Onlineshop Gründung – Lohnt sich das noch?

Die Fragestellung in der Überschrift lässt sich – aus meiner Sicht als aktiver Onlineshop-Betreiber – relativ einfach mit einem ernstgemeinten, eindeutigen “Ja” beantworten. Unter welchen Voraussetzungen eine sich wirtschaftlich tragende Onlineshop Gründung meiner Erfahrung nach möglich ist, möchte ich allen Interessenten in diesem Artikel genauer verdeutlichen.

Dazu habe ich einige, der mir von (angehenden) Onlineshopbetreibern meist gestellten Fragen nachfolgend sinngemäß aufgelistet. Die zugehörigen Antworten entsprechen meiner Sichtweise, die auf zehn Jahre Berufserfahrung als selbstständiger Shopbetreiber und E-Business Berater baut. Im Mittelpunkt stehen dabei die sogenannten “kleinen Shops”, welche meist von Einzelpersonen oder Familienunternehmen geführt werden.

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Die fünf meist gestellten Fragen über die Onlineshop Gründung

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1 – Warum ein eigener Onlineshop statt Marktplatzverkauf?

Diese Frage ist nicht unberechtigt. Erleben doch gerade Online-Marktplätze einen Boom mit immer weiter steigenden, gigantischen Umsätzen. Rhetorisch gesehen erinnert mich diese Art der Fragestellung an eine ähnliche Frage, die da lautet: “Warum eine eigene Webseite gestalten, wenn ich mich auch auf Facebook ausführlich präsentieren kann?”

Auf beide Fragen kann man eine fast identische Antwort mit dem folgenden, sinngemäßen Wortlaut geben: In erster Linie aus Imagegründen. Wer ein Unternehmen jeglicher Art führt, kommt an einer aussagekräftigen Firmenwebseite nicht vorbei – egal ob reiner (1 Person) Dienstleister oder produzierendes Gewerbe mit Millionenumsätzen. Gleiches gilt auch für einen Onlinehändler, der seinem Geschäft einen Gesicht geben möchte.

Wer das Ziel vor Augen hat, seinen Lebensunterhalt (zukünftig) mit dem Onlinehandel zu bestreiten und sich dabei mit seinem Geschäft auch “einen Namen zu machen”, der kommt an einem eigenen Onlineshop nicht vorbei. Zumal das Eine (der eigene Shop), das Andere (den Marktplatzverkauf) nicht ausschließt. Jedes professionelle Shopsystem lässt sich per externer Warenwirtschaft oder durch integrierte Tools, mit so ziemlich allen bekannten Marktplätzen verbinden. Man befüllt sozusagen lediglich seinen eigenen Onlineshop mit Ware. Diese wird dann vom Shop aus, an alle weiteren, vernetzten Abverkaufsstellen automatisch weitergereicht.

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Der eigene Shop gibt dem Verkäufer eine Identität

Der große Vorteil, den ein eigener Onlineshop mit sich bringt, liegt darin, das er dem Verkäufer eine Identität gibt. Man hat “seinen Laden” im Internet: Jederzeit geöffnet – jederzeit erreichbar. Damit stellt man zugleich eine sogenannte Hausnummer da. Der Käufer hat jederzeit vor Augen, wo seine gekauften Produkte herkommen, wie der Shop aufgebaut ist und auch wie der Shopbetreiber “tickt”, der für Verkauf und Versand die Verantwortung trägt. Ein sehr gut gestalteter Shop kann durchaus beim Kunden zu einer engen, emotionalen Verbindung führen.

Wer sich hingegen als Verkäufer nur allein auf den direkten Handel über Marktplätze versteift, muss sich damit abfinden, dass er trotz aller Aktivitäten für immer einer von vielen tausend gesichtslosen, täglich austauschbaren Händlern “ohne Namen” ist und bleibt. Zudem ist jeder Marktplatzhändler stets ein Spielball der Verantwortlichen.

Vor allem ein ganz großer Marktplatz ist in letzter Zeit wiederholt dadurch aufgefallen, das er sich sehr rigoros von Händlern trennt, die (angeblich) gegen Vorschriften verstoßen. Wie die Wahrheit im Detail aussieht, ist in solchen Fällen zweitrangig. Der Betreiber hat das Hausrecht und ist somit im Recht. Wer als reiner Marktplatzhändler vom Betreiber ausgeschlossen wird und kein zweites Standbein – zum Beispiel in Form eines eigenen Onlineshops – hat, steckt dann von heute auf morgen in ganz heftigen wirtschaftlichen Schwierigkeiten.

