Werden Webdesigner in Zukunft noch gebraucht? – Interview



Im Interview mit dem Webdesigner, Blogger, Autor und Dozent Jonas Hellwig geht es im zweiten Teil weiter mit der Frage, was gute von schlechten Webdesignern unterscheidet, ob sich das Schreiben von Fachbüchern lohnt und welche Webdesign-Tools er besonders empfehlen kann.

Was macht einen guten Webdesigner aus? Wie unterscheidet man gute und schlechte?

Hier stellt sich zunächst einmal die Frage, ob der Web Designer Projekte von A-Z alleine umsetzen muss oder ob er innerhalb einer Agentur für klar abgegrenzte Bereiche zuständig ist.

Grundsätzlich sollte ein Web Designer die handwerklichen Techniken sehr gut beherrschen. Welche Techniken das im Detail sind, hängt von seinen persönlichen Schwerpunkten ab – das kann von Photoshop bis jQuery alles sein. Viel wichtiger ist meiner Meinung nach aber, dass der Web Designer ein nicht zu oberflächliches Verständnis für die Bereiche mitbringt, die nicht zu seinen Kernkompetenzen zählen. Er sollte Projekte ganzheitlich betrachten können. Nur dann funktioniert die Zusammenarbeit mit Kollegen gut.

Wenn der Web Designer in Kundenkontakt steht, sollte er in der Lage sein, komplexe technische Sachverhalte für den Kunden verständlich und auf das Wesentliche reduziert zu erklären.

Einen schlechten Web Designer erkennt man daran, dass ihm seine eigenen Ziele (z. B. der rasche Abschluss des Projekts) wichtiger sind als das Projekt-Ziel des Kunden.


Sie setzen unter anderem auf WordPress. Welche Vorteile bietet Ihrer Erfahrung nach WordPress?

Die Vorteile von WordPress, die meist genannt werden, sind ja u.a. die große Community, die unkomplizierte Installation, der standardkonforme Quellcode und die riesige Auswahl an kostenlosen Themes und Plugins.

Das stimmt auch alles, für mich zählen aber mehr die benutzerfreundliche Administrationsoberfläche und die einfache Einarbeitung.

Ich bin mit WordPress in der Lage, eine komplexe Website zu entwickeln, die vom Kunden mit geringen Kenntnissen gepflegt werden kann.


Als Autor haben Sie mehrere Bücher und DVD-Trainings veröffentlicht. Wie sind Sie dazu gekommen?

Webdesign Bücher und DVDsZunächst möchte ich kurz klarstellen, dass die Bücher im Franzis-Verlag erschienen sind und die Video-Trainings bei Galileo Press.

Der Blog war Auslöser des Ganzen. Über den Blog bekam ich die Anfrage, ein Buch zum Thema “Webdesign mit Photoshop” zu schreiben.

Anschließend habe ich in Zusammenarbeit mit einem Kollegen ein Buch zum Thema WordPress veröffentlicht.

Über Vorträge auf verschiedenen Veranstaltungen zum Thema Web Design kam irgendwann dann die Anfrage zu einem Video-Training bei Galileo Press. Insgesamt wurden daraus mittlerweile vier Video-Trainings und drei Bücher, mit verschiedenen Neuauflagen.


Lohnt es sich heute noch als Autor für einen Verlag zu arbeiten? Welche Vorteile, abgesehen vom Geld, bringt das mit sich?

Was den Abverkauf angeht, hat ein Verlag natürlich Marketing-Möglichkeiten und Erfahrungen, die man alleine in der Form nicht erreichen kann.

Darüber hinaus gibt es ein Lektorat und hohe Qualitätskontrollen, die einem Autor beim Self-Publishing auch eher selten zur Verfügung stehen. Trotzdem ist der Aufwand im Vergleich zu den Einnahmen hoch.

