Es machen sich mehr Menschen nebenberuflich selbstständig, als hauptberuflich. Das liegt unter anderem daran, dass es einige Vorteile bringt sich nebenberuflich selbstständig zu machen.
Um die Vorteile und Nachteile der nebenberuflichen Selbstständigkeit und auf was man alles achten muss, wie z.B. Steuern, Arbeitgeber und mehr geht es im heutigen Teil meiner Artikelserie zum Selbstständig machen.
Dabei schildere ich meine Erfahrungen und gebe praktische Tipps.
Inhalt
ToggleNebenberuflich selbstständig machen?!
Im Jahr 2020 haben sich laut KfW rund 439.000 Menschen nebenberuflich selbstständig gemacht. Das sind mehr als die Hälfte aller Gründer.
Wahrscheinlich hat auch die Corona-Krise viele Menschen „motiviert“ sich ein weiteres finanzielles Standbein zu schaffen.
Hier geht es heute aber nicht darum nebenbei Geld zur Aufbesserung der Haushaltskasse zu verdienen, sondern es geht um den Weg in die Selbstständigkeit über den „Umweg“ der nebenberuflichen Gründung.
Generell wird eine nebenberufliche Tätigkeit mit maximal 15 Stunden pro Woche (teilweise wird auch von 18 Stunden gesprochen) definiert. Dies sehen vor allem die Sozialversicherungen so und deshalb sollte man darauf achten. Das ist natürlich für den Aufbau einer Selbstständigkeit im Netz völlig ausreichend und ganz so genau nimmt man es mit den Stunden da ja auch nicht. Wer will das schon nachprüfen, wenn man nicht gerade seine Kunden nach Stundensätzen abrechnet.
Vorteile – Nebenberuflich selbständig machen
Beginnen wir doch einfach mal mit den Gründen, warum man überhaupt nebenberuflich gründen sollte, statt gleich ins kalte Wasser zu springen und hauptberuflich zu gründen.
- Risiko
Ein wichtiger Vorteil der nebenberuflichen Selbstständigkeit ist natürlich das geringere Risiko. Während ein Vollzeit-Existenzgründer von seiner Tätigkeit leben muss, hat man als nebenberuflicher Gründer diesen Zwang nicht. Das bedeutet zwar nicht, dass man nicht Geld verdienen sollte und auch will. Aber es nimmt doch etwas den Druck weg und man kann sich etwas entspannter dem Aufbau der Selbstständigkeit widmen.
Sollte es nicht funktionieren mit der Selbstständigkeit, dann hat man einen sicheren Hauptjob und ist nicht arbeitslos. - Know How
Wenn man nebenberuflich gründet, kann man eine Menge in der Praxis lernen. Man merkt welches kaufmännisches Wissen notwendig ist und wo man sich noch Know How aneignen muss.
- Test
Keine Selbstständigkeit ist eine Garantie auf lebenslanges Glück und Erfolg. Noch immer gehen rund 1/4 aller Existenzgründungen in den ersten 3 Jahren den Bach runter. Deshalb ist die nebenberufliche Selbstständigkeit eine ideale Möglichkeit die eigene Geschäftsidee zu testen und herauszufinden, ob man davon in Vollzeit leben könnte.
- Kunden
Da man zwar auch nebenberuflich Geld verdient, aber das noch nicht ganz so wichtig ist, kann man sich etwas mehr darauf konzentrieren Kunden zu finden und Kontakte zu knüpfen. Eine sehr wichtige Voraussetzung für den langfristigen Erfolg.
- Referenzen
Und dadurch kann man sich auch schon eine Menge Referenzen schaffen, die es natürlich viel einfacher machen neue Kunden zu finden.
- Flexibel
Eine nebenberufliche Selbstständigkeit hat auch den Vorteil, dass man relativ flexibel ist. Gerade in der Startphase fällt es oft schwer regelmäßig zu arbeiten und man hat im Nebenjob die Möglichkeit, diese Disziplin zu entwickeln und sich mit den flexibleren Arbeitszeiten eines Selbstständigen anzufreunden.