Lieber frühzeitig vorbeugen als im Notfall “Erste Hilfe” anzufordern

Ich will da jetzt nicht den Teufel an die Wand malen, aber ich habe es schon öfters erlebt, das mich Marktplatzhändler hektisch um Hilfe baten. Ihnen war der Verkaufsaccount dicht gemacht worden uns sie saßen noch auf einem großen Haufen neuer Ware. Sie brauchten nun “ganz schnell” einen eigenen Onlineshop. Technisch gesehen ist das mit dem “ganz schnell” in gewisser Weise noch hinzubekommen. Sich mit seinem Shop dann aber einen vertrauenswürdigen Namen (Stichwort “Branding”) zu machen, ist – vergleichbar mit dem Aufbau einer erfolgreichen Affiliate Nischenseite – definitiv nicht von gleich auf sofort möglich.

Aus diesen Gründen mein Tipp an alle, die professionell dauerhaft in den E-Commerce einsteigen wollen: Nutzt einen eigenen Onlineshop. Auch wenn er dann im Endeffekt “nur” als Basisstation für andere Verkaufsstellen dient. Er gibt dem eigenen Geschäft ein prägendes Gesicht und schafft von Beginn an für mehr Vertrauen bei den Kunden.

2 – Ist Aufbau und Betrieb eines eigenen Onlineshops nicht zu kompliziert?

Solche Gerüchte machen seltsamerweise des öfteren die Runde. Warum das so ist, kann ich nicht sagen. Ich weiß aber aus eigener Erfahrung, das da absolut nichts dran ist. Es gibt über ein Dutzend professioneller Shopsysteme, die für den deutschen Markt geeignet bzw. konzipiert sind. Diese werden kontinuierlich den aktuellen Gegebenheiten angepasst, stets mit der Hauptausrichtung auf eine möglichst einfache, logische Bedienfunktion für alle Beteiligten – den Kunden und dem Betreiber.

In einigen aktuellen Onlineforen, in denen sich vorwiegend erfahrene Händler austauschen, wird oftmals der “guten alten Zeit” von vor fünf bis zehn Jahren hinterher geweint. Einer Zeit, in der man (angeblich im Gegensatz zu heute) ohne Komplikationen und ohne allzu großen Aufwand, mal eben auf die Schnelle einen Shop ins Netz stellen konnte. Wohlgemerkt einen Shop, der sofort Erträge abwarf und nicht allzu viel Arbeit machte. In meinen Augen sind solche Aussagen verträumte Schonfärberei. Ich behaupte eher das Gegenteil.

Aufbau und Pflege eines Onlineshops sind einfach wie nie zuvor

Meiner Auffassung nach war es nie einfacher als heute, um in kurzer Zeit einen markttauglichen Onlineshop für kleines Geld an den Start zu bringen. Wer jetzt seinen Onlinehandel mit einem professionellen Shopsystem startet (die gibt es mitunter tatsächlich für lau!), bekommt alle notwendig zu befolgenden rechtlichen (Widerruf etc.), optischen (Responsive Web-Design) und technischen (SSL-Zertifikat etc.) Standards gleich mitgeliefert. Der Händler bekommt quasi die “Spielregeln” samt offizieller Starterlaubnis für den globalen Wettbewerb auf dem goldenen Tablett direkt vom Hersteller frei Haus serviert.

So kann heute jeder Shopbetreiber mit ein bisschen “Rumklickerei” im Adminbereich des Shopsystems, in wenigen Stunden ein modernes, geräteübergeifendes, markttaugliches Template erstellen. Bei meinen Anfängen in der “E-Commerce Pionierzeit” vor gut zehn Jahren, war die individuelle Templategestaltung des Shops eine extrem zeitaufwendige Detektivarbeit. Man war in erster Linie auf sich allein gestellt und musste gucken, von wo man welche hilfreiche Information herbekommt. Stets verbunden mit der Hoffnung, das die so erlangten Tipps und Tricks auch tatsächlich funktionierten.

Der Aufbau eines halbwegs ansehnlichen Layouts zog sich deshalb mitunter über Wochen hin und erforderte einen ziemlich hohen Aufwand. Und wenn man dann richtig viel Pech hatte, lag das in nächtelanger Handarbeit zusammengeschusterte Template bereits nach dem nächsten Browserupdate wieder in Trümmern. Soviel zum Thema “Damals war die Shopgründung technisch gesehen einfacher”.

