Mehrsprachige Internetauftritte – Vorteile, Nachteile, Umsetzungstipps

Die Rechnung klingt simple: Wer sein Internetangebot bilingual führt, erhöht seine Reichweite. Allein Englisch wird weltweit von 1,5 Milliarden Menschen beherrscht. Eine gigantische Zielgruppe.

Im Gegensatz zu Deutsch hat übrigens so ziemlich jede der hierzulande gelehrten Fremdsprachen ein größeres Potential. Chinesisch, Hindi, Spanisch, Französisch, Arabisch, Russisch, Portugiesisch und Bengali – alle diese Sprachen werden weltweit von deutlich mehr Menschen gesprochen als Deutsch (185 Millionen).

In diesem Artikel gibt es Tipps zu mehrsprachigen Internetauftritten.

Mehrsprachige Internetauftritte

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Wenn Internetauftritte hierzulande zweisprachig geführt werden, dann meist in Deutsch und Englisch. International agierende Unternehmen haben seitjeher mehrsprachige Auftritte. Natürlich in den Sprachen der Länder, in denen sie geschäftlich aktiv sind. Seit einigen Jahren sieht man aber zunehmend, dass beispielsweise auch kleinere Blogs bilingual geführt werden.

Google unterscheidet internationale und mehrsprachige Internetangebote. Internationale Seiten richten sich ausdrücklich an Nutzer in verschiedenen Ländern. Mehrsprachige bieten Inhalte in mindestens zwei Sprachen an. Manche Webseiten sind also sowohl international als auch mehrsprachig.

Dass das aber nicht zwangsläufig der Fall sein muss, zeigt das Beispiel Schweiz: Ein regionales Nachrichtenportal kann in Deutsch und Französisch geführt werden, richtet sich deshalb aber nicht automatisch an eine internationale Zielgruppe.

Vorteile von mehrsprachigen Internetauftritten

1. Höhere Reichweite
Die höhere Reichweite dürfte für die meisten Seitenbetreiber der ausschlaggebende Grund für ein zwei- oder mehrsprachiges Angebot sein. Wer Dienste oder Inhalte im Netz zur Verfügung stellt, der will natürlich auch, dass sie von möglichst vielen Menschen genutzt bzw. gelesen werden. Und mit einer zweiten oder vielleicht sogar dritten Sprache eröffnet man sich natürlich in der Tat neue Sphären. Vorausgesetzt das Thema ist geeignet. Ein Informationsportal, das Tipps zur Erstellung der deutschen Steuererklärung* gibt, wird selbst in acht Sprachen international wenig Interesse finden. Wer jedoch weiß, dass es für sein Thema auch im englischsprachigen Raum Interessenten gibt, könnte seine Reichweite erfolgreich ausbauen.

2. Höheres Vermarktungspotential
Wem es gelingt seine Reichweite zu steigern, der vergrößert seine Zielgruppe und hat dadurch auch das Potential, seine Einnahmen zu erhöhen. Ein englischsprachiges Portal ist für amerikanische Unternehmen natürlich deutlich interessanter als ein rein deutschsprachiges. Wer sein Geld mit Diensten wie Google AdSense verdient, der braucht sich noch nicht mal um die Akquise neuer Werbepartner zu kümmern.

3. Verbesserung der Fremdsprache
Wer seine Texte selbst in die gewünschte Fremdsprache übersetzt, der verbessert mit der Zeit sein Sprachniveau. Schon wer regelmäßig nur in seiner Muttersprache schreibt und sich zumindest ein Mindestmaß an orthografischer und stilistischer Qualität auferlegt hat, der weiß wie oft man beispielsweise das Wörterbuch zur Rate zieht. Bei einer Fremdsprache muss man sich natürlich deutlich öfter Rat holen, selbst wenn man sie gut beherrscht. Dafür steigert man nicht nur den Wortschatz, sondern auch die Ausdrucksfähigkeit.

Der edle Vorsatz der Sprachverbesserung darf aber eigentlich nur bei privaten Internetauftritten wie dem persönlichen Blog gelten. Wirklich professionelle Angebote, mit denen man nachhaltig seine Brötchen verdienen will, sind keine Spielwiesen zur Selbstverwirklichung.

