Stephan Czysch gründete 2012 mit drei ehemaligen Rocket Internet Kollegen die Online Marketing Agentur Trust Agents. Innerhalb kurzer Zeit skalierte er Trust Agents auf 70 Mitarbeitende bei sehr hoher Profitabilität.
2017 wurde Trust Agents an ein niederländisches Agenturnetzwerk verkauft. Stephan gehörten damals noch knapp 30 Prozent der Firma, er nahm einen siebenstelligen Betrag mit nach Hause.
In den letzten Jahren war Stephan Czysch als Online Marketing Consultant tätig (Tagessatz: 1.500 Euro), arbeitete als Dozent und baute mehrere SEO-Plugins und das SaaS-Tool searchanalyzer, alles rund um die Google Search Console.
Im Selbständig im Netz Podcast erzählt Stephan (Website, LinkedIn),
- warum Trust Agents eigentlich auch eigene Projekte bauen wollte, es aber dann doch nicht tat
- warum man beim Aufbau einer Agentur eigentlich nichts falsch machen kann und Stephan auch heute noch an das Geschäftsmodell glaubt – mit einem „aber“
- wie er seine SaaS-Tools seit Jahren über ukrainische Freelancer von Upwork bauen und entwickeln lässt
- warum Stephan jetzt den Job als Head of SEO bei mobile.de angenommen hat und seine Online-Selbständigkeit nur noch nebenberuflich fortführt
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Geschichte, Gründer, Angebot

Nach seinem Studium fing Stephan Czysch 2009 als Teamleiter Online Marketing bei Rocket Internet und macht dort SEO für die verschiedenen Beteiligungen des berüchtigten Samwer-Inkubators, unter anderem für Zalando. Mit Anfang 20 leitete und koordinierte Stephan dort bereits mehrköpfige Teams. Den Job bekam er über einen Gastdozenten in seinem Studium, dem Stephan ins Auge gesprungen war.
2011 wechselte er innerhalb des Samwer-Universums auf die Startup-Seite und baute als Head of SEO für den Airbnb-Klon Wimdu ein internationales SEO-Team auf. Innerhalb weniger Monate ging es von Null auf 50 Vollzeitmitarbeitende – und teilweise auch wieder zurück.
Nach einem knappen Jahr bei Wimdu gründete Stephan Czysch dann zusammen mit drei ehemaligen Rocket-Internet-Kollegen die Online Marketing Agentur Trust Agents. Innerhalb kurzer Zeit skalierte Trust Agents auf 70 Mitarbeitende bei einer für Agenturverhältnisse enorm hohen Profitabilität von mehr als 15 Prozent.
Uneinigkeiten innerhalb des Gründerteams über die gemeinsame Weiterarbeit führten nach einiger Weile zum Verkauf von Trust Agents. 2017 verkauften die Gründer ihre Agentur an ein niederländisches Agenturnetzwerk. Stephan gehörten zu diesem Zeitpunkt noch knapp 30 Prozent an Trust Agents, er nahm einen siebenstelligen Betrag mit nach Hause.
In den letzten Jahren arbeitete Stephan dann als Online Marketing Consultant, war als Dozent tätig und ließ einige sehr beliebte Google-Chrome-Plugins und SaaS-Tools entwickeln. Das alles in seinem Fachgebiet „bessere Webanalyse mit der Google Search Console“.
Bei all dem kam aber auch das gute Leben nicht zu kurz. Mit einem Tagessatz von 1.500 Euro musste Stephan nicht viele Tage verkaufen, um seine laufenden Kosten zu decken. Und tat das auch nicht.
Trotzdem hat Stephan Czysch jetzt einen neuen Job angetreten, als Head of SEO beim Automarktplatz mobile.de. Seine Online-Selbständigkeit führt er nebenberuflich fort.
Der Grund: In seiner Arbeit frustrierte es Stephan oft, „nur“ zu beraten und dann von außen die (Nicht-)Umsetzung verfolgen zu müssen.
Bei mobile.de hat er dem gegenüber enorme Kapazitäten und die Möglichkeit, zusammen mit internen Tech-Teams echte Veränderungen anzustoßen. Er hat eine große Seite mit einem entsprechend großen Hebel. Und mit einer zuletzt mauen SEO-Performance gegenüber Rivale AutoScout24 und dem Mega-Thema KI auch spannende Herausforderungen.
