Seitdem ich mich vor rund 4 Jahren selbständig gemacht habe, konnte ich eine Menge Erfahrungen sammeln.
Einiges würde ich heute sicher anders oder zumindest effektiver machen.
Für den heutigen Artikel habe ich einfach mal eine Menge dieser Erfahrungen und Tipps für den Start in die Selbständigkeit zusammen gefasst.
Da es insgesamt 40 Tipps geworden sind, habe ich den Artikel mal in 2 Teile aufgeteilt. Mehr als 3.000 Wörter für einen Artikel wären einfach ein wenig zu viel. :-)
Inhalt
ToggleTipps für den Start in die Selbständigkeit
Die folgenden Tipps entstammen meinen eigenen Erfahrungen und sind deshalb natürlich auch etwas subjektiv. Ich habe aber versucht, die Erfahrungen und Tipps eher allgemein zu formulieren, so dass auch Selbständige aus anderen Branchen damit was anfangen können.
Und natürlich ist die folgende Liste auch nicht abschließend, denn alles habe ich natürlich auch noch nicht erlebt.
Wer also selber nützliche Erfahrungen und Tipps beisteuern kann, der sollte diese in die Kommentare schreiben.
Die einzelnen Punkte sind übrigens alphabetisch geordnet.
1:1
Viele Selbständige und Freiberufler arbeiten als Dienstleister in 1:1 Beziehungen mit Kunden. Bestes Beispiel sind Webdesigner. Sie arbeiten in Projekten mit einem Kunden und wenn das Projekt zu Ende ist, ist oft auch die (zumindest intensive) Geschäftsbeziehung zu Ende.
Ich habe mit der Zeit gemerkt, dass ein Business, welches ausschließlich auf 1:1 Kundenbeziehungen aufbaut, nicht so effektiv ist. Natürlich gibt es auch 1:1 Dienstleister, die sehr gut davon leben können, aber es ist ratsam, auch für 1:n Geschäfte zu sorgen.
Das kann z.B. eine Website sein, über die man zusätzlich was verkauft. Oder man erstellt Inhalte und Arbeitsergebnisse, die man wiederverwenden kann. Eine gute Idee ist es z.B. auch, wenn man als Webdesigner auch den Webspace als Reseller verkauft. Oder man veröffentlicht ein Buch zum eigenen Thema. Etc.
Baut man ausschließlich auf 1:1 Dienstleistungen auf, dann wird es schwer das eigene Unternehmen wachsen zu lassen. Schließlich kann man sich nicht teilen.
80/20
Das 80/20 Prinzip ist für mich sehr wichtig. Man neigt dazu, bestimmte Dinge so genau und perfekt zu machen wie möglich. Aber das ist ineffektiv und man bekommt dies in der Regel auch nicht bezahlt.
Stattdessen sollte man die eigene Arbeit „nur“ etwas besser machen, als der Kunde sie erwartet (also keine schlechte Arbeit abliefern, aber eben auch nicht unbezahlt etwas ewig perfektionieren) und auch nur die Jobs übernehmen, die effektiv und profitabel umsetzbar sind.
Backup
Wenn man viel mit dem Computer arbeitet, sollte man immer Backups machen. Die meisten denken erst daran, wenn die Festplatte defekt ist. Das kann bei vielen Selbständigen oder Freiberuflern, die digital arbeiten, die Existenz bedrohen.
Ich nutze eine externe Festplatte und regelmäßig gebrannte DVDs.
Benefits nicht Features
Immer wieder sehe ich Selbständige den selber Fehler machen. Und ich habe ihn am Anfang auch gemacht. Da wird mit Features geworben. Aber das interessiert die meisten Kunden nicht. Diese wollen Benefits (Vorteile, Nutzen, Ergebnisse).
Wenn ein Unternehmer z.B. eine Website will, dann nicht weil er PHP liebt oder MySQL oder weil er eine bestimmte Bandbreite haben möchte. Sondern weil er damit Kunden gewinnen will. Und das gilt auch für alle anderen Branchen.
Man sollte also den Kundennutzen in der Vordergrund stellen und nicht die Features. Dann gewinnt man auch Neukunden und sorgt dafür, dass diese zufrieden sind.
Beratung
Nicht alles in Deutschland kostet Geld. So kann man sich z.B. beim IHK (Deutscher Industrie- und Handelskammertag) oder beim ZHK (Zentralverband des Deutschen Handwerks) informieren, beraten lassen und auch vieles kostenloses Informationsmaterial bekommen.
