Alltags-Tipps für minderjährige Gründer – Artikelserie Teil 2

Nachdem es im ersten Teil um häufige Hindernisse für minderjährige Gründer, wichtige Anlaufstellen und Schritt für Schritt Tipps ging, widmet sich der folgende zweite Teil dem Alltag des Gründers.

So werden unter anderem die Gründungsdauer, das Konto* und die Verwaltung des Unternehmens behandelt.

Zudem gibt es Praxiserfahrungen und Tipps für den Fall, dass die Gründung scheitert.

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Das Problem des Geschäftskontos & der langen Gründung

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1. Gewerbegründung & die Dauer
Einige werden sich sicherlich fragen, was wir in den 12 Monaten gemacht haben, in denen das Unternehmen quasi in der Gründung aber eben noch nicht gegründet war. Wir haben geplant und all die Dinge gemacht, die man auch ohne Geld bewerkstelligen kann (Webseite erstellt, Marketingplan, etc.) Wirklich problematisch wird es nämlich dann, wenn die Genehmigung nicht erteilt wird (z.B. wegen schlechter Noten). In diesem Fall habt ihr illegal Geschäfte abgewickelt und noch dazu Steuern hinterzogen.

Wartet daher besser die Entscheidung des Amtsgerichts ab und versucht stattdessen hier die Zeit zu beschleunigen mit den genannten Tipps!

2. Geschäftskonto
Ein weiteres Problem ist das Geschäftskonto. Dieses kann nur mit einer Gewerbeanmeldung eröffnet werden, die ihr aber erst erhaltet, wenn das Verfahren durch ist. In unserem Fall, einer GbR, konnten die Geschäfte auch über ein gemeinsames Privatkonto legal abgewickelt werden. Möglich ist dies auch bei Einzelunternehmen. Genutzt haben wir es vor allem, um sämtliche Kosten, die mit der Gründung zu tun hatten, sauber zu sammeln. Das kann aber zu Problemen mit der Steuer führen, wenn man nicht sauber agiert. Auch hier daher wieder der Rat, wartet ab und richtet später ein korrektes Geschäftskonto ein!

Das Unternehmen ist gegründet: Wie manage ich es nun?

Gleich vorweg: Es ist nicht leicht!

Solltet ihr anfangs den von mir empfohlenen Zeitmanagement-Plan aufgestellt haben, könntet ihr weniger Probleme haben, als diejenigen, die es nicht getan haben. In jedem Fall wird euch die Realität des Arbeitslebens allerdings zeigen, dass Theorie nicht gleich Praxis ist. Je nachdem, was ihr für ein Gewerbe habt, können harte Deadlines bei Projekten, Probleme bei Lieferungen von Waren oder Fehler im Quellcode einer Software schlaflose Nächte bedeuten. Zeitgleich muss jedoch auch die Schule im Auge behalten werden.

So hart es klingt, aber nun seid ihr an einer Stelle, an der Prioritäten gesetzt werden müssen!

1. Die Schule
Dieser Weg wird am häufigsten gewählt und ist am sichersten. Ihr betreibt euer Gewerbe in einem angemessenen Umfang und schaut, dass ihr nur dann Aufträge annehmt, wenn es passt. Solltet ihr ein eCommerce-Unternehmen haben, nehmt nur wenige Produkte auf. Sorgt zudem für feste Zeiten zum Lernen. Versteht die Arbeit eher als „Lerneffekt“ oder auch als erweitertes Praktikum. So könnt ihr einen Abschluss machen und vor dem Studium (wenn angestrebt) die Sache neu beurteilen.

2. Die Arbeit
Solltet ihr euch für diesen Weg entscheiden – z.B. weil ihr eine geniale Idee habt, die schnell umgesetzt werden muss und viel Zeit benötigt – macht euch auf starken Widerstand gefasst. Lehrer und Eltern werden das Abrutschen der Noten erkennen und immer wieder eingreifen wollen. Das Problem ist: Die Vormundschaft kann nicht so einfach wieder zurückübertragen werden, wenn ihr sie erst einmal habt. Ihr seid also frei in der Entscheidung. Wenn ihr euren Abschluss jedoch mit einem schlechten Schnitt macht und das Unternehmen sich später als Blindgänger entpuppt, habt ihr womöglich die falsche Entscheidung getroffen.

