Zukunft der Tageszeitungen & Fachzeitschriften – Infos, Statistiken und meine Meinung

In diesem Artikel möchte ich heute mal ein Thema ansprechen, was an sich nicht so viel mit der Selbständigkeit im Netz zu tun hat.

Es geht um die Zukunft der Zeitungen und Fachzeitschriften, die aktuell mal wieder heiß diskutiert wird.

Da ich selbst trotz (oder gerade wegen) meiner intensiven Arbeit im Internet gern Fachzeitschriften lese, finde ich das Thema interessant und spannend.

Zudem interessiert mich natürlich auch eure Meinung.

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Zukunft der Zeitungen und Fachzeitschriften

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Wen Zeitungen und Fachzeitschriften nicht interessieren, der braucht nun nicht unbedingt weiterlesen.

Ich bin dagegen ein passionierter Fachzeitschriften-Leser. Ich gebe sicher zu viel Geld jeden Monat für Fachzeitschriften aus, aber ich lese diese auch sehr gern. Und da ich mich für viele verschiedene Themen interessiere, ist die Zahl der von mir gekauften Zeitschriften recht umfangreich.

Die Hauptgründe für das Lesen von Fachzeitschriften sind für mich:

  • Offline zu lesen ist für mich sehr angenehm, wenn ich sonst den ganzen Tag vor dem PC sitze.
  • Ich kann Zeitschriften überall lesen und muss mich nicht um den Akku meines Tablets, die Sonneneinstrahlung, WLAN-Empfang oder sonstiges kümmern.
  • Gute Fachzeitschriften setzen heute vor allem auf ausführliche und gut recherchierte Hintergrund-Berichte. Im Netz findet man dagegen vor allem kurze News-Happen.
  • Zeitschriften sind zudem was beständiges. Ich kann recht schnell mal ein älteres Heft herausholen und etwas nachschlagen. Im Netz ist es oft schwieriger etwas wiederzufinden oder es ist bereits gar nicht mehr online.

Für mich ergänzen sich das Internet und Fachzeitschriften eigentlich recht gut. News und schnelle Infos gibt es im Netz. Ausführlichere und tiefer gehende Informationen finde ich dagegen eher in Fachzeitschriften (obwohl es da natürlich auch gute Internet-Angebote gibt).

Evtl. liegt es auch daran, dass ich mich Print-Medien aufgewachsen bin, als es noch kein World Wide Web gab. Für viele jüngere Menschen spielten Zeitschriften dagegen wohl nie wirklich eine große Rolle.

Tageszeitungen haben für mich dagegen noch nie eine große Bedeutung gehabt. Diese enthalten oft eben auch nur News-Happen und zudem viele Infos, die mich einfach nicht interessieren. Und was dann doch wichtig ist, bekommt man auch im Netz, Radio oder im TV mit.

Rückgang erst seit dem Internet?

Doch die Entwicklung sieht insgesamt nicht sehr gut aus. Die Auflage von Tageszeitungen sinkt seit mehr als 2 Jahrzehnten kontinuierlich. Erste bekannte Print-Zeitungen mussten bereits eingestellt werden.

Schaut man sich diese Statistik an, dann sieht es für die Zukunft nicht gerade rosig aus:

zur Statistik

Man erkennt aber auch sehr gut, dass der Rückgang nicht erst seit der intensiven Internet-Nutzung (ca. ab dem Jahr 2000) im Gange ist. Bereits vorher sind die Auflagen kontinuierlich gefallen, auch wenn es sich mit der weiten Verbreitung des Internets nochmal beschleunigt hat.

Auch bei den Fachzeitschriften ist einen negative Tendenz zu erkennen:

zur Statistik

Auf Grund der sinkenden Auflagen gehen natürlich auch die Umsätze von Fachzeitschriften zurück:

zur Statistik

Dennoch sollte man nicht zu voreilig sein und lediglich das Internet für den Niedergang verantwortlich machen.

Seit den 80er Jahren wandelt sich die Mediennutzung und viele Menschen konsumieren nicht mehr so viele oder gar meine Print-Mediem mehr.

Ich glaube nicht, dass die Menschen generell keine Informationen mehr möchten, aber durch das Fernsehen und durch das Internet sind eben 2 Informationsmedien sehr groß und wichtig geworden, die in Konkurrenz zum Gedruckten stehen. Und gerade bei den kurzen und aktuellen News haben diese beiden den Print-Medien einiges voraus.

Das zeigt auch die Statistik über den steigenden Medienkonsum in einem erfrischend selbstkritischen FAZ-Artikel.

