Ist Facebook nun verboten? Was bedeutet das EuGH Urteil für Fanpages?

Ist Facebook nun verboten? Was bedeutet das EuGH Urteil für Fanpages?Da schien sich die Lage nach dem Inkraftreten der DS-GVO ein wenig beruhigt zu haben und schon hat ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) zu Facebook Fanpages wieder für helle Aufregung gesorgt.

Um was es bei diesem Urteil ging und was das für die Zukunft von Facebook Fanpages bedeuten könnte, erfahrt ihr im Folgenden.

Zudem erfahrt ihr, wie ich mit meinen Fanpages in Zukunft weitermache.

Hinweis:
Da ich kein Anwalt bin, handelt es sich bei den folgenden Ausführungen um meine persönliche Meinung und meine eigenen Erfahrungen. Es handelt sich nicht um eine Rechtsberatung. Falls konkrete Fragen oder Probleme auftauchen, sollte man sich an einen Anwalt wenden*.

Das Facebook Urteil des EuGH

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Am 5.Juni 2018 hat der Gerichtshof der Europäischen Union eine Pressemitteilung (PDF) herausgegeben, die für ein Erdbeben in der Online-Welt gesorgt hat. Es wurde ein Urteil verkündet in einem Fall, der schon viele Jahre von Gericht zu Gericht gegangen ist.

Nun hatten die obersten Richter der EU zu entscheiden. Es ging dabei um den Facebook-Auftritt der Wirtschaftsakademie Schleswig-Holstein. 2011 hatte das Unabhängige Landeszentrum für Datenschutz* Schleswig-Holstein verlangt, dass die Wirtschaftsakademie ihre Facebook-Fanpage deaktivieren soll.

Im Grunde ging es um dasselbe Problem, wie heute auch noch. Facebook sammelt Daten seiner Nutzer und keiner weiß so wirklich welche und was damit geschieht. Zudem haben die Nutzer keinen Einfluss darauf.

Im jahrelangen Rechtsstreit haben deutsche Gerichte die Ansicht der Wirtschaftsakademie geteilt, dass allein Facebook für die Verarbeitung der Daten verantwortlich sei und nicht die Betreiber der Fanpage.

Das hat nun das EuGH anders gesehen und eine gemeinsame Verantwortung festgestellt. Das hat weitreichende Folgen, denn nun sind auch die Seitenbetreiber für die Information der Nutzer verantwortlich und können bei Verstößen gegen den Datenschutz zusammen mit Facebook in die Verantwortung genommen werden.

Ist Facebook nun verboten?

Die ersten Reaktionen im Netz waren von großer Aufregung gekennzeichnet. Viele sprachen davon, dass Facebook nun verboten sei und das man sofort die eigenen Fanpages löschen müsse.

Etwas ruhiger sehen das viele Anwälte in ihren ersten Stellungnahmen zu dem Urteil. Auf e-recht24.de wird z.B. darauf hingewiesen, dass aus Gründen der Verhältnismäßigkeit auch in Zukunft vor allem Facebook dafür verantwortlich ist. Zudem geht der Fall nun erstmal wieder zurück an das deutsche Bundesverwaltungsgericht in Leipzig. Das hat sich zwar grundsätzlich an das Urteil zu halten, aber besitzt auch einen eigenen Beurteilungsspielraum. Erst wenn dieses Gericht in ein paar Monaten sein Urteil veröffentlicht, kann man die genauen Konsequenzen abschätzen.

Etwas kritischer wird das auf meedia.de gesehen. Dort meint ein Anwalt, dass das Abschalten der eigenen Fanpage derzeit die einzig sichere Lösung ist. Da mag sein, aber noch sind die Konsequenzen noch nicht vollends klar. Zudem sind Abmahnungen* eher unwahrscheinlich, da der Datenschutz nach der Meinung der meisten Experten eben nichts mit dem Wettbewerbsrecht zu tun hat. Sanktionen von Datenschutzbehörden sind aber sehr wohl möglich.

Auf allfacebook.de wird allerdings nochmal klar gesagt, dass es nur um die gemeinsame Verantwortung geht. Das Gericht hat nicht entschieden, dass Fanpages illegal sind. Das hat in dem konkreten Fall nun das Bundesverwaltungsgericht zu entscheiden.

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Auf dem Rücken der Nutzer

An vielen Stellen kann man nun lesen, dass dieses Urteil ein Sieg für die Datenschützer sei. Dem kann ich mich so nicht anschließen.

