Lohnt sich ein Online-Shop noch? Abmahnungen und andere Probleme

Lohnt sich ein Online-Shop noch? Abmahnungen und andere ProblemeDie Statistiken sind erschreckend. Fast 50% aller deutschen Online-Shop Betreiber wurden laut Trusted Shops in den letzten 12 Monaten mindestens einmal abgemahnt. Dabei lagen die Kosten im Schnitt bei 1.300 Euro.

Dabei sind immer öfter die umstrittenen Abmahnvereine beteiligt. Wie schon bei manch einem Abmahn-Anwalt scheinen hier eher wirtschaftliche Interessen im Vordergrund zu stehen, als den potentiellen Kunden zu helfen.

Doch das sind nicht die einzige Herausforderungen, denen sich Shopbetreiber gegenübersehen.

Was bedeutet das gerade für kleine Online-Händler? Lohnt es sich noch einen Online-Shop zu betreiben?

Lohnt sich ein Online-Shop noch?

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Für die großen Online-Shops stellen die Abmahnungen* nicht wirklich eine Existenzbedrohung dar. Ich könnte mir vorstellen, dass so eine Abmahnung, die auf ein rechtliches Problem hinweist, manchmal günstiger ist, als mit der Suche nach rechtlichen Problemen eine große Agentur oder Kanzlei zu beauftragen.

Die Abmahnung-Kosten sind aber vor allem für die vielen kleinen Online-Händler mit Sicherheit ein harter Brocken. Ich kenne selber ein paar lokale Händler, die durch einen Online-Shop noch ein paar Euro mehr im Monat dazu verdienen möchten. Und dabei handelt es sich wirklich nur um ein paar Euro.

Laut eRecht24 ist die Zahl der Abmahnungen wieder angestiegen. Im Wiederholungsfall wird es sogar meist noch deutlich teurer. Das kann für kleine Online-Shops sehr schnell existenzbedrohend sein.

Gründe für Abmahnungen

Die eigentlich Frage, die sich beim Anblick dieser Zahlen stellt, ist: “Wie kann es sein, dass so viele Shopbetreiber bereits abgemahnt wurden?”

Sind fast alle deutschen Shopbetreiber kriminell veranlagt und wollen ihre Kunden übers Ohr hauen bzw. ihre Konkurrenz schädigen?

Das glaube ich persönlich nicht. Dafür kenne ich zu viele nette Shopbetreiber, auch wenn es natürlich auch schwarze Schafe gibt.

Ich sehe dafür einige andere Gründe:

  • Viele, vor allem kleine Onlineshopbetreiber, beschäftigen sich gar nicht richtig mit den rechtlichen Vorschriften. Es ist halt so einfach heute einen Online-Shop zu eröffnen. Viele Shopbetreiber übersehen dabei, dass es in Deutschland eine Menge Vorschriften für Online-Shops gibt.
  • Die rechtlichen Vorschriften sind auf sehr viele Gesetze verstreut und teilweise einfach nicht so eindeutig. Zudem ändern sich alle paar Monate Vorschriften und Gesetze, die auch Online-Shops betreffen. Und wenn Shopbetreiber schon eine Agentur beschäftigen, dann meist nur für die Erstellung des Shops und nicht für die rechtliche Betreuung.
  • Gerichtsentscheidungen schaffen Unsicherheit. Es gab vor längerer Zeit z.B. zum Widerrufsrecht verschiedene Urteile von verschiedenen Gerichten. Somit war ein Onlineshop-Betreiber abmahngefährdet, egal ob er die gesetzliche Vorlage verwendete oder nicht. Der Abmahnende musste sich einfach das “richtige” Gericht aussuchen.
  • Marktbereinigung. Manche Abmahnungen im “großen Stil” scheinen einfach nur zur Marktbereinigung genutzt zu werden. Mit entsprechend großen Abmahnsummen bzw. Strafen im Wiederholungsfalle kann schon der ein oder andere Shopbetreiber an seine finanziellen Grenzen stoßen.
  • Und natürlich gibt es auch Anwälte und Vereine, die gut an solchen groß angelegten Abmahnungen verdienen.
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So schützt man sich vor einer Abmahnung