Darin gibt es zudem eine interessante Ausschau, wie es in Zukunft weitergehen könnte.

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Erfolg in der Nische?

Die vielen neuen Fernsehsender und ganz besonders das unüberschaubare Angebot im Web haben gezeigt, dass die Menschen mehr und mehr ihre Informationen in der Nische suchen.

Statt eine Tageszeitung mit Informationen über alle möglichen Themen zu kaufen, möchten sich viele nur über das informieren, was sie interessiert. Das ist sicher auch eine Reaktion auf die stark gestiegene Informationsflut, die es vor 20 oder 30 Jahren so noch nicht gab.

Und hier scheint auch der Weg der Fachzeitschriften hinzuführen, wie diese Statistik zeigt:

zur Statistik

Die Anzahl der Fachzeitschriften ist stark angestiegen (trotz einen Einbruchs in Zeiten der Finanzkrise).

Immer mehr spezialisierte Zeitschriften kommen auf den Markt, die zwar an sich weniger Auflage haben, aber dafür ein sehr genaues Zielpublikum, welches wohl auch bereit ist dafür zu zahlen. Und für Werbekunden ist das auch interessanter, da sie ihre Zielgruppe so ebenfalls besser erreichen, als mit einer “Zeitung für alle”.

Wie geht es nun weiter?

Das kann man natürlich nur vermuten, aber ich sehe für die großen Tageszeitungen eher problematische Zeiten kommen.

Die jüngeren Menschen sind es mittlerweile gewohnt auf sie zugeschnittene Informationen zu bekommen und natürlich ist dort das Internet deutlich wichtiger geworden. Deshalb würde es mich nicht überraschen, wenn in den nächsten Jahren auch die eine oder andere große Tageszeitung vom Markt verschwindet.

Bei den Fachzeitschriften sehe ich das etwas anders. Hier ist man oft schon viel weiter, hat sich spezialisiert und sein Publikum gefunden. Natürlich wird es auch hier ein Kommen und Gehen geben und die Einnahmen werden sicher nicht unbedingt steigen, aber in vielen Nischen werden Fachzeitschriften weiterhin ihren Platz finden. Gerade dann, wenn sie sich inhaltlich vom schnellen und leider oft sehr oberflächlichen Internet abheben.

Fazit

Ich finde es schon ein wenig schade, dass die Print-Medien derart in der Krise stecken.

Allerdings bin ich jemand, der schon immer der Meinung war, dass das Leben aus Weiterentwicklung besteht. Und wenn irgendwann die Leute einfach keine Tageszeitungen mehr lesen wollen, dann ist das eben so.

Früher war das Radio das Hauptinformationsmedium, welches mittlerweile im Schatten anderer Medien steht. Auch die Litfaßsäule hat früher eine wichtige Rolle bei der Informationsvermittlung gespielt und ist heute nahezu vergessen. So ist das mit dem Leben, es entwickelt sich weiter und “wer nicht mit der Zeit geht, der geht mit der Zeit”.

Lest ihr noch Tageszeitungen oder Fachzeitschriften?
Wenn ja, was sind die Gründe dafür?

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15 Gedanken zu „Zukunft der Tageszeitungen & Fachzeitschriften – Infos, Statistiken und meine Meinung“

  1. Ich kaufe gar keine Print-Fachzeitschriften mehr. Ich bin komplett umgestiegen und nutze unter anderem Angebote wie zum Beispiel springerprofessional.de. Auch hier habe ich meine Archive und kann alte Zeitungen herauskramen, zudem gibt es weitaus mehr Inhalte. Zeitschriften wie die t3n habe ich früher abonniert und mittlerweile gekündigt. Die Inhalte sind meist veraltet oder bereits tiefer gehend auf anderen Blogs, insbesondere US-Blogs vorhanden. Wenn ich wirklich ein Print-Magazin lesen will, die Website Boosting ist hier noch positiv zu erwähnen, gehe ich 20 Meter aus dem Haus in die Bibliothek.

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  2. Sehe das im Prinzip genau so wie du, ich sitze den ganzen Tag am PC, dann entspanne ich mich abends mit einem gedruckten Buch oder einer Zeitschrift, lese sehr gerne Website Boosting und Der Webdesigner.
    Ich glaube, dass die Konkurrenz durch das Internet die Qualität von gedruckten Medien verbessert hat und sehe das positiv – vor allem Fachzeitschriften werden IMMER gekauft werden und selbst wenn nicht, dann bezahlt man eben für paid content: umweltfreundlicher, schneller und besser für die herausgeber.

    auch wenn ich es vermissen würde, im supermarkt in der zeitschriftenecke nach der computer-abteilung zu suchen ;)

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  3. Also ich bin auch ein großer Fan von Fachzeitschriften und denke das diese auch in der Zukunft eine gute Chance haben. Bestes Beispiel in unserer Branche ist ja die “Website Boosting”, da wurde ja auch von vielen gesagt, dass das gerade in diesem Bereich überhaupt kein Sinn und keine Zukunft hat und jetzt ist das Magazin definitiv etabliert.

