Überlebt dein Business deine Krankheit?

Der ein oder andere hat sich über die etwas häufigeren Gastartikel in den letzten 2 Wochen vielleicht schon gewundert.

Mal abgesehen davon, dass in letzter Zeit wieder häufiger Gastartikel-Angebote kommen, habe ich in den letzten 2 Wochen auch nicht so viel Zeit wie sonst gehabt.

Der Grund dafür: Meine Frau war im Krankenhaus (nichts ernstes und sie ist auch wieder zu Hause) und ich musste mich allein um die Kinder kümmern.

Das hat natürlich meinen normalen Zeitplan durcheinander gebracht und dafür gesorgt, dass ich weniger Zeit zum Bloggen hatte und Abends einfach auch viel müder war.

Die Erfahrung meiner Frau war doch neu für mich, da ich in meiner Selbständigkeit bisher nur ein paar Tage selber krank war und noch nie wirklich komplett außer Gefecht. Und so habe ich mir natürlich auch Gedanken darüber gemacht, was wohl mit meinem Business passiert, wenn ich mal für eine Woche oder auch für länger nicht selber arbeiten könnte.

Deshalb geht es heute um die Frage: „Überlebt dein Business deine Krankheit?“

Meine Situation

Wie sicher viele wissen, bin ich Webentwickler und Blogger. Das mache ich alles alleine, habe also keine Angestellten.

Was würde passieren, wenn ich 1 Woche, 1 Monat oder 6 Monate ausfallen würde?
Das wäre natürlich nicht so gut.

Da ich hauptsächlich von Dienstleistungen lebe, würde da natürlich sofort ein großer Teil der Einnahmen weg brechen. Kundenprojekte für Websites bleiben liegen. Und wenn ich da nichts abarbeiten kann, dann kann ich auch keine Rechnungen schreiben.

Ein gewisser Teil meiner Einnahmen als Webentwickler sind zwar passiv (z.B. Hosting-Leistungen), aber der Großteil hängt doch von meiner aktiven Arbeit ab.

Meine Webprojekte, vor allem die Blogs, sind auch von meiner aktiven Tätigkeit abhängig. Natürlich könnte man auch hier mit Gastartikeln einen kurzen Zeitraum überbrücken, aber die Besucherzahlen würde doch schon deutlich zurück gehen.

Aktuell kommen bei Selbständig im Netz rund 50% der Besucher von Google (rund 35.000 Besucher pro Monat), 25% von anderen Websites (rund 17.000 Besucher pro Monat) und 25% direkt auf meinen Blog (z.B. direkt eingetippt oder vom Feed).

Die 50% Google-Besucher würden wahrscheinlich noch ein Weilchen auf diesem Niveau bleiben, auch wenn es längerfristig sicher auch auf Grund fallender Rankings zurück gehen würde.

Die 25% von anderen Websites würden sicher um ein guten Teil zurück gehen, da darin auch Besucher von Twitter, Social News Sites und Facebook enthalten sind. Und wenn es keine aktuellen Artikel gibt, dann kommen von dort auch keine Besucher. Über Links auf anderen Blogs etc. würde ein Teil aber sicher auch noch in Monaten kommen.

Die direkten Besucher würden wohl am stärksten zurück gehen.

Alles in allem kann man wohl sagen, dass meine Arbeit als Webentwickler sofort und stark unter einem Ausfall leiden würde. Meine Blogs würden da etwas länger durchhalten, aber Blogs leben natürlich auch von aktuellem Content. Ein längerer Ausfall würde sich auch dort stark bemerkbar machen.

Das Geschäftsmodell absichern

Deshalb muss ich mich damit beschäftigen, mein Geschäftsmodell besser abzusichern. Und auch ihr solltet das tun.

Dazu sollte man natürlich erstmal analysieren, wie der aktuelle Stand ist. So ähnlich, wie ich das oben gemacht habe, aber gern noch ausführlicher.

Welche Einnahmequellen eurer Selbständigkeit würden wie schnell und in welchem Maße unter eurem Ausfall leiden?

Darauf basierend sollte man sich überlegen, welche Veränderungen man in seinem Geschäftsmodell umsetzt.

