Dieser Artikel setzt voraus, dass Sie den Einsatz von cloud-basierten Lösungen in Ihrem Unternehmen anstreben.
Er behandelt folglich nicht die Vor- und Nachteile von Cloud Computing sondern will ein Wegweiser auf dem Weg in die Cloud sein und die wichtigsten Ăberlegungen beleuchten.
Anforderungen, Auflagen und Gesetzestexte
Gerade bei Onlineunternehmen und Webprojekten lassen sich unterschiedliche Aufgabenfelder und TĂ€tigkeiten oft nur schwer unterscheiden und strukturieren. Daher ist in jedem Fall eine sorgfĂ€ltige Analyse Ihres Unternehmens nötig, um den optimalen Einsatzbereich fĂŒr Cloud Computing zu bestimmen.
Beziehen Sie dabei Ihre Mitarbeiter aktiv in den Prozess ein, da diese oft am intensivsten mit den Schwachstellen von Soft- und Hardware vertraut sind.
Zu viele Unternehmer stĂŒrzen sich bedenkenlos auf vermeidlich vorteilhafte Cloud Dienste, ohne deren KompatibilitĂ€t mit dem eigenen GeschĂ€ftsmodell untersucht zu haben.
Lassen Sie sich nicht von den in der Regel kostengĂŒnstigeren und skalierbaren Eigenschaften der Cloud Services blenden. Oberstes Augenmerk sollte auf die FunktionalitĂ€t und Leistungsumfang des Produktes gelegt werden. Wer hier Kompromisse eingeht, kann eventuell geschĂ€ftsentscheidende Features verlieren und die Zukunft seines Projektes gefĂ€hrden.
Wenn beispielsweise GPS-gestĂŒtzte Daten fĂŒr die Effizienz Ihrer Logistik nötig sind, dann wĂ€re eine Cloud-Lösung die dieses Feature nicht hat (wenngleich gĂŒnstiger) keine Alternative zu bestehender Software.
Im Zweifelsfall lohnt sich auch hier die Kontaktaufnahme zu Mitarbeitern und Kunden um sich der eigenen BedĂŒrfnisse bewusst zu werden. Helfen kann auch die bewĂ€hrte PrioritĂ€tenliste, die die Wichtigkeit der Funktionen durch eine Anzahl Sternchen verdeutlicht (z.b 5 Sterne = absolutes Muss, 1 Stern = entbehrlich).
Verkompliziert wird der Implementierungsprozess von Cloud Computing durch eine Vielzahl von Auflagen und Datenschutzrichtlinien. SpĂ€testens wenn Ihr Unternehmen mit sicherheitssensiblen Daten (z.b. Gesundheitsbefunden) in BerĂŒhrung kommt, schlieĂen sich viele TĂŒren. In solchen FĂ€llen verbietet sich beispielsweise die Auslagerung von Daten in eine US-Cloud, da hier der Patriot Act zum Einsatz kommen wĂŒrde.
Das Thema Datenschutz ist mit Sicherheit eines der Hauptbedenken, die die groĂflĂ€chige Adoption von Cloud Computing vor allem in Deutschland noch behindern. Die Gesetzeslage ist zudem noch sehr volatil, was das regelmĂ€Ăige Studium von Fachartikeln selbst nach der Implementierung nötig macht.
Allgemein gilt: wer sich zu Beginn erfolgreich durch Gesetzestexte quĂ€lt, bei Unklarheiten Rechtsberatung in Anspruch nimmt und sich regelmĂ€Ăig auf den neusten Stand bringt, der minimiert das Risiko im spĂ€teren Verlauf erheblich.
VorsichtsmaĂnahmen
Je nachdem in welchem Umfang Sie Cloud Computing in Ihrem Unternehmen einsetzen möchten, sollten Sie eine Aufstellung Ihrer bisherigen IT-Systeme in Betracht ziehen. Wer lediglich von Software auf cloud-basierte SaaS-Applikationen umsteigen möchte, kann sich diesen Schritt in der Regel sparen.