    Worin ich mit dir Peer aber nicht übereinstimme ist die Sache mit dem Wiederfinden von Informationen aus alten Heften. Vielleicht liegt es auch an meiner “Lagerhaltung”, aber ich verzweifele immer bei der Suche nach einem Artikel aus einer alten Zeitschrift, da man ja auch nie genau weiß in welcher Ausgabe das war, dann muss man ewig blättern und suchen und, und, und … Da ist das Internet dank Google dann doch viel schneller und auch gemütlicher.

    Bei gewöhnlichen Tageszeitungen sehe ich hingegen schwarz. Zumindestens ich nutze diese überhaupt nicht und informiere mich komplett im Internet. Zum einen mal bietet sich das Medium viel besser für aktuelle Inhalte an, zum anderen finde ich auch oft die Kommentare unter dem Artikel interessanter als der Artikel selbst. Das kann eine gewöhnliche Zeitung einfach nicht bieten und klar wäre es schade wenn diese Ausstirbt, aber so ist eben der Medienwandel.

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  4. Meiner Meinung nach, hat der Konkurrenzdruck durch das Internet dem Zeitschriftenmarkt erst einen besseren Weg gewiesen. Wie Du schon schreibst, erwarte ich von Zeitschriften durchrecherchierte Artikel und tatsächlichen Wissensgewinn. In den 80ern und erst recht in den von Dir hier als Vergleichszahlen ausgewiesenen 90er Jahren gab es doch sehr viel Wildwuchs und Goldgräberstimmung im Zeitschriftenmarkt. Hier gab es sicher katastrophale Rückgänge, aber die Zahlen zeigen auch, das die Verlage die Zeichen der Zeit erkannt und einen Weg gefunden haben. DPA Pressemitteilungen unkommentiert abzudrucken, oder auch neue Klatschthemen zu “erfinden” funktioniert im Magazin- und auch Zeitschriftenmarkt immer weniger. Hier ist das Internet einfach besser, man muss sich so manche Tageszeitung nur mal genauer ansehen. Die “Nachrichten” stehen in vielen Fällen Wort für Wort zuvor im Internet, da hier der einfachste Weg gegangen und eine DPA Nachricht 1 zu 1 übernommen wird. Investigative – und auch gut recherchierte Fachartikel werden eben immer wichtiger, da heisst es wohl zurück zu den Anfängen. Die Redakteursarbeit der 60er Jahre ist für mich ein gutes Beispiel – auch das Radio war schon immer schneller, als die Zeitschriften.

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  5. Es gibt technisch gesehen keinen Grund, warum ein Magazin wie das hier genannte „Website Boosting“ nicht auch digital erscheinen und dann viele Vorteile dieses Formats nutzen könnte. Ich denke auch, dass das im Verlauf der nächsten fünf bis zehn Jahre passieren wird. Es ist einfach eine logische Entwicklung. Inzwischen werden Bücher ja schon zu erheblichen Teilen oder sogar überwiegend digital gelesen. Ich möchte das nicht mehr missen. Ich z.B. habe etliche Bücher gerade in diesem Moment bei mir – auf meinem iPad. Ich kann spontan Bücher kaufen (was ich sehr gern tue). Und da ich viel auf Englisch lese, möchte ich das eingebaute Dictionary nie wieder missen. Natürlich ist ein Bücherregal toll. Ich denke auch nicht, dass gedruckte Bücher so bald ganz aussterben werden. Aber die Masse wird digital sein und ist es heute schon vielfach.

    Digitale Magazine haben ähnliche Vorteile, sowohl für die Macher wie die Leser. Es würde allerdings zu weit führen, die hier jetzt aufzulisten ;) Vielleicht einige Dinge: Ich bin als Macher vollkommen unabhängig von Seitenzahlen – ich habe also genau so viele Artikel, wie ich für richtig halte und nicht wie es die Zahl der Anzeigen und die Druckmaschine diktieren. Die Artikel sind zudem exakt so lang und so illustriert, wie ich es für richtig halte. Bei Bedarf sind multimediale Ergänzen wie Bildergalerien und Videos möglich. Die Liste ließe sich wirklich lange fortsetzen. Diese Vorteile werden schlaue Leute künftig für spannende und tolle Inhalte nutzen.

