmaster-glossar.de/blog-website/selbstandigkeit-ja-oder-nein/
    Selbständigkeit – ja oder nein?!

    lg, Marcus

  4. meint

    Ohne Angst würde man wohl blind ins Verderben rennen. Dass Sie aber auch eine große Motivationshilfe sein kann, ist vielen nicht klar. Einige beschäftigen sich nicht wirklich mit der eigenen Existenzangst und wundern sich warum sie nervlich so am Ende sind. Ich glaube, wer sich Gedanken in wirklich alle Richtungen macht, hat als Selbstständiger gute Chancen mit der aufkommenden Angst umzugehen und sie zu meistern. Wichtig ist eben nur zu wissen, dass man sie wohl nicht vermeiden kann.

    Grüße

  5. meint

    Ich habe immer dann Existenzangst, wenn ein Monat nicht so gut läuft, ein Kunde mich hängen lässt oder viele Rechnungen auf einmal kommen. Irgendwie passt aber keiner deiner Umfragepunkte. Mich lähmt Existenzangst nicht. Natürlich würd ich dann am liebsten die Decke über den Kopf ziehen und alles an mir vorbeiziehen lassen. Aber ich tue es nicht. Die Angst motiviert mich aber auch nicht zu höheren Taten. Ich versuche einfach wie gehabt meine Sache durchzuziehen in dem Wissen, dass auf Regentage Sonne kommt.

  6. meint

    Finde ich super, dass auch mal solche sensiblen Themen kommen. Ich kann wirklich nur bestätigen: Schlaf ist extrem wichtig, und es bringt überhaupt nichts, sich auszupowern und sich täglich zu wenig Schlaf zu gönnen – das rächt sich auf jeden Fall.
    Und wer einen Plan für den worst case hat und ahnt, wie es weitergehen kann, bei dem nimmt die ganz große Angst dann auch ab. Irgendwie geht es immer weiter, wenn man will :cool:

  7. meint

    Man muss die Ängste einfach erst mal überwinden, einfach mal ausblenden und dennoch sein Ding durchziehen. Das klingt natürlich immer so einfach, aber es ist verdammt schwer, und nicht jeder schafft das. Irgendwie ist es also beides, sowohl Bremse, als auch Motivation – es kommt ganz auf den Typ Mensch an, der man ist.

  8. meint

    Ich bin auch der Meinung das eine gesunde Portion Angst gesund ist und den Mensch ausmacht. Es muß wie immer ein gesundes Mittelmaß sein, nicht zu viel das man sich nichts mehr traut und nicht zu wenig, das dass Risiko zu hoch ist!

  9. Maria meint

    Angst hin und her, meiner Meinung nach sollte man es wie mit allem halten und wohl dosiert sein Leben gestalten. Was nutzt einem ein auf Teufel komm raus ausgeübter Job wenn dann am Ende sich mit gesundheitlichen Schäden herumschlagen muss. Schlaf und Ruhephasen sind extrem wichtig.

    LG Maria :smile:

  10. meint

    Angst ist wichtig sonst würde nichts laufen. Wen man Sorglos wäre für was dann arbeiten?Von allem immer eine gesunde Portion dann ist alles in der Waage.

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