Für mich haben sich die Veröffentlichungen vor allem indirekt gelohnt, was aber nicht heißen soll, dass sich die Einnahmen aus Büchern und DVDs gar nicht rechnen. Als Autor oder Trainer weiß man nur nicht vorher, wie das Produkt von den Käufern angenommen wird. Es bleibt also immer ein Restrisiko.

In meinem Fall weiß ich von einigen Kunden, dass sie nur aufgrund meiner Publikationen eine Anfrage gestellt haben oder dass die Publikationen zumindest ihre Entscheidung positiv beeinflusst haben.

Abgesehen davon arbeitet man sich bei einem Trainings-Projekt sehr intensiv in ein Thema ein und muss sich auch mit Funktionen beschäftigen, die man sonst eher selten einsetzt. Dadurch lernt man auch als Profi noch völlig neue Seiten einer bereits sehr gut bekannten Software kennen.


Was sind Ihre Lieblings-Tools als Webdesigner?

Die verwendeten Tools sind immer sehr abhängig vom jeweiligen Projekt. Ich muss allerdings gestehen, dass ich ohne die Photoshop-Plugins CSSHat und Enigma64 nicht mehr leben könnte. :)

Und Modernizr mit HTML5SHIV, respond.js und die HTML5Boilerplate sind auch meist mit von der Partie.

Die besten Webdesign ToolsDa mir die Anzahl an Tools allerdings längst über den Kopf gewachsen ist, habe ich vor einiger Zeit angefangen, die mir bekannten Tools online unter best-web-design-tools.com zu archivieren und zu verschlagworten – natürlich mit WordPress.

Wenn ich nun selbst ein Tool zu einem bestimmten Thema suche – z. B. CSS3 Easing – also Animationskurven, finde ich ganz schnell alle Hilfsmittel, die mir dazu jemals untergekommen sind.

Und da die Website öffentlich ist, können auch andere Webdesigner die Quelle für sich nutzen oder mir weitere Tools mitteilen. Dadurch lerne ich wieder etwas.

Leider steht das Projekt in der Prioritätenliste ganz weit unten. Die Website ist allerdings online, wird so gut gepflegt wie es mir möglich ist und ist hoffentlich auch in ihrem unfertigen, nicht-responsive-Zustand eine Hilfe.

Aktuell stehen ca. 400 Tools in der Warteschlange und warten darauf eingepflegt zu werden.


Zum Schluss würde ich mich über Ihre wichtigsten Tipps für angehende Webdesigner freuen.

Eine meiner besten Entscheidungen war es, nicht zu studieren. Die Ausbildung mit ihrem starken Praxisbezug hat mir sehr weitergeholfen und ich kann angehenden Webdesignern eine Ausbildung zum Mediengestalter für Digitalmedien wärmstens empfehlen.

Ansonsten bleibt mir da nicht viel zu sagen. Lest viel, teilt euer Wissen(!) und lasst euch durch all die Trends und durch die enorme Geschwindigkeit der Entwicklung nicht verunsichern.


Danke Herr Hellwig

für das interessante Interview.

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16 Gedanken zu „Werden Webdesigner in Zukunft noch gebraucht? – Interview“

  1. Habe selbst ein PhotoShop-VideoTraining von Herrn Hellwig gesehen und war positiv überrascht, das Gesicht hier wieder zu sehen und ihn über seinen Artikel doch etwas näher kennen zu lernen. Finde seine Informationen sehr hilfreich, denn in vielen Dinge hat man ja selbst doch nicht so den Einblick.

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  2. Ich teile nicht ganz die Ansicht, das Social Media die größte Konkurrenz zur gewöhnliche HP darstellt. Gerade im Bezug auf Musiker. Eine Webseite sollte immer als Hauptquartier angesehen werden, wo man den Besucher selbst “lenken” kann und sollte daher nie überflüssig sein, wenn man sich im Web präsentieren möchte. Das sollte man seiner Zielgruppe immer vor Augen halten.