    Bei einem Kindle musst du dir übrigens keine Sorgen um den Akku machen oder darum, ob du damit draußen lesen kannst. Wobei ich dieses Argument mit dem In-der-Sonne-lesen immer für sehr theoretisch halte, denn auch auf einer weißen Papierseite lese ich nicht im prallen Sonnenschein ;) Aber selbst wenn du das willst, geht das mit einem Kindle ebenso. Und im Schatten kannst du auch auf einem iPad gut lesen. Und das ist wie gesagt immer gleich schwer (oder leicht), egal wie viele Bücher und Magazine ich gerade dabei habe.

    Dass es digitale Magazine heute noch schwer haben, hat verschiedene Gründe. Viele Leser wissen nicht, dass es diese Möglichkeit gibt. Viele Angebote sind schlecht gemacht (Multimedia-Schnickschnack oder einfach das Print-PDF in eine App gepackt etc.pp.). Und nicht zuletzt bezahlen die Werbekunden noch immer unfassbare Summen dafür, dass ihre Anzeige leicht überblätterbar und praktisch ohne jede Erfolgskontrolle auf Papier gedruckt wird. Aber hier wird sich die Erkenntnis in den nächsten Jahren eventuell durchsetzen, dass man seine Werbegelder einmal in andere Projekte investieren sollte…

    Obwohl ich ein ausgesprochen großer Fan von Zeitschriften bin, weine ich dem bedruckten Papier keine Träne nach. Ich warte stattdessen ungeduldig darauf, dass die großen Verlage endlich einmal den Hintern hochbekommen und rein digitale Magazine auf die Beine stellen, die keine Print-Bleikugel am Fußgelenk haben.

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  6. Ich stimme WebWorker zu. Die Suche in alten Zeitschriften ist mühsam. Obwohl ich sogar ein gutes System habe: Ich notiere Seitenzahl und Stichwort auf dem Heftumschlag.

    Andererseits gehen wirklich gespeicherte Links nach einiger Zeit oft ins Leere. Das ist dann ärgerlich.

    Was die Litfaßsäule betrifft scheint die wieder zu kommen. Bei mir in der Umgebung gibt es mindestens drei. Allerdings die moderne Version mit Beleuchtung und sie drehen sich.

    Tageszeitungen lese ich schon lange nicht mehr. Die ganzen negativen Meldungen muss ich mir nicht antun. Ich höre Kurznachrichten oder überfliege Gratis-Zeitungen. Bei Interesse schlage ich Details im Web nach.

    Fachzeitschrift lese ich nur eine. Selbst die könnte durch das Web ersetzt werden. Aber ab und zu lese ich aber auch gerne offline (vor allem Bücher).

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  7. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Zeitschriften nach und nach komplett durch “Internetzeitschriften” ersetzt werden. Das setzt natürlich voraus, dass die Qualität der Artikel sich maßgeblich verbessert, eben so wie es in guten Zeitschriften üblich ist. Es muss nicht bedeuten, dass die Zeitschrift deswegen pleite geht! Es muss eben nur ein Umzug ins Netz vollzogen werden. Ich selbst lese ebenfalls gerne Fachzeitschriften. Besonders praktisch ist das Lesen von Fachzeitschriften zum Beispiel im Zug, oder generell unterwegs. Wenn die Technik sich verbessert, kann auch das bald ohne Akkuprobleme, Sonneneinstrahlungsprobleme oder schlechte W-LAN Verbindung getan werden.

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  8. Uff,
    da machst Du ja ein großes Fass auf. Zunächst einmal kann man beide Märkte nicht miteinander vergleichen, ebensowenig wie Äpfel und Birnen, die beide, wie man weiss, Obst sind. Schin bei den Tageszeitungen ist der Unterschied zwischen regionalen und überregionalen wichtig. Zunächst einmal zeigt sich bei beiden, dass sie lange Zeit den Trend zum Internet verschlafen haben und statt moderne Konzepte zu entwickeln lieber den Status quo zementieren möchten (Urheberrechtsabgabe für Zeitungverlage).

    Hinzu kommt, dass die Leserschaft von regionalen Tageszeitungen im wahrsten Sinn des Wortes langsam wegstirbt. Inzwischen hat man auch in den Redaktionen und bei den Verlegern begriffen, dass Tote für SEHR LANGE ZEIT keine Zeitschriften mehr kaufen. Es wurde allerdings versäumt, ein Angebot aufzubauen, dass junge Menschen interessiert. Sei es im Layout oder bei den Inhalten.