- finanzielles Polster
Wer gründet sollte dies nicht unbedingt mit einem leeren Konto tun. Wenn man eine gewisse Zeit Geld mit Haupt- und Nebenjob verdient, dann sollte man das nicht gleich wieder alles ausgeben, sondern sich ein finanzielles Polster schaffen und für die Selbstständigkeit zurücklegen.
Nachteile – Nebenberuflich selbständig machen
Aber die nebenberufliche Selbstständigkeit kann auch ein paar Nachteile mit sich bringen.
- Disziplin
Ich habe in der Zeit, als ich noch Angestellter war, auch schon versucht die ein oder andere private Website aufzubauen. Ich muss aber sagen, dass ich damals wirklich Probleme damit hatte mich regelmäßig hinzusetzen und die notwendige Disziplin an den Tag zu legen. Als hauptberuflicher Selbstständiger war das der Druck und die „Motivation“ schon deutlich höher.
- Freizeit
Wer im Hauptjob 8 Stunden und nebenberuflich nochmal 2 Stunden arbeitet, der büßt natürlich einiges an Freizeit ein, die man zur Erholung und zum „Aufladen der Batterien“ braucht. Eine Alternative wäre es, im Hauptjob z.B. nur noch 6 statt 8 Stunden zu arbeiten.
- Hauptjob
Besonders wenn einem die Selbstständigkeit viel Spaß macht, kann es sein, dass man den Hauptjob nur noch ungern macht. Das kann aber großen Ärger geben.
- Sicherheitsnetz
Es gibt Leute, die sind der Meinung, dass der Sprung ins kalte Wasser der Vollzeit-Selbstständigkeit das einzig Wahre ist. Das Sicherheitsnetz des Hauptjobs verhindert demnach bei vielen, dass sie sich wirklich zu 100% „committen“.
- Gesundheit
Man sollte immer auf seine Gesundheit acht geben. Wer täglich 10 oder mehr Stunden arbeitet sollte aufpassen, dass er mit dem Stress gut umgeht und auf seine Gesundheit acht gibt.
Insgesamt sollte man die Nachteile zwar bedenken, aber ich bin der Überzeugung, dass die Vorteile die Nachteile deutlich überwiegen.
Muss ich meinen Chef fragen?
Eine wichtige Frage ist, ob man seinen Chef fragen muss. Im Grunde lautet die Antwort Nein, da jeder Angestellte grundsätzlich das Recht hat nebenberuflich tätig zu sein.
Es gibt allerdings ein paar Kriterien, die erfüllt sein müssen:
- Der Nebenjob darf die eigene Leistung im Hauptjob nicht negativ beeinträchtigen.
- Man darf seinem Arbeitgeber keine Konkurrenz machen.
- Krankheit oder Urlaub darf man nicht dazu nutzen, um nebenberuflich durchzustarten.
- Haupt- und Nebenjob muss klar getrennt sein.
Werden eines oder mehrere dieser Kriterien nicht erfüllt, darf der Arbeitgeber die Nebentätigkeit verbieten.
Beamte müssen sich eine nebenberufliche Selbstständigkeit generell genehmigen lassen.
Grundsätzlich muss man, wenn die obigen Kriterien erfüllt sind, seinen Arbeitgeber auch nicht über eine Nebentätigkeit informieren. Ich bin da aber für Transparenz und wenn man ein gutes Verhältnis zum Chef hat, sollte man offen mit der nebenberuflichen Selbstständigkeit umgehen.
Stellt sich der Chef quer, dann sollte man sich schon gut überlegen, ob man sein Recht auf eine Nebentätigkeit trotzdem durchsetzt. Denn schließlich will man sich ja etwas nebenher aufbauen und nicht den sicheren Hauptjob riskieren.
Etwas anders sieht die Situation aus, wenn man selber noch in der Ausbildung ist. Auf aubi-plus.de finden sich dazu ausführliche Tipps.