Wem es gelingt Leser in einer anderen Sprache zu erreichen, der profitiert möglicherweise auch von einem Austausch mit Menschen aus anderen Kulturkreisen. Dass ist nicht nur eine sprachliche Bereicherung.

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Nachteile von mehrsprachigen Internetauftritten

1. Hohes Sprachniveau erforderlich
Wer neben der Muttersprache in einer zweiten Sprache publizieren will, der sollte über wirklich gute Kenntnisse in der Zweitsprache verfügen. Wenn jede zweite Vokabel fehlt, wird das Übersetzen zur Qual. Man muss kein Muttersprachler sein und auch nicht zehn Jahre im betreffenden Land gelebt haben, aber ein gewisses Sprachniveau ist einfach Voraussetzung. In privaten Blogs werden kleine stilistische Fehler sicherlich eher verziehen, als auf der Konzernseite einer Aktiengesellschaft.

Wer seine Fremdsprache schon längere Zeit nicht mehr aktiv genutzt hat, der sollte sie vorher auffrischen, zum Beispiel in einem Sprachkurs. Lieber ein halbes Jahr Sprachniveau trainieren, als in vorschnellen Aktionismus zu verfallen und nach ein paar Wochen enttäuscht aufzugeben.

Klar ist: In der eigenen Muttersprache schreibt man bessere Artikel. Hier schreibt man sicher und schnell, kann den schmalen Grad zwischen lockerer und formeller Ausdrucksweise bewältigen, hat einen gefestigten Schreibstil und kann auch mit Humor und Ironie arbeiten. All das ist in einer Fremdsprache deutlich schwieriger als man zunächst denkt.

2. Hoher Zeitaufwand
Texte in zwei Sprachen zu verfassen kostet Zeit. Viel mehr Zeit als man es sich vorstellt. Mit mal eben schnell ins Englische übersetzen liegt man meisten nämlich richtig daneben. Selbst wer rein theoretisch über ein ausgereiftes Vokabular verfügt, kann einen Artikel nicht einfach 1:1 übersetzen. Formulierungen müssen angepasst werden. Viele Floskeln, Metaphern und Sprichwörter beispielsweise sind sehr regional geprägt und werden im Ausland nicht verstanden. Wer in Bildern sprechen will, muss deshalb die landesspezifischen Ausdrücke kennen.

Auch darüber hinaus können inhaltliche Anpassungen notwendig werden. Beispiele können in dem einen Kulturkreis funktionieren, im anderen nicht. Maßeinheiten sind oft unterschiedlich. Fürs Ausland müssen anderen Bezugsquellen genannt werden.

3. Leser könnten vergrault werden
Eine englischsprachige Seite stellt für viele deutschsprachige Leser eine große Hürde dar, wie übrigens umgekehrt auch. Hierzulande sprechen nämlich nur theoretisch viele Leute Englisch, Schulbildung hin oder her. Tatsache ist viel mehr, dass die meisten sich mit englischen Informationen nicht auseinandersetzen wollen und lieber ganz schnell wegklicken. Schließlich steht vieles irgendwo auch auf Deutsch.

Nicht nur Menschen mit gebrochenen Englischkenntnissen lesen Texte lieber in ihrer Muttersprache, sondern auch die, die die Sprache eigentlich gut beherrschen. Auch wenn man gut kennzeichnet, dass Artikel auch in Deutsch verfügbar sind, wird man deshalb wahrscheinlich ein Teil der “Laufkundschaft” abschrecken. Letztlich gilt es abzuwägen, wie viele Besucher man gewinnen kann und wie viele man möglicherweise verliert.

Übersetzung outsourcen

Aus den Nachteilen geht deutlich hervor, dass die Übersetzung von Texten für Nicht-Muttersprachler durchaus heikel sein kann. In der Tat ist das der häufigste Grund, warum Seitenbetreiber ihren Traum der Bilingualität nicht in die Realität umsetzen. Auch wenn ihr Angebot eigentlich geeignet wäre.