    Ich kenne Tageszeitungen, die kauften (trotz rapide sinkender Leserzahlen) lieber eine neue Rotationsdruckmaschine für mehrere Millionen Euro, statt eine kleinere 5-Stellige Summe in andere Aktivitäten zu stecken, mit denen Sie jüngere Leser hätten geweinnne können.

    Zieht man nun noch die Politikverdrossenheit der Bürger (die da oben machen sowieso was sie wollen / ich kann eh nichts ändern) und die Tatsache mit ein, dass die regionale Berichterstattung aufgrund des Stellenabbaus in den Redaktionen eh am Boden liegt, kann sich eigentlich niemand (außer den betroffenen Chefredakteuren / Verlegern) über den Abwertstrend wundern.

    Aber stopp! Stimmt ja. Wie konnte ich nur so träumen? Regionale Berichterstattung bei Tageszeitungen? Es ist ja mindestens 30 Jahre her, dass die einen Stellenwert hatte. Bei Tageszeitungen geht es doch um Anzeigen. Der Leser mag vielleicht redaktionelle Inhalte erwarten, der Verlag braucht aber Anzeigen. Gaaaaaaanz viiiiiiiiieeeele Anzeigen. Und die bleiben aus. Weil das böse Internet (kleinanzeigen.ebay.de) die ganzen Privatkunden abzockt. Un Geschäftskunden? Wer oddenen Auges durch unsere Innenstädte geht, wird den lokalen Leerstand nicht übersehen können. Den (immer so groß beschworenen) Mittelstand (Stütze der deutschen Wirtschaft) gibt es doch nur noch als Randerscheinung im Maschinenbau. Der Mittelstand ist längst pleite, hat es nur noch nicht begriffen. Und auch hier fehlen wieder neue Konzepte. Kalydo.de als Antwort auf eBay? Lachhaft – vergleicht mal die Angebote.

    Die regionale Tageszeitung stirbt. Langsam aber sicher veschwindet sie in dem Grab, das sie sich selbst gegraben hat.

    Es ließe sich noch viel anmerken, würde aber den Rahmen sprengen. Darum noch kurz was zum Thema “Fach”zeitschriften und die sogenannten “Fach”verlage.

    Diese tummeln sich gerne, weil gewinnbringend, im thematisch schnellwechselnden Bereichen: Internet, Fotografie, Video, Garten, Bio etc. Sicher, bei vielen gibt es Informationen, die ich woanders erst lange recherchieren müsste. Fachzeitschrifte sind also sinnvoll und es ist fair, dafür zu bezahlen. Aber leider tritt hier die oft zu beobachtende “ich krieg den Hals nimmer voll”-Mentalität zu Tage. Will heißen: Eine “Fach”zeitschrift für 19,95 ist eine Frechheit. LEute, wacht mal auf: Wer hätte zu DM-Zeiten eine Zeitschrift für knapp 40,- Mark gekauft? Oder ein Fachbuch: Ein dickes Fachbuch in der Fotografie kosten den Verlag im Druck vielleicht 7,- Euro, der Autor wird nach Erfolg bezahlt und die Leistungen des Verlages (redaktionelle Betreuung, Lektorat, Werbung und Vertrieb) vielleicht noch einml 10,- Eurpo. Im Handel kostet das Ding dann 49.90. also fast 100,- DM und ist nach mindestens sechs Monaten veraltet. Allerdings geht es diesen Verlagen gut. Logich, bei der Spanne.

    Allerdings haben es Fachverlage auch wesentlich einfacher, als Tageszeitungen, denn sie haben eine sehr enge Zielgruppe und werden oftmals in kleinen (SEHR KLEINEN) Teams gemacht. Ich kenne Fachzeitschriften, deren Redaktion besteht aus zwei Leuten und die machen die Gestaltung auch noch gleich mit. Hinzu kommt, dass gerade im technischen Bereich die Innovationsschnelligkeit die Informationsdichte erhöht und damit immer neues Futter für die Leser liefert. Auch haben es viele Redaktionen verstanden, eine sinnvolle Parallelwelt im Netz aufzubauen. Längst lese ich Fachzeitschriften nur noch als App und nicht mehr in Papierform.

    Aber auch da stößt man schnell an die Grenzen der verlegerischen Paranoia. Kaufe ich ein Heft in Papierform, kann ich Seiten rausreißen, um sie zu archvieren, Seiten kopieren um Sie meinem Kumpel zu geben oder si scannen, um sie zu verschicken. Das alles geht mit einer App nicht. Ich kann die Zeitschrift auch nicht außerhalb des Tblets (z.B. am Computer lesen), denn als eBook steht sie nicht zur Verfügung. Und auch hier muss man sich fragen: Will ich das eigentlich? Viel bezahlen und immer weniger bekommen.

