Leise die Welt erobern. Wie du als introvertierter Selbständiger im Netz sichtbar wirst.

In Zeiten meiner Unselbständigkeit hörte ich immer wieder, ich müsse mich besser verkaufen. Übersetzt hieß das, ich müsse mich sichtbarer machen. Für mich klang das nach „sich auf die Brust schlagen und lautstark verkünden, wie toll ich sei.“ Allerdings lag mir das nicht. Ich bin keine Rampensau und zu prahlen, wie gut ich denn eigentlich sei, ist nicht mein Ding.

Somit hatte ich schon zu Beginn meiner Selbstständigkeit ein immens großes Hindernis zu überwinden. Denn wie sollte ich neue Kunden gewinnen, mich am Markt sichtbar machen, wenn ich mich viel lieber im Hintergrund halte?

In diesem Artikel zeige ich dir, welchen Weg ich gegangen bin, um mich sichtbar zu machen und gebe dir Tipps, wie auch du es schaffst, als leiser Mensch in einer lauten Welt auf dich aufmerksam zu machen.

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Leise die Welt erobern

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Unsere Welt erscheint uns auf den ersten Blick ein Biotop für Extrovertierte zu sein. Auch im Netz. Menschen, die sich auf Videos tummeln, singen, tanzen oder sonstige – mehr oder weniger interessante – Kunststücke darbieten, bekommen Tausende von Klicks. Die Konkurrenz ist groß, wer es nicht schafft sichtbar zu werden, geht in der Masse unter. Die Selbstdarsteller und Alphatiere sind die Sieger. Wer sich gut vermarkten kann, schafft es. So lässt man uns glauben.

Aber was ist mit den Introvertierten? Sind sie dazu verdammt ein leises Dasein zu fristen, ohne Aussicht auf Erfolg?

Nein!

Ganz im Gegenteil. Sehr viele, sehr erfolgreiche Persönlichkeiten sind introvertiert. Nehmen wir zum Beispiel Bill Gates. Er schwingt keine großen Reden, ist aber trotzdem einer der erfolgreichsten Unternehmer unserer Zeit. Ebenso Mark Zuckerberg. Laut ist nicht seine Stärke.

Wie unterscheiden sich introvertierte von extravertierten Menschen?

Zu unterscheiden ist hier, ob jemand schüchtern oder introvertiert ist. Ein schüchterner Mensch hat in der Regel Angst in sozialen Situationen. Schüchternheit ist ein antrainiertes Verhalten, das wir auch wieder ablegen können.

Introvertiert ist ein Persönlichkeitsmerkmal, das angeboren ist, wir nicht einfach ablegen können. Allerdings ist es möglich, seine Wesenszüge zu kennen und sich dementsprechend zu verhalten.

Zumeist denken wir, extravertierte Menschen sind laut und ständig auf Partys zu finden und introvertiert sitzen nur zuhause und gehen kaum außer Haus. Natürlich ist das nicht so.

Jedoch gibt es eine ganz klare Entscheidungsmöglichkeit, wie du erkennen kannst, ob du eher zu den introvertierten oder zu den extravertierten Persönlichkeiten gehörst.

Nämlich die Art, wie du deine leeren Reserven wieder auffüllst, wie du zu neuer Energie kommst, wie du wieder neue Kraft tanken kannst.

Jeder Mensch tankt seine Energien ganz unterschiedlich auf. Nach einem langen Seminartag entspanne ich mich am liebsten in meinem bequemen Lesesessel bei einem interessanten Buch. Da drehe ich gerne auch mal mein Handy ab oder leiste mir ein wohltuendes, heißes Bad.

Eine Kollegin von mir reagiert ganz anders. Nach einem anstrengenden Tag trifft sie sich mit Freunden in einem Lokal und kann da so richtig den Stress abladen und neue Energie tanken.

Und das ist wohl der gravierendste Unterschied dieser zwei Wesenszüge. Benötigte die introvertierte Person Ruhe, um neue Kraft zu schöpfen – vergleichbar mit einem Akku, der sich in Ruheposition auflädt, fühlt sich die extravertierte Person durch Bewegung wieder aktiviert – vergleichbar mit einem Windrad, das Energie durch Bewegung erzeugt.

