Der tägliche Kampf mit Google, Amazon und Co. – Interview mit einem Online-Shop

Viele Website-Betreiber haben schon gute und schlechte Erfahrungen mit Google gemacht. Gerade Online-Shops haben in den letzten Jahren bzgl. SEO viel dazulernen müssen.

Aber auch die Konkurrenz durch Big Player wie Amazon machen vielen Shops das Leben schwer.

In meinem heutigen Interview spreche ich mit einem Mitarbeiter eines Online-Shops und wie der tägliche Kampf mit Google, Amazon und Co. aussieht. Darin gibt es viele interessante Einblicke und Tipps.

Hallo Tim. Bitte stell dich meinen Lesern vor.

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Ich bin Tim, 20 Jahre und arbeite als SEO/Vertriebler im schönen Vörstetten bei Freiburg. Für mich ist die ständige Wissensaufnahme und das kleine bisschen Detail, das den Unterschied macht, wichtig. Deshalb surfe ich auch gerne auf „Selbstständig im Netz“.

Privat bin ich interessiert an allem was mit Motoren oder mit Kursbewegungen zu tun hat.

Wie bist du zum Online-Handel gekommen?

Onlinehandel hat mich schon immer interessiert, direkt darauf konzentriert habe ich mich jedoch nicht. Das hat sich mit der Zeit einfach so ergeben und ich muss sagen, es macht mir große Freude.

Onlinehandel ist ein ziemlich abwechslungsreiches Berufsfeld welches viel Zeit und Hingabe erfordert, bei richtiger Herangehensweise jedoch sehr rentabel sein kann. Der Kontakt zum Kunden – sei es via Mail oder übers Telefon – gefällt mir sehr gut.

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Wie hat sich der Online-Handel in den letzten Jahren in Deutschland entwickelt?

Der Onlinehandel hat sich seit dem Start unserer Firma lieske-elektronik.de durch den Inhaber Ralph Lieske gewaltig verändert. Allein von den technischen Möglichkeiten her. Unsere erste Website begann noch als Freepage, vor der offiziellen Gründung von Google im Jahr 1998. Unser Shop wurde dann aber recht bald auf eine eigene Domain geschoben. Unsere ersten Festplatten mit gewaltigen 1000 MB, also einem Gigabyte, konnte man für 600 Mark erwerben.

Es ist die Zeit kurz nach der Gründung von Unternehmen wie Amazon (1994) und Ebay (1995). Damals war es beim Otto-Normalbürger auch noch fast kurios aus dem „Internet“ etwas zu bestellen. Heute jedoch ist und wird der Onlinehandel ein immer wichtigeres Geschäftsfeld. Lag der der gesamte B2C-Umsatzes 1999 noch bei 1,1 Milliarden Euro ist er bis 2015 auf über 40 Milliarden gestiegen – Und das ziemlich kontinuierlich (Quelle: Statista).

Auch unser Angebot ist linear gestiegen. 1999 haben wir noch mit einer Excel Liste gearbeitet, die einfach als HTML exportiert wurde. Das ging bei den damaligen 900 Artikeln auch noch. Heute, mit über 600.000 Artikeln, braucht es natürlich eine Datenbank.

Was sind deiner Erfahrung nach die größten Herausforderungen für Shop-Betreiber?

Eine der größten Herausforderungen ist es, einen Platz im großen Teich des Onlinehandels zu finden. Einen Nischenhandel aufzuziehen ist natürlich einfacher, als ein großes Feld von Produkten abzudecken. Aber es ist auch möglich mehr Kunden dadurch zu gewinnen was sich natürlich im Umsatz niederschlägt.

Man muss immer darauf achten seine Kunden nicht zu verärgern und guten Support zu bieten. Auch Kunden, die ihre Ware nicht bezahlen sind ein Risiko, ebenso die Gesetzeslage.

Wie ist euer Shop entstanden und wie hat er sich bis heute entwickelt?