    Umendlich (wer es bis hinhin ausgehalten hat: BRAVO) zum Schluss zu kommen: Natürlich ist das Internet schuld. Nicht weil alles überall verfügbar ist, sondern weil es Verleger versäumt haben, neue sinnvolle Konzepte zu entwickeln, die den Leser reizen, sie auszuprobieren und ihn bei der Stange halten. Die Tageszeitungen sind meiner Meinung nach nicht mehr zu retten und weden die nächten 10 Jahre nicht überleben. Und die Fachzeitschriften? Werden langsamer sterben, spätestens dann, wenn der Verbraucher aufwacht und einen realen Gegenwert für sein Geld verlangt.

    In diesem Sinne
    AS

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  9. Es ist einfach der Lauf der Zeit. Die Welt dreht sich weiter, und die Menschen drehen sich mit. Wenn man auf Dinge beharrt, die immer weiter in den Hintergrund gedrängt werden, wird man früher oder später scheitern.
    Ich selbst informiere mich über das Internet oder über den Fernseher, gar nicht mehr über eine Zeitung oder Zeitschrift.
    Was ich mich frage ist, ob es denn jemals digitale Zeitungen geben wird, ähnlich wie ein Ebook, welches man an jedem Kiosk kaufen kann? Natürlich um mit dem Strom der Zeit mit zu schwimmen.

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  10. Zeitungen enthalten Informationen die nicht im Internet zu finden sind. Ich rede jetzt nicht von Artikeln der Weltbühne sondern von regionalen Ereignissen.

    Ich lebe hier sehr ländlich und hier sind oft andere Informationen gefragt. Da ist es interessant zu wissen ob die alte Mühle einen Sturmschaden hatte oder ob eine Sparkassenfiliale schließen will.

    Diese Informationen deckt nur eine regionale Tageszeitung ab. Diese hat zwar auch einen Internetauftritt, aber Infos zum Inhalt der Zeitung gibt es nur als Teaser, mehr wenn man die Zeitung kauft oder ein Internetabo bestellt.

    Nicht zu vergessen die regionalen Kleinanzeigen. Anzeigen wie “Ich brauche Hilfe bei der Internetseite” sind Gold wert. Der weitere Vorteil dieser regionalen Zeitungen, man kennt den Redakteur und man kann auf Themen aufmerksam machen.

    Ob regionale Tageszeitung oder Wochenblatt, ich bin ein großer Fan davon.

    Außerdem bin ich ein Fan davon am Frühstückstisch mich jedesmal zu organisieren um Teller, Tasse und Zeitung gleichzeitig im Griff und Blick zu haben. Das ist einfach ein Stück Lebenskultur. Einen E-Book-Reader oder Tablet hingeben besitze ich absichtlich nicht.

    Fachzeitschriften kaufe ich mir auch ab und an. Die Flut an Fachzeitschriften ist allerdings schon recht unübersichtlich und ich würde mancher Fachzeitschrift den Titel Fachzeitschrift gerne aberkennen. Denn ein Merkmal ist für mich das aufgreifen neuer und interessanter Themen und nicht das abschreiben alter Artikel aus anderen Zeitschriften.

    Das Internet bietet fast zwar alles, aber in manchen Bereichen ist es inhaltsleer. Ich hebe mir die Fachzeitschriften in aller Regel auf so dass ich auch beim stöbern in meinem Regal ich auf einmal Artikel in die Hand bekomme die 10 Jahre oder älter sind.

    Dieses Erlebnis über Sprachwandel, Gedanken oder Meinungen von damals und heute bekommt man im Internet nicht.

    Internet ist der Hort des Vergessens. Daten bleiben zwar erhalten, aber keine Zwischenmenschlichen. Ich sehe nicht woher ich komme. Anders wenn ich meine Bücher und Zeitschriften ansehe. Da weiß ich was mich mal bewegt hat und wie sich etwas entwickelt hat.

    Das betrifft auch die Mails. Bin ich froh dass ich mit meiner Oma intensiven Schriftverkehr gepflegt habe. Persönliche Dinge wie Handschrift und Wahl des Papiers sind nicht in Bits und Bytes enthalten. Das Internet ist unentbehrlich, dennoch zweite Wahl.