Ich halte es eher für eine Bankrotterklärung der Politik. Man hat jahrelang versucht Facebook in die Schranken zu weisen, hat es aber bis heute nicht geschafft, dass Facebook sich an die nun noch strengeren Datenschutzregeln hält.

Nun werden hunderttausende Privatpersonen, Selbstständige und Unternehmen zu “Mittätern” gemacht. Dabei wird in Kauf genommen, dass diese großen Ärger bekommen, auch wenn sie nur einen Service nutzen, der in der EU nicht verboten ist.

Aber nicht nur das. Es handelt sich bei Facebook auch nicht um irgendeinen Service, zu dem man sich einfach eine andere Alternative suchen könnte. Stattdessen hat Facebook weltweit eine Milliarde Nutzer und auch in Deutschland ist es die absolut wichtigste soziale Plattform. Auch das ist ein Gesichtspunkt, den man meiner Meinung nach nicht auslassen darf. Viele Unternehmen sind darauf angewiesen dort zu werben.

Unter dem Strich kann ich natürlich verstehen, dass man Facebook zu mehr Datenschutz zwingen will und das natürlich zurecht. Leider wird es, wie bei anderen Sachen auch, mal wieder auf dem Rücken der Nutzer ausgetragen. Das eigentlich Erschreckende finde ich, dass staatliche Institutionen offensichtlich keine andere Möglichkeit haben.

Was sollte man als Fanpage-Betreiber nun tun?

Manch ein Anwalt rät dazu, dass man seine Fanpage vorerst deaktivieren oder gleich löschen sollte. Das mag das Sicherste sein, aber für die meisten ist es wohl dennoch keine Option.

Viele andere raten erstmal dazu abzuwarten. Noch steht das entgültige Urteil des Bundesverwaltungsgerichts aus. Zudem ist davon auszugehen, dass Facebook auf dieses Urteil reagieren wird. Im Grunde geht es in diesem speziellen Fall nur um die Facebook-Statistik “Insights”. Würde man es Fanpage-Betreibern ermöglichen diese zu deaktivieren, wäre erstmal wieder Ruhe.

Die bessere Variante wäre natürlich, dass alle Nutzer über die Datenerfassung informiert werden und sie die Möglichkeit haben dem zu widersprechen. Also so, wie es durch die DS-GVO auf Websites sein muss. Ob Facebook soweit geht, ist allerdings die Frage. Schließlich basiert das Geschäftsmodell von Facebook auf Daten.

Was ich mit meinen Fanpages mache

Natürlich habe auch ich überlegt, wie ich darauf reagiere. Ich betreibe 2 Fanpages und würde diese schon ganz gern weiterhin behalten. Ich kann mich dort nicht nur mit anderen Nutzern austauschen, sondern erhalte auch Traffic von Facebook auf meine Blogs.

Sollte es wirklich hart auf hart kommen würde ich diese aber natürlich auch abschalten. So wichtig sind mir die Fanpages dann doch nicht. Allerdings hoffe ich, dass sich die Situation klärt und man in Zukunft Fanpages datenschutzgerecht nutzen kann.

Ich warte auf jeden Fall erstmal ab und werde nun nicht aus Panik meine Facebook-Seiten löschen.

Das Ende aller Social Networks?

Viele sprechen nur über Facebook Fanpages, aber im Grunde kann man dieses Grundsatzurteil auf alle Social Networks übertragen.

Man ist nun auch bei YouTube, Twitter und Instagram zusammen mit dem Betreiber für die Datenverarbeitung verantwortlich. Und ich wüsste nicht, dass man bei diesen Plattformen die Analytics-Funktionen abschalten kann.

Bedeutet das nun in er Konsequenz, dass man in Zukunft auch nicht mehr YouTube, Twitter und Co. nutzen kann, solange diese nicht alle Anforderungen an den Datenschutz, inklusive den Informationenspflichten und Opt-Out Möglichkeiten, erfüllen?

Das wäre natürlich schon ein sehr starker Rückfall in die Internet-Steinzeit. Ich bin aber recht optimistisch, dass diese Unternehmen Lösungen finden werden, die den Datenschützern ausreichen. Schließlich ist Europa für Google und Co. sehr wichtig und man wird sich hier nicht einfach zurückziehen.

Die eigene Website ist wichtig!

Auf Grund der DS-GVO haben viele ihre eigenen Blogs und Websites vom Netz genommen und sind zu Facebook und Co. abgewandert. Dort wähnte man sich sicher.

Doch das Urteil zeigt, dass dieser Eindruck falsch war. Im Gegenteil. Auf solchen Plattformen ist man deutlich unsicherer, weil man so gut wie nichts beeinflussen kann.

