Online-Gesangskurs, mehrere Standbeine, Leidenschaft und mehr – Interview

In meinem heutigen Interview spreche ich mit einer Sängerin.

Dabei geht es unter anderem um die Frage, wie sie Geld verdient und warum und wie sie einen Online-Gesangskurs erstellt hat.

Zudem gibt es viele interessante Einblicke in ihr Leben und praktische Tipps für andere Künstler, wie diese erfolgreich werden können.

Hallo Carina. Bitte stell dich meinen Lesern vor.

Mein Name ist Carina Offergeld und ich bin Singer-Songwriterin aus München.

Neben meiner künstlerischen Tätigkeit arbeite ich als Vocal und Songwriting Coach, organisiere Workshops, Songwriting Camps auf einsamen Inseln, erstelle Online Gesangskurse und arbeite in Tonstudios im Bereich Vocal Recording und Editing.

Wie bist du zur Musik gekommen und Sängering geworden?

Ich war bereits im Alter von 15 Jahren das erste Mal in Bands aktiv und hatte schon früh den Wunsch in meinem Leben ausschließlich Musik zu machen. Für mich kam daher zu keinem Zeitpunkt ein anderer Berufswunsch in Frage.

Was macht dir daran besonders Spaß?

Ich kann mein Leben, meine Arbeitszeiten und mein Gehalt so gestalten wie es mir gefällt, weil ich stets mein eigener Chef bin.

Phasenweise arbeite ich sehr viel und ein Sonntag ist ein ganz normaler Arbeitstag für mich. Auch Recording Sessions bis spät in die Nacht sind keine Seltenheiten. Vor allem aber wenn ich auf Tour bin gibt es keinen geregelten Achtstunden Tag.

Andererseits kann ich mir aber auch mal eine Auszeit nehmen und für ein paar Wochen einfach weg fahren, um Songs zu schreiben.

Kann man überhaupt von der Musik leben?

Diese Frage hören wir Musiker immer besonders gerne.:-) Selbstverständlich kann man sehr gut von der Musik leben, sofern man sich verschiedene Standbeine aufbaut, sich passende Nischen sucht und in diesen überzeugt.

Beispielsweise arbeite ich im Bereich Vocal Editing und mache viel Studioarbeit, welche Produzenten nur ungern selbst machen.

Wie verdienst du dein Geld?

Durch meine Auftritte als Musikerin, Coachings, Online Kurse und Studioarbeit.

Du hast unter anderem einen erfolgreichen Udemy Kurs erstellt. Wie kam es dazu?

Mein Online Gesangskurs war zum Beispiel so eine Nische, von der ich vorhin gesprochen habe.

Nachdem ich mehr Anfragen für Gesangsunterricht erhalte, als ich Schüler annehmen kann, machte ich mir über einen längeren Zeitraum viele Gedanken darüber, wie ich auch den Leuten helfen kann, die keinen festen Unterrichtsplatz erhalten können.

Denn jemanden abzuweisen, der meine Hilfe haben möchte, ist für mich sehr unangenehm.

Dies führte zu der Idee einen Online Gesangskurs zu machen. Im Vergleich zu Youtube Videos mit Gesangsübungen biete ich einen in sich geschlossenen Kurs, was viele Vorteile bietet.

Welche Schwierigkeiten und Probleme musstest du überwinden?

Viele Leute, vor allem Kollegen, sehen Online Gesangskurse sehr kritisch, da sie der Meinung sind, dass ein Onlinekurs den richtigen Unterricht vor Ort nicht ersetzen kann.

Ich stimme dem teilweise zu, jedoch wird oft vergessen, dass es unzählige Sänger und Sängerinnen gibt, die sich einfach nicht trauen zu einem Lehrer zu gehen. Gerade für solche Schüler ist der Einstieg über einen Online Gesangskurs ideal. Einige meiner Online Gesangsschüler berichten mir, dass sie sich nach meinem Kurs endlich trauen auch zu einem Lehrer zu gehen.

Dann gibt es noch diverse Sänger und Sängerinnen, die bereits Unterricht haben und begleitend dazu einfach noch mehr Übungen ausprobieren möchten oder eine ganz bestimmte Technik erlernen wollen.

Auch Leute, die einfach mal „reinschnuppern“, um zu schauen, ob sie Spaß am Singen haben, finden meinen Kurs klasse.

Welche Technik und Software hast du für den Videokurs verwendet?

Was die Tonaufnahmen betrifft, bin ich natürlich in meinem Homestudio bestens ausgestattet. Mein Brauner Phanthera Kondensatormikrofon war perfekt für die Aufnahmen.