Nebenberuflich selbstständig und das Gewerbe
Kurz und knapp können wir diesen Punkt abhandeln. Es gelten dieselben Regelungen wie bei der hauptberuflichen Selbstständigkeit. Man muss also, wenn man regelmäßig nebenberuflich tätig ist, ein Gewerbe anmelden.
Man kann sich aber natürlich als Kleinunternehmer anmelden, wenn man mit weniger als 22.000 Euro Einnahmen im Jahr rechnet.
Mehr zu den verschiedenen Rechtsformen findet ihr im nächsten Teil dieser Serie.
Arbeitsplatz für nebenberuflich Selbstständige

Als Selbstständiger im Netz, der primär am PC arbeitet, ist es aber relativ unproblematisch im Heimbüro zu arbeiten. Wenn es von Außen nicht erkennbar ist und keine Störungen verursacht, dann muss man noch nicht mal seinen Vermieter darüber informieren. Ob man abends 2 Stunden am Computer spielt oder arbeitet, macht keinen großen Unterschied.
Wer allerdings in seinem Nebenjob Tätigkeiten durchführt, die in einer Wohnung normalerweise nicht üblich sind und z.B. Geräuschbelästigungen hervorrufen, der sollte mit seinem Vermieter sprechen.
Und auch wer Kunden- oder Lieferanten-Verkehr hat, sollte nicht versuchen das zu verheimlichen. Sonst kann es zu einer Kündigung kommen.
Steuern und Versicherungen
Zum Thema Steuern und auch zu den Versicherungen für Selbstständige wird es später in dieser Serie noch ausführliche Artikel geben.
Grundsätzlich ist es aber wie folgt:
- Umsatzsteuer
Umsatzsteuer wird nur dann zwingend fällig (bzw. kann auch nur dann auf Rechnungen ausgewiesen bzw. als Vorsteuer abgezogen werden), wenn man mehr als 22.000 Euro Vorjahresumsatz hat bzw. mehr als 50.000 Euro im aktuellen Jahr und man dadurch nicht mehr die Kleinunternehmerregelung in Anspruch nehmen kann.
- Gewerbesteuer
Gewerbesteuer wird ab 24.500 Euro (Freibetrag) Gewinn fällig. Das sollte im Nebenjob auch nicht so einfach zu erreichen sein.
Freiberufler müssen natürlich weder ein Gewerbe anmelden, noch Gewerbesteuer zahlen.
- Einkommensteuer
Hier muss man die Gewinne der nebenberuflichen Selbstständigkeit versteuern, wenn diese mehr als 410 Euro im Jahr betragen. Dazu führt man eine Einnahmen-Überschussrechung durch und gibt die Anlage G bzw. S beim Finanzamt mit ab.
- Krankenversicherung
Solange die Selbstständigkeit nebenberuflich ausgeführt wird, benötigt man keine eigene Krankenversicherung. Und die nebenberufliche Tätigkeit erhöht auch nicht die Krankenkassenbeiträge, die man für den Hauptjob bezahlt.
- Rentenversicherung
Das gleiche gilt grundsätzlich auch bei der Rentenversicherung. Allerdings gibt es einige rentenversicherungspflichtige selbstständige Tätigkeiten, wie etwas Lehrer, Hebammen und ähnliches.
- Unfallversicherung
Hier gibt es keine Pflicht, aber je nach Nebenjob sollte man darüber nachdenken, eine separate Unfallversicherung mit abzuschließen, da die über die Berufsgenossenschaft abgeschlossene Unfallversicherung den Nebenjob nicht betrifft.
Die steuerlichen und sozialversicherungstechnischen Vorteile einer nebenberuflichen Selbstständigkeit sind nicht zu übersehen. Man muss die Sozialversicherung im übrigen über die Aufnahme einer nebenberuflichen Tätigkeit informieren.