Natürlich ist es mit einem gewissen Aufwand verbunden die eigene Website an die Datenschutz-Anforderungen anzupassen. Und auch der Papierkram ist nervig. Dennoch hat man die Möglichkeit das zu tun.

Bei Facebook und Co. ist man darauf angewiesen, dass die Betreiber Lösungen finden und die Plattform datenschutzgerecht machen. Man selber hat zumindest aktuell darauf gar keinen Einfluss und bekommt im Zweifel dennoch großen Ärger mit den Datenschutzbehörden.

Wer sein Business allein auf solche Services aufgebaut hat merkt gerade, dass diese Abhängigkeit nicht gut ist. Man sollte sich nie zu sehr in die Hände anderer begeben, sondern versuchen so viel Eigenständigkeit zu behalten, wie möglich.

Was macht ihr nun mit eurer Fanpage?

Mich würde sehr interessieren, wie ihr auf das Urteil reagiert. Schaltet ihr eure Fanpage nun ab oder wartet ihr die weitere Entwicklung ab?

Löscht ihr eure Facebook Fanpage jetzt?

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22 Gedanken zu „Ist Facebook nun verboten? Was bedeutet das EuGH Urteil für Fanpages?“

  1. Für mich ist das Thema Facebook inzwischen durch und mein Account ist gelöscht. Das heißt nicht, dass ich nicht andere Sachen vom Unternehmen nutze, aber Facebook hat für mich einfach keinen Mehrwert mehr. Videos gibt es bei Youtube, Bilder bei Instagram, Texte und Links bei Twitter und Nachrichten schickt jeder über iMessage oder WhatsApp. Dazu Skandale, schlechte Performance, Akkusauger auf dem Smartphone und ein User Interface aus den 90ern.

    Ansonsten kenne ich auch einfach niemanden mehr, der noch ernsthaft Facebook nutzt und der Nachwuchs ist seit vielen Jahren eh schon woanders unterwegs. Zumindest in meinen Kreisen und meiner kleinen Bubble, spielt Facebook daher schon seit Jahren keine Rolle mehr und als Traffic-Lieferant diente es mir auch noch nie. Das einzige was dort wirklich gut funktioniert hat, war damals Heftig.co und das war interessant, ist inzwischen aber auch vorbei.

    Achso und unregistriert bzw. eingeloggt, lässt sich bei Facebook inzwischen auch nur noch schwer etwas lesen, sodass Fanseiten nur noch mehr Bedeutung verlieren. Plus dem nervigen Algo, der bei meinen Facebook-Seiten dafür gesorgt hat, dass ich von 2.000 echten Followern, am Ende nur noch 5-10 erreicht habe.

    Ich bin also ganz froh, dass Facebook inzwischen nicht nur als Gefahr gesehen wird, sondern sich schlichtweg auch selber killt.

    Antworten
  2. Das Urteil wäre, wenn es in Deutschland auch so gesehen wird, schon eine Klatsche. Dies würde dann, wie Peer schon geschrieben hat, dann nicht nur für Facebook gelten.

    Ich habe eine kleine Auflistung in meinem letzten Blogbeitrag gemacht von Diensten, auf die sich das meiner Meinung nach anwenden lassen könnte, sofern man es auf die Spitze treibt (https://blog.devilatwork.de/das-eugh-urteil-zu-fanpages-der-untergang-des-web-2-0/).

    Wenn man theoretisch für die Nutzung einer Plattform mithaftet, wo man seinen Content anbietet, dann müsste man auch irgendwie schon für diesen Kommentar hier mithaften, wenn der Betreiber dieser Plattform den Datenschutz nicht einhält. Wo soll das enden?

    Antworten
    • Ich sehe vor einem ein Hauptproblem bei die vielen alten Menschen, die das alles entscheiden. Die denken immer noch wie vor 30 Jahren, als es Firmen und Endverbraucher gab. Da konnte man Gesetze und Urteile recht einfach und klar den Firmen zuordnen und fertig.

      Das Internet hat aber alles verändert und die Grenzen sind verschwommen. Normale Internet-Nutzer haben eben auch Social Web Profile oder Fanpages. Die klare Trennung gibt es nicht mehr.

      Das scheinen die Verantwortlichen aber nicht erkannt zu haben. Da werden immer noch Entscheidungen getroffen, bei denen die Leute offensichtlich nur “richtige” Unternehmen und Konzerne im Hinterkopf haben.