Die organisatorischen Auswirkungen eines Shopbetriebs

Ein Shop der erfolgreich physische Produkte verkauft, bringt eine händisch zu absolvierende Aufgabe mit sich. Die bestellte Ware muss schnell und sicher beim Kunden auftauchen. Während mal als privater Verkäufer den Versand auch mal schleifen lassen kann, hat man als Händler sofort zu agieren. Im Idealfall ist nach einer vorab bezahlten Bestellung, das Paket noch am gleichen Tag versandbereit.

Bei einer einzigen Bestellung pro Tag ist die Versandvorbereitung noch problemlos alleine zu schaffen. Doch bereits ab zehn Bestellungen täglich wird das verpacken zu einer Herausforderung. Speziell wer sein Gewerbe nebenberuflich startet, wird dann an zeitliche wie logistische Grenzen stoßen. Es müssen ja auch Versandlabels, Lieferscheine und Rechnungen gedruckt werden. Zudem müssen die versandbereiten Pakete irgendwo zwischengelagert werden und wer bringt sie wann zum Paketshop bzw. welcher Paketdienst holt sie wann ab? Und wer kümmert sich um die wachsende Buchhaltung und wer überprüft die Retouren?

Die letzteren Überlegungen tauchen sicherlich nicht allein in Verbindung mit einem Onlineshop auf, sondern generell bei jeder Art von Onlineverkauf. Dennoch solle man sich im Vorfeld bereits Gedanken darüber machen, wie die optimale Vorgehensweise im Idealfall aussieht, also für Fall, das die Verkäufe dauerhaft ansteigen. Wenn der steigende Abverkauf für Chaos sorgt und dabei Auslieferungen auf der Stecke bleiben, kann der Erfolg ganz schnell wieder (dauerhaft) abflauen.

3 – Sind die Gesamtkosten für einen Onlineshop überhaupt tragbar?

Ein wieder und wieder vor allem von Marktplatzbetreibern gern verwendetes Argument, das gegen einen eigenen Onlineshop sprechen soll, sind die angeblich damit verbundenen hohen, laufenden Kosten. Sorry, aber das ist totaler Nonsens! Ich habe selber (mehrfach) die Erfahrung gemacht, dass ein jeder, der als Kaufmann nüchtern und überlegt wirtschaften kann, mit jedem zur Verfügung stehenden Budget, einen soliden, wettbewerbsfähigen Onlineshop betreiben kann.

Wer als Onlinehändler gut vorbereitet startet, kann bereits mit Beträgen von unter 10 Euro monatlich (inklusive Hosting) einen professionellen Shop betreiben. Steigen mit der Zeit die Zugriffszahlen und Bestellungen, sind die dann notwendigen, technischen Erweiterungen jederzeit machbar. Damit steigen dann zwar die laufenden Kosten, aber selbst für den professionellen technischen Betrieb eines “heiß begehrten” Onlineshops, sind kaum mehr als 50 bis 100 Euro monatlich notwendig. Das gilt auch dann, wenn der Shop richtig durch die Decke geht und einige tausend Bestellungen im Monat bedient werden müssen.

Ein aktuelles Beispiel

Bei mir sieht es aktuell so aus, das mich mein Shop inklusive Hosting, Hersteller-Support und einem (relativ teuren) Abo für eine rechtliche Absicherung durch einen Fachanwalt überschaubare 50 Euro pro Monat kostet. Demgegenüber stehen monatliche Nettoerträge, über die sich sogar der eine oder andere Festangestellte in Vollzeit freuen würde. Da mein Shop für mich dennoch eher ein “Nebengewerbe” darstellt und ich mich selber auch problemlos in die Kategorie “Wohnzimmerhändler” (ohne Fremdpersonal) einordne, gibt es für mich wirtschaftlich betrachtet, nicht viel zu meckern.

Die mit Abstand größte Kostenstelle bei meinen monatlichen Shop-Aufwendungen, bildet mein sogenanntes “Anwalt-Abo” mit knapp 30 Euro. Dabei handelt es sich um eine monatliche Kostenpauschale für einen Rechtsanwalt, der sich dafür persönlich um die permanente Rechtssicherheit (AGB, Datenschutzangaben, Impressum etc.) meines Onlineshops kümmert und auch dafür haftet. Solche “Internetrecht Flatrates” bieten viele Anwälte bzw. Portale online bereits ab 9,90 Euro monatlich an.