Nehmen wir also an, Sie möchten den GroĂteil Ihrer IT-Infrastruktur in die Cloud auslagern. Dies wĂ€re beispielsweise bei einer Komplett-Umstellung von in-house Servern hin zu Cloud Hosting gegeben. In diesem Szenario wĂŒrde die Mehrheit ihrer bestehenden IT-Systeme ĂŒberflĂŒssig werden. Es bietet sich an, kostenspezifische und technische Vorhersagen zu treffen, um festzustellen welche Elemente bei der Umstellung bedenkenlos losgelöst werden können. StĂŒtzen Sie sich bei Ihren Analysen auf konservative SchĂ€tzungen, um dem Sicherheitsaspekt einen gröĂtmöglichen Spielraum zu geben.
Viele Cloud Provider erlauben ihren Kunden die Nutzung ihrer Produkte zu Testzwecken. Dies erlaubt Ihnen sich einen Eindruck ĂŒber die FunktionalitĂ€t und die LeistungsfĂ€higkeit dieser Cloud Systeme zu verschaffen. Aber auch im fortlaufenden Betrieb ist Monitoring angebracht. Ăberwachen Sie Ihr Cloud System und prĂŒfen Sie es regelmĂ€Ăig im Hinblick auf Latenz, Redundanz und VerfĂŒgbarkeit.
Die Suche nach dem richtigen Cloud Anbieter
Nun kommen wir zur letzten Verzweigung auf dem Weg in die Wolke – der Wahl des richtigen Providers.
NĂŒtzliche Anlaufstellen bei der Suche nach einem Cloud Anbieter sind beispielsweise das Anbieterverzeichnis www.clouds.de, Fachzeitschriften oder die bewĂ€hrte Recherche bei Google.
Letztendlich werden Sie auf die eine oder die andere Weise auf den Webseiten der in Frage kommenden Provider landen. Hier gilt es dann nach Informationen ĂŒber u.a. folgendes Ausschau zu halten:
- Funktionen und VerfĂŒgbarkeit
- Preise
- SLAs (Service Level Agreements) / Datenschutz
ZunĂ€chst gilt es zu ĂŒberprĂŒfen ob die FunktionalitĂ€t des Cloud Dienstes den zuvor festgelegten Anforderungen entspricht. Ist dies nicht der Fall, sollte ĂŒberlegt werden in wieweit dies zu verschmerzen ist (Stichwort PrioritĂ€tenliste).
Ein weiterer Faktor ist die angegebene VerfĂŒgbarkeit des Dienstes, die normalerweise nach dem Schema XX,X % angeben wird und ebenfalls ein K.O.-Kriterium darstellen kann.
Je nach Segment unterscheidet sich die Preispolitik in der Datenwolke. Bei Public Clouds, SaaS und Cloud Storage (also Diensten wie Amazon Webservices, Salesforce und Dropbox) wird dem Nutzer nach dem Pay-per-Use-Prinzip nur die von ihm tatsÀchlich in Anspruch genommene Datenmenge in Rechnung gestellt.
Komplizierter wird es bei on-premise Lösungen wie Private Clouds und hybriden Clouds.
Der Einfachheit halber nehmen wir an, dass Sie sich fĂŒr eine typische Public Cloud-Lösung entschieden haben. Nicht zuletzt gehören SaaS, Cloud Storage und Public Clouds zu den hĂ€ufigsten Cloud Anwendungen fĂŒr die sich Internetunternehmer entscheiden.
Bei SaaS-Angeboten wie Salesforce staffeln sich oft Preise fĂŒr verschiedene Versionen des Produktes je nach Funktionsumfang, Anzahl der Nutzer, DatenkapazitĂ€t oder einer Kombination dieser Limitierungen.
Viel zu wenig Beachtung finden oft die mit dem Datenschutz direkt verbundenen SLAs (Service Level Agreements) oder zu Deutsch DienstgĂŒtevereinbarung (DGV). Diese sind rechtlich bindende VertrĂ€ge und bestimmen die vom Cloud Anbieter zu erbringenden Dienstleistung sowie AbrechnungsmodalitĂ€ten. SLAs beinhalten die wohl detailliertesten Informationen ĂŒber den Cloud Service.
Wichtig ist vor allem der Serverstandort des Cloud Providers. Liegt er in Deutschland gilt allein deutsches/europÀisches Recht und der Schutz vor dem US-amerikanischen Patriot Act ist gewÀhrleistet.
