Selbständig in Barcelona – Interview über Unterschiede, Tipps, Mitarbeiter & Probleme

In meinem heutigen Interview spreche ich gleich mit 2 Selbständigen, die zusammen den Schritt ins Ausland gewagt haben.

Robert und Céline sind verheiratet und seit ein paar Jahren in Barcelona selbständig.

Über ihre Erfahrungen, anfängliche Probleme, Unterschiede zu Deutschland, die Selbständigkeit als Pärchen und vieles mehr geht es im folgenden Interview.

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Hallo. Bitte stellt euch kurz vor.

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Robert: Ich komme ursprünglich aus München, habe aber vor meiner Barcelona-Auswanderung in Frankfurt am Main gelebt, wo ich meine Frau Céline kennen lernte. Zuvor habe ich fünf Jahre lang in einer Email-Marketing-Agentur gearbeitet, bis ich mich selbständig gemacht habe.

Céline: Ich komme aus der Nähe von Gießen und habe meine ersten beruflichen Erfahrungen in Frankfurt gemacht. Ich habe dort in der Abteilung “Bildung und Vermittlung” von zwei großen Museen gearbeitet – bis mich Robert nach Barcelona entführte.

Wie seid zum Online-Business gekommen?

Robert:
Ich hatte schon seit langem Bestrebungen einmal etwas Eigenes aufzubauen. Ob in der Grundschule Schreibblöcke oder später zu Studentenzeiten Geldbeutel aus Ecuador zu verkaufen. Das Gründer-Gen hatte ich irgendwie schon immer in mir.

Als ich dann 2009 einen Blog mit Online Shop erstellen wollte, war es für mich ganz und gar nicht einfach einen passenden Anbieter zu finden. Die Website wollte ich selbst erstellen und bedienen können.

Zu dieser Zeit kamen gerade eine neue Generation von Website-Baukästen auf, mit denen man seine Homepage ganz ohne Programmierkenntnisse erstellen kann. Da es kaum Infos dazu im Netz gab (weder auf Englisch und schon gar nicht auf Deutsch) startete ich WebsiteToolTester.com, wo ich alle Infos zusammentrug und die Produkte testete.

Céline: Ich komme zwar aus einer Familie mit einem selbstständigen Vater, aber die Absicht selbst einmal selbständig zu sein, hatte ich eigentlich nie. Ich habe Kunst und Geschichte studiert. Deswegen war mein großes Ziel immer in einem Museum zu arbeiten. Das hat ja auch geklappt – bis Robert die Idee hatte auszuwandern.

In Barcelona war es dann sehr schwer für mich in diesem Bereich Fuß zu fassen: die Sprache war dabei das größte Problem. Mein Spanisch war noch recht rudimentär und in den Museen wird hauptsächlich Katalanisch gesprochen. Deshalb musste eine andere Idee her.

Deswegen lag es nahe – mit Vater und Mann als Vorbild – ebenfalls ein eigenes Projekt zu starten. Mit Roberts Business als Vorbild und meinem Kunstinteresse entstand mit Fotografen-Homepage.com mein erstes Web-Projekt für Fotografen, die eine eigene Portfolio-Webseite erstellen möchten.

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Welche Erfahrungen konntet ihr als Selbständige im Netz in Deutschland sammeln?

Céline: Da ich in Deutschland noch Angestellte war, keine.

Robert: Die Ausrichtung fast all meiner Projekte ist international, WebsiteToolTester startete als deutsche Website, mir war aber recht schnell klar, dass ich die Idee viel besser skalieren kann indem ich noch weitere Sprachen hinzufüge. Heute sind es mit Englisch, Französisch, Spanisch und Italienisch fünf komplett lokalisierte Sprachversionen.