Ich kann nur jedem Shopbetreiber dazu raten, so eine Abmahnabsicherung von Beginn an abzuschließen. Man erspart sich so manche schlaflose Nacht. Vor allem dann, wenn mal wieder konfuse Abmahnungswellen von selbst ernannten Verbraucherschutzvereinen über Deutschlands Onlinehändler herfallen. Zudem sorgt meiner Erfahrung nach allein der Hinweis im Shop (speziell auf der Impressum Seite), dass für die rechtlichen Angaben eine externe Rechtsberatung haftet, für eine gewisse Abschreckung bei den professionell agierenden Abmahnern.

Lasse ich die erwähnte, monatliche Anwaltspauschale, ebenso wie den kostenpflichtigen (freiwilligen) Herstellersupport für mein Shopsystem außen vor, habe ich monatlich lediglich technisch bedingte, betriebliche Aufwendungen von weniger als 10 Euro zu tragen.

Alles braucht seine Zeit

Die Akzeptanz meines Shops bei den Kunden, kam natürlich nicht von heute auf morgen zustande. Das brauchte schon seine Zeit. Auf der anderen Seite hatte ich aber auch nie ein großes Risiko zu tragen. Die Startinvestition bei meinem ersten Onlineshop betrug 500 Euro für den Wareneinsatz. Hinzu kamen natürlich zahlreiche Arbeitsstunden für dem Shopaufbau in Eigenleistung. Dennoch kann ich behaupten, dass sich mein Shop trotz sehr beschaulicher Besucher- und Kundenzahlen in der Anfangszeit, bereits nach einigen Monaten amortisiert hatte.

Ein kleiner Shop ist nicht unbedingt gleichbedeutend mit kleinen Einnahmen

Mein – eigenes – kleines Beispiel soll hier aber nicht stellvertretend für alle “kleinen Shops” gelten. Bloß nicht. Für mich ist es – wie bereits schon erwähnt – von Beginn an, ein attraktives Nebengewerbe, welches mal mehr und mal weniger abwirft. Ein Shopbetrieb kann in Bezug auf Umsatz und Erträge auch für einen “kleinen Händler” ganz anders aussehen.

Ich kenne einige Shopbetreiber, die als Einzelperson bzw. als reines Familienunternehmen aktiv sind und im Jahr sehr hohe sechsstellige Umsätze mit sehr attraktiven Erträgen erwirtschaften. Viele von ihnen agieren dabei erfolgreich in einer Nische. Deshalb sind die meisten von ihnen auch der breiten Öffentlichkeit nicht bekannt. Zudem tauchen sie auch in keiner dieser ominösen “Die 100 tollsten, wichtigsten, besten, schönsten oder was-auch-immer Onlineshops” Statistiken auf. Sie ziehen stattdessen “in aller Ruhe” ihr eigenes Ding erfolgreich durch.

4 – Ist denn noch “irgendwo” Platz für einen weiteren Onlineshop?

Platz ist bekanntlich in der kleinsten Hütte – man muss ihn nur finden und anschließend möglichst erfolgreich verteidigen. Rein technisch gesehen ist im Internet ausreichend freier Platz vorhanden. Die eigentliche Herausforderung besteht vielmehr darin, sich einen Platz an der (E-Commerce) Sonne zu erkämpfen, um nicht auf Dauer im Regen (das ist sozusagen für jeden neuen Shop die Startposition) stehen zu bleiben.

Wie in meiner Einleitung bereits kurz angedeutet, kommt es bei jedem neuen Onlineshop in erster Linie auf das Zusammenspiel von Inhalt und Verpackung an. Im Idealfall produziert, vermarktet und verkauft man seine eigenen, einzigartigen (“unique”) Artikel nur über den eigenen Shop. Damit baut man sich zugleich sein eigenes Markenimage (den sogenannten “Brand”) auf.

Eine Waren-Eigenproduktion ist natürlich eher die Ausnahme als die Regel. Nicht jeder hat die Möglichkeit und das Talent um in seinen eigenen vier Wänden, Produkte zu erschaffen, nach denen schon immer weltweit gesucht wurde. Der Normalfall besteht aus dem reinen Abverkauf von Standardprodukten, die bereits am Markt verfügbar sind und von Fremdherstellern stammen. Doch auch für diese Artikel gibt es noch einen freien Platz. Vor allem dann, wenn man über eine gewisse Kreativität verfügt und seine eigene Produktlinie an den Start bringt – mit Produkten von Fremdherstellern versteht sich.