Aufgrund ihrer Wichtigkeit (SLAs regeln auch wer Zugriff auf die Daten hat und die Rechte an ihnen besitzt) ist das genaue Studium von SLAs unerlÀsslich. Bei Unklarheiten empfiehlt sich die Kontaktaufnahme mit einem Cloud Consultant und/oder einem Rechtsanwalt.
Sind Sie mit den Angaben des Providers einverstanden, steht einer Vertragsvereinbarung nichts mehr im Wege.
Fazit
Der Weg in die Cloud ist in der Regel leichter als die Implementierung von traditioneller Soft- und Hardware. Dennoch will der Einsatz von Cloud Computing gut geplant sein, um am Ende den richtigen Provider ausfindig machen zu können.
Nehmen Sie sich ruhig Zeit und untersuchen Sie die Cloud Anbieter bis ins Detail. Wer genug Zeit in die Planungsphase investiert hat spĂ€ter gröĂere Chancen, langfristig von den zahlreichen Vorteilen des Cloud Computing zu profitieren.
Autoreninformation
Christopher Kloes ist Webmaster und Betreiber der Seite clouds.de, einem Anbieterverzeichnis fĂŒr Cloud Computing Dienste im deutschsprachigen Raum mit bereits ĂŒber 200 Providern. Ziel der Seite ist es, Informationen zu bĂŒndeln um so fĂŒr ein höheres MaĂ an Transparenz fĂŒr den Endkunden zu sorgen.
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Cloud Services sind so eine Sache. Nicht jeder DatenschĂŒtzer wird hurra schreien, aber am Ende kann kein DatenschĂŒtzer der Welt diese Entwicklung aufhalten. FĂŒr Unternehmen kann es durchaus interessant sein, vor allem, wenn keine Manpower fĂŒr den Betrieb eigener Server da ist. Beispielsweise Office aus der Cloud, mit Anbindung an Cloud Email, kann besonders fĂŒr kleine Unternehmen eine Alternative sein.
Danke, fĂŒr den spannenden Artikel. Ich bin einer von den Menschen, der seine Daten nicht irgendeinem Anbieter ĂŒberlassen will. Zwar finde ich die Idee toll, aber irgendwie will ich nicht meine Daten irgendwo hochladen. Aber mal schauen, was die Zukunft bringt.
Ich glaube “Cloud-World” ist noch nicht reif genug!
Ich versuche nur die Daten frei zu geben, die ich auch sonst ĂŒberall verteile!
Bin aber auch wie “Andy” gespannt was die Zukunft uns bringt.:smile::smile:
Ich finde Clouds super !! Und seit auch in Europa erste “richtige” Cloud-Anbieter FuĂ fassen, gibt es auch weniger rechtliche Bedenken.
Tragisch ist halt nur, dass in puncto dynamisch skalierbarer Cloud eigentlich nur Azure, Amazon oder Google als Anbieter in Frage kommen.. nicht unbedingt das UngĂŒnstigste aber dennoch weggebend und aufzeigend warum so ein Global Player letztendlich unschlagbar ist.
Die Clouds werden auf lange Sicht kommen. Viele End-User (Verbraucher) haben ja schon ihre Private Cloud. FĂŒr Firmen wird in der Zukunft, kein Weg dran vorbeifĂŒhren.
Danke fĂŒr den Artikel. Also ich finde Clouds als Idee wirklich schön. Leider gibt es reichlich Probleme bei einigen Cloud-Anbietern mit der Sicherheit. FĂŒr Unternehmen ist jedoch der Kostenfaktor entscheidend. Durch Clouds entstehen auf lange Sicht weniger Kosten. Allein durch manche Software die meist von Spezialisten fĂŒr viel Geld aktualisiert werden muss oder speziell entwickelt oder angepasst werden muss. Dazu kommt das bereits nach einigen Jahren die Software veraltet ist und viele SicherheitslĂŒcken vorhanden sind. Durch das SaaS-Modell kann das nicht auftreten.
Ich arbeite selbst fĂŒr ein Unternehmen welches SaaS-Produkte vertreibt bzw. entwickelt und bin davon ĂŒberzeugt… Aber ich weiĂ ja auch das unser Produkt sicher und gut ist.
Ich gebe zu das kann man nicht von allen behaupten. Aber das wird hoffentlich noch besser werden