Leise Menschen sind gute Unternehmer

Leise Menschen haben die Gabe, Dinge konzentriert zu bearbeiten und zuzuhören. Das ist eine große Stärke. Eine Studie der Wharton School of Business der University of Pennsylvania zeigt, dass Unternehmen erfolgreicher sind, die von introvertierten Chefs geführt werden. Sie lassen ihren Mitarbeitern meist viel Freiraum. Der zufolge umgeben sich Intro-Führungskräfte stärker mit Menschen, die unabhängig denken und handeln können; sie müssen nicht selbst der Star sein.

Extrovertierte Unternehmensführer signalisieren eher ein „Mir nach!”. Sie brauchen Menschen, die ihnen folgen, die ausführen.

Wenn das stimmt, dann sind introvertierte Unternehmerinnen und Unternehmer auf Dauer erfolgreicher, weil es ihnen besser gelingt eine gute Vertrauensbasis zu schaffen und sie in die Tiefe gehen.

Jedoch kann der Weg an die Spitze etwas steinig sein. Sich am Markt positionieren und sichtbar machen, kostet Kraft und Energie. Machen müssen wir es trotzdem, denn in den seltensten Fällen klopft der Kunde an unsere Türe.

Was kannst du als introvertierter Mensch nun tun, um dich sichtbarer zu machen.

5 Tipps für deine Sichtbarkeit

  1. Erkennen und akzeptieren
    Die Erkenntnis, dass ich introvertiert bin und dies auch nicht ändern kann, hatte bei mir einiges ausgelöst. Auf der einen Seite fühlte ich mich natürlich erleichtert – „Ok, so bin ich halt“. Auf der anderen Seite tauchte allerdings die Frage auf, was ich nun tun sollte?

    Aber genau durch diese Erkenntnis gelang es mir Wege zu finden, wie ich mich trotz meiner Introvertiertheit am Markt gut positionieren und wie ich sichtbar werden kann.

    Tipp:
    Prüfe im ersten Schritt, ob du wirklich introvertiert bist oder eher schüchtern. Bist du schüchtern, dann kannst du das durch gezieltes Persönlichkeits-Training auch wieder verlernen und dir neue Handlungsweisen aneignen.

    Bist du tatsächlich introvertiert, dann gratuliere ich dir. Du bist ein Mensch mit einer sehr großen Beobachtungsgabe, gehst gerne in die Tiefe und andere Menschen vertrauen dir. Nutze genau diese Vorzüge!

  2. Eigene Energietankstellen identifizieren
    Für mich sind ein gutes Buch, ein heißes Bad, ein interessantes Gespräch mit Freunden wahre Energie-Turbos. Ein wenig Ruhe und schon bin ich wieder bereit für neue Aktivitäten. Massenansammlungen machen mich unrund und rauben mir jegliche Kraft. Allerdings muss ich in meinem Beruf immer wieder vor großen Gruppen auftreten, sei es bei Vorträgen oder Seminaren. Hier nutze ich die Pausen für mich. Da suche ich mir ein ruhiges Plätzchen, wo ich alleine sein kann. Ich verbringe selten meine Mittagszeit mit allen Teilnehmern, sondern bin gerne mit mir alleine oder vielleicht noch mit einer zweiten Person. Diese kurzen Auszeiten dazwischen füllen meine Tanks auf.

    Tipp:
    Finde für dich heraus, wie du dir in hektischen Zeiten schnell Energie zuführen kannst. Fünf Minuten um den Block gehen. Im Eck sitzen und die Lieblingsmusik hören. Drei mal tief durchatmen.

    Kennst du deine Energietankstellen und nutzt sie regelmäßig, kannst du in hektischen Momenten, denen du nicht einfach entfliehen kannst, schnell deinen Energie-Level wieder in die Höhe bringen.

  3. Such dir das Medium, das zu dir passt
    Introvertierte Menschen sind oft Einzelgänger. Sie sind gerne für sich alleine, beschäftigen sich in Ruhe mit sich selbst oder einem Thema, das sie interessiert. Die große Bühne ist nicht so ihres. Sie brauchen nicht die Masse, die ihnen zujubelt.

    Ich habe für mich daher am Anfang den Blog entdeckt. Schreiben ist etwas, das mir als introvertierte Person liegt. Erst mit der Zeit habe ich mich zu Videos und Audios gewagt. Aber das hat eine Weile gedauert, bis ich diese Hürde nehmen konnte.