Durch das Outsourcen der Übersetzung an einen professionellen Partner lassen sich jedoch zwei große Nachteile aus dem Weg räumen. Vorausgesetzt jedoch, man ist bereit einiges an Geld in die Hand zu nehmen. Gute Übersetzer sind nämlich teuer, mitunter teurer als gute Texter. Wer nur ins Englische übersetzen lassen will hat es noch gut, da es hier viele Übersetzer gibt und man sich gute und günstige raussuchen kann. Je exotischer die Sprache allerdings, desto teurer.

Weil es schwierig werden dürfte die Kosten für eine Übersetzung durch den Zugewinn an Lesern zu finanzieren, kommt die externe Vergabe eigentlich nur für kapitalstarke Seitenbetreiber in Frage, die einen ausgeklügelten Expansionsplan haben.

Wer selber ran muss, sollte allerdings nicht den Fehler machen seine Artikel durch irgendwelche Übersetzungsprogramme zu jagen. Google selbst gibt zu, dass dabei in der Regel nur Unbrauchbares rauskommt. Dabei betreibt der Suchmaschinengigant mit Google Translate einen der beliebtesten Übersetzungsdienste. Weil automatische Übersetzungen häufig keinen Sinn ergeben, werden sie von Google schnell als Spam interpretiert. Mit all den Konsequenzen für das Ranking.

Grundregeln beachten

Grundsätzlich gilt, dass es ein Internetangebot pro Sprache geben sollte. Sie sollten über Subdomains oder einzelne Verzeichnisse aufrufbar sein. Auf einer Seite sowohl den deutschen als auch den fremdsprachigen Text zu publizieren, möglicherweise noch absatzweise übersetzt, ist alles andere als eine gute Idee. Auch wenn man es in manchen Blogs so sieht.

Ein souveränes Angebot pro Seite heißt in der Konsequenz nicht nur getrennte Artikelseiten, sondern auch ein Archiv, ein Feed, ein Impressum, eine Suchergebnisseite, etc. pro Sprache. Natürlich entsprechend sauber übersetzt. Außerdem muss man sich Gedanken machen, wie man seine Social-Media-Aktivitäten steuert. Auch hier ist ein Profil pro Sprache am sinnvollsten.

Für WordPress gibt es genauso wie für andere verbreitete Content-Management-Systeme Module, mit denen man mehrsprachige Internetangebote relativ einfach realisieren kann. WPML beispielsweise ist eins der bekanntesten und beliebtesten für WordPress. Google selbst gibt wertvolle Tipps, wie man seine Webseite bezüglich der Internationalität und Mehrsprachigkeit aufbaut und optimiert.

Fazit

Ob man sein Internetangebot mehrsprachig aufziehen sollte, muss gut überlegt sein. Man sollte sich vor allem die Frage stellen, ob der hohe Aufwand die eventuellen Gewinne (ob monetär oder nicht) rechtfertigt. Mitunter ist es sinnvoller seine Energie und Zeit in die Optimierung bestehender Inhalte und Strukturen zu stecken, als zu viel davon für eine mäßig erfolgreiche Auslandspräsenz zu verbraten.

Wer sich für die Bilingualität entscheidet, der braucht Durchhaltevermögen. Bei der Recherche für diesen Artikel bin ich immer wieder auf Blogger gestoßen, die nach vier Wochen Zweisprachigkeit damit aufgehört haben, weil ihnen die Zahl der Besucher nicht schnell genug in die Höhe schoss. Wer solche Vorstellungen hat, der sollte es lieber gleich bleiben lassen.

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7 Gedanken zu „Mehrsprachige Internetauftritte – Vorteile, Nachteile, Umsetzungstipps“

  1. Hallo Matthias,

    danke für den schönen Artikel.

    Ich hatte schon überlegt, ob ich mich aus der deutschsprachigen Blogosphäre ganz verabschiede, weil sie im Vergleich zur englischsprachigen winzig ist.

    Wie Journalist Rüdiger Falksohn 2005 im SPIEGEL schrieb, die Weltsprache ist nicht Englisch, sondern SCHLECHTES Englisch. Ich habe einige Reise-Blogs gesehen, die sehr deutlich erkennbar nicht von Native Speakers geschrieben wurden.