      Das passiert halt, wenn Leute Gesetze machen und Urteile fällen, die keine Ahnung von der Materie haben.

      Antworten
      • Ja, das ist eines der grundlegenden Probleme: Die Ahnungslosigkeit der Politik auf technische Zusammenhänge und wie das Internet überhaupt genutzt wird und sich entwickelt hat.

        Das Unverständnis sieht man schon an der Debatte über die IP-Adressenübertragung beim Abruf von Inhalten von anderen Servern. Dass das technisch einfach so nur vernünftig realisiert werden kann, wenn man Daten von Servern lädt, ist für diese Leute schon zu hoch. Klar erfährt der andere Betreiber die IP-Adresse des Seitenbesuchers, aber man muss das ganze auch mal im Gesamtkontext sehen, was die gar nicht können.

        Wenn ich mit dem Auto wohin fahre und parke sieht auch jeder mein Kennzeichen und kann mutmaßen, dass ich mich dort irgendwo in der Nähe aufhalte.

        Wenn ich einen Brief verschicke weiß die deutsche Post auch an wen ich den verschicke. Genauso weiß der DHL-Bote wieviele Pakete ich von Amazon bekomme, falls er darüber eine Statistik führt.

        Naja was soll man sagen, die Politik kennt sich im Neuland halt nicht aus, will aber mitreden.

        Antworten
      • Klingt zwar nach Stammtisch, sehe ich aber genauso!

        Irgendwie kommt es mir so vor als würden in den letzten zwei- drei Wochen 30 Jahre Internet Fortschritt über den Haufen geworfen.
        Datenschutz respektiere ich und sehe ich auch ein, aber dann bitte lasst euch doch mal was neues einfallen. Hier werden einfach Richtlinien gemacht ohne zu hinterfragen was die User denn wirklich wollen.

        Jeder will immer alles individuell abgestimmt auf sich haben und kostenlos und super schnell und geil, aber keiner will wahr haben das man da mit Daten bezahlt.

        Wie Idiotensicher muss man es denn noch gestalten?
        Wenn dann Google, Facebook und Co. sagen – ok dann kosten unsere Dienste eben, wenn ihr es so wollt – dann meckert auch wieder jeder rum.

        Irgendwie könnte ich mich stundenlang gerade über dieses Thema aufregen.

        Ich bin auf jeden Fall gespannt, was sie sich da wieder für einen Spaß ausdenken.
        VG
        Stefan

        Antworten
  3. Hallo Peer
    Auf den Artikel von dir war ich ja schon gespannt.

    1. Mit der eigenen Website hat man alles viel mehr in der Hand. (stimme voll zu)
    2. Sich nur auf einen externen Anbieter zu verlassen ist immer eine Risikoabwägung. Monokultur hat erst mal niedere Kosten – kann aber von heute auf morgen wegbrechen.
    3. Facebook & Co machen heute nur noch Sinn, wenn man viel Arbeit reinsteckt – das sind dann im Zweifel versunkene Kosten – man kann aber auch schnell Gewinne einfahren. Es ist schlicht eine betriebswirtschaftliche Frage.
    4. Wer sich bewusst dafür entschieden hat nur FB zu betreiben, musste sich nicht mit Technik, HTML, Cookies, Plugins, Google, SEO usw. auseinandersetzen – ein klarer Wettbewerbsvorteil, der aber nun mit einem höheren Risiko behaftet ist.

    Mein Kritikpunkt an Deinem Beitrag ist die Meinung zur EU-Richtlinie.
    1. Ein deutsches Gericht hätte genauso entscheiden können, denn die meisten Fanpagebetreiber wussten, dass Facebook sich nach unseren Datenschutzmaßstäben nicht besonders konform verhält und dies eigentlich auch gar nicht will.
    2. Die Kritik in rechtlicher Hinsicht kam ja nun nicht vom Himmel gefallen. Schon seit Jahren wurde kritisiert, dass kein Mensch wusste, wo man denn bei FB sein Impressum unterzubringen hat und noch vieles mehr.
    3. Der Cambridge-Skandal ist im Grunde auch nicht so überraschend, aber zum Geschäftsmodell passend und eben unbestreitbar nachgewiesen.
    4. Die Aktionäre haben damals 100Mrd. $ für FB – gezahlt – die wollen verständlicherweise ihr Investment wieder haben – als Nutzer irgendeines Dienstes muss man sich immer die Frage stellen, wie die wohl ihr Geld verdienen.
    5 FB ist bis dato kostenlos, aber deswegen sind es keinen Menschenfreunde – es ist ein Unternehmen.
    6. Die Taktik von FB war schon immer, erstmal nichts zu tun, verboten werden kann das Unternehmen letztlich nur dort, wo es seinen Sitz hat.
    7 Was passiert denn, wenn die Deutsche, Französische oder andere Gerichte FB verbieten, aber die Ersteller von Inhalten (ohne die FB nicht funktioniert) nicht sanktioniert werden. Dann bliebe nur das mehr oder weniger erfolgreiche Sperren von FB. Schon so manche autoritäre Regimes mussten erfahren, dass das nicht so einfach ist.
    8. Auch wenn das für Fanpage Betreiber wirklich schlecht ist, sie sind nicht unschuldig. Die Fanpagebetreiber sind keine unbedarften Leser – Dahinter steckt oft ein ökonomisches Interesse.

