Kreditvergabe und Finanzierungsformen für Selbständige und Gründer

Im heutigen Gastartikel geht es um Kredite für Selbständige und welche Finanzierungsformen es gibt. Welche Möglichkeiten gibt es und worauf sollte man achten.

Joshua Heid ist selbstständiger Unternehmer und betreibt als solcher unter arbeitskreis-krankenversicherungen.de ein Informationsportal zum Thema Krankenversicherungen in Deutschland.

Daneben besitzt er fundiertes Wissen zum Thema Finanzierung für Selbständige und ist verantwortlich für Kooperationen beim Kreditmarktplatz smava.de. Zuvor war Joshua Heid Bereichsleiter bei der finanzen.de* AG und verantwortete das dortige Partnerprogramm.

Ob etablierte Selbständige oder junge Existenzgründer – sie alle kennen das Problem. Wer in Deutschland als Selbständiger eine Finanzierung benötigt, hat es regelmäßig schwer.

Unabhängig davon, ob Freiberufler oder Gewerbetreibender, ob Kleinunternehmer oder mittelständischer Betrieb – die Banken sind bei der Vergabe von Krediten äußerst restriktiv und stellen hohe Anforderungen an eine Kreditbewilligung.

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Wesentliche Gründe für die erschwerte Kreditaufnahme für Selbständige

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Der Hintergrund für die Zurückhaltung bei der Gewährung von Krediten für Selbständige liegt auf der Hand, und er ist zum Teil in der jüngsten Historie der Finanz- und Bankenkrise begründet. Eine Reihe staatlicher Reformen – auch bekannt unter dem Namen Basel II oder zukünftig Basel III – sorgen dafür, dass die Kreditinstitute bei der Genehmigung von Finanzierungen aller Art immer vorsichtiger werden.

Zu groß erscheint das Risiko eines Zahlungsausfalls, zu massiv die Bedrohung durch Kredite, die zuerst offensichtlich nur schwer bedient werden können und später notleidend werden. In diesem Fall bleiben die Zahlungen ganz aus, einer Bank bleibt dann nur noch der Weg des Mahn- und Vollstreckungsbescheids oder gar die Klage auf Zahlung, um die Rückzahlung des bewilligten Kredits gerichtlich zu erzwingen.

Doch die Erfolgschancen können in diesen Fällen regelmäßig gegen Null gehen, wenn der Schuldner nicht zahlen kann – mit dem Ergebnis, dass eine Bank das ausgeliehene Geld nicht zurückerhält.

Genau dieses Szenario sorgt dafür, dass unsere Kreditinstitute bei der Vergabe von Krediten an Selbständige und Gründer sehr vorsichtig sind, wobei gerade diese Entwicklung in der Vergangenheit durch leichtfertige Kreditvergabe immer wieder an der Tagesordnung war und damit zum Teil selbst verschuldet.

Finanzierung für Gründer noch schwieriger

Für Existenzgründer ist die Aufnahme eines Kredites regelmäßig noch schwieriger als für Selbstständige, welche bereits seit mindestens zwei Jahren erfolgreich am Markt etabliert sind. Der Grund dafür ist leicht nachvollziehbar. Die Kreditinstitute haben keine Vergangenheitswerte, auf der sie das Risiko des Kreditausfalles kalkulieren können.

Zusätzlich zeigt gerade die hohe Quote an Geschäftsaufgaben von Neugründungen, dass Finanzierungen hier potentiell ein höheres Ausfallrisiko mitbringen. Laut KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) geben bereits etwa 30 Prozent der Existenzgründer innerhalb der ersten drei Jahre auf. Nach sechs Jahren sind durchschnittlich 50 Prozent mit Ihrer Gründung gescheitert.

Um als Bank hier das Risiko eingrenzen zu können, müssen die persönlichen Befähigungen der Gründer eingehend geprüft werden. Anhaltspunkte hierfür finden die Kreditinstitute in den Businessplänen und den beruflichen Qualifikationen.

Viele Banken schrecken jedoch auch vor einer Kreditprüfung für Gründer zurück, da hier der Prozessaufwand üblicherweise deutlich höher ist, als eine Kreditvergabe für Endverbraucher, welche für den Konsum gedacht ist. Allein das Lesen und Verstehen eines Businessplans ist bereits ein recht hoher Aufwand für Banken, welche in erster Linie viele Kredite gewähren möchten und das bei möglichst geringem Aufwand.

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Alternative Lösungen für Kredite für Selbständige und mögliche Fallen

Hat man als Unternehmer ganz unabhängig von der Bonität Probleme, einen Kredit zu bekommen, liegt schnell der Schluss nahe, sich etwas umfassender mit alternativen Lösungen zu beschäftigen. Sie sind ebenso vielfältig wie manchmal unübersichtlich und undurchschaubar.