Den deutschen Markt finde ich insgesamt recht dankbar, da es sehr viele onlineaffine deutschsprachige Menschen (ca. 100 Millionen!) mit vergleichsweise hoher Kaufkraft gibt. Klar, die englisch- und spanischsprachigen Märkte sind viel größer. Dafür ist die Konkurrenz in den USA meistens viel härter, während die geringe Kaufkraft ein nicht zu unterschätzendes Problem in Lateinamerika und selbst Spanien darstellt.

Wie ist es zu der Entscheidung gekommen, nach Spanien umzuziehen?

Robert: Seit meinem ersten Besuch in Barcelona war ich fasziniert von dieser Stadt. Vor meiner Selbständigkeit hatte ich mich sogar bei verschiedenen Firmen beworben. Ich wollte schon immer an einen Ort ziehen der am Meer liegt, der nicht zu teuer ist und wo Sonneschein keine Mangelware ist. Céline wollte Frankfurt und Ihren Museumsjob allerdings erst gar nicht verlassen…

Céline: Ja das stimmt. Ich war beruflich gerade in einer sehr guten Position und mir machte die Arbeit unheimlich Spaß. Wir haben dann aber 2011 einmal Urlaub in Barcelona gemacht und auch ich habe mich in die Stadt verliebt. Drei Monate später habe ich die Kündigung eingereicht und weitere vier Monate später waren wir hier. Das ging alles ratzfatz!

Welche Erfahrungen habt ihr als Selbständige in Barcelona gemacht? Welche Vorteile gibt es dort?

Céline: Ich bin quasi ins kalte Wasser gesprungen. Das erste Mal im Ausland, ich habe die Sprache nicht gesprochen und es war mein erstes Projekt als Selbstständige. Eigentlich würde man sagen “das kann ja nur schief gehen” – das sieht man ja auch oft genug bei “Goodbye Deutschland” auf Vox.

Was mir aber geholfen hat, war die Tatsache, dass man sein Arbeitslosengeld auch im EU-Ausland beziehen kann. Für die ersten Monate war das eine wichtige Unterstützung für mich, da ich sonst noch keine Einnahmen hatte.

Allerdings hat der Gang zu den Behörden, die entsprechenden Dokumente zu bekommen, einen guten Steuerberater zu finden und überhaupt das spanische System zu verstehen, viel Zeit und Kraft gekostet.

Robert: Wie bereits von Céline beschrieben, geht es in Spanien recht bürokratisch zu. Kein Wunder, mein spanischer Steuerberater hat mir einmal erklärt, dass man sich hier sich eng am deutschen System orientiert. :)

Mit dem richtigen Steuerberater ist das alles aber kein großes Problem, inzwischen komme ich mit dem System hier gut zurecht. Das liegt unter anderem auch daran, dass Festanstellungen beispielsweise stark gefördert werden, was dazu führt, dass ich für meine Angestellten in etwa die Hälfte der Sozialabgaben bezahle als in Deutschland. Auch die Krankenkasse ist hier im Vergleich um einiges günstiger für mich.

War es einfach in Spanien neue Mitarbeiter zu finden?

Robert: aktuell beschäftige ich in Barcelona einen Münchner und einen Spanier. Für viele Deutsche ist Spanien als Arbeitsort natürlich sehr attraktiv und deswegen denke ich, dass es für mich als kleines Unternehmen um einiges leichter ist, gute Mitarbeiter zu finden.

Auf die Stelle für meinen spanischen Mitarbeiter haben sich ganze 160 Leute beworben, was natürlich unter anderem ein Produkt der hohen Jugendarbeitslosigkeit ist. Der Großteil dieser Bewerbungen war leider nicht sonderlich gut, es gab aber in etwa fünf Leute, die alle sehr gute Qualifikationen hatten und in die engere Auswahl kamen.

Gab es Probleme durch den Umzug in eurer Partnerschaft? Wie habt ihr das neue Leben organisiert?