    Ich sehe die Social Kanäle, mehr als einen verlängerten Arm der eigenen Webseite an und nicht als Konkurrenz. Natürlich gibt es den ein oder anderen, der keine Webseite möchte, weil er eine bestehende Fanpage hat. Man sollte sich hier die Frage stellen: Was kommt nach Social Media? Hab ich noch die Kontrolle über meine Daten? Ich könnte noch weiter ausholen, aber das sprengt hier etwas den Rahmen.

    Was ich für mich aus dem Interview ziehen konnte, war der Hinweis zu den Tools. Die Seite http://best-web-design-tools.com/ find ich wirklich klasse und wird wohl nun in meiner täglichen Arbeit einen Platz finden.

    Grüße

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  3. Danke schön für das interessante Interview. Ich sehe in Zukunft eher mehr als weniger Bedarf an Webdesignern. Denn es wird immer wichtiger, seine Website gut zu präsentieren. Eine aktuelle Umfrage hat sogar ergeben, dass gutes Design nach der Qualität des Contents bereits der zweitwichtigste Faktor ist für die Glaubwürdigkeit eines Blogs. http://blog.monika-birkner.de/2013/pflichtlektuere-fuer-blogger-was-macht-ein-blog-vertrauenswuerdig-info-grafik/

    Allerdings liegt genau da der Haken. Viele Webdesigner haben Maßstäbe für die Qualität von Design, die eher von ästhetischen Gesichtspunkten bestimmt sind, oft sogar user-unfreundliche Spielereien beinhalten.

    Das Wichtigste geht dabei verloren: Dass eine Website ein Marketing-Instrument ist.

    Ich freue mich sehr, dass Sie das so klar herausstellen.

    Für einen guten Webdesigner finde ich unumgänglich, dass er etwas von Internetmarketing versteht.

    Und dass er seine Kunden versteht und in der Lage ist, sich auf deren Wünsche einzustellen und das, was dem Kunden vielleicht selbst noch nicht klar ist, zum Ausdruck zu bringen. Der bereit ist, sich auf einen Prozess mit dem Kunden einzulassen, bei dem das Design sich entwickeln darf und der Kunde auch sagen darf, wenn ihm etwas nicht gefällt.

    Hohe Anforderungen, ich weiß.

    Doch wer sie erfüllt, braucht sich um seine Zukunft wenig Sorgen zu machen.

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  4. Ich kann die Aussagen zum großen Teil nur bestätigen. Ich selbst habe vor vielen Jahren mit der den KMU als Zielgruppe angefangen. Ich verlagere meine Aktivitäten aber auch zunehmend auf eigene Projekte und sonstige Dienstleistungen. Klassische Webdesign-Arbeit (Projekterstellung für KMU) macht bei mir nur noch den geringsten Teil aus. Ich hatte das Glück bereits früh einen festen Kundenstamm zu haben, mit denen ich langfristig zusammenarbeite. Das puffert den wirklich schwierigen KMU-Markt etwas ab.

    P.S.: Ich kann die Video-Trainings “Responsive Webdesign” und “Webdesign mit Photoshop” von Jonas Hellwig wirklich nur empfehlen. Sehr angenehmes Sprechen, fachlich fundiert und gutes Lerntempo. Bei “Responsive Webdesign” hat mir sehr gut gefallen, dass nicht im Urschleim angefangen wurde, sondern es gleich richtig zur Sache geht.

    Mittlerweile lege ich mir fast ausschließlich Videotrainings zu, auch wenn diese etwas teurer sind. Wichtig ist aber, dass man vorher reinhört, wie der Trainer (besonders bezogen auf die Sprache) seinen Job macht. Unangenehmes Sprechen kann ein Training zur äußerst zähen Angelegenheit machen.

    Jonas Hellwig sticht aber wirklich positiv hervor. Weiter so!