    Tipp:
    Such dir die Plattform, in der du dich wohl fühlst. Experimentiere mit Videos, Podcasts, Blogs. Lass dir Zeit und finde für dich heraus, was dir am meisten liegt und wobei du Spaß hast.

    Für Videos und Podcasts suche dir vielleicht für den Anfang einen (Interview)-Partner. Das kann dir Sicherheit geben. Denn für den Fall, dass dir kurz die Worte fehlen und du nicht weiterweißt, gibt es noch eine zweite Person, die einspringen kann.

  4. Vergiss deine hohen Ansprüche
    Bei mir hat es Monate gedauert, bis ich mein erstes Video ins Netz gestellt habe. Ich habe alle bewundert, die einfach so während einer Autofahrt eine kurze Video-Botschaft aufnehmen und die gleich hochladen. Wenn ich das probierte – mein Video war aus meiner Sicht immer eine Katastrophe: Zu viele Nebengeräusche, ich war zu blass, meine Stimme viel zu leise. Wie machten es die anderen, dass sie immer so gut aussahen?

    Sie machten gar nichts. Oder besser, sie machten eines: Sie pfiffen drauf und stellten ihr Werk einfach ins Netz.

    Hohe Ansprüche zu haben, ist sehr lobenswert. Aber manchmal einfach nicht notwendig. Mein erstes Video, das dann doch im Netz landete, war alles andere als perfekt. Ich habe trotzdem gutes Feedback erhalten.

    Tipp:
    Wenn du auch dazu neigst, Dinge fallen zu lassen nur, weil sie nicht „perfekt“ genug sind, dann wage dich langsam aus deinem Schneckenhaus und nimm eine Hürde nach der Anderen.

    Nimm dir nicht zu viel auf einmal vor, sondern Schritt für Schritt. Je sicherer du auf einem neuen Gebiet bist, umso mehr kannst du deinen Perfektionismus ablegen und deine tollen Projekte in die Welt tragen.

  5. Qualität vor Quantität
    Ich habe eine Kollegin, die aktuell 723 Fans auf Facebook hat. Eigentlich unspektakulär, denn immerhin ist sie schon gut 5 Jahre auf dem Markt und arbeitet online. Nur probiere mal mit ihr einen Termin zu vereinbaren. Keine Chance – sie ist auf Wochen hin ausgebucht.

    Eine andere Unternehmerin hat über 3.000 Fans. Und bei unserem letzten Gespräch erzählte sie mir, dass sie froh wäre, wenn sie regelmäßig € 500,– verdienen würde.

    Auch mich beeindrucken immer die 4-stelligen Ziffern, die die unterschiedlichsten Profile aufweisen. Nur sie sagen NICHTS aus. Sie sagen nichts über den Erfolg der Person dahinter aus.

    Tipp:
    Eine der größten Gaben, die eine introvertierte Person hat, ist, dass sie eine sehr gute Vertrauensbasis aufbauen kann. Nutze genau dies.

    Gehe mit deinen Followern und Fans ins Gespräch. Du benötigst nicht die Masse wie überall propagiert wird. Es reicht, wenn du eine kleine Gruppe treuer Fans hast, die dich auf deinem Weg begleiten und mit Freude das kaufen, was du auf den Markt bringst. Beantworte Kommentare, stelle Fragen, geh in die Tiefe. Mit diesen kleinen Tricks gelingt es dir sehr gut, die Kommunikation aufrecht zu halten.

In unserer schnelllebigen Welt, in der alles größer, höher, besser sein muss, werden die Leisen gerne übersehen. Allerdings nur auf den ersten Blick. Denn auf Dauer behalten jene die Oberhand, die vertrauenswürdig sind, authentisch und in die Tiefe gehen können. Das gilt auch heute noch. Oder gerade heute.

Autorin

Silvia Chytil ist Business Coach und Mindset-Mentorin. Sie unterstützt Unternehmerinnen dabei, sich ihren Traum vom eigenen Unternehmen zu erfüllen, ihre vielen Ideen unter einen Hut und ihr Business zum Blühen zu bringen. Aus eigener Erfahrung kennt sie die vielen Hindernisse und Hürden, mit denen wir als UnternehmerInnen immer wieder konfrontiert werden – und sie hat dabei eines gelernt: An sich glauben, dranbleiben und vor allem mit viel Spaß an der Sache sein, sind die sichersten Wege zu einem erfolgreichen Business.