Was die Kamera betrifft, habe ich lediglich mein iPhone in Verbindung mit der MoviePro App benutzt. Die Bearbeitung der Videos habe ich mit iMovie gemacht.

Also alles ziemlich easy, aber es hat funktioniert.

Welche Marketing-Maßnahmen hast du zur Vermarktung des Kurses durchgeführt?

Als Künstler ist man ja nicht automatisch ein Marketingexperte, weshalb ich mich zu Beginn sehr viel mit dem Thema auseinandersetzen musste.

Aktuell bewerbe ich meinen Online Kurs und meine Workshops regelmäßig mit eMail Marketing Aktionen und im Social Media Bereich. Demnächst plane ich Webinare und möchte einen Blog rund ums Thema Gesang und Songwriting erstellen.

Du hast auch eine Website. Wie wichtig ist diese für dich und wie viel Arbeit steckst du da rein?

Selbstverständlich habe ich eine Webseite, genauer gesagt sogar zwei.

Auf einer Webseite werden meine Dienstleistungen angeboten und die andere Webseite zeigt meine künstlerische Identität.

Was hast du in Zukunft noch vor?

Eine Menge, sonst würde es mir ja langweilig werden. Ich war kürzlich zusammen mit meinem Partner in Nashville und habe ein neues Album aufgenommen, welches demnächst erscheinen wird.

Außerdem plane ich derzeit einen zweiten Udemy Gesangskurs und organisiere auch 2017 wieder ein Music Retreat für Sänger und Songwriter in Kroatien. Infos gibt´s hier: www.music-retreat.de

Zum Schluss würde ich mich über deine wichtigsten “Business-Tipps” für Künstler freuen.

Als erstes sollte man wissen, wo die eigenen Schwächen liegen, was für die meisten ziemlich unangenehm ist. Nicht die Kritik der Familie und Freunde ist ausschlaggebend, sondern man sollte sich von jemanden der Ahnung hat ein ehrliches Feedback holen. Dies kann ein Vocal Coach, ein Produzent, ein A&R oder einfach das Publikum sein.

Falls ausreichend Talent vorhanden ist und man sich dazu entschließt richtig Karriere als Sänger oder Songwriter machen zu wollen, muss es 100% und kompromisslos gewollt werden. Das bedeutet, dass man einfach nichts anderes im Kopf hat als Musik zu machen und Songs zu schreiben. Man muss die Bereitschaft haben ständig hart an sich zu arbeiten, das Privatleben für einen längeren Zeitraum hinten anzustellen und dies alles ohne jegliche Sicherheit oder Garantie.

Ich kenne Musiker, die ihre Songs jahrelang in Schubladen verstecken, da sie nie das Gefühl haben damit zufrieden zu sein. Man sollte sich permanent in die Situation begeben, dass die eigenen Werke gehört und auch kritisiert werden. Ansonsten kann man einfach nicht besser werden. Man sollte immer versuchen sich mit besseren Musikern zu umgeben, um selbst besser zu werden. Aber man sollte auch den Punkt erkennen, an dem sich der Wunsch Künstler zu sein nur als Träumerei herausstellt. Dann sollte man es sein lassen.

Sofern es möglich ist, würde ich jungen Musikern auch empfehlen in eine Stadt zu ziehen, wo eine aktive Musikszene gibt, da es ohne Networking schwierig ist Fuß zu fassen.

Zudem habe ich oft miterlebt, wie junge Talente sich dann doch noch mit einem seriösen, bürgerlichem Studium ein sicheres Standbein aufbauen wollten. Aus der Musikkarriere ist dann in allen mir bekannten Fällen nichts mehr geworden, weil der Fokus sich verschoben hat.

Was die Ausbildung betrifft, so möchte ich sagen, dass in der Musikwelt nicht zählt was jemand studiert hat, sondern lediglich was jemand drauf hat. Ich kenne begnadete Musiker, die erfolgreich im Musikbuisness arbeiten, viel Geld verdienen und nicht einmal einen Schulabschluss haben. Andere erfolgreiche Musiker haben sehr wohl ein Musikstudium abgeschlossen. Jeder muss seinen eigenen Weg finden und diesen gehen. Es gibt leider kein Patentrezept mit dem man im Music Business erfolgreich wird.

Und außerdem: Künstler wird man nicht, sondern ist es einfach und genauso sollte man dann auch leben.

Danke Carina für das Interview

Peer Wandiger

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