    Meine Kritik ist eher wirtschaftspolitischer Natur. Die Gerichte müssen in solchen Dingen sehr viel schneller und technisch fundierter entscheiden, damit eben nicht über lange Zeit so hohe gesellschaftliche versunkene Kosten entstehen. Es muss zukünftig im Umgang mit SN viel mehr Rechtssicherheit herrschen.

    Es sind amerikanische Unternehmen und für die ist praktisch gesehen erstmal das US-Recht relevant. Will man dann für jede Änderung vom Verhalten bestimmter US-Konzerne einen politischen Deal machen?

    Meine Forderung ist: Europa muss seine eigenen Gesetze machen & sie auch durchsetzen können.

    Ob man die Fanpages schließt oder nicht muss jeder selbst entscheiden, aber Gedanken sollte man dennoch jeder machen, was er tut, wenn ihm keine Wahl bleibt.

    In Sachen DSGVO lief doch einiges schief, bis vor ein paar Monaten, hat das nun mal keiner Ernst genommen, jetzt ist die Aufregung groß. Ich schließe mich da nicht aus.

    Das bleibt spannend. Auch wenn es Unterschiede in der Bewertung gibt, ich finden Deinen Artikel wirklich gut.

    Antworten
    • Ich glaube, so unterschiedlich sind unsere Bewertungen gar nicht. Zumal das Urteil ja mit den meisten Kritik-Punkten, die du genannt hast, nichts zu tun hat.

      Es geht nicht darum, ob Facebook nicht datenschutzgerecht ist oder ähnliches.

      Es geht beim Urteil erstmal einzig und allein darum, dass Facebook (und andere ähnliche Plattformen) nicht allein für die Daten verantwortlich ist, die dort erhoben werden. Ein deutsches Gericht kann immer noch entscheiden, dass eine Fanpage völlig okay ist, nur eben bei Verstößen oder Problemen nicht allein Facebook verantwortlich ist.

      Was das am Ende bedeutet, werden erst folgende Urteil ergeben. Ob man in Zukunft einen AV-Vertrag mit Facebook abschließen muss oder ob Facebook einem die Möglichkeiten geben muss die Datenerfassung zu deaktivieren, all das wird die Zukunft zeigen.

      Wie du sagst, es bleibt spannend.

      Antworten
  4. Seit Jahren predigten viele Leute, dass die eigene Website ausstirbt und die grossen Netzwerke die Zukunft sind. Ich bin froh, dass ich diesem Hype nicht nachgelaufen bin, aber meine FB Page würde ich schon noch gerne weiterbetreiben, weiss aber im Moment nicht, ob ich sie nicht vorübergehend abschalte, denn ich ziehe Abmahnungen an wie ein Magnet, auch solche, die fast unmöglich sind. Sicher ist sicher. Schönen Tag an alle. PS: Man könnte wieder aufs normale FB Profil setzen und seinen Freunden die News posten.

    Antworten
  5. Ich habe meine Facebook-Seite gestern vorerst deaktiviert. Mein Traffic läuft vorrangig über die Blogs und YouTube. Und die behalte ich auch. Facebook könnte weiterhin zur privaten Kommunikation dienen. Dafür reicht es mir dann auch. :)

