Finanzielle Rücklagen – Basics der erfolgreichen Selbstständigkeit

Finanzielle Rücklagen - Basics der erfolgreichen SelbstständigkeitImmer wieder hört man von Selbstständigen, die ihr Business aufgeben mussten, weil sie in Geldprobleme gekommen sind.

Dabei waren nicht ausbleibende Aufträge oder Kunden der Grund für die Probleme, sondern fehlende finanzielle Rücklagen.

Deshalb möchte ich in meinem heutigen Basics-Artikel auf die Bildung von Rücklagen eingehen. Für was ist das nötig und wie macht man das am besten.

Für was sollte man finanzielle Rücklagen bilden?

Wenn alles normal in der Selbstständigkeit läuft, denkt man nicht daran, dass es auch mal deutlich schlechter laufen könnte. Doch eine Selbstständigkeit ist nicht immer gleichmäßig, sondern bietet immer wieder Überraschung, auch negative.

Zum einen gibt es aber vor allem die absehbaren Ereignisse, wie z.B. Steuervorauszahlungen oder -nachzahlungen. Ebenso kann man Investitionsbedarf für neue Einrichtungen oder Geräte durchaus absehen, auch wenn es hier durch Ausfälle und ähnliches auch unvorhersehbaren finanziellen Bedarf geben kann. Und was ist mit privaten Dingen, wie Urlaube oder große Feiern?

Das sind halbwegs absehbare Ereignisse, die mehr oder wenige große finanzielle Auswirkungen haben. Leider haben viele Selbstständige schon dabei Problem, die notwendigen finanziellen Rücklagen zu bilden. Gerade in der späteren Gründungsphase, wenn das Geschäft gut anläuft, unterschätzen z.B. viele die Steuerforderungen des Finanzamtes. Nachzahlungen und hohe Vorauszahlungen führen immer wieder zu Liquiditätsproblemen in dieser Phase.

Darüber hinaus gibt es aber auch nicht absehbare Ereignisse, die ein finanzielles Polster erfordern. Rechtliche Auseinandersetzungen, eine eigenen längere Krankheit, Umsatzeinbrüche durch Marktveränderungen, große Kunden, die wegbrechen und vieles mehr.

Mag sein, dass es lange gut läuft, aber eine Garantie hat man nicht, dass es ewig so weiter geht. Wer seine Existenz absichern möchte, sollte deshalb finanzielle Rücklagen bilden. Übrigens ist hier einfach das Ansparen von Geld gemeint, da Einzelunternehmer (bzw. alle, die nicht bilanzieren) keine offiziellen Rückstellungen bilden können.

Wie bildet man am besten finanzielle Rücklagen?

Viele Gründer müssen in der ersten Zeit den Gürtel sehr eng schnallen, um über die Runden zu kommen. Da verleitet ein besser laufendes Business dazu, sich erstmal was zu gönnen. Und oft passt man den eigenen Lebensstandard und die Ausgaben sehr schnell den Einnahmen an.

Doch das sollte man hinterfragen und sich bewusst sein, dass auf jeden Fall bestimmte finanzielle Forderungen vom Finanzamt auf einen zukommen. Es bleibt leider nicht so, dass man das ganze Geld, was auf den eigenen Geschäftskonto ankommt, behalten kann.

Deshalb ist es wichtig, von Anfang an einen Teil der Einnahmen zurückzulegen. Am besten auch noch getrennt nach Finanzamt und sonstigen Rücklagen.

Zum einen sollte man natürlich immer die eingenommene Umsatzsteuer zurücklegen, plus einen prozentualen Anteil von ca. 20-30% an den Gesamteinnahmen für die Einkommenssteuer. Je höher die Gesamteinnahmen, umso höher sollte der prozentuale Anteil für die Einkommenssteuer-Rücklage sein.

Mit diesem Rechner kannst du deine Einkommenssteuer berechne.

Später wird dann auch Gewerbesteuer anfallen, für die man ebenfalls Rücklagen bilden sollte.

Generell ist es sehr zu empfehlen einen Steuerberater oder zumindest ein Buchhaltungsbüro zu nutzen. Diese haben den genauen Überblick, wann wie viel dem Finanzamt zu zahlen ist. Hier bekommt man zeitig Infos darüber, welche Beträge man wann zahlen muss. So wird man nicht überrascht.

Darüber hinaus ist es aus den anderen genannten Gründen ebenfalls sinnvoll eine Rücklage zu bilden. Es schläft sich einfach viel besser, wenn man einen Betrag X z.B. auf einem Tagesgeld-Konto liegen hat. Im Gegensatz zu den Geldern für die Steuer, fällt es vielen aber noch schwerer dafür Geld von den Einnahmen abzuknapsen und wegzulegen. Mal abgesehen davon, dass nicht alle Selbstständige sehr, sehr gut verdienen, ist es eben eine Rücklage für den Fall der Fälle. Und den Worst Case blenden viele aus.

Am besten richtet man eine automatische Abbuchung auf ein separates Konto ein, durch die jeden Monat ein Betrag X zur Seite wird. Auf diese Weise kommt man erst gar nicht in die Gefahr, dass man das Geld ausgibt.

Wie hoch die Rücklage für Unvorhergesehenes sein sollte, ist unterschiedlich. Am besten überlegst du dir mal, was der Worst Case bei dir sein könnte:

  • Wie hoch wären die Einnahmeneinbußen, wenn dein wichtigster Kunde weggeht?
  • Wie viel weniger würdest du verdienen, wenn deine wichtigste Website aus dem Google Index fliegt?
  • Welche Einbußen hättest du, wenn du einige Monate ins Krankenhaus müsstest und nicht arbeiten kannst?
  • etc.

Wenn du dir diese Fragen beantwortest, solltest du ein Gefühl dafür bekommen, wie viel Geld als Rücklage gut und nötig wäre, um wieder auf die Beine zu kommen und andere Einnahmequellen zu erschließen.

Man sollte übrigens regelmäßig prüfen, ob die Rücklage noch ausreichend ist. Schließlich verändert sich sowohl das eigene Business, als auch der eigene finanzelle Bedarf. Hat man aber dagegen irgendwann einen gewissen Betrag angespart, kann man die Höhe der monatlichen Rücklagen senken.

Mehr Tipps zu den Basics der Selbstständigkeit

In dieser Artikelserie stelle ich jeweils einen Faktor vor, um erfolgreich selbstständig zu sein. Dabei schildere ich natürlich vor allem meine eigenen Erfahrungen aus mehr als 10 Jahren Selbstständigkeit im Netz, gehe aber auch auf grundlegende Tipps und Basics ein.

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Ich freue mich natürlich über eure Erfahrungen und Tipps zu den behandelten Grundlagen.

Bild von Peer Wandiger
Peer Wandiger
Studium der BWL und langjährige Arbeit in einem mittelständischen Unternehmen. Seit 2006 selbständig als Webentwickler und Website-Betreiber, 2007 Gründung von Selbständig im Netz.

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