Der Faktor Vertrauen im Projektgeschäft

“Vertrauen ist der Anfang von allem” – so warb einst ein bekanntes deutsches Kreditinstitut.

Denkt man darüber nach, stellt man fest, wie sehr Vertrauen unser Handeln bestimmt. Dem Partner, Freunden und der Familie treten wir mit ganz anderen Erwartungen, aber auch Zugeständnissen entgegen als Drittpersonen.

Im Geschäftsleben ist das ähnlich, auch wenn sich das Vertrauensverhältnis natürlich auf einer anderen Ebene abspielt. Auch hier ist es wichtig, auf verlässliche Partner setzen zu können.

Das projektbezogene Arbeiten zwischen Freelancern und Unternehmen ist dahingehend betrachtet ein Sonderfall, da diese Kräfte meist nun für eine gewisse Dauer und bestimmte Teilaufgaben hinzugezogen werden. Zudem ist es in der projektreichen IT-Branche nicht unüblich, dass Freiberufler und Projektanbieter sich auf ein Remote-Konzept einigen und sich oft nicht persönlich zu Gesicht bekommen.

Die Vertrauensbildung gedeiht unter solchen Voraussetzungen nur schwerlich. Daher müssen andere Indikatoren herangezogen werden, um sich ein Bild von seinem Gegenüber zu machen.

Transparenz – der Vertrauensbooster für Freelancer und Unternehmen

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Unternehmen sind dahingehend die Hände gebunden und müssen Freelancern meist den Zugang zu kritischen Systemdaten gewähren, obwohl das Vertrauen fast ausschließlich auf den guten Ruf des Freiberuflers beschränkt ist.

Der Erstkontakt zwischen Freelancer und Projektanbieter findet zumeist online statt. Auch wer nicht an die Liebe auf den ersten Blick glaubt, weiß ob der Bedeutung eines guten Ersteindrucks.

Das Auftreten im Web sollte daher tadellos sein. Das kann eine eigene Webseite sein, immer mehr Freelancer stellen jedoch Ihr persönliches Profil samt Referenzen auf suchmaschinenoptimierten Projektportalen zum Abruf bereit.

Dies erspart den Aufbau und das Hosting* eines eigenen Webauftritts und hilft vor allem Freelancern am Anfang der Karriere, sich professionell zu präsentieren.

Wer jedoch seinen persönlichen Auftritt im Web nicht regelmäßig pflegt, verspielt wichtige Vertrauenspunkte. Das gilt im Übrigen nicht nur für Freelancer, sondern auch für Unternehmen. Wer sich nur unzureichend vorstellt, sollte sich von dem Gedanken verabschieden, wirkliche Spitzenkräfte für seine Projekte gewinnen zu können.

Referenzen zeigen: Wer kann? Der kann!

Ist ein Projektanbieter auf dem Profil eines Freelancers gelandet, stellen sich die entscheidenden Weichen für die Projektvergabe. Neben der Übersichtlichkeit und Ausführlichkeit der Eintragungen spielen die Referenzen eine große Rolle bei der Vertrauensbildung.

Am Anfang der freiberuflichen Karriere kann dies zu erheblichen Startschwierigkeiten führen, da es für Projektanbieter keine wirklichen Anhaltspunkte für das Können und die Seriösität des Kandidaten gibt.

Doch auch Neulinge unter den Freiberuflern sind keineswegs chancenlos: Sie fahren noch keinen festen Kurs und können mit Spezialisierungen auf gewisse Themengebiete glänzen. In diesem Fall gilt es, die Kompetenz in den ersten Sondierungen zu beweisen, um als vertrauensvoller Partner wahrgenommen zu werden.

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Vertrauen erarbeiten

Freelancer sind Experten, welche in der Regel für Projekte außerhalb der eigenen Kompetenzbereiche hinzugezogen werden. Auch wenn dies meist für einen beschränkten Zeitraum ist, sieht man sich gemäß dem Volksmund “im Leben immer zweimal”.

Es ist nicht unüblich, dass ein Unternehmen erneut auf externe Hilfe im selben Fachgebiet angewiesen ist. Wer mit guter Arbeit in Erinnerung bleibt, erhöht seine Chancen, vom selben Projektanbieter auch ein zweites Mal eingeladen zu werden.

Wenn das gegenseitige Vertrauen in eine Stammkundschaft übergeht, ist das sowohl für den Selbstständigen als auch für das Unternehmen ein großer Gewinn.

Gute Freunde kann niemand trennen

…so brachte es Franz Beckenbauer bereits 1966 mit seinem musikalischem Gehversuch auf den Punkt. Da viele Freiberufler zuvor die Welt des Angestelltendaseins kennengelernt haben, sind mitunter viele firmeninterne wie auch externe Kontakte bzw. Freundschaften entstanden. Die oft langjährige Zusammenarbeit ist ein hervorragender Nährboden für zukünftige Projektarbeiten und es bietet sich daher an, den betreffenden Personen seine Leistungen anzubieten.

Richtig interessant wird es dann, wenn die Netzwerke der Vertrauenspersonen ebenfalls Bedarf an entsprechenden Expertentätigkeiten haben. Die persönliche Weiterempfehlung ist eine der gewichtigsten Faktoren bei der Freelancer-Suche. Wer gute Leistungen bietet, wird mit der Zeit automatisch vom “Word of mouth” beflügelt.

