Alltag und Privatleben – 20 wichtige Erfahrungen aus 10 Jahren Selbständigkeit Teil 3

Alltag und Privatleben - 20 wichtige Erfahrungen aus 10 Jahren Selbständigkeit Teil 3In den ersten beiden Teilen der Artikelserie habe ich bereits über meine Erfahrungen während der Existenzgründung und beim Aufbau meines Business berichtet.

Heute widme ich mich ein wenig dem Alltag in der Selbständigkeit und welche wichtigen Erfahrungen ich im Spannungsfeld von Arbeit und Privatleben gemacht habe.

Das ist für Existenzgründer und Selbständige ein mindestens genauso wichtiges Thema, wie das “Geld verdienen“.

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5 Erfahrungen in Alltag und Privatleben

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Im Folgenden blicke ich mal wieder auf meine mehr als zehnjährige Selbständigkeit zurück und welche wichtigen Erfahrungen ich sammeln konnte.

Diesmal geht es vor allem um den Alltag als Selbständiger und welche Auswirkungen dies mit den Jahren auf mein Privatleben hatte.

  1. Trennung von Arbeit und Privatleben
    Als ich mich selbständig gemacht habe, gab es keine wirkliche Trennung von Arbeit und Privatleben. Das lag zum einen daran, dass ich sozusagen mein Hobby zum Beruf gemacht habe. Ich habe bereits seit meinem Studium gern Websites gebaut und programmiert und das dann auch in meinem Job getan. Das führte dann dazu, dass ich jede freie Minute gearbeitet habe, weil es mir einfach großen Spaß gemacht habe.

    Zum anderen lag es auch daran, dass ich daheim gearbeitet habe. Mein Büro war zwar ein extra Raum in meinem Haus, aber so wirklich Feierabend habe ich in der ersten Zeit kaum gemacht. Nachmittags habe ich mich um die Familie gekümmert, aber dann gegen Abend ging es wieder an die Arbeit.

    Da ich von Null angefangen habe und mir erstmal ein Einkommen aufbauen musste, habe ich zudem viel am Wochenende gearbeitet.

    Das alles war lange Zeit auch okay, aber mit den Jahren merkte ich dann, dass ich wieder mehr Privatleben wollte und gebraucht habe. So sehr mir meine Arbeit Spaß gemacht hat und noch immer macht, ich habe einfach Dinge vermisst, die andere in ihrer Freizeit machen. Sport war eines davon oder auch mit meiner Frau wieder mehr Filme und Serien zu schauen.

    Mir fiel es aber sehr schwer Feierabend zu machen. Zu nah war das Büro und zu lang die ToDo-Liste. Im Hinterkopf hatte ich immer ein schlechtes Gewissen einfach mal abzuschalten und nichts zu machen. Doch irgendwann merkte ich, dass es mir auch gesundheitlich geschadet hat ständig zu arbeiten bzw. an die Arbeit zu denken.

    Also habe ich mich gezwungen Feierabend zu machen. Es dauerte eine ganze Weile, bis ich selber akzeptiert habe, dass es Okay ist nach der Arbeit zu faulenzen, Serien zu schauen oder einfach zu zocken. Mit der Zeit wurde mein schlechtes Gewissen weniger und mit dem Umzug ins externe Büro fiel es mir dann noch einfacher wirklich die Bürotür hinter mir zuzumachen und nach Hause zu gehen.

    Mittlerweile habe ich eine sehr gute Balance zwischen Arbeit und Privatleben gefunden und das tut mir richtig gut. Nicht nur privat ist das eine gute Sache, es hilft auch bei meiner Arbeit, da ich nun wieder deutlich konzentrierter bin und besser Prioritäten setze.

    Für einen Angestellten mag es komisch klingen, dass es schwer fällt Feierabend zu machen, aber viele Selbständige kennen das Problem. Es ist dennoch wichtig eine gewisse Balance zwischen Arbeit und Privatleben zu finden, egal wie viel Spaß die Arbeit macht. Man braucht den Ausgleich, um Energie zu tanken, abzuschalten und eine neue Perspektive zu bekommen.

  2. Der freie Rücken
    Wie eben schon geschildert, habe ich in den ersten Jahren meiner Selbständigkeit sehr viel gearbeitet. Ich war zwar auch für meine Familie da, aber ohne meine Frau wäre mein Arbeitspensum nicht möglich gewesen.