Das könnten sein:

  • Outsourcing
    Eine wichtige Maßnahme ist es sicher, nicht mehr alles selber zu machen. Als Webentwickler muss man ja nicht gleich wen einstellen, aber man könnte Aufträge an Dritte vergeben. So kann man zum einen mehr Aufträge annehmen und es ist nicht mehr nur die eigene Arbeitskraft, die Geld rein bringt. Outsourcing ist also nicht nur zur Einnahmesteigerung nützlich, sondern auch zur Absicherung.
  • Mitarbeiter
    Mitarbeiter einzustellen kann natürlich auch eine Option sein. Wenn man die Arbeit gut organisiert und den Mitarbeitern schon recht viel Verantwortung überträgt, dann können diese eine gewisse Zeit auch selbständig arbeiten. Wer sich als Chef allerdings ständig einmischt und bei jedem Handgriff über die Schulter schaut, der braucht sich nicht zu wundern, wenn es dann beim eigenen Ausfall nicht klappt. Auch Virtuelle Assistenten können hier eine Alternative sein.
  • Automatisierung
    Es gibt viele Möglichkeiten bestimmte Dinge zu automatisieren. So könnte man z.B. Teile von Blog-Inhalten automatisieren, in dem man bestimmte Daten oder Texte automatisch einließt und veröffentlicht. Bei Affiliate-Sites ist das z.B. öfters der Fall.
  • Mehr Standbeine
    Nicht jede Einnahmequelle bricht sofort ein, wenn man mal eine Weile nichts tut. So bauen Affiliates oft kleine Themen-Sites und machen dann Monate nichts daran.
  • Vorarbeiten
    Natürlich kann man auch Vorarbeiten. So könnte man Blogposts für ein paar Wochen immer im Voraus schreiben und einen Veröffentlichungstermin einstellen. Auch bei Online-Shops könnte man neue Produkte und Aktionen schon Wochen vorher vorbereiten und automatisch online gehen lassen.
  • Nicht mehr in, sondern außerhalb des Unternehmens stehen
    Das ist ein zentrales Konzept in Tim Ferriss Buch „Die 4 Stunden Woche„. Man baut sich ein Business auf, das am Ende (fast) komplett von externen Dienstleistern erledigt wird.
  • passives Einkommen stärken
    Ganz wichtig ist es, dass man sein passives Einkommen stärkt. Solche Einnahmen sind eben relativ unabhängig davon, ob ich gerade arbeite oder nicht. Beispiel wäre Hosting-Einnahmen als Webentwickler.

Den Ausfall versichern

Neben den direkten Änderungen am eigenen Geschäftsmodell sollte man zusätzlich den möglichen Ausfall absichern.

Denn trotz aller Anpassung des eigenen Business, wird man wohl kaum 100% der normalen Einnahmen auch im Krankheitsfall (gerade wenn dies länger dauert) bekommen.

Deshalb sollte man sich überlegen, wie viel Prozent der Einnahmen wohl mittel- bis langfristig wegfallen und entsprechende Absicherungen tätigen.

Das könnten sein:

  • Kooperationen
    Es ist durchaus möglich, dass man sich mit Kollegen aus der selben Branche darüber abstimmt, dass man im Krankheitsfall den anderen unterstützt. Das sollte natürlich vertraglich fixiert werden und nur bei einem guten Vertrauensverhältnis gemacht werden.
  • Mitarbeiter und Partner
    Wie schon gesagt, können Mitarbeiter eine gute Absicherung sein. Auch Partner in der eigenen Firma können im Notfall die Firma weiterführen und den Einbruch klein halten.
  • Versicherungen
    Natürlich sind Versicherungen ein wichtiger Faktor. Krankentagegeld bzw. Krankenhaustagegeld zahlen für den Fall, dass ich krank bin und nicht arbeiten kann. Sozusagen das Gegenstück zur Lohnfortzahlung von Angestellten. Eine Unfallversicherung zahlt bei einem Unfall und die Berufsunfähigkeitsversicherung, wenn es richtig hart kommt und man gar nicht mehr arbeiten kann.
  • Rücklagen
    Ganz wichtig sind auch Rücklagen. Diese sollte jeder Selbständige aufbauen und das nicht nur für größere Anschaffungen. Sondern eben auch für Einnahmeausfälle. Das kann eine Krankheit sei, aber es kann auch andere Gründe geben.