    Antworten
  6. Ich kann die Geschichte von David nachvollziehen, sehe die Gefahr allerdings nicht bei Facebook oder den anderen sozialen Netzwerken, sondern tatsächlich in der Politik. Dass diese nämlich in den vergangenen Monaten so radikal reagiert und das alles mit “Datenschutz” rechtfertigt, lässt bei mir starke Zweifel aufkommen. Wenn man schon von Datenschutz spricht, dann sollte man auch nicht mit zweierlei Maß messen. Entweder ganz oder gar nicht. Und wenn man den Datenschutz durchhauen will, dann möchte ich in Zukunft nicht mehr geblitzt werden, wenn ich zu schnell mit dem Auto unterwegs bin. Denn ich habe niemandem mein Einverständnis gegeben, ein Foto von mir anzufertigen. Dass ich dabei eine Ordnungswidrigkeit begangen habe, bedeutet nach den Grundgesetz-Prinzipien eigentlich nicht, dass man mir mein Datenschutz-Recht absprechen darf. Das passiert aber flächendeckend in vielen verschiedenen Formen in Deutschland. Daraus schließe ich, dass diese gesamten Verordnungen und Gesetze zum Schutz der Daten eine Farce sind, da Behörden und mit Behörden zusammenarbeitende Unternehmen scheinbar vom Datenschutz-Gesetz ausgeschlossen sind. Am Ende ist nur der kleine Mann wieder der Leidtragende. Einen zweiten entscheidenden Punkt sehe ich in der Entwicklung. Deutschland, das einst als Land der Dichter und Denker galt, in dem es fortschrittliche Erfindungen gab, spielt künftig international immer weniger an Bedeutung. Deutschland entwickelt sich zurück. Die Zukunft liegt im digitalen Wesen. Roboter, die einem die Arbeit abnehmen, selbstfahrende Autos, etc… alles benötigt eine schnelle Netzverbindung um die Daten beinahe in Echtzeit abarbeiten zu können. Dass ein technisch normalerweise fähiges Land wie Deutschland in Europa nur Mittelmaß im Bereich der Digitalität ist, ist an sich schon ein großes Problem. (Beispiele hierfür ist der Glasfaser-Netzausbau. In Spanien gibt es fast schon flächendeckend 1Gbit-Leitungen, selbst in Dörfern, während man in Deutschland mit einer 16Mbit-Verbindung zurecht kommen muss. Auch in Sachen LTE sind alle anderen weiter, etc..). Dadurch, dass die EU nun auch noch ein Gesetz eingeführt hat (DSGVO), dass viele Unternehmer und Startups im Bereich der Digitalität dazu gebracht haben, lieber auszusteigen und sich ein analoges Betätigungsfeld zu suchen, ehe sie eine teure Abmahnung erhalten, ist schon sehr bedenklich. Aus meiner Sicht hat sich die EU wirtschaftlich mittel- und langfristig mit diesen Gesetzen selbst ausgeschaltet.

    Antworten
    • Die Politik hat so einiges verschlafen. Digitalisierung, Breitbandausbau, Elektroautos, das DSGVO ist völlig an der Realität vorbei und Cookie-Hinweise gehen mir jetzt schon massiv auf die Nerven, geändert hat sich dadurch aber auch nichts und Facebook macht weiterhin was es will, ohne reguliert zu werden, genau wie Google und Co. Nur als kleiner Websitebetreiber und im Mittelstand, wirst du nun wieder »gefoltert« und bekommst totale Existenzängste.

      Aus meinem Verständnis heraus hat die Politik in den letzten Jahren alle großen Probleme ignoriert oder sich schlichtweg nicht herangetraut bzw. sie nicht verstanden. Das führt nun dazu, dass wir massive Probleme bekommen werden, auf die nächsten zehn oder zwanzig (?!) Jahre gesehen. Und es führt zu hirnrissigen Schnellschüssen oder Regelungen, die nicht der Realität entsprechen, was wohl auch wieder damit zusammenhängt, dass dort “oben” einfach nicht verstanden wird, worum es im einzelnen eigentlich genau geht.

      Antworten
      • Ich stimme David zu 100% zu. Und ich moechte noch anfuegen, dass es in der Schweiz bereits eine Netzverbindung mit 10Gbit, also 10.000 Mbit gibt. Nochmal: Im Vergleich mit Deutschlands Hinterland, wo 16 Mbit das Maximum ist, ist die Schweiz den Deutschen weit voran. Was soll man da noch sagen? Man hat das Gefuehl, dass die dt. Regierung die Digitalitaet verschlafen hat und jetzt versucht, das Internet fuer Europa zumindest so uninteressant zu gestalten – mit Hilfe von hirnlosen Gesetzen – dass niemand (weder Firmen noch Privatpersonen) Lust dazu haben, es kuenftig zu benutzen. Diesen Anschein hat es zumindest. Ich denke, dass der Schuss aber nach hinten los gehen wird.