    Zum Abschluss: Mein Hobby ist angeln. Gerne nehme ich ein Buch oder eine Zeitschrift mit. Einem elektronischen Gerät wie einem Reader traue ich weder Regen noch den Wurf auf den Boden oder sonstiges zu was so alles beim angeln passieren kann. Meiner Zeitschrift macht das nichts aus.

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  11. Ich denke das die Zeitschriften und andere aussterben werden. Es gibt jetzt schon viele Autoren die klagen und schimpfen. Kann ich verstehen, ändert aber nichts daran das die Bedrüfnisse der Verbraucher vorrang haben. Wenn die Leute lieber im Internet lesen, dann lesen Sie halt im Internet.

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  12. Als Betreiber eines Zeitschriften-Preisvergleichs kann ich die Meinungen und Trends hier zum Teil bestätigen und gut nachvollziehen. Aber möchte sie auch ein wenig relativieren:
    Ich betreibe seit mehr als 8 Jahren einen Abo-Preisvergleich ( abo-bar.de ), und wir haben jetzt noch noch einen zweiten (read-social.de ) gegründet. Und zwar aus dem Grund, weil es doch immer noch recht viele Leute gibt, die Zeitschriften, auch zur Unterhaltung, lieber aus Papier lesen. Klar, das ist eher die etwas ältere Generation.
    Aber dafür “gewöhnen” sich immer mehr an ePaper, da man dort die Infos schon gebündelt bekommt und meist auch recht gut aufbereitet (in der gewohnten Art) bekommt.

    Ich schätze das so ein: Die Tendenz ist zwar eindeutig rückläufig durch parallele Internet-Infos und auch durch weniger Lese-Bereitschaft, aber soo schwarz, dass es in naher Zukunft kaum noch Zeitschriften(Abos) geben wird, würde ich das nicht sehen.

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  13. Ich bin ebenfalls vollständig von Print-Medien auf digitale Medien umgestiegen, was aber nur möglich war, weil die Unternehmen sich bereits an die neue Entwicklung angepasst haben und ihre Inhalte auch in digitaler Form anbieten.

    Natürlich ist es immer noch ein anderes Gefühl, es sich Sonntag morgens mit einer Zeitung bequem zu machen oder Abends gemütlich eine Zeitschrift zu durchstöbern, als sich die Artikel aufs Tablet zu laden und schnell zu überfliegen. Aber hierbei zählt für die meisten wohl auch wieder die Bequemlichkeit; wer geht denn noch los und kauft sich eine Zeitschrift am Kiosk oder im Zeitschriftenhandel, wenn er sich das gleiche als E-Book auch von der Couch aus herunterladen kann?

    Obwohl ich selbst bei dieser Entwicklung mitziehe, finde ich die Situation der traditionsreichen Printmedien dennoch sehr schade und glaube, dass mit ihnen auch ein ganzes Stück Kultur verloren gehen würde.

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  14. Wer liest denn heute noch Tageszeitungen? Online ist alles minutenaktuell, gedruckt sind die Artikel mindestens einen Tag veraltet. Hinzu kommt die miese Qualität, die zum Großteil aus agenturmeldungen besteht, so dass über 50 Prozent in jeder Tageszeitung austauschbar sind. Die Zahl dürfte wahrlich höher liegen. Ich bin eher dazu übergegangen statt Zeitungen und Zeitschriften ein Buch zu lesen. Das ist handlicher, fachlich kompetenter und nicht mit Werbung beziehungsweise Schleichwerbung durchsetzt. Ich würde daher nichts vermissen wenn das hiesige Käseblatt nicht mehr da wäre …

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  15. „In eigener Sache“ war vor einigen Tagen die Überschrift zu einem Artikel in der FAZ. Die Unterzeile brachte es auf den Punkt: „Die Zeitungen stecken in der größten Krise ihrer Geschichte. Das liegt nicht nur am Internet. Anlass genug, über unsere eigene Branche nachzudenken.“ Als ich den Artikel verschlungen hatte, der übrigens in kompletter Länger online zu lesen war, musste ich erst einmal tief durchatmen. Er hat mich betroffen gemacht. Der Beitrag beschreibt genau das, was ich in den vergangenen knapp 30 Jahren Redaktionsalltag selbst erlebt habe. Was ist die Zeitung von heute noch? Antwort: Längst nicht mehr die Zeitung von gestern. Aber was ist genau passiert?