Dort werden auch Schulungen für angehende Selbständige durchgeführt. Einfach mal anrufen und informieren.
Bürokratie
Es wird viel über die Bürokratie gejammert und teilweise ist da schon was dran. Trotzdem sollte man sich immer bewusst sein, dass dort auch nur Menschen arbeiten und wenn man freundlich ist, sind sie das meistens auch.
Es gibt aber einige Wege, die man als Existenzgründer gehen muss. Hier gibt es eine Übersicht der wichtigsten zu erledigenden Wege.
Einstellung
Ganz wichtig ist die richtige Einstellung zur Selbständigkeit. Man ist nun selbst für seinen Erfolg verantwortlich und man sollte sich mit dem Gedanken vertraut machen, dass man nun Geld verdienen will. Damit haben viele Probleme, die einfach nur gern ihrer Arbeit nachgehen.
Aber als Selbständiger muss man auch eine gewissen Mentalität für das Geld verdienen entwickeln, sonst kommt man nie auf einen grünen Zweig.
Feedback
Man kann beim Start in die Selbständigkeit noch so sehr planen und an seinem Businessplan feilen, in der Realität läuft es dann doch meist anders. Deshalb ist es wichtig, auf das Kundenfeedback zu achten und Kritik nicht persönlich zu nehmen. Stattdessen ist es eine Chance das eigene Angebot zu verbessern und noch besser auf die Kundenbedürfnisse zu zuschneiden.
Kundenfeedback ist Gold wert.
Finanzamt
Das Finanzamt ist unerbittlich. Deshalb sollte man an dieser Stelle entweder wirklich selbst viel Ahnung haben, oder ein Buchhaltungsbüro oder Steuerberater nutzen.
Selbst wenn man es mit Hilfe von Software etc. selber hin bekommt, so verschenken viele Selbständige doch genau an dieser Stelle viel Geld, weil man kein wirkliches Hintergrundwissen hat.
Zudem kann man seine eigene Arbeitszeit besser nutzen, indem man Geld verdient.
Firmenkonto
Es gibt für Einzelunternehmen und Kleinstunternehmer zwar keine Pflicht zu einem Geschäftskonto, aber es ist sehr zu empfehlen. Neben der besseren Übersicht der Transaktionen für einen selbst (und dem Buchhaltungsbüro …) erlauben einfach die meisten Banken nicht, dass man ein Privatkonto für geschäftliche Zwecke nutzt. Das kann dann bis zur Ausübung des Sonderkündigungsrechts gehen.
Zudem gibt es bei Firmenkonten auch die ein oder andere zusätzliche Funktionalität, die manche Unternehmen benötigen.
Firmenname
Die Wahl des eigenen Firmennamens sollte gut überlegt sein. Zum einen möchte man seine angebotenen Leistungen so genau wie möglich beschreiben, damit die Kunden sofort wissen, was man anbietet. Zum anderen sollte aber Spielraum für Anpassungen des Leistungsspektrums sein. Ich bin mit einer allgemeineren Formulierung jedenfalls besser gefahren.
Ich hatte schon mal ausführlich über das Thema „Firmennamen finden“ geschrieben.
Fokussieren
Auch hier sehe ich immer wieder die selben Fehler. Es wird einfach zu viel angeboten. Da betreuen manche Selbständige die Computertechnik, richten Netzwerke ein, designen Geschäftsunterlagen und erstellen auch noch die Website.
Ich habe selber zu Anfang auf Grund von zu wenigen Webdesign-Aufträgen noch andere Leistungen angeboten. Aber das habe ich dann auch sehr schnell wieder gelassen. Es ist ineffektiv zu viele Dinge anzubieten, man wird nie ein Spezialist und es dauert einfach zu lange.
Stattdessen sollte man sich auf eine Nische konzentrieren und dort eine sehr gute Leistung anbieten. Da es dann auch meist deutlich weniger Konkurrenz gibt, kann man in der Regel auch deutlich bessere Gewinnmargen realisieren.
Dafür ist aber natürlich eine intensive Marktanalyse im Vorfeld nötig. Man muss Leistungen finden, die von Kunden gewünscht werden, aber bisher nur suboptimal oder gar nicht am Markt angeboten werden.
Macht nur nicht den Fehler MeToo Produkte/-Leistungen anzubieten. Der typische Spruch von Existenzgründern, den ich immer wieder höre: „Davon gibt es doch schon 5 Anbieter, da muss also ein Markt sein“. Das ist oft keine gute Basis.