Ich habe eine Krankenhaustagegeld-Versicherung, da ich von dort sicher nicht mehr arbeiten kann. Und natürlich habe ich auch eine Berufsunfähigkeitsversicherung.

Man kann z.B. auch bei der Verwaltungsberufsgenossenschaft eine Versicherung abschließen. Da sind dann Arbeitswege und berufsbedingte Krankheiten versichert.

Gerade bei Versicherungen sollte man sich aber gut informieren und vergleichen.

Was werde ich ändern?

Von den eben genannten Absicherungen her bin ich eigentlich ganz gut aufgestellt.

Etwas mehr werde ich sicher bei meinem Geschäftsmodell ändern. Derzeit hängt doch sehr vieles von mir als Webentwickler und Blogger ab. Da werde ich in Zukunft weitere Standbeine aufbauen, die eher passives Einkommen erzeugen und somit nicht so sehr von meiner ständigen Anwesenheit abhängen.

Bei meinen Blogs hatte ich ja schon mal überlegt, in wie weit es sinnvoll und möglich ist, regelmäßige Mit-Autoren zu gewinnen. Diese Idee werde ich sicher weiter vorantreiben und schauen, wie ich mir vielleicht ein kleines „Redaktionsteam“ aufbauen kann.

Und auch der Aufbau eines Outsourcing-Netzwerkes steht auf meiner ToDo-Liste. Dabei möchte ich allerdings mehr direkt mit einzelnen Personen kooperieren, als über Portale. Denn dann weiß diese Person einfach mehr über mein Business und kann auch selbständiger arbeiten.

Beispiele für andere Selbständige im Netz

Was können denn anderen Selbständige im Netz tun, um ihr Business besser auf den eigenen Ausfall vorzubereiten.

  • Shopbetreiber
    Hier ist es sicher eine gute Idee, einen externen Dienstleister mit der Bestellabarbeitung und dem Versand zu beauftragen. Das ist generell schon eine gute Idee und im Krankheitsfall natürlich extrem hilfreich. Die Inhalte des Shops (z.B. Aktionen) sollten schon recht weit und detailliert voraus geplant werden, damit diese zur Not auch jemand anderes umsetzen kann.
  • Dienstleister
    Das ist natürlich schwierig. 1:1 Dienstleistung wie Texter oder Webdesigner leben von einzelnen Projekten. Hier hilft es nur, weitere Standbeine aufzubauen, die nicht projektbezogen sind. So könnte der Texter Online-Kurse und eBooks verkaufen. Der Webdesigner könnte z.B. Hosting-Pakete vertreiben, eigene Layouts online verkaufen oder selber Projekte mit passiven Einnahmen erstellen.
  • Blogger
    Wie schon oben angesprochen könnte man Mitautoren einbinden, die im Notfall den Blog weiter füllen. Ansonsten sollten auch Blogger, die davon leben wollen/müssen, nach weiteren Einnahmen-Standbeinen Ausschau halten.
  • Affiliate
    Affiliates sind ja meist sowieso schon auf eher passives Einkommen aus. Viele Affiliates haben dutzende kleine Website-Projekte, die einmal erstellt werden und dann ohne große Änderungen auskommen. Die bringen einzeln zwar nicht so viel ein, in der Masse aber dann doch.

Weitere Tipps findet ihr im Artikel „Wie man sich entbehrlich macht und so das eigene Business sichert„.

Wie sichert ihr euer Business ab?

Habt ihr euch auf euren Ausfall vorbereitet?
Welche Maßnahmen habt ihr ergriffen, damit euer Business und auch eure Existenz nicht zusammenbricht, wenn ihr mal ausfallen solltet?

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Umfrage

Was passiert, wenn du längere Zeit nicht arbeiten kannst?

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Peer Wandiger
Studium der BWL und langjährige Arbeit in einem mittelständischen Unternehmen. Seit 2006 selbständig als Webentwickler und Website-Betreiber, 2007 Gründung von Selbständig im Netz.

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