Etwas kompliziert wird es, wenn man bestimmte Grenzwerte erreicht. Also z.B. die Wochenarbeitszeit von 15 Stunden im Nebenjob oder eine bestimmte Höhe der nebenberuflichen Einnahmen. Deshalb sollte man sich einfach mal an seine Krankenkasse oder Versicherung wenden und nachfragen, welche Grenzwerte dort konkret gelten. Nicht dass man eine Überraschung erlebt und sich z.B. noch zusätzlich versichern muss.
Scheinselbstständigkeit vermeiden
Ein wichtiger Punkt bei der nebenberuflichen Selbstständigkeit ist die Gefahr der Scheinselbstständigkeit. Diese ist nicht erlaubt und an folgenden Kriterien kann man diese erkennen:
- Man kann nicht selber frei über seine Arbeitszeit entscheiden.
- Man ist grundsätzlich nur für einen Kunden tätig.
- Man arbeitet nur für den Arbeitgeber des Hauptjobs.
- Man hat keine eigenen Geschäftsräume.
- Man wirbt nicht um neue Kunden.
- Man setzt seine Preise und Stundensätze nicht selbst fest.
- usw.
Wer viele dieser Kriterien erfüllt, kann als Scheinselbstständiger eingestuft werden und wird dann wieder wie ein Arbeitnehmer behandelt.
Das hat zur Folge, dass Sozialversicherungsbeiträge bezahlt (und nachgezahlt) werden müssen und auch steuerlich hat dies Auswirkungen.
Neben- oder Hauptberuflich selbstständig machen?
Wer sich die vorherigen Teile dieser Artikelserie durchgelesen hat, der wird die Vor- und Nachteile einer nebenberuflichen Tätigkeit deutlich erkannt haben.
Die Frage, ob man sich nun neben- oder hauptberuflich Selbstständig machen sollte, hängt aber auch stark von den individuellen Gegebenheiten ab.
Wer einen sicheren Job hat, der einem Spaß macht und gutes Geld bringt, der sollte das nicht einfach wegschmeißen. Und auch wenn man sich nicht wirklich sicher ist, ob die Selbstständigkeit etwas für einen ist oder ob die eigene Geschäftsidee überhaupt funktioniert, sollte man die nebenberufliche Selbstständigkeit in Betracht ziehen.
Aber selbst dann, wenn man sich sicher ist, dass man erfolgreich selbstständig sein wird, kann es von Vorteil sein, eine Weile erstmal nebenberuflich tätig zu sein. Denn es ist natürlich überhaupt kein Problem später aus der nebenberuflichen in die hauptberufliche Selbstständigkeit zu wechseln.
Wenn man weiß, dass einem die selbstständige Arbeit liegt und man mit dem eigenen Geschäft genug Geld verdienen kann, dann ist der Wechsel relativ problemlos möglich.
Man sollte allerdings bedenken, dass der Wechsel neue Kosten mit sich bringt. Neben Zusatzkosten für ein eigenes Büro etc., sollte man immer circa 30% noch drauf kalkulieren, denn Krankenversicherung, Rentenversicherung, ggf. Arbeitslosenversicherung und ähnliches muss man dann komplett allein tragen. Und man sollte sich als Selbstständiger Rücklagen für unerwartete Ausgaben und schlechte Zeiten anlegen.
Zudem sollte man mit einem Steuerberater sprechen und die ordentliche Buchhaltung sicherstellen.
Zum Abschluss habe ich noch ein interessantes Video für euch. Darin geht es zwar eher um klassische Nebenjobs und weniger um eine nebenberuflich startende Selbstständigkeit, aber es werden sehr viele interessante Informationen geliefert.
Weitere Informationen gibt es in meiner Selbstständig im Nebenjob Artikelserie mit Tipps, Informationen und Beispielen.
So geht es weiter
Im nächsten Teil dieser Artikelserie geht es um die Rechtsform bei der Gründung. Welche gibt es und für wen ist welche Rechtsform sinnvoll?
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