Der Kreditmarkt hat hier recht viele Vermittler auf den Plan gerufen, welche teils von dem Dilemma profitieren möchten, in welche Selbständige bei der Finanzierung stecken. Hierbei gilt es Vorsicht walten und genau abzuwägen.

So findet man zum Beispiel immer wieder bunt und ansprechend aufgemachte Werbungen zu “Darlehen für Selbständige” oder “Kredite ohne Schufa”. Von einer Reihe dieser Angebote sollte man Abstand nehmen – umso mehr, wenn Vorkosten geltend gemacht werden. Sie können schnell zu Ärger führen, denn oft stecken Vermittler dahinter, die sich gut zu verkaufen wissen, aber selten halten, was sie versprechen.

Bei aller Seriosität der etablierten und renommierten Berater in allen finanziellen Fragen muss vor diesen Vertretern der Branche leider immer noch gewarnt werden. Daneben haben sich seit einigen Jahren auch Kreditmarktplätze etabliert, welche in aller Regel auch mindestens Selbständige finanzieren.

Hierbei handelt es sich dann um Kredite, welche durch Privatpersonen vergeben werden. Auch hier gilt es aufmerksam zu sein und Anbieter, welche Vorkosten verlangen, zu meiden.

Eine eigene Recherche hinsichtlich der Seriosität im Internet oder bei Bekannten kann hier schnell helfen. Ein Zeichen für seriöse Kreditvergabe können Gütesiegel sein, welche von unabhängigen Organisationen verliehen werden. Gerade der Stiftung Warentest oder Focus Money prüfen regelmäßig die Angebote.

Voraussetzungen für eine erfolgreiche Finanzierung für Selbständige

Zunächst einmal müssen die entsprechenden Unterlagen für die Kreditbewilligung in Ordnung sein. Je nach Vorhaben wird eine Bank die aktuellen Bilanzen und betriebswirtschaftlichen Auswertungen der letzten drei Jahre fordern. Auch die entsprechenden Steuerbescheide werden in der Regel angefordert.

Können Sicherheiten für die Finanzierung gestellt werden wie zum Beispiel ein Grundstück, ist der Grundbuchauszug erforderlich. Besonders vorteilhaft ist dann, wenn ein Grundstück nicht belastet ist und als Sicherheit für den Kredit herangezogen werden kann.

Ebenso günstig ist es, wenn ein gewisser Anteil an Eigenmitteln für das Vorhaben gegeben ist. Nur wenige Banken finanzieren ein Projekt, wenn so gut wie kein Eigenkapital vorhanden ist. Je höher mögliche Eigenmittel, Rücklagen oder Gewinne sind, desto besser sind die Chancen, für den verbleibenden Rest eine Finanzierung zu bekommen.

Bei den Kreditvoraussetzungen für Selbständige müssen üblicherweise die Einkünfte aus der Selbständigkeit für etwa 12 bis 24 Geschäftsmonate nachgewiesen werden, der durchschnittliche Jahresgewinn (vor Steuern) der letzten zwei Geschäftsjahre muss etwa bei 18.000 EUR liegen und das Mindesteinkommen bei ca. 800 – 1.000 EUR (nach Steuern). Einige Anbieter akzeptieren einen Verlust in den letzten beiden Geschäftsjahren nicht und verwehren daher einen Kredit. Auch ein negativer SCHUFA-Eintrag (auch wenn dieser zu den “erledigten” Negativeinträgen gehört), führt regelmäßig zu Kreditablehnungen.

Voraussetzungen für eine erfolgreiche Finanzierung für Gründer

Für Gründer ist schließlich ein Businessplan in aller Regel gefordert, der das geplante Vorhaben dezidiert beschreibt.

Hinzu kommt der Finanzplan, welcher eine Bewertung der Erfolgsaussichten, Marktchancen, Absatz- und Umsatzprognosen und eine Berechnung der Gewinnentwicklung beinhaltet. Diese Zahlen müssen in sich plausibel und nachvollziehbar sein und müssen insgesamt das Vorhaben realistisch darstellen und verkaufen.

Der Businessplan ist damit das A und O für die Bewertung des Vorhabens durch die Bank. Deshalb schadet es nicht, professionelle Hilfe bei der Erstellung in Anspruch zu nehmen. Mit diesen Unterlagen kann man im nächsten Schritt auf die Suche nach einer Bank gehen.

Vorgehen und Möglichkeiten zur erfolgreichen Finanzierung für Selbständige und Existenzgründer

Die Möglichkeiten und das Vorgehen für eine erfolgreiche Kreditgewährung sind durchaus weit gefasst, trotz der üblicherweise restriktiven Kreditvergabe.