Fördermittel
Ich bin nun zwar schon lange aus der Gründungsphase raus und habe keinen aktuellen Einblick in die Förderung von Existenzgründern, aber soweit ich das mitbekommen habe, wurde diese in den letzten Jahren schon gekürzt.
Trotzdem sollte man sich informieren, ob und welche Fördermöglichkeiten zur Verfügung stehen. Ich habe damals von mehreren Förderungen profitiert, ohne die ich wahrscheinlich die ersten 6-12 Monate nicht überstanden hätte.
Anlaufstellen sind das Arbeitsamt, die KFW-Bank und die IHK. Oft gibt es auch noch regionale Fördertöpfe.
Einen guten Überblick gibt es auch auf foerderland.de.
Freizeit
Ich habe in der ersten Zeit fast durchgehend 7 Tage die Woche 12 Stunden gearbeitet. Es hat Spaß gemacht und zu Beginn muss man sicher auch erstmal etwas aufbauen. Aber man sollte nicht vergessen, dass eine gute Balance zwischen Arbeit und Freizeit wichtig für die eigene Beziehung oder die Familie ist.
Man arbeitet einfach auch besser, wenn man mal frei macht und man schont seine Gesundheit. Zudem kann permanenter Arbeits-Stress sich irgendwann rächen.
Geduld
Man wird nicht über Nacht erfolgreich, auch wenn immer wieder Beispiele solcher Fälle in Medien breitgetreten werden.
Um als Selbständiger erfolgreich zu sein braucht man einen langen Atem und Ausdauer.
Geschäftsunterlagen
Um bei potentiellen, aber auch bestehenden Kunden professionell anzukommen, sollte man zumindest die grundlegenden Geschäftsunterlagen besitzen.
Visitenkarten und Briefpapier gehören einfach dazu. Und bitte nicht diese kostenlosen Clipart-Visitenkarten-Angebote nutzen, da das eher eine negative Wirkungen hat.
Ein einheitliches und professionelles Auftreten ist auch bei den Unterlagen wichtig.
Investitionen
Man sollte beim Start in die Selbständigkeit nicht zu spendabel sein. Braucht man wirklich ein neues Auto, ein großes Büro oder eine neue Einrichtung?
Jeden Euro den man nicht ausgibt, muss man auch nicht verdienen. Deshalb sollte man zu Anfang wirklich nur in die Dinge investieren, die dafür sorgen, dass man Kunden gewinnt und Geld verdient.
Konzept
Auch wenn man keine Förderung beantragt hat, sollte man einen Businessplan erstellen. Dieser hilft dabei, das eigene Geschäftsmodell detailliert zu analysieren und die Maßnahmen und die Liquidität für die ersten Monate und Jahre zu planen.
Natürlich entwickelt sich ein Business nie genau so wie man es im Businessplan aufgeschrieben hat, aber man hat damit eine Basis die auch dabei hilft im täglichen Arbeitsstress das große Ganze nicht aus den Augen zu verlieren.
Bei der Erstellung eines Businessplans hilft unter anderem das Angebot des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi).
Know How
Die meisten haben in einem bestimmten Themengebiet ein sehr gutes Know How. Allerdings will man gerade am Anfang Kosten sparen und macht deshalb alles selber.
Das ist dann aber ineffektiv und man wird nie so gute Ergebnisse erzielen, wie in seinem Hauptthemengebiet.
Deshalb sollte man nicht alles selber machen, sondern bestimmte Tätigkeiten auch outsourcen. Ist man z.B. ein guter Programmierer, aber ein schlechter Designer, sollte man sich mit einem Design-Spezialisten zusammen tun und Teil-Aufträge dann rausgeben.
Man kann nicht in allem ein Experte sein. Und man sollte es auch nicht versuchen.
Kundenbindung
Man sollte nicht nur auf Neukundengewinnung aus sein. Bestehende Kunden werden oft vernachlässigt, dabei haben diese einen großen Vorteil. Sie kennen bereits die eigenen Leistungen und haben ein gewisses Vertrauen.
Deshalb sollte man regelmäßig auch die bestehenden Kunden kontaktieren und ins Gespräch kommen. Oft ergeben sich auf diese Art und Weise neue Aufträge.
Zudem sollte man bestehende Kunden hegen und pflegen, da dies ein sehr wichtiges Kapital von Selbständigen und Freiberuflern ist.
Es geht weiter
Das waren die ersten 20 Tipps und Erfahrungen, die ich zusammen getragen habe.
Morgen gibt es dann den 2. Teil mit weiteren 20 Tipps.
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