Dies ist keine Rechtsberatung, sondern nur die Schilderung von eigenen Erfahrungen. Deshalb auch gleich der erste Tipp:

  • Man sollte den eigenen Shop von einem Anwalt prüfen lassen. Nur so kann man halbwegs sicher gehen nicht abgemahnt zu werden.
  • Wenn einen Online-Shop, dann richtig! Man sollte einen Online-Shop nur dann erstellen, wenn man damit wirklich richtig Geld verdienen will und kann. Nur dann verdient man mit dem eigenen Shop soviel, dass man auch mal eine teure Abmahnung wegstecken kann.
  • Auf jeden Fall sollte man aktuelle Urteile und Gesetzesänderungen im Auge behalten, die für Online-Shops Auswirkungen haben, wie z.B. die kommende DS-GVO. Ein Onlineshop ist nichts, was man mal so eben nebenbei betreut.
  • Man muss ausreichend Zeit zur Betreuung des eigenen Onlineshops haben. Ist das nicht der Fall, sollte man mit einem Experten einen Wartungsvertrag abschließen.
  • Mitglied bei Trusted Shops, dem Händlerbund oder auch bei eRecht24* zu werden, ist keine schlechte Idee. Ohne jetzt zuviel Werbung für diese Anbeiter zu machen, aber dort bekommt man gerade als Online-Händler viele Informationen, Vorlagen und praktische Hilfe und umgeht damit viele potentielle Abmahnfallen. Für größere Online-Shops ist auf jeden Fall eine lohnende Sache.

Hattest du schon mal rechtliche Probleme mit deinem Online-Shop?

Ergebnis anschauen

Übrigens gibt es aktuell wieder eine Petition, die eine Reform des wettbewerbsrechtlichen Abmahnwesens fordert und damit dem Missbrauch Einhalt gebieten will. Bitte unterzeichnet diese Petition zahlreich und teilt diese auf euren sozialen Profilen.

Weitere Probleme und Herausforderungen für Online-Shops

Viele der folgenden Probleme betreffen nicht nur einen neuen Online-Shop, sondern auch andere Unternehmen. Doch bei einem Shop kommen diese zusammen und durch die meist sehr hohen Anfangsinvestition sind diese Herausforderungen und Probleme natürlich besonders zu beachten.

  • Konkurrenz

    Generell ist die Konkurrenz mittlerweile sehr hoch. Es gibt eine große Zahl an Shops in vielen Nischen. Fast alle Bereiche sind bereits besetzt und populäre Produkt-Kategorien sind völlig überlaufen. Es ist mit einem neuen Shop oft schwer etwas besonderes anzubieten, was aber wichtig ist, will man sich nicht ausschließlich auf einen Preiskampf einlassen.

  • Amazon

    Neben der Masse an Shops machen vor allem auch große Online-Shops Probleme. Amazon ist mittlerweile sehr dominant und viele Nutzer bestellen dort, selbst wenn es woanders billiger ist. Als neuer Shop ist es nicht einfach potentielle Kunden vom Kauf zu überzeugen. Zumal Amazon mit Über-Nacht-Lieferung, niedrigen Versandkosten und so weiter die Latte sehr hoch gelegt hat.

  • Google

    Reichweite ist auch für Online-Shops sehr wichtig. SEO-Maßnahmen sind heute nicht mehr so einfach wie früher und gerade Shops haben mit ihren oft einfach übernommenen Produkttexten Probleme gut zu ranken. Hier muss man viel Know How und Zeit investieren, um Erfolge zu erzielen.

  • Rabatte

    Viele kaufen nur noch in einem Online-Shop ein, wenn sie irgendwo einen Rabattgutschein finden. Durch den extensiven Gebrauch solcher Gutscheine sind viele Kunden daran gewöhnt. Je nach Branche kann das auch für neue Online-Shops ein Problem sein.

