VG Wort – BGH-Urteil beschert Autoren mehr Geld und ruiniert Verlage?!

Über die VG Wort habe ich in der Vergangenheit schon häufiger berichtet. Ich bekomme jedes Jahr von der VG Wort eine vierstellige Vergütung für meine Blog-Artikel, was natürlich eine schöne Zusatzeinnahme ist.

Schon seit längerem gab es aber Unsicherheit, weil ein Urteil des Bundesgerichtshofs zur Verteilung der VG Wort Gelder ausstand.

Dieses Urteil ist nun ergangen und nicht alle sind damit zufrieden.

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VG Wort Urteil stärkt Autoren

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Die VG Wort soll Urhebern von Texten eine gewisse finanzielle Entschädigung bieten, um die durch unerlaubte Kopien ihrer Werke entstehenden Schäden auszugleichen. Dafür treibt die VG Wort z.B. Geld von den Herstellern von Kopierern, CD-Brennern etc. ein.

Ein Autor hatte 2013 gegen den Verteilungsplan der VG Wort geklagt, da es bisher so war, dass nicht nur die Autoren Geld bekamen, sondern auch die Verlage die Hälfte der Vergütung. Das war im Verteilungsplan so festgelegt. Das betrifft also nur die Autoren, die bei einem Verlag sind.

Das nun ergangene Urteil des Bundesgerichtshofs hat der Klage des Autors stattgegeben. Es ist also nicht rechtens, dass die Verlage an der Aussschüttung beteiligt werden. Dem Urheber und das ist in Deutschland immer der Autor, da das Urheberrecht nicht übertragen werden kann, steht also nun 100% der Ausschüttung zu.

Verlage malen schwarz

Viele Autoren finden die Entscheidung natürlich positiv, da ihnen nicht nur ab sofort, sondern auch rückwirkend mehr Geld zusteht. Eine Verdopplung der VG Wort Ausschüttung ist kein Pappenstiel.

Verlagsvertreter malen nach dem Urteil dagegen nun in Deutschland den Teufel an die Wand. Demnach erwarten diese Rückzahlungen an die VG Wort in Höhe von mehreren hundert Millionen Euro, was nicht nur kleine Verlage an den Rand des finanziellen Ruins bringen dürfte.

Und für die Zukunft können die Verlage nun auch erstmal nicht mehr die VG Wort Einnahmen in ihr Geschäftsmodell einplanen.

Ich kann das Urteil grundsätzlich nachvollziehen, da es sich ganz klar um eine Vergütung für die Urheber handelt, aber ein Problem für viele Verlage ist es dennoch. Bücher herauszugeben ist nicht gerade das lukrativste Geschäftsmodell und nur wenige Verlage verdienen sich eine goldene Nase damit. Und natürlich schaden unerlaubte Kopien eben auch Verlagen und nicht nur den Autoren.

Viele Verlage kommen gerade so über die Runden und da kann es nun zu massiven finanziellen Problemen kommen. Ein wenig kann ich den Schock der Verlage deshalb schon verstehen.

Ob in dieser Sache das letzte Wort schon gesprochen ist wird sich zeigen. Da die VG Wort eine durch den Staat eingesetzte Verwertungsgesellschaft ist, kann man durchaus durch neue Gesetze deren Ausrichtung etwas ändern. Dann wird ggf. in Zukunft nicht mehr nur von Urhebern gesprochen sondern auch von Rechteinhabern, was die Verlage wieder ins Boot holen sollte.

Zudem ist es denkbar, dass die Vergütung der Verlage einfach gesenkt wird und nicht mehr 50% beträgt, aber wie es wirklich in Zukunft weitergeht, wird die Zeit zeigen.

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Was bedeutet das für Blogger?

Da Blogger keinen Verlag haben, sondern sowieso 100% der ihnen zustehenden Ausschüttungen bekommen, ändert sich dahingehend erstmal nichts. Mit einer Nachzahlung braucht hier also niemand zu rechnen.

Ob es allerdings durch das Urteil Änderungen bei der VG Wort geben wird und ob sich das evtl. in niedrigeren Auszahlungen für Autoren in Zukunft zeigen wird, werden wir abwarten müssen.

Auf der Website der VG Wort gibt es noch keine Infos über die Auswirkungen des Urteils und es ist zumindest mir auch noch nicht klar, welchen Einfluss das gerade verabschiedete Verwertungsgesellschaften­gesetz evtl. haben wird.

Es bleibt also auf jeden Fall spannend.

