Mindestlohn und Selbständige – Auswirkungen und Konsequenzen

Die Mindestlohn-Debatte läuft schon viele Jahre und die große Koalition scheint diesen nun flächendeckend einführen zu wollen.

Doch was bedeutet das für Selbständige und wie können diese der Armutsfalle entgehen?

In diesem Artikel möchte ich mich diesem Thema widmen. Eure Meinungen sind wie immer willkommen.

Mindestlohn gut akzeptiert

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Auch wenn es immer wieder Kritik an der Einführung eines Mindestlohns gibt, so gibt es unter der deutschen Bevölkerung dennoch eine breite Zustimmung zu den Plänen der großen Koalition.

zur Statistik

Mehr als 3/4 sind dafür. Zudem muss man bedenken, dass unter den 22%, die einen Mindestlohn von 8,50 Euro nicht gut finden, nicht nur die sind, die den Mindestlohn ablehnen, sondern auch die, die ihn höher haben wollen.

Ich bin zwar schon lange selbständig und früher habe ich in meinem Job auch gut verdient, aber ich finde es gut, dass ein Mindestlohn kommt. Arbeitnehmer sollten einfach von Ihrer Arbeit leben können und das ist leider bei vielen heute nicht mehr der Fall.

Wenn eine Firma nur deshalb pleite geht, weil sie ihren Angestellten nun einen vernünftigen Lohn bzw. Gehalt zahlen muss, dann stimmt etwas mit dem Geschäftsmodell nicht. Keine Firma sollte nur deswegen funktionieren, weil die Angestellten unterbezahlt sind.

Davon abgesehen ist Deutschland eines der wenigen Länder in Europa, dass noch keinen flächendeckenden Mindestlohn eingeführt hat. Mit den 8,50 Euro würde man derzeit auf Rang 6 in Europa liegen.

Nur die Benelux-Länder, Frankreich und Irland haben mehr als 8,50 Euro Mindestlohn. Andere Länder, auf Grund ganz anderer Lohn-/Lebenshaltungskosten-Situationen, haben teilweise deutlich niedrigere Mindestlöhne.

Selbständige leben besser als der Durchschnitt

Ein häufig gehörter Mythos über die Selbständigkeit ist, dass die ja alle viel mehr verdienen als Angestellte.

Dem ist natürlich nicht so. Es gibt auch unter Selbständigen alle Einkommensbereiche und laut einer aktuellen Studie verdienen rund 700.000 Selbständige weniger als den Mindestlohn.

Wobei man auch hier einschränken muss, dass es um den umgerechneten Stundenlohn geht. Viele Selbständige arbeiten halt mehr als 40 Stunden in der Woche, verdienen unter dem Strich aber ganz gut. Der Stundenlohn sieht durch die Überstunden aber nicht so gut aus.

Dennoch gibt es viele Selbständige, die nicht auf einen grünen Zweig kommen. In der Anfangsphase der Selbständigkeit mag das noch normal sein, aber bei vielen verbessert sich die Situation auch später nicht wesentlich.

Dennoch geht es den deutschen Selbständigen insgesamt recht gut. Laut diesem Artikel gibt es in den unteren Einkommensschichten prozentual gesehen mehr abhängig Beschäftigte, als Selbständige.

Umgekehrt bedeutet das, dass bei den besser Verdienenden die Selbständigen stärker vertreten sind.

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Müsste der Mindestlohn für Selbständige greifen?

Dennoch gibt es eben auch viele Selbständige, die nicht so gut verdienen und diese würden von der Mindestlohn-Einführung nicht profitieren.

Das gilt besonders für bestimmte Branchen, wie der Pflege, dem Bildungsbereich oder der Paketzustellung. Das sind aber auch keine typischen Bereiche der Selbständigkeit, wie es sie früher mal gab. Stattdessen wurden hier oft Jobs gestrichen und die Personen mussten zwangsweise in die (Schein-)Selbständigkeit, um (für weniger Geld) weiter arbeiten zu können.

Das sehe ich eher als Problem der Politik an, die Unternehmen die “Schlupflücke” gelassen hat.

Deshalb fordern nun unter anderem Gewerkschafter, dass der Mindestlohn auch für Selbständige gelten soll. Zumal befürchtet wird, dass viele Unternehmen noch mehr fest angestellte Mitarbeiter entlassen werden, damit diese dann auf freiberuflicher Basis unter dem Mindestlohn beschäftigt werden können.

