Was bringt ein Blog für kleine regionale Unternehmen?

Dass man auch als kleine regionale Firma über eine Firmenpräsentation im Internet verfügen sollte, hat sich mittlerweile herumgesprochen.

Doch das ist mittlerweile schon Standard und in den letzten Jahren hat sich das Internet auch stark verändert. Es dominieren nicht mehr die statischen Inhalte, sondern Suchmaschinen wie Google legen immer mehr Gewicht auf aktuelle und dynamische Informationen.

Firmen-Blogs sind eine Möglichkeit, sich und die eigene Firma anders zu präsentieren. In diesem Artikel gehe ich der Frage nach, was ein Blog für kleine regionale Unternehmen und Selbständige bringen kann. Lohnt sich der Aufwand und wie sehen die Chancen, aber eben auch die Risiken aus?

In weiteren Artikeln werde ich konkrete Tipps für den Aufbau eines Firmenblogs und für regelmäßige Inhalte geben.

Wenige Firmenblogs

Wenn man sich so umschaut und manche Studien ließt, dann gibt es verhältnismäßig wenig Firmenblogs.

Das gilt sowohl für große internationale Unternehmen, aber auch ganz besonders für kleine regionale Firmen und Selbständige.

Lohnen sich Firmenblogs nicht oder warum stellen manche Blogger schon die Frage „Corporate Blogs vor dem Aus?“

Es gibt sicher eine Menge Gründe dafür, dass vor allem kleine Firmen keinen Blog haben.

Nach meiner Erfahrung ist das Internet für viele kleine Firmen und Selbständige ein notwendiges Übel. Man weiß, dass viele Menschen es mittlerweile für die Recherche nutzen und deshalb sehen viele auch ein, dass man eine Firmenwebsite braucht. Allerdings sind die meisten froh, wenn die Firmen-Website fertig ist und dann wollen sie erstmal 1 Jahr nichts mehr davon hören.

2008 gab es einen etwas größeren Hype um Corporate Blogs, der aber mittlerweile wieder verflogen ist. Das Problem war damals, dass vor allen PR-Strategen und Marketing-Mitarbeiter an Studien gesehen haben, dass Blogs im Trend liegen. Dann hat man versucht, Blogs nach dem gleichen Prinzip zu nutzen, wie man dass eben auch mit PR-Kampagnen und Marketing-Aktionen macht. Und das hat nicht funktioniert.

Viele haben auch Angst vor einem Firmenblog oder sehen keinen Mehrwert. Unternehmer sind sehr oft Kontroll-Menschen und Blogs tendieren eher zum loslassen und zur Einbeziehung der Meinung der Leser. Und damit haben viele Unternehmer und Selbständige Probleme.

Meiner Meinung nach lässt also die Tatsache, dass es relativ wenige Blogs von kleinen regionalen Firmen und Selbständigen gibt, nicht den Rückschluss zu, dass Blog nichts bringen.

Sie bringen sehr wohl etwas, aber Blogs funktionieren nach anderen Spielregeln. Befolgt man diese Spielregeln, dann kann ein Firmenblog auf jeden Fall ein Erfolg werden.

Probleme einer Firmenwebsite

Gehen wir aber erstmal auf die Probleme einer klassischen Firmenwebsite ein.

Folgende Probleme bzw. Schwächen weisen Firmenwebsites nach meiner Erfahrung oft auf:

  • Firmenwebsites sind oft veraltet. Nach der Erstellung wird sich darum nicht gekümmert.
  • Die statischen Inhalte sind oft sehr unpersönlich und reine Werbesprache.
  • Eine direkte und schnelle Kommunikation für (potentiellen) Kunden ist oft nicht möglich.
  • Es fällt recht schwer Backlinks für Firmenseiten zu bekommen und deshalb ist oft auch das Ranking in Google und Co. nicht besonders.

Ein Firmen-Blog kann all diese Punkte effektiv angehen und als Ergänzung zu einer Firmenwebsite nicht nur selber gut funktionieren, sondern auch Vorteile für die Firmenwebsite mich sich bringen.