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5 Gedanken zu „VG Wort – BGH-Urteil beschert Autoren mehr Geld und ruiniert Verlage?!“

  1. Hallo Peer,
    das ist ein spannendes Thema. Ich finde das Urteil richtig. Es geht um den Urheber. Was die Verlage angeht, das kann man durchaus geteilter Meinung sein. Die Frage ist schon, ob ein Verlag Subventionen von Seiten des Staates braucht.
    Es gibt natürlich, insbesondere bei Zuschussverlagen das Geschäftsmodell, dass der VG-Wort anteil in die Kalkulation mit einfliesst.
    Für die Autoren bringt das aber wenig, weil da die Kosten schon gedeckt sind und ein richtiges Marketing selten stattfindet. Ein Verkauf der Auflage von 300 Stück ist nicht einmal unbedingt das Ziel aller Verlage.
    Weiterhin, bei den größeren Verlagen läuft das Marketing so, dass die Bestseller den Löwenanteil des Marketingbudgets abbekommen.
    Unterstützung unbekannter Autoren: Daher wäre es z.B. eine interessante Frage, ob der VG-Wort Anteil z.B. ins Marketing der “kleinen, weniger kommerziellen” Autoren fließt, oder ob damit nicht doch wieder die Bestseller unterstützt werden.
    Meines Erachtens ist das Selfpublishing für neue und somit unbekannte Autoren der bessere Weg.
    Noch ist es zwar so, dass sich Verlagsautoren und Selfpublisher in der Bewertung des jeweils anderen nicht so ganz grün sind, aber die Zeit wird auch die Selbstwahrnehmung ändern. Am Ende bleibt immer die Frage des Verdienstes.
    Verlage sind Unternehmen, das Geschäftsmodell sollte sich ohne staatliche Unterstützung rechnen. Sie sollen Dienstleister für die Autoren sein.
    In Deutschland gibt es als unterstützende Maßnahme schon die Buchpreisbindung, Das ist aber ein eigenes und auch strittiges Thema.
    Noch ein letzte Anmerkung: “Ein Schock” war das Urteil nicht, dieses Urteil benötigte doch zwei Jahre. Die Auszahlungen waren unter Vorbehalt so weit ich das weiss.

    Antworten
  2. Da ich selber Fachbuchautor bin, betrifft mich dieses Urteil sogar direkt. Und ich kann auch tatsächliche die Verlage verstehen. Denn am Ende wird z.B. mit Fachbüchern wirklich nicht so viel verdient. Von großen Marketing-Budges kann man da sicherlich auch nicht von reden. Belletristik ist natürlich wieder was ganz anderes.

    @Alexander Venn Ich denke nicht unbedingt, dass Selfpublishing immer der richtige Weg ist. Bei Fachbüchern z.B. halte ich den Weg über einen Fachbuch-Verlag für den besseren, da diese bereits eine große Zielgruppe ansprechen und entsprechende Marketing-Kanäle dorthin haben. Und das kann durchaus viel größer sein, als der Kreis, den man selber erreichen kann. Alleine wenn ich an Uni-Bibliotheken etc. denke, da hast Du als Selfpublisher kaum eine Chance.

    Antworten
  3. Hallo @Carsten. Ich habe selbst auch bei Fachbücher-Publikationen mit gewirkt, Autor, oder Coautor oder einfach nur als IT, Layouter- und Koordinations-Typ.
    Für Verlage sind “heute” die reinen Druck-Produktionskosten für große Fachbücher und einer Auflage von 1500 Stk. so gering, dass damit schon Gewinn gemacht werden kann. Das ist aber eine zentrale Frage des Marketings, der Vernetzung mit Presse und Hochschulen usw. ob man die Bücher absetzen kann. Das muss auch ohne den VG-Wort-Anteil gehen.

    Print on Demand selfpublishing für bunte Bild-, und Grafiklastige Fachbücher scheidet auf Grund der Kosten (fast) aus. Da verdient der Autor nichts mehr. Bei reinen Textbasierten Fachbüchern kann das aber ganz anders sein. Nur muss man selbst für das gesamte Marketing sorgen und ein bisschen amazon-SEO schadet auch nicht.

    Der Kreis der Abnehmer ist natürlich recht überschaubar – es sei denn man schafft es, wie du andeutest ein Standardlehrbuch zu schreiben. Da gebe ich Dir (noch) recht. Das werden nur Verlagsbücher sein. Sobald es da aber mal ein einer im jeweiligen Fachgebiet als Selfpublisher zu Ruhm und Ehre gebracht hat und noch Prof. draufschreiben darf, wendet sich das Blatt.

    Was ich damit sagen will ist, dass ein Verlag keine Garantie für gute Verkäufe ist. Und Verlagsbücher sind nicht unbedingt qualitativ besser als Bücher, die ohne Verlag auf den Markt kommen. Es gibt auch ganz großartige Verlage, aber die werden auch in einem echten Markt bestehen.

    Ich habe bei der VG-Wort Diskussion immer das Gefühl, dass Verlage so etwas wie ein zu schützendes Kultur-Gut darstellen… dass die Kultur des Abendlandes ohne VG-Wort Zuwendung untergehen würde, weil alle Verlage Pleite gehen würden. Ich glaube das nicht. Im Ausland gibt es Gegenbeispiele.

    Bücher, im Fachbuchbereich und auch in der Belletristik, sollen so geschrieben sein, dass die Leser sie auch verstehen.

    Amerikanische Fachbücher, ob SEO oder VWL… sind in der Regel lesbarer und unterhaltsamer. Und das hat einfache ökonomische Gründe: die Bücher müssen gekauft werden. Es wird nicht der belohnt, der möglichst kompliziert schreibt, sondern der, der auch gelesen wird und gleichzeitig Richtiges schreibt.

    Ich finde, der Wettbewerb zwischen Verlagen und Selfpublishern war einfach überfällig.

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    • Nur Websites, die sich primär an Bürger aus Deutschland richten und auch von Deutschland aus betrieben werden.

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