Alles ist verkäuflich – sofern Käufergruppen vorhanden

Aus meiner Sicht gibt es in keiner Branche nennenswerte Einschränkungen. Vielmehr gilt für alle Branchen die gleiche Regel: Wer als Kaufmann beim Wareneinkauf daneben greift, wird überall mit dem Abverkauf Probleme haben. Egal ob er es im eigenen Onlineshop, im Ladengeschäft, auf Floh- und Wochenmärkten oder auf den Online-Marktplätzen versucht. Wer heute mit dem Verkauf von gebrauchten Desktop-PCs und Notebooks startet, die schon fünf Jahre und mehr auf dem Buckel haben, wird sicherlich nirgendwo Erfolg haben. Ware, die keiner haben will, kauft keiner – nirgendwo.

Einem heutigen Neugründer empfehle ich zu einer Spezialisierung auf ein bestimmtes Genre. Ich bin zum Beispiel seit Jahren mit einem Shop erfolgreich, der sich auf second-hand Produkte spezialisiert hat. Damit bin ich wahrlich nicht der einzige Anbieter. Im Gegenteil, es gibt da einen ziemlich harten (mitunter auch rauen) Wettbewerb. Das ist aber nichts wirklich neues. Das war schon immer so und wird auch immer so sein.

Kleine Sahnestücke und große Nischenkrümel

Im direkten Vergleich vom Onlinehandel von vor zehn Jahren (als ich anfing) und heute, sehe ich im direkten Wettbewerb keine gravierenden Veränderungen. Natürlich gibt es heute deutlich mehr Onlinehändler, die in direkter Konkurrenz zueinander stehen – es gibt aber auch deutlich mehr Kunden, deren Bedürfnisse zu bedienen sind. Mit anderen Worten: Es wollen immer mehr etwas vom Kuchen abhaben, welcher sich aber (noch) permanent vergrößert und somit dem Ansturm standhält.

Ich hab‘ mir meine Nische in der Nische erkämpft und bisher erfolgreich verteidigt. Zwei weitere Shops im gleichen Segment und mit der gleichen wirtschaftlichen Ausrichtung sind bei mir für 2018 in Planung. Um diese Vorhaben erfolgreich umsetzen zu können, ist vor allem eine umfangreiche Vorabplanung Bedingung. In meinem Fall sieht es so aus, dass ich für meine neue Geschäftsidee vor allem den internationalen Verkauf sehr intensiv fokussiere.

Aller Anfang ist schwer

Wenn ich mit meinem neuen Shop demnächst starte, stehe ich vor der gleichen Herausforderung wie jeder andere (kleine) Onlinehändler, der nicht ausreichend Geld in der Portokasse hat, um sich TV-Werbung oder große Werbekampagnen zu leisten. Die zu beantwortende Frage dazu lautet: Wo bekomme ich ausreichend Traffic her? Eine allgemein passende Universalantwort gibt es leider nicht. Ich kann da nur ansatzweise den globalen Tipp geben: Holt eure potentiellen Kunden da ab, wo sie zuhause sind. Dazu muss man natürlich seine Zielgruppe kennen, bzw. sie zumindest am Anfang für sich selber definiert haben, um deren “Wohnort” zu finden.

Bei mir sieht es so aus, das meine Zielgruppen aus meist männliche Personen im Alter von 45+ bestehen. Die finde ich nicht bei Facebook, Twitter und Instagram, sondern vor allem ganz “old school” über Anzeigen in verschiedenen Fachzeitschriften, über den Austausch in Onlineforen und vor allem über eine gut funktionierende Mund-zu-Mund Propaganda zufriedener Kunden. Als technisches Gerät nutzen über 70% meiner Shopbesucher den herkömmlichen Desktop PC.