    Wer Single ist, für den mag das nicht so eine große Rolle spielen, aber wer eine Familie mit Kindern hat, der weiß was es bedeutet einen Partner zu haben, der einem den Rücken freihält. So konnte ich den Grundstein für mein erfolgreiches Business legen. Meine Frau hat mich immer unterstützt und sehr viel Verständnis aufgebracht, was sicher auch daran liegt, dass sie die Selbständigkeit aus ihrer Familie kennt.

    Ich kenne andere Fälle, in denen der Partner eher Vorwürfe dem Selbständigen gegenüber gebracht hat und wo von “Rücken freihalten” kaum die Rede sein kann. Das macht es für einen Existenzgründer natürlich schwerer das eigene Business aufzubauen. Hier muss dann ein guter Kompromiss gefunden werden.

    Ein Partner, der Verständnis aufbringt und einem den Rücken freihält, ist für Selbständige sehr viel wert. Es kann sehr schwer sein, wenn man neben dem täglichen Arbeitsstress auch noch daheim einen Kampf ausfechten muss. Hier gilt es möglichst früh für klare Verhältnisse zu sorgen und Kompromisse zu schließen.

  3. Ablenkung
    Die Ablenkung war zum einen ganz zu Beginn meiner Selbständigkeit ein Problem. Ich arbeitete ja zu Hause und es ist erstaunlich, wie viele private Dinge einem auf einmal einfallen, die zu erledigen sind. Abwaschen, Rasen mähen, etwas reparieren usw..

    Aber auch die privaten Räume üben eine gewisse Verlockung aus. Warum nicht einfach mal Mittag im Wohnzimmer machen? Das war bei mir z.B. keine gute Idee, also habe ich es ganz schnell wieder sein gelassen. Mit der Zeit habe ich konsequent alle privaten Dinge zu Hause ausgeblendet und mich nur auf mein Heimbüro konzentriert.

    Die Ablenkung betrifft aber auch den PC selbst. Schnell ist man in der Google Suche abgetaucht oder stöbert auf Amazon. Hier muss man eine gewisse Selbstdisziplin lernen, um bei den notwendigen Aufgaben zu bleiben.

    Nur auf eine Aufgabe sollte man sich konzentrieren und sich dann von nichts anderem ablenken lassen. Ein abgetrenntes Heimbüro oder sogar ein externes Büro helfen natürlich dabei sich allein auf die Arbeit zu konzentrieren. Zudem habe ich gemerkt, dass mir ein fester Feierabendzeitpunkt sehr dabei hilft, konzentriert zu bleiben und meine Aufgaben konsequent abzuarbeiten.

  4. Motivation
    Eine weitere wichtige Erfahrung war für mich, dass ich Motivation nicht erzwingen kann.

    Ich habe ja mit der Websiteerstellung von Kunden begonnen und das hat mir auch großen Spaß gemacht. Ich programmiere sehr gern und eine neue Website zu erstellen motiviert mich sehr.

    Was dagegen überhaupt nicht gut funktioniert hat, war das Schreiben von Texten für diese Kundenwebsites. Teilweise sollte ich auf Basis von Stichpunkten die Websitetexte für die Kunden schreiben und das war eine Qual. Ich konnte mich dafür überhaupt nicht motivieren, da es mir einfach keinen Spaß gemacht hat.

    Auch heute merke ich diesen Unterschied noch. Falls ich doch mal einen Text über ein Thema schreiben will, was mich eigentlich nicht so wirklich interessiert, fällt mir das schwer. Also versuche ich nur über Themen zu bloggen, die mich interessieren und die mir Spaß machen.

    Für mich kommt die Motivation ganz klar aus dem Interesse und dem Spaß an einer Sache. Dagegen fällt es mir sehr schwer mich zu motivieren, wenn mich etwas nicht interessiert.

    Jeder muss selbst herausfinden, was ihn motiviert. Ich kann aber nur wirklich jedem raten das zu machen, was von allein für Motivation sorgt. Sich mit etwas herumzuquälen, nur weil es z.B. Geld einbringen könnte, kann sehr schwer sein. Motivation kann man nicht erzwingen.