        Antworten
  7. Hallo Peer,
    Ich begrüße es, dass dem Datenschutz endlich ein höherer Stellenwert zugesprochen wird. Aber sehe es trotzdem sehr kritisch, wie das gerade versucht wird. Mir drückt sich auch der Eindruck auf, dass hier von Leuten über Dinge entschieden wird, von denen Sie keine oder kaum Ahnung haben. Oder denen die Reichweite und die Seiteneffekte ihrer Entscheidungen nicht bewusst sind.
    Wenn man dieses Urteil an die Spitze treiben will, dann wären wie schon “tolan” vor mir gesagt hat jeder mitverantwortlich, der Inhalte beisteuert und auf einer “fremden” Plattform bereitstellt oder dazu beiträgt. Also jeder Fotograf, jeder Texter, jeder Videoproduzent und, und, und.

    Sogar ich wenn ich hier kommentiere. Dass ich aber gar keinen Einfluss darauf habe, wie du zum Thema Datenschutz steht und wie du diesen Umsetzt, spielt dabei gar keine Rolle. -.-‘ Muss ich jetzt einen ADV oder ähnliches mit dir abschließen, um mich abzusichern, dass hier alles Datenschutzkonform abläuft und ich hier Content “beisteuern darf”?

    Facebook selbst nutze ich schon lange nur noch für zwei, drei geschlossene Gruppen und selbst da passe ich auf, was ich von mir preisgebe. Ein richtiges “Mitleid” mit den Datenkraken habe ich nicht unbedingt, was die neue DSGVO/aktuelle/kommende Gesetztgebung/-entscheidungen dazu sagen. Aber das sollte nicht auf dem Rücken der Nutzer ausgetragen werden. Facebook soll (vielleicht) wegen Datenschutzbedenken verboten werden aber Polizei & Behörden schreien immer lauter nach mehr Daten, mehr Vorratsspeicherung etc. Schöne Ironie.

    Erfreulich fand ich diese Überlegung: https://www.heise.de/newsticker/meldung/DSGVO-Union-will-teure-Abmahngebuehren-rasch-aussetzen-4070328.html

    Willkommen im Neuland.
    Schönen Gruß

    Antworten
    • So dramatisch wird es sicher nicht werden. Ganz besonders dann, wenn man null Einfluss hat und nur “beisteuert”.

      In dem Urteil wurde ja explizit die Statistik angesprochen, die man als Fanpage-Betreiber bekommt. Im Grunde also dasselbe Spiel wie bei Google Analytics.

      Entweder man bekommt als Seitenbetreiber die Möglichkeit es zu deaktivieren oder Facebook holt vorher die Erlaubnis ein.

      Da wird sich schon eine Lösung finden lassen.

      Antworten
    • Ich finde, dass dem Datenschutz an den absolut falschen Stellen mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird. Wenn man so etwas ankuendigt, dann sollte man bei den Problemen an der Basis beginnen. Das passierte aber nicht. Und dass die Regierung jetzt 1 Jahr lang keine Abmahngebuehr auf Abmahnungen plant, hat doch nur zufolge, dass es 1 Jahr lang – ab Gesetzesbeginn, das wohl in den naechsten 4-6 Wochen beschlossen werden soll, keine Abmahnungen geben wird. Kein Anwalt schreibt Abmahnungen fuer lau. Anwaelte, die Abmahnungen schreiben, verfolgen meistens ein Ziel: schnell Geld zu verdienen. Firmen, die Anwaelte fuer Geld beauftragen, Abmahnungen zu schreiben, wollen doch mindestens die Ausgaben wieder reinholen. Ich denke, dass es deshalb keine Abmahnungen geben wird und nach Ablauf der Jahresfrist dann alle Anwaelte ihre Abmahnungen raushauen. Es verzoegert sich alles nur um 1 Jahr. Verbessern wird sich aber nix.

      Antworten
      • Ja, aber das eine Jahr sollen eben die Unternehmen nutzen, alles korrekt nach DS-GVO umzusetzen.

        Langfristig muss natürlich die Abmahnung an sich überarbeitet werden.