Robert: zu Beginn haben wir beide den ganzen Tag von zu Hause gearbeitet, was dann und wann schon mal zu Reibereien führte, gerade weil wir zu dem Zeitpunkt auch kaum Leute kannten.

Céline: Ja, das war teilweise schon zu viel “Aufeinander-Gehänge”. Inzwischen teilen wir uns aber einen Schreibtisch in einem Coworking Space, den Robert drei Tage die Woche nutzt und ich zwei Tage. So hat jeder seinen eigenen Tagesablauf während wir aber witzigerweise die exakt gleichen Kollegen haben.

Wie wichtig ist es, dass man zusammen an einem Strang zieht? Welche Hindernisse mussten überwunden werden.

Robert: Ein Problem war das Spanischlernen, das ging nämlich am Anfang etwas schleppend. Klar, wenn man fast immer zusammen ist und dann natürlich Deutsch spricht.

Céline: Dazu kam auch, dass im Büro auch relativ viel Englisch gesprochen wurde. Inzwischen haben wir aber einige Freunde und Kollegen mit denen wir nur noch Spanisch sprechen.

Insgesamt ist es auf der einen Seite viel einfacher zusammen auszuwandern, da man dem neuen Umfeld nicht alleine ausgesetzt ist. Auf der anderen Seite dauert das Einleben etwas länger, da man nicht den gleichen Druck hat Leute kennenzulernen und die Sprache zu lernen.

Welche Projekte betreibt ihr? Wie sind diese entstanden?

Robert: Ich betreibe das ToolTester Network, das aus WebsiteToolTester, EmailToolTester und ChatToolTester besteht. Das Prinzip dieser Seiten ist, dass ich verschiedene Tools die für die Erstellung einer eigenen Seite oder eines eigene Business hilfreich sind, vorstelle, die Anbieter teste und den Besuchern auch konkrete Tipps zur Anwendung an die Hand gebe.

Céline: Mein erstes Projekt lehnt an die Idee von Robert an: mit Fotografen-Homepage.com berate ich Fotografen zu Homepage-Baukästen, die für die Erstellung ihrer Portfolioseite interessant sind. Ich habe versucht seine Idee mit meinen Wurzeln – also Kunst und Kultur – zu verbinden.

In Barcelona selbst ist mir dann die Vielzahl der Museen aufgefallen, die allerdings weder in Reiseführern noch auf den vielen Internetportalen erscheinen. Und da ich aus dem Bereich Museen komme, lag es auf der Hand einen Museumsseite über Barcelona zu erstellen: Barcelona-Museum.de. Und da ich mich damals in Frankfurt unter anderem um Führungen gekümmert habe, lag es auch irgendwie nahe die verschiedenen Tour-Anbieter hier in Barcelona zu „testen“. Das mache ich auf der Seite BCNDiscovery.com/de

Hat sich daran seit eurem Umzug etwas verändert?

Céline: Es ist ein tolles Gefühl für seine eigenen Projekte zu arbeiten. Und das in einer wundervollen Stadt! Man ist freier, auch wenn man natürlich hier und da an seine Existenz denkt.

Aber man ist sein eigener Herr. Und dadurch, dass meine Projekte sehr stark mit Barcelona verbunden sind, lerne ich die Stadt richtig gut kennen und mich ergreift immer wieder ein Glücksgefühl: Ja, ich bin hier richtig. Ich liebe es hier zu leben!

Robert: Da ich in Barcelona meine beiden Mitarbeiter angestellt habe, ist meine Firma recht gut gewachsen. Es fühlt sich inzwischen viel mehr wie ein Startup an als ein kleines Solopreneur-Business.

Welche Entwicklungen plant ihr für die Zukunft?

Robert: Beruflich plane ich derzeit für ein neues Projekt einen weiteren Mitarbeiter anzustellen. Privat: Wir haben hier auf jeden Fall Wurzeln geschlagen und wollen so schnell nicht mehr weg von hier.