  5. Öffentlichkeit
    Als ich mit dem Bloggen angefangen habe, wollte ich einfach nur ausprobieren, was man damit erreichen kann. Niemals hätte ich damals 2007 gedacht, dass ich einen erfolgreichen Vollzeit-Blog aufbauen könnte.

    Mit den Jahren verdiente ich mit meinem Blog selbstaendig-im-netz.de und anderen Projekten immer mehr, aber auch die Bekanntheit stieg. Nun bin ich jemand, der ungern im Scheinwerferlicht steht und da kamen erste Konflikte auf.

    Ich bekam immer häufiger Angebote für Interviews, Vorträge und mehr. Natürlich wusste ich, dass mir diese Dinge alle weiterhelfen würden, aber auf der anderen Seite wollte ich nicht im Rampenlicht stehen.

    Mittlerweile habe ich einen guten Kompromiss gefunden. Eine gewisse Bekanntheit kann man einfach nicht verhindern, aber ich versuche dennoch hinter den Kulissen zu bleiben. Öffentliche Auftritte mache ich gar nicht. Das liegt mir einfach mehr und zudem sind mir die negativen Seiten von zu großer Bekanntheit eben auch bekannt. Manch ein erfolgreicher YouTuber würde sich z.B. mehr Privatleben und weniger Öffentlichkeit wünschen.

    Man muss nicht zur “Rampensau” werden, um online erfolgreich zu sein. Jeder sollte sich selbst so weit in die Öffentlichkeit begeben, wie er/sie das mag. Es gibt gute Möglichkeiten fast völlig unerkannt online Geld zu verdienen, z.B. als Affiliate und mit Nischenwebsites. Man sollte auf jeden Fall auch die Schattenseiten von zu viel Bekanntheit bedenken.

So geht es weiter

Im vierten und letzten Teil dieser Serie gehe ich auf weitere wichtige Erfahrungen ein.

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3 Gedanken zu „Alltag und Privatleben – 20 wichtige Erfahrungen aus 10 Jahren Selbständigkeit Teil 3“

  1. Die Trennung von Job und Privat ist extrem wichtig, man kann einfach nicht immer und überall erreichbar sein, ohne irgendwann daran einzugehen. Der Mensch braucht Ruhephasen und ganz ehrlich, kaum ein Projekt ist so unfassbar wichtig, dass es nicht auch mal 8 Stunden warten kann. Mit entsprechender Planung und Vorab-Info ist übrigens auch Urlaub durchaus drin :-)

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  2. Also ich teile meine Arbeit ein in “Arbeit die gemacht werden muss” (die mache ich tagsüber im Büro) und Arbeit die ich total gerne mache (die mache ich dann auch im Büro wenn voch Zeit ist oder dann Abends nach dem Essen oder am Wochenende) . Denn Arbeit die ich gerne mache ist für mich keine Arbeit :-) und eigentlich macht mir auch “Arbeit die gemacht werden muss” oft Spass. Und da wären wir wieder bei der Frage, wie definiere ich “Arbeit” ….

    Jedenfalls gehört zB. das Mahnwesen auf jeden Fall zu Dingen, die ich nicht gerne mache und daher niemals in meine “Freizeit” packen würde.

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  3. Ein so schön ehrlich geschriebener Artikel, der für jeden Selbstständigen lesenswert ist und auch für all die, die mit dem Gedanke spielen, in die Selbstständigkeit zu starten. Natürlich sind die Herausforderungen der Selbstständigkeit bei jedem individuell und Motivation, Ablenkung und Trennung von privatem und beruflichen ist natürlich auch Typ bedingt. Aber alle diese Punkte fließen am Ende mit in die Zufriedenheitsskala ein. Freie Zeiteinteilung kann auch nach hinten losgehen und es kann aufs Gemüt schlagen, wenn die ganze Wohnung plötzlich auch Arbeitsplatz ist. Wer merkt, dass beim ihm seit der Selbständigkeit etwas nicht mehr so ganz in der Waage ist, dem empfehle ich, in sich hinein zu hören: Was motiviert mich? Was blockiert mich? Wie trenne ich beruflichen und privaten Alltag, wenn ich Zuhause arbeite? Die Lösung liegt oft im inneren, wir müssen sie nur entdecken. Für alle die noch nach dem Knackpunkt suchen, kann ein Coaching gut tun! Schaut gerne bei mir vorbei.
    Liebe Grüße von der Coachingpraxis Berlin
    Katja Fritsch

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