Bei einem anderen Shopbetreiber, den ich seit seinen Anfängen umfassend berate, sieht es hingegen ganz anders aus. Weit mehr als die Hälfte seiner Besucher (vorwiegend weiblich und im Alter von 25+) finden seinen Shop über Facebook und über Instagram. Der direkte Kontakt erfolgt entsprechend zu mehr als 60% über mobile Endgeräte, wobei dafür vorwiegend das Smartphone genutzt wird. Die Versuche des Shopbetreibers auch über Printmedien neue Kunden zu gewinnen, entpuppten sich als totaler Flop. Das Empfehlungsmarketing (also die bereits erwähnte Mund-zu-Mund Propaganda) funktioniert in seiner Zielgruppe hingegen ebenfalls hervorragend. Das sich diese Methode aber nicht von heute auf morgen in Bewegung setzt, sondern sich erst nach einer gewissen Vorlaufzeit durch Mehrfachkäufe zufriedener Kunden aktiviert, sollte mit einkalkuliert werden.

Als kleines Zwischenfazit kann man entsprechend festhalten, das vor allem zufriedene Kunden die Basis eines wirtschaftlich florierenden Onlinehandels bilden. Dabei macht sich der große Vorteil eines eigenen Onlineshops im Vergleich zu einem reinen Marktplatzverkauf deutlich bemerkbar. Ein Kunde, der auf dem Marktplatz von Ebay oder Amazon einkauft und zufrieden ist, der merkt sich deren Namen und kauft auch dort wieder ein. Wer aber tatsächlich der eigentliche Verkäufer ist, haben die allermeisten von ihnen bereits nach der erfolgten Bestellung wieder vergessen. Warum sollte man sich dort auch einen Verkäufer merken, wenn die dort alle irgendwie austauschbar sind.

Einen attraktiven Platz bei den Suchmaschinen finden

Der Ehrlichkeit halber muss ich bestätigen, das es alles andere als einfach ist, einen neuen Onlineshop “in Gang” zu bringen. Das A und O – um überhaupt von potentiellen Kunden über die Suchmaschinen wahrgenommen zu werden – besteht darin, sich von Anfang an mit den Google Richtlinien für den Seitenaufbau vertraut zu machen. Wer das nicht akzeptiert, hat schlechte Karten.

Die Vorgehensweise ist dabei relativ einfach. Sie kostet lediglich Zeit und einige Überlegungen. Alle aussagekräftigen Seiten eines Shops (die Startseite, die Kategorien, die internen Infoseiten) benötigen auf jeden Fall einen eigenen Titel und eine eigene Seitenbeschreibung (die “meta description”). Diese Angaben müssen natürlich – wie üblich bei erfolgsorientierten Webseiten – mit den Seiteninhalten übereinstimmen.

Wichtig zu wissen in diesem Zusammenhang ist die Tatsache, das die Inhalte von Webshopseiten bei Google nicht sehr beliebt sind. Bekannterweise liebt Google einzigartigen Content. Das ist speziell bei den einzelnen Produktdetailseiten schwer umsetzbar. Die meisten der dort angegebenen Infos stammen direkt vom Hersteller und sind häufig inhaltlich nicht zu ändern (technische Angaben bei Elektroartikeln, Inhaltsstoffe bei Futtermittel etc.) und auch nur sehr selten sinnvoll zu ergänzen. In vielen Fällen wird eine Überarbeitung der gelieferten Produkttexte von Hersteller generell nicht gestattet.

Der Standardcontent (die einzelnen Produktbeschreibungen) muss also um eigene Inhalte ergänzt werden. Da ist es natürlich von großen Vorteil, wenn man als Shopbetreiber seinen Produkten gegenüber nahe steht. Auch ungeübte Texter schaffen es in der Regel mit etwas Ausdauer und über die Liebe zum Produkt, ihr Fachwissen in aussagekräftigen Content zu verwandeln. Dieser wird auf shopeigenen Infoseiten veröffentlicht und stellt den wichtigen “Unique Content” dar. Wenn der Shop zu einem späteren Zeitpunkt richtig durchstartet, lässt sich daraus ohne großen Aufwand ein eigener shopinterner Blog gestalten. Dieser entwickelt sich dann oftmals als ein dauerhafter und somit sehr ertragreicher Kundenfang.

Eine Garantie, um mit der Einhaltung all dieser Maßnahmen vom Start weg und für immer und ewig oben in den Rankings zu landen, gibt es nicht. Nach meinen Erfahrungen benötigt ein neuer Onlineshop bis zu ein Jahr Anlaufzeit, um von Google “akzeptiert” zu werden und dauerhaft in den Rankings aufzutauchen. Um nach dem Shopstart sehr schnell über die Suchmaschinen wahrgenommen zu werden, bleibt deshalb häufig nur der Umweg über die Google Ad-Words Nutzung. Ansonsten gelten für einem Shop die gleichen Maßnahmen, die auch zur erfolgreichen Positionierung einer “normalen Nischenseite” notwendig sind.