Céline: Oh ja, der privaten Aussage kann ich mich anschließen. Beruflich werde ich gerade die Barcelona-Museums-Seite auf andere Sprachen ausweiten – mal sehen wie das ankommt.

Zum Schluss würde ich mich über eure Tipps für selbständige Pärchen freuen.

Céline: Den geteilten Büroplatz im Coworking Space kann ich sehr empfehlen. So hat man tagsüber etwas Abstand voneinander und abends ist es umso schöner sich zu sehen. So hat man sich auch immer etwas zu erzählen. ;)

Robert: Selbständigkeit kann für eine Beziehung sehr belastend sein, insbesondere wenn die Geschäfte nicht laufen. Man sollte auf jeden Fall vermeiden, dass man in eine Situation kommt, in der es bei beiden gleichzeitig nicht gut läuft – deswegen würde ich davon abraten mit seinem Partner eine gemeinsame Existenzgründung im gleichen Business zu vollziehen. Das hielte ich einfach für zu riskant.

Danke euch beiden für das Interview

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7 Gedanken zu „Selbständig in Barcelona – Interview über Unterschiede, Tipps, Mitarbeiter & Probleme“

  1. Wuh, jemand aus Gießen. Freut mich immer wieder, von jemanden aus meiner näheren Umgebung zu lesen. Aber mal was zum Artikel:

    ““das kann ja nur schief gehen” – das sieht man ja auch oft genug bei “Goodbye Deutschland” auf Vox.” Habe ich kurz auch gedacht, umso bemerkenswerter, dass es die beiden tatsächlich zusammen geschafft haben. Wünsche euch weiterhin viel Erfolg bei eurem Business!

    Antworten
  2. Schön, dass es bei euch beiden so gut läuft. Mich würde noch interessieren: Habt ihr außer den hier vorgestellten Produkten noch andere Projekte, zum Beispiel kleine Nischenseiten?

    Interessant finde ich, dass ihr eure Projekte gleich in mehreren Sprachen anbietet – scheint sich aber zu lohnen.

    Weiterhin noch viel Erfolg damit!!!

    Antworten
    • Hi Dominik, wir setzen eher auf größere Projekte in die wir unsere volle Energie hineinstecken. Reine Nischenseiten im klassischen Sinne haben bei mir nie richtig gut funktioniert.

      Antworten
  3. Super Interview. Ich will mich auf Mallorca selbständig machen, aber ich kenne noch nicht alle Rechte für Selbständige in Spanien. Könnt ihr mir ein paar Tips geben?
    Viele Grüße

    Antworten
    • Hallo Marius,

      danke für deinen Kommentar.
      In der Regel muss man sich zunächst bei der Polizei anmelden und sich eine sogenannte NIE organisieren. Die brauchst du um ALLES andere machen zu können (Wohnung mieten, Telefonanschluss, Bankkonto etc.).
      Je nachdem was für ein Business du eröffnen möchtest, würde ich dir raten direkt einen Steuerberater zu kontaktieren. Denn für die Anmeldung als “Autonomo” bei der “Hacienda” brauchst du verschiedene Dokumente. Wenn es bei dir noch zusätzlich um eine Bar/Restaurant/Shop oder Ähnliches geht, werden sicher noch weitere Papiere anfallen.

      Ich habe mich da am Anfang alleine “durchgekämpft”, weil ich noch nicht wusste in welche Richtung es bei mir gehen wird. Robert hat – weil er bei seinem bestehenden Business auf Nummer sicher gehen wollte – direkt mit einem Steuerberater zusammengearbeitet.

      Ich hoffe, dass hilft dir etwas weiter!

      Viel Erfolg!
      Céline

      Antworten
  4. Hey,

    das muss man sich einfach trauen. Ich hätte nicht den Mut dazu, aber toll von den Beiden. Interessant wäre noch gewesen was Ihnen ein Projekt ca. an Umsatz bringt.

    Lg

    Antworten

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