Die Firmengründung fand im September 1996 als Ein-Mann Firma durch den Inhaber Ralph Lieske statt. Viele damalige Kunden wollten eine Rechnung für die Dienstleistungen erhalten und auch die Ware direkt von der gleichen Firma beziehen. 1999 wurde dann der einfache Onlineshop gestartet. Damals hatten wir aber nur 900 bis 1000 Artikel. Der Shop hatte statische HTML-Seiten und wurde täglich neu aus Excel generiert.

Etwas später wurde dann eine eigene Datenbank programmiert um der wachsenden Menge von Artikeln Herr zu werden. Diese ist heute noch in Benutzung, hat aber die geplante Nutzungsdauer schon längst überschritten und wir warten täglich darauf, dass unsere neue Warenwirtschaft, die derzeit noch in der Entwicklung ist, endlich einsatzfähig ist. Damit können wir dann endlich viel leistungsfähiger arbeiten als bisher.

Der Shop hatte in seinen besten Zeiten ca. 7.000 Besucher am Tag, durch Änderungen im Google Algorithmus und der ständig steigenden Zahl an Mitbewerbern haben wir einige Besucher eingebüßt, jedoch sind offensichtlich nur die eher unwichtigen Besucher verloren gegangen. Am Umsatz hat sich das nicht so stark bemerkbar gemacht. Hier merkt man schon, dass Google es ganz gut schafft, die wirklich relevanten Seiten entsprechend der Suchabsicht vorne zu positionieren.

Die Konkurrenz ist sicher groß. Wie geht ihr damit um?

Natürlich ist die Konkurrenz groß. Vor allem die „ganz großen“ bekannten Elektronikketten sind natürlich etabliert und sind im Gedächtnis der Kunden. Aber hey, auch die haben mal klein angefangen. Irgendjemand ist immer günstiger. Es geht darum, den Kunden ein gutes Einkaufsgefühl zu vermitteln, für ihn da zu sein. Denn ein zufriedener Kunde wird wieder Kunde. Und er wird es seinem Umfeld weitersagen.

Du kennst das doch vom Kino: War der Film super, erzählt man automatisch seinen Freunden davon. Auch der Preis ist nicht unbedingt wichtig. Starbucks funktioniert genauso – Der Kaffee ist zwar echt teuer, aber die Atmosphäre ist unschlagbar. Und deswegen gehen die Leute gerne dahin. Denn das Gesamtpaket stimmt einfach.

Wir, als etwas „kleinerer“ Onlineshop im Vergleich zu den ganz großen, haben aber auch einen Vorteil: Die direkte Nähe zum Kunden. Wir kennen unsere Ansprechpartner beim Hersteller teilweise auch persönlich und können das ein oder andere Dinge besorgen woran „die großen“ scheitern. Auch die Stammkunden, die regelmäßig bei uns bestellen, bekommen bei uns feste Ansprechpartner. Somit ist jeder Kunde gut aufgehoben, sein Ansprechpartner weiß über Wünsche und Bedürfnisse Bescheid und kann ihn somit bestmöglichst bedienen. Hier legen wir vor Allem Wert auf Ehrlichkeit. Lieber machen wir den Kunden glücklich und empfehlen ihm auch mal eine günstigere und besser geeignete Lösung als vielleicht ursprünglich angefragt oder angedacht. Hier macht natürlich unsere 20-jährige Erfahrung in dem Geschäft den großen Unterschied.

Was macht bei einem Online-Shop den meisten Aufwand?

Der meiste Aufwand ist die Artikelpflege jeden Tag, täglich kommen ca. 4000-5000 neue Artikel hinzu, ebenso viele fliegen wieder aus dem Sortiment. Bei uns ist das Spezielle, dass wir so viele Artikel haben. Dies erfordert einen hohen Grad an Automation, um die Preisdaten von bis zu 400 Lieferanten einlesen und verarbeiten zu können. Täglich werden im Shop über 300.000 Artikel neu kalkuliert und upgedatet. Die Funktion des Shops muss ständig kontrolliert werden, bei Problemen muss man sofort handeln.