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15 Gedanken zu „Leise die Welt erobern. Wie du als introvertierter Selbständiger im Netz sichtbar wirst.“

  1. Toller Artikel!
    Fühle mich absolut angesprochen. Bin ebenfalls introvertiert kann die angeführten Punkte absolut nachvollziehen. Tanke meine Energie meisten mit guter Musik oder einem interessanten Buch.
    Arbeite auch am liebsten alleine, das funktioniert für mich einfach am besten. Ich möchte selbst für die Leistungen verantwortlich sein und verlasse mich ungern auf andere.

    Lg Florian

    Antworten
  2. Sehr interessanter Beitrag, in dem ich mich teilweise sehr gut erkennen kann. Ich gehe zwar gerne mit Freunden auf ein Getränk, so richtig abschalten kann ich aber nur, wenn es um mich herum komplett ruhig ist. Auch bei der Arbeit habe ich es lieber, wenn mich keine äußeren Einflüsse stören, bzw. ablenken.

    MfG, jurij

    Antworten
  3. Ähnliche Probleme, gerade der Perfektionswahn, war mir auch gut bekannt. Ich hätte bei Punkt 4 vielleicht noch eine Ergänzung in Form von:

    Lerne Gelassenheit

    Viele DInge können nicht perfekt werden und müssen das auch gar nicht. Manche KUnden bleiben einfach schwierig und man hat nicht immer gute Tage. EIn gelassenes Auftreten hilft dabei, Probleme direkt zu umschiffen. Es ist keine Katastrophe wenn eine Präsentationsfolie vertauscht wurde. Man macht es erst zur Katastrophe.

    Ansonsten super Beitrag, der mir aus der Seele spricht. :)

    Antworten
  4. Zu dem Thema kann ich das Buch “Liebe den Introvertierten in dir” von dem Blogger Patrick Hundt empfehlen. Es hilft einem sehr gut, seine Introvertiertheit als Stärke wahrzunehmen. Ich schätze mal, dass mindestens 90 Prozent aller Leute, die im im Internet erfolgreich sind, introvertiert sind. Sonst würde man das ewige arbeiten am PC wahrscheinlich auch gar nicht durchhalten.

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  5. Ich finde deine Seite ist Gold wert, lese hier immer wieder gerne. Mit dem Artikel kann ich mich teilweiße identifizieren zwar arbeite ich gerne allein und ungestört aber ich gehe auch gerne an Orte wo viel los ist und kann das sehr genießen, nur eben in meiner Freizeit.

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  6. Hallo, ja ich fühle mich auch angesprochen, viele Dinge haben mich daran erinnert wie ich mich in den letzten 25 Arbeitsjahren fühlte. Und trotzdem oder gerade deswegen bin ich Teamleiter von 30 jungen, egagierten Mitarbeitern geworden…
    Vg, Daniel

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  7. Hallo Peer,

    was für ein toller Beitrag! Auf so etwas habe ich gewartet! Vor allem den Punkt 4 zum Thema “zu hohe Ansprüche” kann ich total nachvollziehen! Allerdings habe ich das Gefühl, dass man doch ein wenig introvertierter werden kann und nicht alles angeboren ist. bei mir etwa durch vieles Lesen oder den Umstieg von körperlich stressiger Arbeit hin zu Aufgaben, die mehr “Grips” erfordern…

    LG,
    Nina

    Antworten
  8. Schlimm nur wenn man introvertiert und schüchtern ist. Man muss sich halt damit abfinden und die lauten Personen aus dem Hinterhalt attackieren ;)

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  9. Hallo Peer,

    ich lese schon seit längerem auf deiner Seite mit. Besonders toll finde ich diesen Artikel. Ich finde gerade durch das Internet ist vielen Menschen die Möglichkeit gegeben Ihr Talent und Ihr Können unter Beweis zu stellen. Es ist möglich kleine und große Projekte anzugehen und das ohne großes Kapital.

    Für besonders wichtig erachte ich Punkt 5. Die Qualität kommt leider viel kurz und wird nicht mehr als sooo wichtig erachtet. Dabei finde ich, dass gerade die Qualität gesteigert werden sollte um einen echten Mehrwert zu liefern.

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