Learnings & Analyse
Die wichtigsten Takeaways:
Klammere dich nicht an deine Pläne und sei genügsam. Die vier Trust Agents Gründer wollten mit ihrer Agentur eigentlich auch eigene Produkte bauen. Ein Vorhaben, das im florierenden Agenturalltag immer mehr an Priorisierung verlor und irgendwann ganz in der Schublade verschwand.
Sie fanden sich im Konflikt wieder, die Arbeitszeit von sich und ihren Mitarbeitenden entweder sofort von Kunden vergütet zu bekommen oder in Produkte zu investieren, die kurzfristig Null und langfristig eine völlig unklare Rendite abwarfen.
Auch hatten sich die Gründer ihre Agentur eigentlich völlig anders vorgestellt, als sie sich dann entwickelte. Auf dem Reißbrett war Trust Agents als Boutique-Agentur mit vielleicht 10 hochqualifizierten Mitarbeitenden geplant. Eine gute und erfüllende Arbeit war wichtiger als eine Optimierung bis auf den letzten Euro.
Dass es dann anders kam, sieht Stephan gelassen. Es sei müßig darüber zu grübeln, was bei anderen Entscheidungen geschehen wäre. Insbesondere natürlich im Erfolgsfall. Aber auch sonst rät Stephan zur Genügsamkeit und zu einer Priorisierung von Lebensglück gegenüber einer absoluten Verdienstmaximierung. Gerade über einen Punkt hinaus, der bei der Lebensqualität keinen Unterschied mehr macht.
Es gewinnt nicht immer der beste Dienstleister. Stephan sah schon oft sehr erfolgreiche Agenturen, die innerhalb der Szene einen eher mauen Ruf haben, aber entweder durch ein starkes Vertriebsteam oder durch gute Kontakte trotzdem massiv wuchsen.
„Wie an vielen Stellen im Leben übertüncht [bei Dienstleistungen] eine gute Zusammenarbeit eine komplette Erfolgsorientierung und auch finanzielle Kennzahlen.“ Stephan empfiehlt hier eine Out of the Box Denke.
So sei im Bereich „Optimierung für KI-Systeme“ gerade vieles noch unklar und eine Beschäftigung für viele Unternehmen vielleicht überhaupt nicht sinnvoll. Aber wenn die Geschäftsführung gerade heiß aufs Thema ist und ein Mitarbeiter gut dastehen möchte, wird oft trotzdem ein Experte dazu beauftragt.
Agenturen haben eine Zukunft. Weil KI-Systeme immer mehr ausführende Arbeiten übernehmen, wird es aus Sicht von Stephan künftig weniger Mitarbeitende in Agenturen geben. Und auch weniger Agenturen, mit weniger Umsätzen.
Trotzdem glaubt Stephan nach wie vor an das Geschäftsmodell. Es sei sogar schwer, mit einer Agentur nicht erfolgreich zu sein, weil es viel Variablen und initiale Kosten gäbe als etwa bei einem E-Commerce-Geschäftsmodell.
SaaS: Ohne Problembewusstsein wird es schwer bei der Neukundengewinnung. Stephans SaaS-Tool searchanalyzer veranschaulicht die Performance eigener Website-Inhalte und analysiert Optimierungspotenziale. Die Grundversion ist kostenlos, die Premium-Pläne liegen bei 25 respektive 99 Euro monatlich.
Das Produkt – übrigens entwickelt von ukrainischen Entwicklern, die Stephan über Upwork beschäftigt – spielt seine Kosten wieder ein, ist aber keine Erfolgsgeschichte. Aus seiner Sicht liegt das Grundproblem in der mangelhaften Beschäftigung der Zielgruppe mit dem Problem.
So gibt es einen großen Markt für Tools zur optimierten Neuerstellung von Inhalten, aber kaum Bewusstsein dafür, dass eine Nachoptimierung bestehender Inhalte – etwa zum Matching mit schon bestehenden peripheren Rankings – oftmals der ökonomischere Weg ist. Dadurch blieb die Nachfrage überschaubar.
Besseres SEO durch Liebe zum eigenen Produkt. Vielen Websites sieht man aus Sicht von Stephan an, dass ihre Betreiber sie offenbar nicht so verwenden, wie sie denken, dass ihre Zielgruppe es tut. Mit Konsequenzen auf ihre Nutzbarkeit und in der Folge auf die Google-Platzierung.
Zwei Fragen, die sich Betreiber stellen sollten: Wenn ich mein Produkt nicht kennen würde, würde ich es verstehen? Und würde ich es benutzen wollen?
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