5 – Haben kleine Onlineshops also noch eine Zukunft?

Wer bis hier aufmerksam mitgelesen hat, wird meine persönliche Meinung sicherlich ahnen. Entsprechend lautet meine Antwort natürlich: Ja und nochmals Ja!

Und ja, es ist mir durchaus bekannt, das in letzter Zeit immer häufiger Statistiken durch Onlinemedien geistern, die das Gegenteil meiner Einschätzung behaupten. Da erscheinen Zeitungsartikel die behaupten, der “kleine Onlineshop” wäre so gut wie tot. Ich habe Schwierigkeiten damit, solche Art von Meldungen ernst zu nehmen. Zum einen weil sehr viele von ihnen aus den USA stammen und mit dem deutschen bzw. dem europäischen Onlinemarkt kaum übereinstimmen. Zum anderen basieren solche Statistiken meistens auf Umfragen, welche einen Auftraggeber (zum Beispiel einen Marktplatzbetreiber) haben, der seine Unternehmensziele gerne bestätigt haben möchte.

Um dem ganzen dann als Sahnehäubchen auch noch ein offizielles, hochseriöses Erscheinungsbild zu geben, werden solche Statistiken von auserwählten “E-Commerce Experten” medienwirksam in der Öffentlichkeit positiv kommentiert. Mich erinnert diese Art der Vorgehensweise an einen alten Sinnspruch der da lautet: Ein Experte ist ein Mensch, der hinterher ganz genau sagen kann, warum seine Prognose nicht eingetreten ist.

Solche nebulösen Aktionen sind ein Grund mehr für mich, bei all meinen Aktivitäten weiterhin vorrangig auf die eigenen Erfahrungswerte aus der täglichen Praxis zu setzen.

Ohne Fleiß-Schweiß kein Preis

Anfügen muss ich der Vollständigkeit halber aber noch den Hinweis, das ein jeder Shopbetrieb – unabhängig von Warensortiment und Umsatzzahlen – tagtäglich mit viel Schweiß, Stress und Ärger verbunden ist. Flopt der Shop, hat man internen Ärger und Stress. Startet der Shop erfolgreich durch, heimst man sich damit automatisch bei seinen Wettbewerbern viel Neid (und somit oftmals Ärger aller Arten) ein.

Jede Art von Shopbetrieb sorgt permanent für “stürmische Zeiten” und das in der Regel an allen sieben Tagen der Woche jeweils 24 Stunden lang. Dieser Tatsache muss man sich stets bewusst sein, wenn man sich auf das Abenteuer Onlineshop – egal in welcher Form und Größe – einlässt. Dafür macht es aber auch (fast immer) verdammt viel Spaß und bringt auch einiges ein!

Über meine Person:
Mein Name ist Reymond Schiemann. Seit 2007 bin ich als Shopbetreiber und als Berater für den shopbasierten Onlinehandel freiberuflich tätig. Als E-Business Fachmann (www.schiecon.de) unterstützte ich kleine bis mittlere Unternehmen bei allen Fragen rund um deren Onlineshop. Vieles aus meinem Praxiswissen habe ich in meinem aktuellen E-Book “Das Shop-Starter Kompendium” auf über 300 Seiten festgehalten. Dieses wird seit kurzem von meinem ganz neuen Shop-Starter Blog (www.shop-starter.info) begleitet, welcher sich – ebenso wie mein Buch – in erster Linie an Shopeinsteiger wendet.

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18 Gedanken zu „Onlineshop Gründung – Lohnt sich das noch?“

  1. Wenn ich selbst einen Shop machen würde, würde ich dies mit Shopify machen, ansonsten bieten sich Amazon und Ebay als gute Plattformen an.

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  2. Toller Beitrag.

    Welche Online-Anwälte sind denn empfehlenswert?
    Händlerbund, Händlerschutz, IT-Recht-Kanzlei…ich finde das Thema schwierig, will aber natürlich auch den Gang zu einem “normalen” Anwalt für einen absurden Stundenlohn vermeiden…

    Antworten
    • Die Frage ist “wieviel Luxus” willst oder kannst du dir leisten. Bei vielen “Onlinerechtsschutz-Abos” oder auch “Online Schutzpaketen” mit Superspar-Tarif hast du oftmals keinen direkten Ansprechpartner. Da gibt es für jeden Kunden die Standardleistungen. Jede davon abweichende persönliche Beratung kostet meistens extra. Wichtig ist auch das du vom Anwalt eine Bestätigung bekommst, das der Shop am Tag X rechtlich okay ist und er von diesem Tag an dann die Verantwortung (mit) übernimmt.