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  5. Schöner Artikel. Ich denke auch, dass es Webdesigner immer geben wird. Denn welches Unternehmen will sich nicht auch designmäßig von der Konkurrenz abheben? Selbst kleine Unternehmen wollen ein Corporate Design und damit auch ein Alleinstellungsmerkmal besitzen.

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  6. Guter Artikel! Ich kenne auch das Photoshop Training von Herrn Hellwig und verfolge auch sein Blog. Hat mich gefreut, hier von ihm zu lesen!

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  7. Sehr guter Artikel! Ich sehe es auch so, dass es in Zukunft Webdesigner geben wird. Viele Kunden merken selbst, dass die eigene Homepage kein einmaliges Projekt ist und immer laufend fortgeführt werden muss. So werden die selbstständigen Webdesigner auch oft Berater in Sachen Online-Marketing und Suchmaschinenoptimierung und haben einen festen Kundenstamm.

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  8. Ich habe alle seine Trainings. Ich habe mit eine gute note meine ausbildung bestanden nur wegen seinem Trainings und Bücher. ich danke dir Jonas Hellwig.

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  9. Ein super Artikel!

    Als Webdesigner sehe ich gewisse Entwicklungen ebenfalls eher negativ als positiv, jedoch ist das denke ich in jedem Beruf so. Aber da das Internet sich rasant entwickelt und die Web-Technologie damit ebenfalls, werden die Ansprüche auf die Webseiten auch proportional steigen.

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  10. Finde den Artikel auch super!
    Bin auch Webdesigner und weiß natürlich um die Schwierigkeiten in diesem Beruf. Bin seit kurzem als Freelancer tätig und komme auch zur Zeit so an genügend Aufträge. Bin auch der Meinung, dass Webdesigner auch in Zukunft gebraucht werden.

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  11. Ich versteh den Grund für den Ausstieg aus dem Webdesign-Business nicht so ganz: die unregelmäßigen Einnahmen? Es gibt doch zahlreiche Projektportale wie http://www.webdesign-freelancer.ch oder http://twago.de, wo man sich registrieren kann und dann regelmässig Aufträge hereinbekommt? Ich und alle in meinem Umfeld nutzen diese Möglichkeiten.

    Und dann gibts ja noch ein “Grundeinkommen” mit Bestandeskunden…

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  12. Interessanter Artikel & Interview. Ich glaube nicht, dass der Bedarf an Webdesigner abnehmen wird. Jedoch werden die Ansprüche, die an Webdesigner gestellt werden, steigen. Webdesigner werden sich schneller und besser fortbilden müssen.

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  13. Als Entwickler setze ich um, was Webdesigner sich so ausdenken. Dabei merkt man ganz schnell ob ein Webdesigner gut ist. Die Ansprüche und Anforderungen steigen, aber bei einer guten Arbeitsteilung ist das kein Problem.
    Ich freue mich immer, wenn Projekte von Webdesignern kommen und nicht vom Vertrieb.

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  14. Ein wirklich toller Artikel. Liest sich auch Jahre später noch gut und ist vor allem noch aktuell. Der Bedarf an Webdesignern hat in den letzten Jahren stark zu genommen. In Unternehmen nenne sich die meisten zwischenzeitlich eher UX/UI Designer. Das Wort Webdesign ist (obwohl im Alltag durchaus gebräuchlich) imho etwas in Vergessenheit geraten. Ich denke, dass die Ansprüche an das Berufsbild letztlich steigen. Solange das Internet weiterwächst (was es rein quantitativ in Bezug auf Anzahl der Seiten im WWW auch tut) werden Webseiten gebraucht. Ob nun kleine Blogs oder große Unternehmenswebseiten.

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  15. Wirklich toller Artikel. Die Frage hab ich mir auch schon gestellt und bin dann zufällig auf deinen Artikel gestoßen. Hat mich zum Nachdenken gebracht.

    Kathi M.

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