Vorteile von Firmen-Blogs

Im folgenden eine Liste mit Vorteilen, die Firmen-Blogs mit sich bringen:

  • persönliche Seite
    Ein Blog ermöglicht es einem Unternehmen oder einem Selbständigen, sich deutlich menschlicher zu präsentieren und eine persönliche Seite zu zeigen. Diese persönliche Ebene ist nicht nur im B2C, sondern auch im B2B Bereich vor Vorteil.
  • Gesichter und Stimmen
    Zu dieser persönlichen Seite gehört es auch, dass man im Firmenblog das Gefühl hat, dass hier Menschen schreiben und nicht eine Firma. Man kann der ansonsten vielleicht sehr nüchternen Außenwirkung Bilder von Mitarbeitern gegenüber stellen. Dafür ist es aber auch wichtig, dass man die Menschen schreiben lässt und nicht die PR-Abteilung.
  • aktuelle Infos
    Man kann (potentiellen) Kunden schnell und einfach aktuelle Informationen, Termine, Aktionen etc. vermitteln. Auf einer Website ist das meist nicht so einfach bzw. man muss erst der Webdesign-Agentur mitteilen, was man geändert haben möchte.
  • keine PR
    Ein Firmenblog bietet die große Chance Beispiele und Geschichten aus dem Firmen-Leben zu präsentieren. Es geht hier also nicht um Produkt-PR, sondern darum, den Lesern einen ungefilterten Einblick in den Firmen-Alltag zu geben. Zumindest sollte es nach „ungefiltert“ aussehen. Das erhöht die emotionale Bindung der Kunden.
  • Einfach pflegbar
    Ein Blog ist viel einfacher pflegbar als die meisten Content Management Systeme. Das kann auch jeden Mitarbeiter.
  • Günstig umsetzbar
    Ein Blog kostet kaum Geld. Evtl. muss man für ein individuelles Layout bezahlen, aber insgesamt ist ein Blog viel günstiger aufzusetzen als eine individuell erstellte Firmenwebsite.
  • Community
    Betreibt man einen erfolgreichen Blog, dann besteht die Möglichkeit, dass man sich eine Community im Web aufbaut. Dafür sind die Voraussetzungen natürlich je nach Branche unterschiedlich.
  • Multiplikatoren
    Blog-Leser sind oft auch Multiplikatoren. Das bedeutet, dass man auch mit relativ wenigen Bloglesern viel erreichen kann.
  • Feedback
    Ein Blog eignet sich hervorragend um Kundenstimmen zu sammeln und das Feedback auszuwerten. Viel zu wenige Firmen nutzen das direkte Feedback ihrer Kunden.
  • Service
    Wenn Probleme mit Produkten auftauchen oder negative Kommentare kommen (und die werden kommen), dann kann man mit einem Blog schnell reagieren und zeigen, dass man den guten Service nicht nur verspricht, sondern im Ernstfall auch umsetzt.
  • Traffic
    Ein Blog rankt auf Grund seiner Natur oft besser als eine Firmenwebsite (interessante Blog-Artikel bekommen eher mal Backlinks) und durch geschickte Verlinkung kann ein Firmenblog mehr Traffic auf die eigene Firmenwebsite bringen.
  • Experte
    Ein Blog kann gerade für Selbständige eine gute Möglichkeit sein, sich als Experte (in der Nische und der Region) zu präsentieren und zu etablieren.
  • Konkurrenz
    Da sehr viele Firmen keinen Blog haben, kann man sich damit von der Konkurrenz abheben.
  • Live-Berichte
    Live-Berichte, z.B. von einer Messe, sind möglich. Mobile Zugänge zum eigenen Blog ermöglichen viel stärkere „Mittendrin“-Artikel.
  • schnelle Reaktion
    Blogs sind oft auch ein gutes Instrument beim Krisenmanagement. Durch zeitige Information der Kunden kann man viel Schaden abwenden.
  • lokale Suche
    Die lokale Suche in Suchmaschinen wird immer wichtiger. Es steigert die Chancen von potentiellen Kunden gefunden zu werden, wenn man nicht nur mit einer Firmenwebsite, sondern auch mit einem Firmenblog in den Suchergebnisse vertreten ist.

Risiken

Es gibt aber natürlich auch Risiken, wenn man einen Firmenblog nutzt. Ich spreche hier bewusst nicht von Nachteilen, da es diese nach meiner Meinung nicht gibt.