      Wer hin und wieder mal direkten Nachfragebedarf hat und mit mehreren Shops bzw. Blogs online unterwegs ist, der ist meiner Erfahrung nach mit einem festen Ansprechpartner besser bedient.

      Auf jeden Fall sollte der Anwalt auf Onlinerecht spezialisiert sein, umfangreiche Erfahrung haben und einen überzeugenden Eindruck hinterlassen. Ich hab’ damals mehrere Anwälte kontaktiert, mich über deren “Angebot” direkt informiert und dann letztendlich meinem Bauchgefühl vertraut.

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  3. Natürlich lohnt es sich einen Online-Shop oder Online-Dienstleistung anzubieten! Die ganze Welt wird langsam digitalisiert, alles muss schnell und mühelos erledigt werden und mit so wenig sozialen Kontakt wie möglich. Klar hat man Amazon und andere Unternehmen als Konkurrenz, man muss nur wissen was man ein Produkt anbietet und wenn man nicht gleich das ganze Sortiment auf Amazon verkauft, kann es super Werbung sein für die Marke und das Unternehmen.

    Antworten
      • Hallo,

        vielen Dank erstmal für das nette Feedback.

        Ich hab in diesem Beitrag extra meinen eigenen Shop mit Nennung außen vor gelassen.

        Im Artikel sollte “der Onlineshop an sich” im Mittelpunkt stehen und nicht ein bestimmter Shop, der dann unter Umständen von dem einen oder anderen als eine Art Blaupause wahrgenommen wird.

        Ich hab’ meine Shopadresse jetzt aber einfach mal mit meinem Namen verlinkt – ich hoffe das geht in Ordnung.

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  4. Sich nur auf Ebay und Konsorten zu verlassen ist doch blauäugig. Wer da mal dick im Geschäft ist weiß auch wie einfach es ist die Kunden um zu leiten auf den eigenen Shop wo man ohne Komission arbeiten kann.

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  5. Danke für den interessanten Beitrag.
    Ich muß aber leider in Teilen wiedersprechen.
    Es gibt online leichtere Möglichkeiten um Geld zu verdienen.
    Die Arbeit eines Online Shops ist nicht zu unterschätzen.
    Gerade Kleinkrauter die einen Shop alleine oder mit einem Partner betreiben,
    stoßen schnell an ihre Grenzen.
    Da ist der Burn out vorprogrammiert!

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  6. Ein super Beitrag mit interessanten Insights, vielen Dank dafür!
    Ich bin ganz deiner Meinung, dass man ein Onlineshop ziemlich schnell auf die Beine stellen kann. Mit einem passenden Shopsystem (unter 20 Euro im Monat) kann man wirklich ein sehr schönes, modernes und rechtssicheres Shop aufbauen. Die eigentliche Arbeit beginnt aber erst danach. Es braucht etwas Zeit und Mühe um sich einen Namen zu machen und Brand aufzubauen, Traffic zu holen, Kunden zu gewinnen. Wenn man aber mit Leidenschaft dabei ist und für seine Produkte wirklich brennt, dann macht das auch sehr viel Spaß! Und Markplätze wie Amazon und ebay können vorallem für den Anfang die ersten Kunden liefern, die dann auf den eigenen Shop aufmerksam werden.

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  7. Es kommt sicherlich auf die Branche an. Es gibt viele Branchen wo große Firmen sich die ersten Plätze bei google quasi gesichert haben und mit einem riesigen Marketingbudget die Adwords dominieren. Leider ist dies in unserem Fachbereich dem Tierfutter der Fall. Wir haben aktuell noch mit wenigen Besucherzahlen zu kämpfen, hoffen aber das wir dies durch gute Infortexte und individuelle Futterberatung ausgleichen können.

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  8. Toller und sehr ausführlicher Artikel! Ich habe jedoch eine ganz andere Frage, und zwar, muss ich mich vorher als Selbstständiger bei der Handelskammer anmelden, auch wenn der Online Shop noch nicht so richtig im Gang ist, um gute Gewinne abzuwerfen?

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