Meine Erfahrung:
Wer den Text aufmerksam gelesen hat, wird zu Beginn gemerkt haben, dass ich in meinem Fall von „fast 12 Jahren Schule“ sprach. Ich hatte mich damals für den 2. Weg entschieden und die Schule in der 11. Klasse abgebrochen. Grund hierfür war, dass das Geschäft einfach viel schneller Wind aufnahm, als gedacht und die Arbeit sehr schnell recht viel einbrachte. Ich stand vor der Entscheidung die Arbeit wieder stark zu drosseln, um mich der Schule widmen zu können, oder diese abzubrechen. Es sei hier klar hervorgehoben, dass ich diesen Schritt niemandem empfehle! Wer das tut, muss sich felsenfest sicher sein, denn im Notfall steht man vor dem Nichts. Kein Abitur, keine Ausbildung und kein Studium. Für mich hat es sich aber nach aktuellem Stand gelohnt.

Natürlich gibt es hier nicht immer klare Schwarz-, Weiß-Entscheidungen, doch am Ende kommt es in etwa auf diese zurück. Man sollte sich daher schon vorher im Klaren sein, was man im Falle eines schnell anziehenden Geschäfts tut und was nicht. Doch selbst wer das Abitur noch einsackt, ist nicht immer auf der sicheren Seite, wenn danach das Geschäft Priorität hat.

Wie löse ich also dieses Problem?

Weiterbildungen statt Ausbildung & Studium

Wer glaubt, dass ich die Schule abgebrochen habe aufgrund schlechter Noten oder dem nicht vorhandenen Willen Dinge zu lernen, der liegt falsch. Ein Teilgrund für den Abbruch war auch die Tatsache, dass ich in der Schule gezwungen wurde Sachen zu lernen, die mich nicht weniger hätten interessieren können. Als Selbständiger hatte ich hier nun einen klaren Vorteil: Ich konnte lernen was ich will und wann ich will! Doch dieses Privileg sollte man als Pflicht erkennen.

Als Selbständiger – egal ob noch minderjährig oder nicht – steht man in eben dieser Pflicht. Man muss sich stetig weiterbilden und auch die eine oder andere Zertifizierung einsacken. Andernfalls bekommt man vor allem als Dienstleister Probleme. Schließlich können sich Kunden den fähigsten Anbieter aussuchen. Aber auch für eine eventuelle Zeit nach der Selbständigkeit muss vorgesorgt werden. Es sei denn, man ist gewillt mit 25, 35 oder vielleicht sogar 50 noch einmal die Schulbank zu drücken.

Kann ich auch noch studieren?
Aber sicher! Je nachdem, wie man sein Geschäft aufgebaut hat, ist auch ein Studium neben der Selbständigkeit möglich. Hier gelten dann dieselben Regeln wie weiter oben im Falle der Schule. Der Vorteil ist jedoch, dass ein Studium weit offener gestaltet werden kann, als die reguläre Schule. Als eine Pflicht sollte man es jedoch nicht verstehen. So gibt es eine Vielzahl an Unternehmern, die entweder die Schule abgebrochen haben oder das Studium:

  • Mark Zuckerberg – Facebook
  • Bill Gates – Microsoft
  • Erich Sixt – Sixt
  • Steve Jobs – Apple
  • Etc.

Unter dem Strich sei gesagt, dass Weiterbildung wichtig ist, egal auf welchem Wege. In jedem Fall müsst ihr euch aber auf dem Laufenden halten!

Was ist wenn alles zusammenbricht?

Das Schreckgespenst eines jeden Gründers ist die Insolvenz oder der einfache Untergang des Unternehmens / der Idee. Wer meine Ratschläge anfänglicher Planung und Weiterbildungen befolgt, ist halbwegs auf der richtigen Seite. So konntet ihr schon früh abschätzen, ob eure Idee etwas taugt und habt zudem Zertifikate und mehr erworben für ein mögliches späteres Angestelltenleben. Solltet ihr sogar neben der Gründung studieren, könnt ihr euch nun auf diesen Weg konzentrieren oder es einfach später noch einmal neu probieren.

Natürlich gibt es keinen Masterplan, der euch vor allen Fehlern und Missgeschicken schützt. Das solltet ihr euch auch klar machen. Geht einfach offen, ehrlich und mutig an die Sache. Wer als Minderjähriger gründet, muss das so oder so sein.

