Die Drei-Akt-Struktur – Wie Du Blog-Artikel schreibst, die Leser fesseln & langfristig binden

Wie wäre es, eine einfache Struktur für einen Blog-Artikel zu haben, mit der wir die Leser so stark binden können, dass sie auch einen längeren Text bis zum Ende lesen und dabei die Basis für eine langfristige Beziehung aufbauen?

In diesem Artikel geht es um eben jene Struktur. Ich erkläre Schritt für Schritt, wie Du einen Artikel so aufbauen kannst, dass der Leser folgt, dabei bleibt und am Ende eine Beziehung zu Dir aufgebaut hat.

Ein Held in Gefahr

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Da ist ein Held, den wir mögen. Plötzlich bekommt der Held ein Problem.

Schon sind die meisten von uns an der Geschichte interessiert. Sind wir einmal investiert in den Hauptcharakter, wollen wir, dass er seine Probleme löst. Wir identifizieren uns. Wenn der Held sein Problem löst, wird es auch für uns etwas leichter.

Lernen vom Nasenbär

Zum ersten Mal wirklich klar wurde mir das Konzept, als ich 2008 ein Seminar gab. Wenn ich in Hotels wohne, sehe ich manchmal fern. In einer jener lächerlichen Sendungen, in denen kurze Geschichten von Zootieren erzählt werden, wurde ein kleiner Nasenbär vorgestellt. Ein niedlicher kleiner Nasenbär. Wer würde den nicht mögen?

Dann kriegte der kleine Nasenbär Bauchschmerzen und musste zum Onkel Tierdoktor.

Ich hatte keine Ruhe, bevor ich wusste, dass es dem kleinen Nasenbär wieder gut geht. So blieb ich mit einem halben Auge sogar während der Werbepause dabei.

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Lernen von Meistern

Als Beispiel analysiere ich einen Artikel von Jon Morrow, einem langjährigen Großmeister des Bloggens. Dazu liefere ich meine eigenen Vorschläge für einen Artikel.

Jon Morrow hat eine außergewöhnliche Lebensgeschichte. Diese außergewöhnliche Lebensgeschichte ist teilweise der Grund für die Publikumswirksamkeit seiner Artikel. Es ist eine beeindruckende, erschütternde Geschichte von dramatischen Ereignissen, an denen er gewachsen ist.

Man kann die Drei-Akt-Struktur aber auch verwenden, ohne lebensbedrohliche Situationen zu meistern. Kleinere Probleme genügen.

Die Drei-Akt-Struktur ist so alt wie das Geschichtenerzählen. Sagen, Mythen und Legenden, viele Filme und Theaterstücke sind nach dieser Struktur aufgebaut:

  • Akt 1: Der Held wird vorgestellt und bekommt ein Problem
  • Akt 2: Der Held kämpft, um das Problem zu lösen
  • Akt 3: Der Held hat das Problem gelöst und ist danach stärker als vorher

Die Struktur funktioniert, weil der Mensch geistige Spannung auflösen will.

Wir mögen keine ungelösten Probleme. Insbesondere nicht als junge Menschen. In meinem Alter (im Januar 2016 gerade 47 geworden) relativiert sich das etwas, aber der Antrieb, Spannungen und Ungewissheiten aufzulösen, bleibt.

Als ich vor 3 Jahren googelte nach „writing better blog articles“, kam Jon Morrow ziemlich weit vorne. Nachdem ich eine halbe Stunde mit offenem Mund seine Beiträge gelesen hatte, gefühlt ohne ein einziges Mal einzuatmen, war mein eigenes Schreiben für immer fundamental verändert.

Der Post, der maßgeblich dazu beitrug, stammt von Jon Morrow, einem der prominentesten Autoren im Netz. Der Titel enthält bereits die 3-Akt-Struktur: On Dying, Mothers and Fighting For Your Ideas

Akt 1 – Dying:
Es ist nicht ganz klar, wer der Held der Geschichte ist, Jon oder seine Mutter. In jedem Fall, das Leben von Baby Jon steht auf dem Spiel. Ein niedliches Baby und seine besorgte Mutter werden vorgestellt. Sie haben ein Problem – Jon leidet an einer Erbkrankheit, welche die meisten ihrer Träger vor dem 2. Lebensjahr sterben lässt.