  • Rückläufer und Zahlungsausfälle

    Keineswegs unterschätzen sollte man auch den Verwaltungsaufwand. Es gibt viele Rückläufer, wobei sich das je nach Produktbereich unterschiedlich ist. Viele Kunden bestellen verschiedene Alternativen und behalten dann nur eine davon. Das sind Kosten für den Shop. Aber auch Zahlungsausfälle können Geld kosten. Das alles sollte man bei der Kalkulation berücksichtigen.

Fazit – Lohnt sich ein Online-Shop noch?

Trotz der Probleme und Herausforderungen, die ich genannt habe, kann sich ein Online-Shop auch heute immer noch lohnen. Es kommt halt sehr auf den Einzelfall an. Man muss, wie bei jeder anderen Unternehmensgründung auch, genau analysieren, wie der Markt aussieht, was die Konkurrenz macht, wie man kalkuliert, welche Marketing-Maßnahmen man nutzt und wie der eigene USP aussieht.

Die Shopbetreiber müssen sich zudem darüber im Klaren sein, dass sie neben den wirtschaftlichen Dingen, auch die rechtlichen Anforderungen im Auge behalten müssen. Sollten sie selbst nicht das Know How dafür haben, dann müssen sie sich jemanden suchen, der dies hat. Besonders kleine Online-Shops sparen oft an dieser Stelle. Spätestens nach der ersten Abmahnung merkt man dann, das es die falsche Stelle zum Geld sparen war.

Zudem sollten sich alle Online-Shop Betreiber eine finanzielle Notreserve zurücklegen. Denn wenn man sich die Prozentzahl der abgemahnten Shops anschaut, dann stehen die Chancen, dass man ebenfalls irgendwann eine Abmahnung bekommt, nicht schlecht.

Weitere Tipps und Erfahrungsberichte zum Aufbau eines Online-Shops findet ihr in diesem Artikel.

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17 Gedanken zu „Lohnt sich ein Online-Shop noch? Abmahnungen und andere Probleme“

  1. Richtig oder gar nicht. So ein bißchen am Verkaufen schnuppern, ist zu riskant. Daher habe ich mich bisher immer wieder entschieden, doch keinen Shop einzurichten und bin auch sehr vorsichtig geworden, bei ebay als Profiverkäufer aufzutreten.

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  2. Eigentlich ist es schon schade, dass man mittlerweile für den erfolgreichen Betrieb eines Onlineshops einen guten Anwalt und ein noch besseres Verhältnis zu diesem als Grundvoraussetzung ansehen muss, aber so ist es tatsächlich.

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  3. Das man einen Anwalt mittlerweile benötigt ist wirklich nicht in Ordnung. Man muss sich nur zum Vergleich mal die Eröffnung eines normalen Ladengeschäftes anschauen.
    Dort gibt es viele Regelungen zu beachten und man muss einige Wege in Kauf nehmen. Trotzdem ist alles klar geregelt und man blickt durch die Materie durch.
    Da muss keiner zum Anwalt rennen und trotzdem noch Abmahnungen der Konkurrenz fürchten.

    Abmahnungen als Mittel gegen “böse” Shops muss es auch in Zukunft geben. Aber es sollte einfach eine sichere Basis für Shopbetreiber geschaffen werden. Hier regiert noch zuviel Unsicherheit. Aber vielleicht kommt das ja noch.

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  4. Wirklich Schade, daß mit Abmahnungen so viele Shopbetreiber fast in den Ruin getrieben werden. Da ist es soch überlegenswert, selber einen Abmahnverein zu gründen :-)

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  5. @wolfgang
    Na ja, die abmahnung als instrument ist ja ok. der missbrauch dieses – das ist verwerflich.

    die studie hat ja auch gezeigt, dass viele zu recht abgemahnt wurden. wie schon geschrieben – ein online shop ist nichts, was man mal so eben nebenbei macht. und gerade die möchtegern-händler pfeifen auf gesetzliche vorschriften. und da ist eine abmahnung sicher nicht ganz unnötig. ob zu diesen “preisen” ist eine ganz andere sache…

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  6. Einfach einem Abmahnverein beitreten :-) Das löst schon extrem viel. Oder eine Firma im Ausland gründen.
    Die deutsche Abmahnwelle zeigt nur eins: “Jeder ist sich selbst der Nächste!” Auch ein Baustein für die Tatsache: Deutschland katapultiert sich wirklich ins digitale Niemandsland und was ab Ende Mai auf Shops und eigentlich jeden Betreiber einer Webseite zukommen mag, wird sicherlich auch nicht schön.

