Könnte man nur von den VG Wort Einnahmen leben? Beispiele, Risiken und Tipps

Könnte man nur von den VG Wort Einnahmen leben? Beispiel-Rechnung, Risiken und TippsBald steht wieder die Ausschüttung der VG Wort Vergütung an und da ist mir die Frage durch den Kopf gegangen, ob man eigentlich nur von den VG Wort Einnahmen leben könnte.

Dieser Frage gehe ich in meinem heutigen Artikel auf den Grund. Ich rechne ein paar Beispiele durch und gehe auf die Risiken ein.

Zudem gebe ich praktische Tipps, wie man dieses Ziel erreichen könnte.

Könnte man nur von den VG Wort Einnahmen leben?

Darüber habe ich in letzter Zeit häufiger mal nachgedacht. Ich selber habe im Oktober letzten Jahres eine niedrige fünfstellige Auszahlung von der VG Wort erhalten, was natürlich sehr ordentlich als Zusatzverdienst ist. Aber allein davon kann ich natürlich nicht leben.

Wie ist das aber bei anderen Blogs, die sich Themen widmen, die deutlich beliebter sind? Wo deutlich mehr Seitenaufrufe zu verzeichnen sind.

Das Thema muss dabei ja gar nicht kommerziell interessant sein. Ich bekam in der Vergangenheit z.B. schon öfter Mails und Anfrufe von Bloggern aus dem Gaming- oder der Politik-Bereich. Da ist es offensichtlich schwer Geld mit Werbung oder Affiliate-Marketing zu verdienen. Die meisten Nutzer haben kein Kaufinteresse und Werbekunden finden sich auch nicht so einfach.

Wer aber sehr viel Traffic auf seinem Blog oder seiner Website hat, für den ist die VG Wort spannend. Doch könnte man wirklich nur von der VG Wort leben?

Einnahmen-Beispiele

Hier gleich mal ein paar Beispiel-Kalkulationen.

In diesem Jahr gibt es 29,40 Euro pro Artikel, der im Jahr 2017 mehr als 1.500 Aufrufe erzielt hat und mindestens 1.800 Zeichen (inkl. Leerzeichen) lang ist.

  • Hat man also 100 Artikel, die diese Kriterien erfüllen, dann bekommt man 2.940,- Euro (+7% MwSt.) ausgezahlt. Das ist schon ordentlich und würde viele freuen, aber leben kann man davon sicher nicht.
  • Hat man 1.000 Artikel, die pro Jahr diese Aufrufzahl erreichen und lang genug sind, dann wären das schon 29.400 Euro netto. Das klingt schon deutlich besser, aber nach Steuern, Versicherungen und sonstigen Ausgaben ist es sicher immer noch recht knapp, um davon zu leben.
  • Bei 2.000 Artikeln sind es knapp 60.000 Euro und das liegt in einem Bereich, wo man davon leben kann.

Es müssen also schon eine ganze Reihe von Artikeln sein, die man auf den eigenen Blogs und Websites veröffentlicht hat und die häufig genug aufgerufen werden. Wie viel wirklich notwendig sind, hängt aber auch von den eigenen Bedürfnissen ab. Wer Student ist, braucht sicher weniger zu leben, als eine Mutter, die das Haus abbezahlen und 2 Kinder ernähren muss.


UPDATE
Ein Leser hat mit auf die Obergrenze für Großwerke hingewiesen. Diese beträgt in diesem Jahr 25.725,80 Euro. Mehr kann man nicht ausgezahlt bekommen. Das gilt aber nur für Verlage und nicht für Websites oder Blogs. Man kann mit einer Website also auch mehr als das von der VG Wort bekommen.


Praktische Tipps für viel Traffic

Was man auf jeden Fall braucht, um von den VG Wort Einnahmen zu leben, sind viele Besucher und diese müssen zudem aus Deutschland kommen, denn laut VG Wort werden nur diese gewertet.

Hier ein paar Tipps, wie man genug Traffic erreichen könnte, um von den VG Wort Einnahmen zu leben:

  • Suchvolumen

    Man legt die Grundlage dafür schon bei der Wahl der Nische/des Themas der eigenen Website. Um genug Besucher anzulocken muss man ein Thema wählen, welches viel Suchvolumen besitzt. Es muss also sehr häufig in Google gesucht werden.

    Ein Nischen-Thema wie Kitesurfen ist sicher für eine Nischenwebsite interessant, aber im Hinblick auf die VG Wort muss es schon etwas viel populäreres sein, was zudem extrem viele Longtail-Keywords erlaubt. Der Nachteil ist da allerdings, dass es viel Konkurrenz bei populären Themen gibt, so dass man auf jeden Fall einige Zeit einplanen sollte, bevor man gut rankt und viele Besucher bekommt.

    Mit dem Tool KWFinder kannst du z.B. das Suchvolumen einzelner Keywords prüfen.

  • Artikellänge

    Die Artikel müssen mindestens 1.800 Zeichen enthalten (inkl- Leerzeichen), ansonten gibt es keine Vergütung von der VG Wort dafür.

    Ab 10.000 Zeichen muss ein Artikel nur noch 750 mal im Jahr aufgerufen werden, um eine Vergütung zu erhalten. Allerdings lohnt es sich meist eher daraus 5 separate Artikel zu machen. Da ist die Wahrscheinlichkeit höher, mehr Einnahmen zu erzielen.