Insgesamt halte ich es aber nicht für möglich, den Mindestlohn auch auf die Selbständigen auszudehnen. Hier gibt es keine festen Arbeitsverträge, sondern es wird in der Regel auf Auftrags- oder Provisionsbasis miteinander zusammen gearbeitet. Wie sollte man da einen Mindestlohn sicherstellen?

Hier soll, und das finde ich nachvollziehbar, der Markt die Preise regeln und es ist auch an den Selbständigen, so gute (und besondere) Leistungen anzubieten, dass sie eben nicht in einem Preiskampf untergehen. Das ist schwer, aber meiner Meinung nach wäre ein Versuch der Regulierung hier zum Scheitern verurteilt.

Viel mehr müsste dafür Sorge getragen werden, dass Unternehmen nicht ihre festen Mitarbeiter entlassen und dann als Scheinselbständige wieder beschäftigen.

Und es sollte jeder Selbständige wirklich dafür Sorge tragen, dass er/sie ein tragfähiges Geschäftsmodell besitzt. Wer langfristig von einer Selbständigkeit gut leben will, der muss auch ein funktionierendes Geschäftsmodell aufbauen und ausbauen.

Nur selbständig, wenn man auch davon leben kann.

In der Konsequenz ändert sich für Selbständige und Gründer eigentlich nicht viel. Auch vor der Einführung eines Mindestlohns mussten diese selbst dafür sorgen, dass sie genug verdienen.

Genug zum Leben reicht eben nicht, sondern man muss als Selbständiger doch ein paar Kosten mehr tragen und für eine Absicherung (Krankheit, Alter) und für schlechte Zeiten vorsorgen.

Deshalb ist es unter anderem wichtig, dass man lernt, wie man einen Stundensatz berechnet.

Ich weiß, dass es oft wirtschaftliche Zwänge sind, die Arbeitslose in die Selbständigkeit zwingen und dass man das nicht immer ganz freiwillig macht. Doch auch dann muss man aktiv werden und die Selbständigkeit zu 100% annehmen, will man nicht sehenden Auges in die Armut abrutschen.

Fazit

Der Mindestlohn und seine Auswirkungen ist kein leichtes Thema. Es gibt Vorteile, aber auch Gefahren, die indirekt auch die Selbständigen betreffen. Außer natürlich man hat Angestellte, denen man bisher weniger als den Mindestlohn bezahlt. Dann betrifft es einen direkt.

Meiner Meinung nach ändert sich für Selbständige aber dadurch nicht viel. Genauso wie vorher gilt es sich eine Selbständigkeit aufzubauen, die eben nicht gerade so über die Runden kommt, sondern Gewinn abwirft, unter anderem für schlechte Zeiten.

Wie seht ihr diese Thematik und welche Meinung habe ihr als Selbständige oder auch als Angestellte dazu?

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11 Gedanken zu „Mindestlohn und Selbständige – Auswirkungen und Konsequenzen“

  1. Habe eben noch auf einer anderen Seite einen Bericht über den Mindestlohn gelesen. Da wurden eher negative Aspekte ausgepackt, beispielsweise, dass Arbeitgeber das Weihnachtsgeld in den Mindestlohn einberechnen, Arbeitnehmer zu Überstunden gezwungen werden, damit der Mindestlohn kompensiert werden kann usw. – also kein leichtes Thema.

    Ich persönlich bin momentan selbständig, habe mich aber nie damit beschäftigt, wie viel ich wirklich pro Stunde verdiene. Insbesondere bei Affiliate-Marketing ist das doch auch recht schwer, da man zu Beginn eines Projekts xy Stunden investiert, dann immer mal wieder etwas Pflege betreibt, aber das Projekt durchgehend eine gewisse Summe abwirft.

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  2. “Keine Firma sollte nur deswegen funktionieren, weil die Angestellten unterbezahlt sind.”
    Ich fürchte das ist leider die Überlebenstrategie für viele Firmen…

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  3. Ich stelle mir die Frage wieso es die Mindestlohndebatte gibt.
    Es geht um den “sozialen Frieden”. Denn längst ist nicht alles so friedlich wie es aussehen mag.
    Auch hier könnte es zu Tumulten kommen wie man sie von Griechenland kennt, auch hier könnte es zu gesperrten Autobahnen aus Protest kommen (abgesehen von der restriktiven Gesetzgebung was Proteste anbelangt, die in anderen Ländern freier und offener ist).