    “Nebenbei” – das heißt auch mit 0 Euro Kapital zu starten – ist im Internet Geld verdienen ist meiner Ansicht nicht mehr möglich, wenn man sich nicht intensiv mit allen Aspekten einer Unternehmensgründung und – typisch deutsch – mit steuerlichen und v.a. rechtlichen Themen auseinandersetzt.

    Der Witz: Es war ja noch nie so einfach online was zu starten. Mit wenig Kapital sogar. Aber kommt mal eine Abmahnung, bedeutet das leider oft das Aus. Das ist auch keine Schwarzmalerei.

    Vielen Dank für den Beitrag.

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      • Vor allem, wenn man auch mit Facebook und anderen Sozialen Medien auch Geld machen kann. Ebenso gibt es kostenlose Hosting/Domain-Möglichkeiten etc.etc…
        Ja okay, Gewerbeanmeldung kostet ja ca. 25€….

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  7. Ich betreibe seit sechs Jahren einen kleinen Onlineshop, der aus einem Hobby entstanden ist.

    Der Shop läuft gut, aber ist ganz klar ein Nebenerwerb. Laufende Kosten (außer Hosting) habe ich bisher möglichst vermieden.

    Bisher habe ich keine kostenpflichtige Hilfe in Anspruch genommen, sondern ausschließlich kostenlose Hilfen und AGB-Generatoren in Anspruch genommen.

    Jetzt (wegen der anstehenden Verschärfung) werde ich wahrscheinlich eine kostenpflichtige Lösung in Anspruch nehmen. Hauptsächlich wegen der Haftungsübernahme.

    Hat jemand Erfahrungen mit dem Basic-Paket vom Händlerbund gemacht?

    Mein Shop ist ein Woocommerce-Shop über WordPress.

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  8. Es ist wirklich ein Armutszeugnis was in der “Online” Rechtsprechung passiert, ich sage nur DSGVO im Mai diesen Jahres, wir können uns auf interessante Beiträge hier freuen.

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  9. Auch vor den vielen gesetzlichen Änderungen die in den letzen Jahren gekommen sind, war das betreiben eines guten Online-Shops keine Sache die man neben bei macht. Es ist mittlerweile wahrscheinlich genau andersherum. Wenn man einen Online-Shop betreibt kann man einen Verkauf vor Ort leichter umsetzen.

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  10. Vielen Dank für den Beitrag. Es ist immer noch eine Unverschämtheit, wie die Gesetzgebung einfache Webseitenbetreiber im Stich lässt. Man fühlt sich alleine gelassen. Fragen über Fragen. Was bleibt? Verunsicherung.

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  11. Sehr gut geschriebener und informativer Artikel :-)
    Einer seits ist es wirklich sehr einfach einen Online-Shop heutzutage zu eröffnen aber auf der anderen Seite ist es auch richtig das es so leicht ist, denn wenn es kompliziert wäre würden viele davor abschrecken und wir könnten nie die günstigen Produkte wie wir sie setzt konsumieren erhalten

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  12. Vielen Dank für den Beitrag zum Thema Online-Shop. Mein Bruder möchte einen online Großhandel für Handyzubehör ins Netz stellen und fragt sich, was es dabei zu beachten gibt. Gut zu wissen, dass es nicht wenige Vorschriften bei Online-Shops zu beachten gibt, die oft vernachlässigt werden.

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  13. Danke für Deinen informativen Beitrag. Es macht durchaus Sinn, sich zuvor mit einem Anwalt zu beraten. Zudem bieten die meisten Shopanbieter (zb. Shopify) jede Menge Informationen an. Die Vorschriften sind eigentlich eindeutig, jedoch nicht immer einfach umzusetzen.

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