Akt 2 – Mothers:
Jons Mutter kämpft, beharrlich, wie eine Furie, wenn erforderlich, aber immer unnachgiebig. Jon überlebt 16 schwere Infektionen, von denen jede einzelne die meisten anderen Kranken dahingerafft hätte. Jon wird ein Musterschüler. Als er seine Arme nicht mehr bewegen kann, organisiert seine Mutter Helfer.

Jon spielt in diesem Zustand sogar Basketball, weil seine Mutter den Sportlehrer so lange terrorisiert, bis er die Regeln an Jons Zustand anpasst.

Akt 3 – Fighting For Your Ideas:
Jon hat auf sehr nachhaltige Weise gelernt, für lohnende Ziele zu kämpfen. Fast bewegungsunfähig in einem Rollstuhl, gründet er mehrere Unternehmen und führt sie wirtschaftlich erfolgreich.
Nachdem er mit Hilfe seiner Mutter mehrmals den Tod bezwungen hat, ist er stark genug, auch andere Herausforderungen anzunehmen.

Jon Morrow hat außerordentliche Probleme bewältigt. Im Jahre 2013 startete er einen eigenen Blog, boostblogtraffic.com, und hatte von der ersten Woche an einen der meistbesuchten englischsprachigen Blogs im Netz. Er zog um nach Mexico, organisierte sich einen Pflegedienst und schaut nun aufs Meer.

Die Struktur macht die Musik

Mal ganz ehrlich, bereits die Nacherzählung des Artikels ist spannend, oder? Ganz ohne die meisterhaften Formulierungen im Original.

Warum? Der Artikel folgt einer Struktur: Sympathie – Spannung – Entspannung.

Dies ist eine archetypische Struktur, die uns anspricht. Vielleicht deshalb, weil Sex üblicherweise dem selben Schema folgt. Vielleicht ist es auf andere Weise tief einprogrammiert.

Warum Du kein Meisterschreiber sein musst

Es ist sehr viel mehr die Struktur einer Geschichte, die den Leser fesselt als die meisterlich gewählten Worte. Wenn Du der Struktur folgst, wenn Du Spannung aufbaust, will der Leser, dass sich die Spannung auflöst.

Prinzessin Sheherazade kannte diese Neigung. Jeden Abend erzählte sie dem orientalischen Herrscher eine Geschichte, hörte aber auf, bevor die Spannung aufgelöst war. Anders als alle anderen bisherigen Ehefrauen, wurde sie nicht am nächsten Tag hingerichtet, weil der Herrscher das Ende der Geschichte hören wollte. Nach dem auflösenden Ende begann sie eine neue Geschichte, und so weiter.

So entstand der Legende nach die Geschichtensammlung „Märchen aus 1001 Nacht“. Irgendwann hatten Sheherazade und der Herrscher ein paar Kinder und lebten glücklich weiter.

Ich selbst war so gefesselt von dieser Rahmenhandlung, dass ich ganz vergaß zu fragen, wo sie all die Kinder hergekriegt haben nur durch das Erzählen von Geschichten. Na gut, ich war 5. Damals dachte ich noch, Kinder entstünden halt irgendwie. Die schreckliche Wahrheit begriff ich erst mit 8 oder so.

Gebrauchsanweisung für die 3-Akt-Struktur

Wie baue ich nun die 3-Akt-Struktur?

Ich brauche:

  1. Einen Helden, der sympathisch oder zumindest interessant ist
  2. Ein ernsthaftes Problem und dazu anstrengende Lösungsversuche
  3. Eine Lösung, die den Helden fähiger macht als vorher

1. Sympathischer Held
Wodurch wird der Held sympathisch?
Hier braucht es keine große Wissenschaft. So lange er nichts tut, um die Gunst des Publikums zu verspielen, ist er bereits sympathisch. Babies, Kätzchen und kleine Nasenbären haben einen gewissen Startvorteil, aber auch ein kleiner bloggender Fettsack wie ich hat erstmal eine gewisse Grundsympathie, so lange ich nicht vor meinen Lesern Popel esse oder so. (Dafür gehe ich ins Bad.)

Was auch hilft ist z.B. das Zugeben einer menschlichen Schwäche, die sozial akzeptiert ist, wie Unordnung, Terminchaos, Schokoladensucht u.ä.