    Wenn der Inhalt rüberkommt, muss die Grammatik nicht 100% sein. Die Amerikaner können ihre Grammatik ja auch nicht.

    have fun
    Alexander

    Antworten
  2. Für einen “normalen Blogger” halte ich persönlich die zweisprachige Ausführung der Blogartikel nicht für möglich, es sei denn man steht finanziell und zeitlich auf sehr sicheren Beinen. Für einen guten Artikel braucht man doch einiges an Zeit und das dann nochmal zu übersetzen bzw. neu in Englisch zu schreiben ist schon heftig. Auch die Wettbewerbsanalyse falls man in einer deutschen Nische unterwegs ist, gestaltet sich dann doch zeitaufwendiger.

    Antworten
  3. Das könnte ich auch mal machen. Ich habe einige Webprojekte auf deutsch die gut laufen, warum sollten die nicht auch auf englisch laufen. Die Texte kann man auch von Autoren auf fiverr oder so günstig übersetzen lassen. Das ist relativ bezahlbar.

    Antworten
  4. Ich denke für die meisten wäre ein Mittelding interessant. Alles wie bisher, aber zusätzlich schaltet man noch ein paar wichtige Seiten die übersetzt sind. Erklärt auf Englisch, warum nicht das ganze Angebot in dieser Sprache ist, das man trotzdem Kontakt aufnehmen kann und übersetzt dann eben vielleicht doch ein paar Artikel, die besonders wichtig sind oder im Deutschen schon sehr gut ankamen und man für diese auch großes Potential auf Englisch vermutet.
    Es muss ja nicht gleich alles 1:1 übersetzt werden. Interessant wäre vielleicht auch ein kurzes “Abstract” wie man es so schön nennt. Ein kurzer “Abriss” des langen, ausführlichen deutschsprachigen Textes. Geschickt ein paar Keywords eingepflegt und schon holt man sich vielleicht auch noch ein paar Englischsprachige auf die Site (oder vielleicht auch ein paar zusätzliche Deutschsprachige, die lediglich die englischen Wörter googlen, weil sie bspw. die deutschen nicht kennen).

    Antworten
  5. Grundsätzlich ein sehr schöner Bericht.

    Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es Wunschdenken ist nur mit zusätzlichen Seiten in anderen Sprachen auch bergeweise Besucher aus den entsprechenden Ländern zu erhalten.
    Den Hauptgrund hierfür sehe ich in den Adressangaben bei der Registrierungsstelle, Server-Standort und Impressum, die den Suchmaschinen unabhängig von der Sprache wichtige Anhaltspunkte für die Zielregion vermitteln.

    Meiner Meinung nach sollte man daher für den Erfolg mit einer mehrsprachigen Website im Idealfall einen Partner in dem Zielland haben, der Domain und Hosting anmeldet und zumindest zusätzlich (z.B. als Ansprechpartner) im Impressum auftaucht.

    Antworten
  6. Moin!

    Schöner Artikel und in den meisten Punkten bin ich voll dabei.

    Bei der technischen Umsetzung sollte man allerdings wenn man es ernst meint, wie der Artikel empfiehlt, eine bessere Lösung als nur dieses eine Plugin in Betracht ziehen.

    Es grüßt
    derRALF

    Antworten
  7. “Selbst, wer rein theoretisch über ein ausgereiftes Vokabular verfügt, kann einen Artikel nicht einfach 1:1 übersetzen, viele Formulierungen müssen angepasst werden.”
    Absolut. Deinen Artikel finde ich daher im Allgemeinen sehr hilfreich.
    Für diejenigen, die bei bereits eingeleiteten Übersetzungen sich über den Zeitaufwand gewundert haben,
    obwohl doch das Englisch ein gutes Niveau aufwies,
    und für diejenigen, die sich zuvor nie Gedanken über die Schwierigkeit des Übersetzens gemacht haben:
    Es ist wertvoll, im Vorfeld Grenzen, die bestehen und zunächst unsichtbar erscheinen, zu erkennen.
    Dies erspart Zeit, es erspart Frust und kann den ein oder anderen bei der Problemlösung ein gutes Stück weiter bringen (z.B. die Kraft lieber in etwas anderes zu investieren, oder, eine sinnvolle Kosten-Nutzen-Planung durchzuführen).
    Gelungener Artikel.

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