Viele Artikel müssen manuell gepflegt werden, da sich kein Lieferant an Standards bzgl. Datenqualität hält. Jeder Lieferant hat auch seine eigenen Produktkategorien, die auf unsere gematcht werden müssen. Das ist viel Handarbeit, ein Mitarbeiter ist in Vollzeit mit dem Shop beschäftigt, die Vertriebsmitarbeiten optimieren ständig nebenbei Artikel.

Wichtig ist natürlich die Suchmaschinenoptimierung. Heutzutage kommt es auf Content an. Wir pflegen derzeit viel Content ein, natürlich um den Kunden Mehrwert zu bieten. Allerdings ist es viel Aufwand, denn wir sind ja kein Blog oder Wiki, wo jemand mit seinen Artikeln durch Werbeeinblendungen Geld verdient. Aber wenn die Kunden sehen, dass hier auch entsprechendes KnowHow vorhanden ist, fühlen sie sich auch gut aufgehoben. Und das ist uns ja letztendlich wichtig.

Durch die volle Integration des Shops in unsere Warenwirtschaft, fließen Kundendaten und Bestellungen direkt ins System. Hier ist der Aufwand niedrig. Der Rest der Auftragsbearbeitung ist im Prinzip der gleiche Aufwand wie bei Offline-Shops.

Google ist sicher auch für euch sehr wichtig. Welche Erfahrungen konntet ihr diesbezüglich sammeln?

Google – In der Firma auch gerne „BIG G“,„launisches Etwas“ oder einfach „Gugöl“ genannt, ist für uns Fluch und Segen zugleich. Wo wären wir heute ohne Google? Jeder sucht über Google. Seien es Produkte, Informationen oder Orte zu denen er muss. Auch wir profitieren natürlich von Google, bei entsprechendem Einsatz sind wir auch vorne in den SERPs mit dabei.

Im Moment scheint Google irgendwas an unserer Seite nicht zu gefallen, was sich in den SERPs niederschlägt – Aber daran arbeiten wir. Ziel ist natürlich immer, dass die Leute gleich zu uns kommen, weil sie wissen, dass sie bekommen, was sie suchen. Eine Unabhängigkeit von Google mit direkten Usern ist Gold wert. Aber solange wir auf Google angewiesen sind und unser Haupt-Traffic von selbigem Suchmaschinengiganten kommt, setzen wir natürlich alles daran „BIG G“ zu gefallen.

Haben Google-Updates, wie z.B. Panda, Einfluss auf euren Shop?

Google Updates verursachen immer ein großes Aufsehen in der Firma. Aber das Panda Update war besonders schlecht für uns – Stichwort Duplicate Content. Bei einer so großen Anzahl an Produkten ist es sehr oft so, dass sich einzelne Produkte nur am Namen unterscheiden, z.B. Bildschirm XY123 und Bildschirm XY1234. Auch unser Framework ist natürlich immer gleich – Wir sind ja auch ein Onlineshop. Google gefällt das überhaupt nicht.

Aber auch Bounce Rates sind für uns ein Thema. Viele Kunden googeln nur schnell ein Produkt, weil sie eine bestimmte Information suchen, überfliegen unsere Produktbeschreibung, weil sie z.B. nur die Maße wissen wollen und verlassen dann die Seite – Wieder schlecht in Googles Augen.

Die Suchmaschinenoptimierung hat sich in den letzten Jahren stark gewandelt. Wie geht ihr dabei heute vor?

SEO war früher relativ einfach. Seite erstellen, mit Keywords vollstopfen (am besten noch in weißer Schrift bei weißem Hintergrund) und sich Millionen von Spamlinks generieren lassen. Und Zack, Platz 1. Die Suchergebnisse sahen auch dementsprechend minderwertig aus. Doch daran hat Google gearbeitet – Mit Erfolg. Man muss schon wirklich seltsame Sachen suchen, um derart fragwürdige Ergebnisse wie z.B. 2003 zu erzielen.