Lohnt sich das Ganze denn nun überhaupt?

Fast 3.000 Wörter habe ich hier zum Thema „Gründen als Minderjähriger“ abgetippt und wer sie aufmerksam gelesen hat, wird gemerkt haben, dass es einiges zu beachten gilt. Dabei habe ich bestimmte Themen nur angeschnitten ohne sehr tief darauf einzugehen. Es ist also klar, dass einige davon überwältigt werden und an dieser Stelle direkt wieder das Handtuch werfen.

Tut es nicht!

Egal wie ihr schlussendlich eure Selbständigkeit gestaltet, es lohnt sich! Nicht nur, dass ihr etwas Besonderes seid, wenn ihr schon so früh Verantwortung für euer Leben übernehmen wollt, ihr habt auch die Chance etwas Großartiges aufzubauen. Vielleicht neigen die Leute in eurer Nähe dazu zu sagen: „Zu einem Steve Jobs wirst du wohl nie…“, doch lasst euch davon nicht irritieren. Ihr habt euer Leben in eurer Hand und könnt machen und werden, was ihr wollt. Deutschland ist zwar in vielerlei Hinsicht noch immer nicht das, was man ein gründungsfreundliches Land nennen würde, doch vieles ändert sich gerade. Vor allem in Berlin und Hamburg entstehen tolle Netzwerke an Gründern. Wenn ihr euch also für dieses Leben entscheidet, werdet ihr es sicher nicht bereuen.
In diesem Sinne, viel Erfolg!

P.S. Für Fragen zum Artikel stehe ich unter d.schubert@heischmediagroup.com gerne zur Verfügung.

Autor

Dennis Schubert hat 2011 zusammen mit seinem Schulfreund Niclas Heike die jetzige heischmedia GmbH gegründet und ist als Geschäftsführender-Gesellschafter für die beiden Agenturen heischmedia Web Solutions (Online Marketing) und Gods of Webdesign (Web- & Grafikdesign) zuständig. Er bildet sich seit jeher autodidaktisch weiter und ist mittlerweile DEKRA-zertifizierter Online Marketing Manager, sowie Google AdWords Qualified Individual. 2015 erreichte das Team einen Platz unter den Top50 am schnellst wachsenden Digitalunternehmen Deutschlands im Gründerszene-Wettbewerb.

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1 Gedanke zu „Alltags-Tipps für minderjährige Gründer – Artikelserie Teil 2“

  1. Ein schöner Artikel.

    Ich habe damals auch mit 15 quasi mein eigenes Unternehmen in der EDV-Branche gegründet. Der Einfachheit-halber lief das damals pro-forma über meine Eltern – auch wenn sie keine Ahnung von der Materie hatten. Aber ich habe eine Menge Unterstützung erfahren.

    Nur bei mir wurde es nichts aus der Vereinbarkeit von Schule und Business. Gymnasium habe ich abgebrochen und – mein einziger Makel – ich stehe mit 35 ohne Schulabschluss war. Für mich selber war das aber nie schlimm – ich wusste spätestens mit 15/16, dass ich nie unter jemanden arbeiten könnte, nie einen klassischen Weg einschlagen würde. Ich war früh sehr zielstrebig und so haben meine Eltern den Widerstand irgendwann aufgegeben. An Intelligenz hat es nie gemangelt (in Fächern die ich mochte stand ich auf 1,0) – aber an der Motivation für so Dinge wie Chemie oder Kunsterziehung.

    Dieser Weg ist sicher nicht sonderlich empfehlenswert für den Großteil junger Gründer – ganz im Gegenteil – scheitert man, hat man durchaus ein Problem mangels Alternativen. Für mich persönlich war der Weg dennoch nicht falsch. Ich habe heute mehrere Unternehmen gegründet und zum Teil gewinnbringend verkauf, ich habe ein gutes Einkommen und für meine Rente habe ich mehr als ausreichend vorgesorgt. Aber es gab sicher auch mehrere Punkte wo es schiefgehen hätte können, deshalb rate ich im Gespräch mit jungen Leuten, Schülern etc auch immer meinen Weg nicht als Vorbild zu nehmen. Es hat bei mir funktioniert – aber das ist sicher die Ausnahme.

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