        Antworten
        • Hi Peer,

          ich verstehe natürlich den Hintergrund der – nennen wir es – Fristverlängerung. Und ich finde es natürlich auch gut. Aber die DSGVO ist ein derart dickes Brett, dass selbst der gewissenhafteste Webseitenbetreiber und wahrscheinlich auch Anwälte erst nach den ersten Abmahnungen wissen, wo sich die kleinen potenziellen Fehlerquellen befinden, die dann teuer werden können. Das war schon ganz oft so mit zahlreichen Internet-Gesetzen, dass erst nach einer Welle von Abmahnungen und Gerichtsverhandlungen Guides erstellt wurden, die auf alle möglichen potenziellen Fehlerquellen hingewiesen und somit die Erstellung einer “relativ” sicheren Webseite ermöglicht haben. Natürlich hilft ein Jahr, zusätzliche grobe Fehler auszumerzen. Aber die kleinen Fehler, auf die es oft ankommt, und auf die sich Anwälte besonders stürzen, werden teuer. Da wird sich in diesem Jahr nicht viel ändern. Aber natürlich ist ein Jahr Aufschub besser, als kein Jahr. Ich würde es tatsächlich begrüßen, wenn Abmahnungen generell kostenbefreit sind. Und wenn man diesen dann nicht nachkommt, bzw. Fehler nicht verbessert, dann spricht nichts gegen eine Strafe. Aber einen Fehler, bei dem oft nicht weiß, dass man ihn gemacht hat, gleich mit einer hohen Geldsumme zu bestrafen, halte ich für ungut. Na mal schauen, wie sich das alles entwickelt.
          Schöne Grüße

          Antworten
  8. Also wirklich, werden sich Milliardenkonzerne wie FB / Google-YouTube usw. von so einer Entscheidung gestört fühlen?

    Die haben allle eine Datenschutzrichtlinie, die jeder User bestätigt, wenn er dort Mitglied wird. Und die werden jetzt einfach ihre Bestimmungen dahingehend anpassen,dass der User mit einem Klick bestimmte Daten von der Erhebung ausschließen kann. In Wirklichkeit werden sie dann doch erhoben, aber das kann hier eh keiner kontrollieren.
    Sie werden jetzt bestimmt gegen den Entscheid Protest einlegen und bis dahin die Zeit nutzen, um entsprechende Veränderungen vorzunehmen in ihren Richtlinien. Fertig ist die Sache.
    Facebook hat z.B. die DSGVO dahingehend genutzt, dass sie die Gesichtserkennung wieder aktiviert haben, weil viele blöde Nutzer das entsprechende Häckchen machen.

    Solche Urteile gegen die großen sind nicht mehr wert als das Papier auf dem sie stehen. Im Gegenteil. Oft erschweren sie der klein wenig Konkurrenz, die es noch gibt, das Leben, während die größeren das locker wegstecken.

    Und nein, Facebook ist nicht tot, sondern es gibt einen Teil der Gesellschaft, der das extrem intensiv nutzt und sich dort eingerichtet hat wie in einem Wohnzimmer. Lasst es 30-50% der Deutschen sein, ist aber immer noch eine große Menge.

    Zudem gibt es Seiten, die es geschafft haben extreme Menschenmengen zu Fans zu machen. Die werden reich damit. Aber für den normalverbraucher oder für kleine Firmen bleibt nicht viel zu holen, denn wer wird schon Fan von nem Stromversorger oder so. Wie so oft gilt das Pareto-Prinzip.

    Antworten
    • You made my day. 30-50% haben sich also FB als Wohnzimmer eingerichtet. :-)

      In Deutschland hat insgesamt ca. nur jeder vierte (also 25%) überhaupt einen genutzten FB-Account. Da sind wir dann aber noch weit davon entfernt dass das dann auch für jeden sein “Wohnzimmer” wäre.

      Facebook wird in meinen Augen eher völlig überbewertet. Das zeigen ja auch die Statistiken die Peer hier über die Zugriffe auf seine Nischenseiten von FB zu berichten weiß. Für den langfristigen Erfolg eine Website ist FB max. ein kleiner Zwischen-Beschleuniger.

      Antworten
  9. Super Artikel, vielen Dank dafür!
    Ich bin jetzt einfach mal gespannt was als nächstes kommt. Erst die DSGVO, jetzt Fanpages und mal gucken wie es mit den Cookies in 2019 weitergeht. Klar kann man das nicht alles in einen Topf werfen, aber es ist das, was derzeit und schon eine ganze Weile, sehr präsent ist. Was mich persönlich angeht, so finde ich FB bereits seit ca. 2 Jahren nicht mehr wirklich interessant. Zum Werben auf jeden Fall wichtig, aber in meinem persönliche Profil passiert nicht mehr viel… empfinde es eher als Zeitfresser. Und wenn man wirklich interagieren will, dann braucht auch das ne Menge Zeit. Möchte mich nicht abmelden, aber habe es stark reduziert. Jetzt panisch die Fanpage abzuschalten halte ich für übereilt, aber man sollte das weitere Geschehen auf jeden Fall verfolgen.

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