  • Zeitlose Inhalte

    In der Gaming-Branche gibt es z.B. vor allem News. Da hat man zum einen das Problem 1.800 Zeichen zusammenzubekommen und zum anderen werden diese nach kurzer Zeit kaum noch aufgerufen. Man bräuchte hier also schon sehr viel Traffic, um damit in kurzer Zeit die Mindestaufrufe zu schaffen. Zudem bräuchte man ständig einen großen Output, da die alten News keine Besucher mehr anlocken und damit auch keine Vergütung mehr erhalten.

    Deshalb würde ich eher auf zeitlose Inhalte setzen. Ich habe in meinen Blogs viele Artikel, die auch noch nach Jahren genug Aufrufe erhalten, um eine Vergütung von der VG Wort zu bekommen. Das macht es einfacher hohe Auszahlungen zu erreichen.

  • Social Media

    Allein auf Google sollte man nicht setzen. Facebook und Twitter können viele Besucher auf die eigenen Artikel bringen, aber auch Pinterest ist diesbezüglich sehr interessant.

    So sollte man z.B. ständiges/automatisches Teilen alter Artikel nutzen, um diesen immer wieder neue Aufrufe zu bringen.

  • Bestimmte Artikel pushen

    Zudem kann man manuell bestimmte Artikel pushen, damit diese genug Aufrufe bekommen. Wie ich das mache, erkläre ich in diesem Artikel.

Mit Einmal-Einnahmen umgehen

Nehmen wir mal an, dass man wirklich genug Geld mit der VG Wort verdient, damit man davon leben kann. Mit so einer Einmal-Einnahme umzugehen ist nicht so einfach.

Das erinnert mich zum Beispiel an den US-YouTube-Kanal The Dice Tower. Dort wird einmal im Jahr ein Crowdfunding veranstaltet, um Geld für den Betrieb des Kanals und die Angestellten zu sammeln. Anfang diesen Jahres kamen knapp 300.000 Dollar zusammen.

Über die folgenden 12 Monate müssen die Betreiber mit den Einnahmen daraus dann auskommen. Sicher gibt es auch mal Zusatzeinnahmen, aber der absolute Hauptteil des Jahres-Budgets kommt vom Corwdfunding.

Ebenso wie diese YouTuber müsste man als Blogger oder Website-Betreiber lernen damit umzugehen und darf das Geld nicht gleich mit vollen Händen ausgeben. Man müsste es gut verteilen aufs Jahr und Rücklagen bilden für unerwartete Ausgaben.

Das erfordert einiges an Disziplin und guter Planung.

Sollte man nur auf die VG Wort setzen?

Das klingt also durchaus machbar und interessant. Wer würde nicht gern seinen Job an den Nagel hängen und sich auch nicht mit bestimmten Einnahmequellen herumschlagen, sondern einmal im Jahr einen großen Batzen Geld bekommen, von dem man leben kann?

Doch man sollte das Risiko bei dieser Variante nicht unterschätzen. Derzeit gibt es eine sehr hohe Vergütung pro Artikel, die schon erwähnten knapp 30 Euro. Dieser Betrag lag aber vor einigen Jahren bei nur 10 Euro pro Artikel.

Wenn die Vergütung mal wieder derart sinkt, würde das die eigenen Einnahmen auf ein Drittel reduzieren. Im Beispiel würden bei 2.000 vergüteten Artikeln aus rund 60.000 nur noch rund 20.000 Euro werden.

Die unterschiedlichen Einnahmen bei einer bestimmten Artikelzahl, die vergütet wird, zeigt das folgende Diagramm für die Ausschüttungs-Beträge der Jahre 2012 bis 2018.

Könnte man nur von den VG Wort Einnahmen leben? Beispiel-Rechnung, Risiken und Tipps

Hinweis: In den Jahren 2012 bis 2014 gab es noch eine Staffelung bei der Vergütung. Wurde ein Artikel besonders häufig gelesen, gab es eine höhere Provision. Die Mindestaufrufe lagen aber seit 2012 immer bei 1.500 im Jahr.

Zudem besteht wie immer bei Einnahmen, die auf Seitenaufrufen basieren, ein Risiko bzgl. Google. Immer wieder gibt es mal größere Updates, die manchen Websites viele Besucher kosten. Die VG Wort Einnahmen sind sehr stark an den Traffic gekoppelt und so würde sich so eine Bestrafung seitens Google natürlich auch sehr stark auf die Einnahmen auswirken.

Deshalb sollte man nicht nur auf die VG Wort setzen, sondern auch mit anderen Möglichkeiten Geld verdienen. Viele Standbeine sind gerade im Online-Bereich sehr zu empfehlen und z.B. mit Werbung und Affiliate-Marketing sind gute Einnahmen parallel zur VG Wort möglich.

Fazit

In bestimmten Themenbereichen ist es durchaus denkbar nur von den VG Wort Einnahmen zu leben. Da bräuchte man aber schon viel Traffic und eine Menge Artikel, damit das funktioniert.

Generell ist es aber sehr zu empfehlen auf mehrere Standbeine zu setzen, um so das Risiko zu senken. Die VG Wort sollte nur ein Standbein sein.

Bild von Peer Wandiger
Peer Wandiger
Studium der BWL und langjährige Arbeit in einem mittelständischen Unternehmen. Seit 2006 selbständig als Webentwickler und Website-Betreiber, 2007 Gründung von Selbständig im Netz.

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