    Der Mindestlohn ist eine Protesthilfe für eine Gruppe von Geldempfängern die nicht die Kraft und das Geld hat zu protestieren. Man erhält alles gerade so am Leben, aber nicht mehr. Wenn einer mit Überlebenskampf beschäftigt ist, ist er schön ruhig weil die Angst lauert noch tiefer abzurutschen.

    Der Mindestlohn ist also keine milde Gabe, er ist notwendig. Selbst wenn es zu keiner GroKo kommt, keine Regierung kommt mehr dran vorbei.

    Es jammern die ersten Lobbygruppen, wie die Landwirte. Aber auf der anderen Seite will man Wanderarbeiter regulieren. Was will man denn nun?

    Gerechte Entlohnung ist nicht nur Geld, es ist Menschenwürde. Und wenn jemand meint man müsse sich in der EU mit niedrigen Löhnen positionieren. War die EU nicht mal ein Wertezusammenschluß? Menschrechte und Menschenwürde waren doch das große einende Thema.

    Was wird sich für Selbständige ändern? Ich glaube nicht viel.
    Wer seinen Wert kennt und diesen entsprechend verkaufen kann, der hatte bisher gute Karten und wird es auch in Zukunft haben. Denn die Nachfrage nach Qualität ist immer noch hoch.

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  4. Na, über Mindestlohn braucht man wohl nicht wirklich diskutieren. Weil:
    Aus Sicht des Arbeitnehmers ist er notwendig, damit man von seinem Monatslohn noch wohnen und die Miete bezahlen kann.
    Was nutzt ein Ganztagjob, wenn jeden Monat 900 Euro Gehalt überwiesen werden?
    Wie will man da trotz angestrengter Arbeitswoche vernünftig leben?
    Aus Sicht der Unternehmer ist auch klar:
    Wenn der seine Angestellten gut bezahlt, kann er mit der Konkurrenz nicht mehr mithalten.
    Ich kenne das aus meiner Branche: Warum haben denn fast alle Lkws, die man auf der Autobahn sieht, eine PL-Kennung?
    Nicht nur wegen der Steuern des Fahrzeuges, auch die Fahrer sprechen kein deutsch.
    Wenn man einen deutschen Fahrer auf ein in Deutschland zugelassenes Fahrzeug setzen würde, könnte man NIE und nimmer mit den Preisen der Konkurrenz mithalten!
    Aber interessant finde ich: Mindestlohn für Selbstständige.
    Ich komme langsam auch in ein Alter, wo man körperlich nicht mehr alles machen kann, und werde meinen jetzigen Job wohl spätestens nach 2 jahren aufgeben müssen.
    Einen neuen zu finden mit fast 60? Geht wohl kaum!
    Also melde ich mich auf ein Gewerbe an, als Selbstständiger, und lebe von dem staatlich verordneten Mindestlohn.
    Das ist ja immer noch sehr viel mehr als Hartz4!
    Du siehst schon, sowas geht überhaupt nicht!

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  5. Na ganz so einfach ist das aber nicht. So einfach den Lohn anheben und dann gehts allen gut. Das Geld wird ja nicht mehr. Also müssen die Unternehmen dann die Preise anheben, denn die ollen ja auch keinen Eur extra mitbringen. Damit verschiebt sich hier nur das Geld gefüge. Auch die Mieten werden dann anhand des Mietspiegels angepasst. Und der berechnet sich ja nach dem Dürchschnittslohn in der Region.
    Wenn ein Arbeitnehmer jetzt anstelle von 6,50 die Stunde 8,50€ bekommt, wird er die auch auf Grund der allgemeinen Kostensteigerung benötigen. Und die Arbeitnehmer, die schon daruberliegen, für die wird das Leben einfach nur teurer.
    Ich habe da so meine Bedenken. Allerdings hat es ja in Frankreich auch funktioniert. Aber in Frankreich läuft in dr Wirtschaft so einiges anders als in Deutschland.