Realistisch bleiben und Vertrauen ernten

Kontakte, Empfehlungen und ein ausdrucksstarkes Profil sind gute Ausgangspositionen für eine erfolgreiche Projektvermittlung.

Wenn es jedoch um das Finanzielle geht, haben sich sogar schon beste Freunde entzweit. Die Wahl des Stundensatzes ist daher für den Freelancer eine delikate Angelegenheit.

Ein hoch angesetzter Stundensatz verschreckt möglicherweise kleine Projektanbieter, der sogenannte “Kampfpreis” wiederum lässt möglicherweise Fragen nach der Qualität der Arbeit aufkommen.

Die Orientierung an den Konkurrenzpreisen im Zusammenspiel mit der richtigen Einschätzung des eigenen Angebots ist daher ein erster Ansatzpunkt, um seinen eigenen Stundensatz im Vornherein realistisch anzusetzen.

Wer sich nicht mit den Marktpreisen auseinandersetzt, setzt seine seriöse Erscheinung aufs Spiel. Eine hohe nachträgliche Verhandlungsbereitschaft erweckt darüber hinaus beim Gegenüber einen eher unsoliden Eindruck.

Fazit: Vertrauen ist vielschichtig

Sowohl Freelancer als auch Projektanbieter haben viele Möglichkeiten, Vertrauen beim Gegenüber zu gewinnen – aber auch ebenso viele um es zu verspielen.

Grundsätzlich fällt die Erschaffung einer Vertrauensbasis über Online-Netzwerke und Profile nicht leicht, da sich keiner der Beteiligten sicher sein kann, welche Professionalität und Seriosität wirklich hinter der leicht erstellbaren Fassade steckt.

Gegenüber den Vorteilen, welche die Personalfindung im World Wide Web bietet, fällt diese gewisse Form der Anonymität jedoch nicht signifikant ins Gewicht. Schließlich bietet auch eine Festanstellung trotz Arbeitsproben, Vorstellungsgesprächen und Probezeiten auch bei guter Menschenkenntnis keinen Schutz vor “Blendern” und falschen Personalentscheidungen. Hier erweist sich die beschränkte Arbeitsfrist im Projektgeschäft als Vorteil für beide Seiten.

Projektanbieter, die aus Angst vor personellen Fehlgriffen zu sehr auf Bewährtes setzen, laufen Gefahr, den vielzitierten Blick über den Tellerrand zu verlieren. Denn jede neue Arbeitskraft – zeitlich befristet oder nicht – bringt neue Impulse, Denkrichtungen und Know-How mit sich.

Besonders in der dynamischen und wachstumsstarken IT-Branche ist es wichtig, neue Wege zu gehen. Freelancer mit entsprechendem Fachwissen haben derzeit also gute Karten am Projektmarkt, sofern Sie neben den fachlichen Kompetenzen ihre Außenwirkung nicht vernachlässigen.


Über den Autor

Philipp Preischl bringt auf freelancermap tagtäglich Freelancer und Projektanbieter zusammen und hilft beiden Seiten, Ihre Profile zu optimieren und die Infrastruktur für eine erfolgreiche Zusammenarbeit zu schaffen.

Seine Erfahrungen gibt er als Autor von zahlreichen Fachartikeln zu den Themen Online-Marketing, Social Media und der Projektsuche an Freiberufler weiter.

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6 Gedanken zu „Der Faktor Vertrauen im Projektgeschäft“

  1. Dazu fällt mir nur folgende Aussage ein: Geschäfte werden mit Menschen gemacht und nicht mit Websites, Marken oder Produkten. Wer das beherzigt, ist meist schon einen großen Schritt weiter.

    Antworten
  2. Hallo,
    bin zwar auch dafür Refs zu zeigen, allerdings keine Kundenseiten, wenn dies nicht ausdrücklich von der Kundschaft erwünscht und erlaubt ist. Bin dann eher dafür eigene Projekte vorzustellen und somit sein Können zu demonstrieren. Das Vertrauen in die Verschwiegenheit eines Freelancers ist sicherlich auch ein wichtiges Gut im Netz.

    mfG

    Marc

    Antworten
  3. Hallo Philipp,

    danke für den informativen Beitrag. Ich bin selbst junger Freelancer und stimme mit jeden deiner Punkte überein.

    Ich denke auch, dass Vertrauen eines der wichtigsten Punkte im Geschäftsleben ist, vor allem im Online Marketing.

    Viele Grüße
    Vladislav

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  4. Sehr gelungener Artikel danke dafür. Zu den Referenzen kann ich nur sagen, das es sicher in manchen Branchen schwierig ist, hier Angaben zu machen. Die Erlaubnis sollte man dabei natürlich immer haben!

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  5. Muss auch sagen, sehr gelungen und ich denke, dass es ohne Transparenz heutzutage auch keine wirkliche Marktsituation mehr gibt.

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  6. Vertrauen finde ich sehr wichtig. Und ich würde Vertrauen auch niemals ausnützen. Bisher ist mir das auch noch nicht passiert, dass mich jemand über den Tisch gezogen hat oder so. Im online Marketing Bereich scheinen sehr viele ehrliche Menschen zu arbeiten :-)

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