Wir setzen mittlerweile auf originalen und qualitativ hochwertigen Content wie z.B. unseren WLAN-Ratgeber oder unsere Know-how Artikel zum Thema VPN mit Windows 10. Auch haben wir ein Informationsportal erstellt, in dem ein Glossar enthalten ist sowie Informationsartikel, Kaufberatungen und Knowhow Artikel. Es befindet sich noch im Aufbau, aber es kommen regelmäßig neue Dinge hinzu.

Welche Pläne verfolgt ihr für die Zukunft? Wie geht es mit dem Shop weiter?

Der Shop wird natürlich ständig optimiert und verbessert. – Vor allem die Artikelpflege von Hand geht in die Zeit und in die Länge. Aber wir planen auch eine Erweiterung der Funktionen wie ein Geschäftskundenbereich und andere Besonderheiten die nicht jeder Shop anbietet. Genaueres darf ich hierzu leider nicht verraten..

Auf Dauer ist das Ziel die Unabhängigkeit von Suchmaschinen durch Stammkunden.

Zum Schluss würde ich mich über deine wichtigsten Tipps für neue Shop-Betreiber freuen.

Erwartet nicht gleich den Reibach. Wer mit genügend Motivation und Biss sowie Leidenschaft das große Projekt „Online Shop“ angeht, der wird es auch zu etwas bringen. Gut fährt, wer neben seiner Hauptbeschäftigung finanziell unabhängig, langsam und ordentlich ein Online-Business aufzieht.

Aber das Online Business birgt auch sehr viele Gefahren. Man muss sich ständig mit neuen gesetzlichen Regelungen herumschlagen und diese durch regelmäßige Änderungen berücksichtigen. AGB-Änderungen sind nur das kleinste Übel. Es gibt aber auch für viele Produkte spezielle Gesetze, an die man sich halten muss, wie z.B. das Elektrogesetz. Da man mit seinem Shop selbst genug beschäftigt ist und niemand Lust darauf hat, sich durch Gesetzestexte zu wühlen oder sich widersprüchliche Informationen von diversen Webseiten herauszuschlagen, empfiehlt es sich, für geringe Gebühren bei einer der zahlreichen AGB-Servicedienste ein Abo für Rechtstexte zu beschaffen. Wir selbst arbeiten z.B. mit der IT-Recht-Kanzlei zusammen. Hier bekommt man für verschiedene Shopsysteme und Plattformen passende AGBs und andere Rechtstexte und auch immer aktuelle Informationen zu neuen Gesetzen oder Urteilen, so dass man sich mit relativ wenig Zeitaufwand absichern kann.

„Geringe Gebühren“ bezieht sich hierbei auf den Vergleich zu den Kosten einer Abmahnung. Abmahnungen* sind das Schlimmste, was kleinen Onlineshops passieren kann. Meist geht es um Wettbewerbsrecht, man muss nur eine falsche Preisangabe machen oder ein paar falsche Worte im Artikeltext haben oder Angaben vergessen, schon geht es um sehr hohe Streitwerte mit entsprechend hohen Anwaltsgebühren. Hier ist meine Hauptempfehlung, sich vorher intensivst mit den gesetzlichen Anforderungen der zu verkaufenden Artikel auseinanderzusetzen. Sonst ist der Traum schneller zu Ende, als gedacht.

Danke für das Interview

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3 Gedanken zu „Der tägliche Kampf mit Google, Amazon und Co. – Interview mit einem Online-Shop“

  1. Super Artikel, super Interview! Da wir gerade auch an vielen Pros und Cons für uns selbst und einem möglichen Shop arbeiten, hilft das Interview wieder ein Stück mehr. Das Thema Recht im Netz ist echt ein komplexes Thema in DE. Leider.

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  2. Hallo Peer,
    ein super Informativen Beitrag den du/Ihr hier Verfasst habt.
    Ich persönlich finde es gut das Google und co. sich in letzter Zeit so entwickelt haben, da jetzt auch mehr auf Qualität geschaut wird und nicht jeder der eine Homepage hat, gut gerankt wird!

    MFG :)

    Antworten

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