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  6. Für mich stellt sich die Frage: Was ist mit Ferienjobs? Praktikas? Für studierte Jobanfänger sind halbjährige unbezahlte Praktikas inzwischen Gang und Gäbe. Bleiben die dann erlaubt? In meinen Augen gehört sowas auf 2-4 Wochen begrenzt! Andererseits MÜSSEN FH-Studenten auch ein Praxissemester machen. Wenn die Firmen hier ebenfalls 8,50€ bezahlen müssen, dann bietet das kaum noch eine Firma an! Und was sollen die Studenten dann machen? Mindestlohn ist zwar allgemein positiv, aber es gibt noch verdammt viel zu klären! Im Moment bin ich froh, dass ich allein in meinem Kleingewerbe bin! Gerade die kleinen Firmen, die ehrlich sein wollen, werden es sicherlich schwer haben! Die Großen werden sich Schlupflöcher suchen…

    Antworten
  7. “Mindestlohn für Selbständige”: Coole Idee! Immerhin sind Gründer die Basis unserer Wirtschaft. Das wäre die Vorstufe eines (bedingungslosen) Grundeinkommens: 1000 EUR mtl. für jeden Unternehmer, was man “verdient” kommt oben drauf: *damit* stärkt man die Gründer und zollt den Selbständigen den nötigen Respekt.

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  8. Hallo

    “Keine Firma sollte nur deswegen funktionieren, weil die Angestellten unterbezahlt sind.”
    War mir einen Tweet in meiner Timeline wert. Danke dafür ;)

    °|~Jo

    Antworten
  9. Also ich finde es vollkommen richtig und auch schon längste Zeit, dass es einen Mindestlohn gibt. Denn immerhin arbeiten sicherlich unzählige Menschen viele Stunden und erhalten dafür nicht die richtige Entschädigung. Die Lebenssituation wird immer schwieriger und die Lebensmittel werden auch immer teurer. Welche Auswirkungen das auf die selbstständigen hat, kann ich leider nicht beurteilen, doch meiner Meinung kann das nicht sehr dramatisch sein. Denn wer es sich leisten kann selbstständig zu sein, sollte ohnehin nicht gerade am Hungertod leiden. Für mich also höchste Zeit.

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  10. Ein Mindestlohn muss her! Jeder der Vollzeit arbeitet muss zumindest so viel verdeinen dass er/sie als Alleinstehende nicht mehr auf staatliche Leistungen angewiesen ist.

    Der Praxis bisher oft bewusst wenig zu zahlen und den AN sollten den Rest vom Staat holen, ist Sozialbetrug von viele Unternehmen.

    Klar werden durch ein Mindestlohn wohl die Preise etwas steigen.

    Nur muss jeden bewusst sein das gerade in die Produktion von Güter der Lohnanteilo bei geradezu lächerlichen 2 bis 4% liegt.

    Und selbst bei Dienstleistungen wird ein Mindestlohn nicht so viel ausmachen. Ein Haarschnitt wird vielleicht 50 Cent teuere, aber dass wäre es auch.

    Wichtig wäre nur dass es auch eine flächendeckende Kontrolle der Unternehmen gibt, damit diese nicht durch Tricks dies unterlaufen.

    Und wenn wirklich ein paar Arbeitsplätze verloren gehen dadurch, dann solten wir nicht traurig sein. Die waren es eh nicht wert.

    Jeder der gegen ein Mindestlohn ist und wohl möglich gut verdient (sei jeden gegönnt) sollte mal überlegen ob er/sie bei ein Stundenlohn von 6,50 Euro (macht rund 750 Euro Netto) leben könnte?

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  11. Ja ein Mindestlohn ist schon eine gute Sache für alle die jetzt darunter liegen mit Ihrem Stundensatz. Aber wenn der solch ein Mindestlohl in kraft tritt, werden einige Ihren schlecht bezahlten Job auch noch verlieren. In einigen Branchen sind halt keine hohen Stundenlöhne machbar. Zum Beispiel wird sich ein Bäcker in einem Dorf in Sachsen-Anhalt, der sich täglich mit Billigbrot von Penny,Lidl und Co rumschlagen muß, kaum eine Angestellte zum Verkauf seiner eigenen Brötchen leisten können, wenn diese jetzt 2 oder 3 € mehr die Stunde kostet. Kann man ja mal nachrechnen wieviel Brötchen er da mehr verkaufen muß.

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