Inhaltliche Anmerkung: Die meisten Blog-Artikel beginnen mit einem Pitch für den Nutzen, den der Leser daraus ziehen kann. Das 3-Akt-Drama beginnt eher mit einer emotional intensiven Situation. Ursprünglich hatte ich diesen Artikel auch so begonnen, aber Peer hat mich überzeugt, dass dies ja kein 3-Akt-Drama ist, sondern ein Artikel ÜBER diese Struktur.

Wie würde ich mich selbst als sympathischen Helden darstellen?
Ich habe mir selbst überlegt, wo würde ich anfangen? Von welcher Situation würde ich berichten?

Die bisher nachhaltigste und lehrreichste Krise für mich war sicherlich meine persönliche, aus eigener Dummheit gemachte Finanzkrise.

Mein Einstieg könnte z.B. so gehen:
„Es ist schon sehr peinlich, wenn ausgerechnet ein Controller seine eigenen Finanzen mit großem Wumms an die Wand fährt – und das nicht durch einen einmaligen Fehler, sondern durch mehrere Jahre schlechten, dummen Wirtschaftens, durch Nichtbeachten fundamentaler Regeln, die er selbst predigt.“

Ich gebe eine persönliche Schwäche zu. Das macht mich für viele Menschen sympathisch. Nicht für alle – kein Schema passt für alle. Manche denken vielleicht nur „Was für ein Trottel!“ Die haben auch recht. Aber die meisten werden eher zugeneigt sein.

Andere Beispiele für den Einstieg
„I am flying high on a shaking plane above Tupelo, Mississippi. And we are all about to die.“ (Aus einem Artikel von Cameron Crowe aus den 1970ern)

„Die Bremsen des Ford Kombi greifen nicht. Ich rutsche auf den Regenpfützen unaufhaltsam in Richtung des Gegenverkehrs, der Bürgersteig blockiert von parkenden Autos. Auf dem Tacho 60 km/h. Das war’s dann wohl.“ (Eines meiner Erlebnisse 1993)

Diese Art Einstieg funktioniert, wenn man es gut macht, auch ohne einen Nutzen-Pitch. Der Leser will die emotionale Spannung auflösen und liest weiter.

2. Ernsthaftes Problem und fordernde Lösungsversuche
Es muss nicht immer etwas Lebensbedrohliches sein. Manchmal ist es auch etwas Einfacheres. Ein Heiratsantrag, dessen Annahme ungewiss ist. Ein Interview für den Traumjob mit mehreren Konkurrenten.

Oder etwas Banales wie ein verpasster Zug, ein misslungener Kochversuch für den Liebsten, ein ausverkauftes Geburtstagsgeschenk, ein vergessener Regenschirm. (Wissenschaftliche Studien belegen, dass in Norddeutschland ein vergessener Regenschirm zwingend Regen auslöst, unabhängig von allen anderen physikalischen Gegebenheiten.)

Nun bemüht sich der Held, das Problem zu lösen. Aus irgendeinem Grund erscheint das Problem zunächst größer als er. Aber er bleibt dran.

Was wäre mein ernsthaftes Problem?
Nachdem in 2009 die Branche des Interimsmanagement einen dramatischen Einbruch erlebte – der vom Verhalten der Branche wohlverdient war, aber das ist ein anderes Thema – brach ein Teil meines hohen Einkommens weg und ich war konfrontiert mit einem Schuldenberg, den ich durch Unachtsamkeit angehäuft hatte.

Ich würde berichten von dem Kampf mit den Tilgungen, der Angst, den teilweise absurden Verhandlungen. Vom Zwang, immer wieder niedrig bezahlte Aufträge annehmen zu müssen, um pünktlich die nächste Rate zahlen zu können.

3. Die Lösung, die den Helden fähiger macht
Nach der Lösung kann und begreift der Held mehr als vorher. Er hat ein tieferes Verständnis erlangt, worauf es bei einem Heiratsantrag wirklich ankommt, was ihm seine Arbeit wirklich bedeutet, warum der verpasste Zug eine Gelegenheit war, welcher Natur die Beziehung zum Liebsten ist, usw..

Am Ende muss die Spannung aufgelöst werden und es muss besser sein als vorher. Der Held hat mehr Einsicht, mehr Fähigkeit. Dann ist der Leser befriedigt.

In manchen Film-Genres funktioniert auch ein Unhappy End, insbesondere bei Horror und bei Romantik-Heul-Schmonzetten. Die meisten Leser ziehen aber ein Happy End vor, es zieht auch nicht so viel Energie.