  • viel Öffentlichkeit
    Ein Blog bedeutet viel mehr Öffentlichkeit, als eine normale Firmenwebsite. Dessen sollte man sich bewusst sein. Das kann sehr von Vorteil sein, bedeutet aber auch, dass man nicht mehr die volle Kontrolle hat.
  • keine Einbahnstraße
    Ein Blog bedeutet Kommunikation. Das sollte man von vornherein einplanen. Wer auf Fragen in Kommentaren nicht antwortet, kann sich auf negative Kommentare einrichten.
  • auf Worst Case vorbereiten
    Es gibt sicher mehrere Arten des Worst Case. Zum einen ist das der Kundenkommentar, der vom Leder zieht und sehr negativ ist. Zum anderen kann das z.B. ein Firmen-Problem sein, welches ist in den Kommentaren thematisiert wird. Diese Worst Case Szenarien sollte man vorher besprechen und angemessene Reaktionen planen.
  • Das Medium Blog verstehen.
    Wer sich als Unternehmer oder Selbständiger einen Blog aufschwatzen lässt, der könnte Probleme bekommen. Stattdessen sollte man Blogs verstehen und selber mit Spaß und Interesse dabei sein. Wer gern bloggt und auch andere Blogs ließt, wird sicher einen besseren Firmenblog führen als jemand, der es rein als Marketing-Instrument sieht.
  • den richtigen Stil finden
    Bloggen ist was ganz anderes als Firmentexte für die Website zu schreiben. Man muss erstmal seine Sprache und seinen Stil finden.
  • Vernachlässigung
    Blogs leben von regelmäßigen Inhalten, noch stärker als Firmenwebsites. Ein veralteter Blog kann auch negative Auswirkungen haben. Ein Blog macht Aufwand, den man nicht unterschätzen sollte.
  • vertrauliche Informationen
    Es ist nicht einfach, den Spagat zwischen lockeren und persönlichen (nicht privaten!) Inhalten in einem Firmenblog und dem Schutz von vertraulichen Informationen hinzubekommen. Man sollte eine gute und vor allem schnelle Kontrollmöglichkeit einrichten. Wenn Artikel erstmal 2 Wochen auf dem Chef-Schreibtisch liegen, dann braucht man keinen Blog starten.
Beispiele

Man sollte sich vielleicht mal in der eigenen Branche umschauen und auch in der eigenen Region. Sicher findet man dann auch ein paar Beispiele von Firmen-Blogs. Dabei gibt es gute und schlechte Blogs und man kann viel lernen.

Ein paar Beispiele für Firmen-Blogs:

Walther Saftblog
Der „Saftblog“ der Kelterei Walther ist einer der Vorzeige-Firmenblogs. Hier gibt es regelmäßig, wenn auch nicht täglich, Infos aus der Firma. Diese sind angenehm zu lesen und ohne jeglichen „Marketing“-Anspruch geschrieben. Gutes Beispiel für einen Firmenblog.

Essen kommen
Ludgar Freese von der Fleischerei Freese blogt schon seit 2007 und zeigt sehr schön, wie ein begleitender Blog aussehen kann. Hier wird über aktuelle Aktionen berichtet, Bilder aus der Praxis gezeigt usw. Auch selbstkritische Fehler in eigenen Etiketten etc. werden präsentiert. Dieser Blog lässt diese Fleischerei sehr sehr menschlich erscheinen. Sehr gut.

Klaus der Baumeister
Einblicke in Rohbauten, Fenstereinbau, Dachdecken usw. bekommt man auf diesem Blog. Insgesamt finde ich den Blog sympathisch, wenn auch vielleicht ein wenig zu persönlich. Zudem sollte man dort schnell ein ordentliches Impressum einbauen, sonst gibt es Ärger.

Passivhaus Blog
Infos und Neuigkeiten aus einem Architektur- und Ingenieurbüro gibt es auf passivhaus-blog.com. Aktuelle Bauvorhaben, Presseberichte, neue gesetzliche Regelungen, Messen etc. werden dort behandelt. Wer sich für das Thema interessiert findet hier viel Lesenswertes und das Büro präsentiert sich sehr fit in diesen Dingen.

Es gibt natürlich noch viel mehr gute, aber auch schlechte Firmen-Blogs.


Fazit

Firmenblogs bieten für kleine regionale Firmen viel Potential, beinhalten aber auch einige Risiken. Dessen sollte man sich bewusst sein. Natürlich ist dies in verschiedenen Branchen auch unterschiedlich, aber die meisten Branchen können von einem Blog profitieren.

Es empfiehlt sich zudem, selber etwas mit Blogs anfangen zu können und nicht eine PR-Agentur mit dem Bloggen zu beauftragen. Die erfolgreichsten Blogs kleiner Firmen, die mir bekannt sind, profitieren davon, dass der Chef selber mitblogt und mit Spaß bei der Sache ist.

In weiteren Artikeln werde ich unter anderem konkrete Tipps für den Start eines Firmenblogs vorstellen und auch Tipps für regelmäßige Inhalte geben.

Bild von Peer Wandiger
Peer Wandiger
Studium der BWL und langjährige Arbeit in einem mittelständischen Unternehmen. Seit 2006 selbständig als Webentwickler und Website-Betreiber, 2007 Gründung von Selbständig im Netz.

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