Zunächst gilt es herauszufinden, ob das geplante Vorhaben zu den bevorzugten Branchen einer bestimmten Bank passt. So gibt es durchaus Kreditinstitute, die sehr aktiv im Bereich ökologischer Projekte sind und die eine Vergabe von Krediten für nachhaltige Produkte zur ihrer Aufgabe gemacht haben. Auch soziale Vorhaben oder karitative Projekte sind bei solchen „grün“ ausgerichteten Banken gerne gesehen. Diese Banken gilt es zu finden um das geplante Projekt dort vorzustellen.

Andere Kreditinstitute sind regional ausgerichtet und beispielsweise auf Projekte in den neuen Bundesländern fixiert. Geht es um eine Finanzierung dieser Art, können die jeweiligen Banken und Sparkassen das Mittel der Wahl sein, wobei die entsprechende Branche dann ganz unerheblich sein kann, solange die örtliche Zuständigkeit gegeben ist. Steht also eine Finanzierung an, ist in jedem Fall eine Prüfung angesagt, ob die jeweilige Region in die Zuständigkeit bestimmter Banken fällt, um das Vorhaben dort entsprechend zu platzieren.

Auch die Kreditanstalt für Wiederaufbau ist für Selbständige und Existenzgründer ein hervorragender Ansatzpunkt. Sie bietet diverse Förderprogramme, die nach Branche und Größenordnung sehr unterschiedlich sein können. Auch gelten sie deutschlandweit und sind nicht regional begrenzt. Darlehen oder Zuschüsse der Kreditanstalt für Wiederaufbau können an die Beantragung durch eine Geschäftsbank gebunden sein. Auch sind hier häufig Fristen einzuhalten, damit die entsprechenden finanziellen Mittel termingerecht zur Verfügung stehen. Die Beantragung kann durchaus einen etwas längeren Zeitraum in Anspruch nehmen. Deshalb empfiehlt es sich, hier rechtzeitig eine umfassende Beratung in Anspruch zu nehmen.

Doch nicht nur auf nationaler Ebene sind Fördermittel erhältlich. Auch international und innerhalb der Europäischen Union sind günstige Kredite und Darlehen sowie Fördergelder aller Art vorhanden und können in Anspruch genommen werden. Allerdings ist das Spektrum weit gefasst, und die einzelnen Programme und Mittel können thematisch oder nach Branche eingegrenzt sein. Hier hilft letztlich nur, sich umfassend zu informieren. Das Antragsverfahren und die Bewilligung der Fördermittel können langwierig und komplex sein, so dass auch hier unter Umständen eine entsprechende professionelle Beratung empfehlenswert ist.


Die Beratung als erster Schritt zur Finanzierung für Existenzgründer

Ein erster Ansatzpunkt für eine Beratung kann die zuständige Industrie- und Handelskammer oder die Handwerkskammer sein. Dies gilt besonders für Existenzgründer, die im Rahmen einer Gründungsberatung bei der zuständigen Kammer weitreichende Informationen rund um die Existenzgründung einschließlich möglicher Finanzierungsvarianten erhalten. Sie sind in jedem Fall ein gangbarer Weg, das komplexe Thema der Kreditbewilligung anzugehen und erste Informationen einzuholen.

Darauf aufbauend können sich unterschiedliche Wege der Finanzierung ergeben, die alle im Einzelnen und entsprechend fundiert und sorgfältig analysiert werden müssen. Gerade das Thema Förderung und Finanzierung ist bei Gründungen neben der Geschäftsidee, der Einstellung und Qualifikation der Gründer, eines der wichtigsten Punkte. Daher ist es empfehlenswert sich hierbei Zeit zu nehmen und in aller Ruhe zu prüfen.

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2 Gedanken zu „Kreditvergabe und Finanzierungsformen für Selbständige und Gründer“

  1. Das Problem bei der Finanzierung ist oft, dass die Berater oft nicht das Geschäftsmodell verstehen (wollen). Sie haben keine Zeit sich mit Idee und Prognosen auseinander zu setzen, da man diese nicht bewerten kann. Und in der Bankbranche ist alles was nicht bewertbar ist, wertlos, was nicht finanziert werden kann. Schade aber solange die griechischen Anleihen durch andere Staaten gesichert sind, ist dies besser, als Geld mit Gründern zu verdienen.

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  2. Am wichtigsten ist, dass man als Gründer von seinem Konzept absoult überzeugt ist. Denn nur dann besitzt man auch ausreichend Überzeugungskraft um die Banken auf seine Seite zu ziehen! Wenn man etwas wirklich will, dann kann man es auch schaffen!!

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