Der Leser hat das Gefühl, mit dem Autor gemeinsam etwas durchgemacht zu haben. Dies kann der Grundstein für eine dauerhafte Beziehung sein. Außerdem sind Erkenntnisse, für die wir hart gearbeitet oder gelitten haben, subjektiv wertvoller.

Das heißt, wenn Deine Erkenntnisse aus einer echten Krise stammen, wird der Leser sie eher wertschätzen und ernst nehmen.

In welcher Weise bin ich fähiger geworden?
Ich würde darüber schreiben, wie die Krise mich gezwungen hat, einige Prinzipien des Wirtschaftens nicht nur akademisch zu verstehen, sondern auf die reale Welt zu übertragen. Und dabei auch Konzepte zu erkennen, die rein akademisch und hohl sind und sich eben nicht aufs reale Leben übertragen lassen.

Ich würde darüber schreiben, wie die Krise mich gezwungen hat, wirklich über Kundennutzen nachzudenken und solchen tatsächlich zu bieten, statt nur darüber zu reden.

Und vor allem, wie mich all der Zwang von vielen Seiten dahin geführt hat, die Dinge zu finden, zu denen ich mich wirklich berufen fühle – Lehren und Schreiben.

Wie Realisten wissen, sind das Dinge, die wenig Geld einbringen. Meine Schulden sind jetzt trotzdem weg.

Aber was war jetzt mit dem kleinen Nasenbär?

Dem kleinen Nasenbär ging es wieder gut. Er bekam ein milchiges Zeugs vom Onkel Tierdoktor, pennte eine Weile vor sich hin und tapste dann wieder in sein Gehege und widmete sich dem gepflegten Abhängen.

Erleichtert? Ich auch.

Wann schreibst Du Deinen Drei-Akt-Artikel?

Autor

Alexander Meneikis, Jahrgang 1969. Nicht verheiratet, aber solide domestiziert. Freiberuflicher Controller und Dozent für Rechnungswesen. Außerdem Moderator der Seite www.alternative-lebensweisen.de.

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Business Ideen
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14 Gedanken zu „Die Drei-Akt-Struktur – Wie Du Blog-Artikel schreibst, die Leser fesseln & langfristig binden“

  1. Wieder mal ein super Artikel Peer,
    Immer wieder lernt man von dir, mach weiter so !
    Wie ist den die rechtliche lagen wenn man für den eigenen Blog mehr oder weniger Texte aus einer anderen sprache übersetzt?
    MfG

    Antworten
    • Hallo Ahmed,

      ich habe schon öfter Artikel in anderen Sprachen als Vorlage benutzt, einige Sachen umformuliert und eigene Ideen hinzugefügt. Bisher hat sich niemand beschwert.

      Reines 1:1 Übersetzen könnte den Urheber durchaus verärgern, aber ich glaube nicht, dass das Kopieren eines Blogartikels, der sowieso gratis zur Verfügung steht, irgendwelche Rechtsgrundsätze verletzt.

      Andersrum haben Leute bei mir 1:1 abgeschrieben, OHNE eigene Gedanken. Ich habe eine freundliche Mail geschrieben, mich bitte zu erwähnen. Passiert ist nichts, und ich nehme das eher als Kompliment.

      Antworten
  2. Storytelling ist und bleibt eine große Kunst! Besonders bei Fachartikeln ist dieser Ansatz Gold wert, um wissen unterhaltsam zu vermitteln. Witzigerweise ist gerade in der Wissenschaft ein unterhaltender Ansatz verpönt — weil nicht mehr wissenschaftlich. Bei leicht verständlichen Inhalten werden häufig auch die Informationen als “offensichtlich” und minderwertig bewertet. Schade eigentlich. Gerade aus dem genannten Grund mag ich englische Fachliteratur, weil sie viel mehr Unterhaltungswert bietet!

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  3. Ein richtig guter Artikel, der Wissen vermittelt. Schade, dass du dich nicht gegen Peer durchgesetzt hast. Ich hätte zu gerne den richtigen 1. Akt gelesen.
    Wo kann man mehr von dir lernen?

    Antworten
  4. super Artikel, gab viele Ideen, mal sehen was umzusetzen ist und wie der Erfolg ist. Muss mich erst noch rein arbeiten. Danke

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