    Wie ich schon in meinem ersten Blog-Beitrag erklärt habe, hat sich die Zeitungslandschaft in den vergangenen 30 Jahren erheblich gewandelt. Als ich in den Journalismus eingestiegen bin, teilten sich bei uns in der Lokalredaktion jeweils zwei Kollegen einen Computer. Naja, wenn man das überhaupt Computer nennen sollte – aus heutiger Sicht. Damals war das „die Errungenschaft“ schlechthin. Der Clou daran war, dass die PC’s der Marke Alpha immerhin eine Überschrift, eine Unterzeile und einen sogenannten Fließtext anzeigen und schließlich sogar die ungefähre Größe in Millimetern errechnen konnten. Jeder fertige Artikel wurde mit Überschrift und Größe in ein Ringbuch eingetragen, das vom Chefredakteur „verwaltet“ wurde – Content-Management anno 1990. Das Seitenlayout haben wir auf Papier gescribbelt, die Fotos, schwarz-weiß natürlich, selbst im Labor entwickelt, und die endgültigen Seiten wurden von Schrift- und Fotosetzern und Co. druckfertig vorbereitet. Herrlich waren diese Zeiten. Doch darum geht es eigentlich gar nicht. Schluss mit der Schwärmerei.

    Wir waren wer. Wir waren „Gatekeeper“, die „Hüter“ aller Veröffentlichungen. An uns kam keiner vorbei. Oder anders gesagt: Was anderes als uns gab es nicht. Wir hatten Autorität. Die Zeitung hatte Autorität. Erinnern Sie sich noch an Ihre Studienzeit? Auf der Wohnungssuche reihte man sich freitagsabends in die Schlange vor der Zeitungsdruckerei ein, um die ersten druckfrischen Samstagsausgaben mit den neuen Wohnungsangeboten zu erhaschen? Was meinen Sie, wie ich meine erste Wohnung bekommen habe? Das war 1989.

    Und dann kam das Internet – das web 1.0. Wohl keiner hat sich damals vorstellen können, wie rasant sich diese neue Welt entwickeln wird, in nur einem Viertel Jahrhundert. Immer mehr Unternehmen fühlten sich aufgerufen, sich im world wide web auf einer eigenen Homepage zu zeigen. Und: Immer neue Möglichkeiten taten sich plötzlich auf. Die Studies standen nicht mehr vor der Druckerei. Sie fanden ihre Wohnungen auf „Immoscout“ und Co. Schnell folgten „autoscout“, „jobbörse“ oder auch die vielen Plattformen, auf denen sich Menschen kennen lernten, deren Silberhochzeit naht. Zum ersten Mal in der Geschichte der Zeitungsverlage erkannte die Wirtschaft, dass man auch ganz ohne Papier Geld verdienen kann. Und die Verlage mussten schlucken, dass sie dem Leser weniger Service bieten konnten. Service, der das Kaufen einer Zeitung für viele Menschen eben auch interessant macht. Werbebudgets standen plötzlich nicht mehr ausschließlich den Verlegern zur Verfügung, weil Unternehmen erkannten, dass es zwischen Werbung und Nachrichten nicht mehr wirklich einen Zusammenhang gab.

    Zeitgleich geschah noch etwas. Nachdem sich die Unternehmen aufgefordert sahen, sich mit einem eigenen Web-Auftritt der digitalen Welt zu präsentieren, folgten auch die Zeitungsverlage. Erste Artikel wurden online gestellt. Damals noch in voller Länge. Alles war Neuland. Ich erinnere mich gut an die ersten Redaktionskonferenzen, in denen wir uns die Haare rauften, weil wir uns nicht einig werden konnten, welche Inhalte nun denn online zu lesen sein sollen, um nicht die Printausgabe zu gefährden. Es wurde nicht zu ende diskutiert und nicht zu Ende gedacht. Wie auch? Heute muss ich sagen, dass alle Verlage und Redaktionen genau an dieser Stelle einen ganz entscheidenden Fehler gemacht haben. Während der Leser für guten Journalismus in Printausgaben bezahlen musste und auch heute noch bezahlt, bekam er im Web genau diesen guten Journalismus für lau. Eine Kostenloskultur machte sich in den Pionierjahren des Internets breit. Wir „User“ wurden verwöhnt – und sind es heute noch.

    Den Verlagen ging mehr und mehr Geld verloren. Richard Gutjahr, derzeit einer der gefragtesten Journalisten Deutschlands, wenn es um die Zukunft des Journalismus geht, formulierte es in seinem Beitrag „Eine Welt im Umbruch“ vor kurzem so:

    „Das Problem derer, die in den Medienhäusern aktuell am Ruder sitzen: Sie kennen Konjunkturkrisen, aber keine Strukturkrisen. Für die Erben-Generation der Verlegerfamilien hatte die Sonne immer geschienen. Renditen von 20 bis 30 Prozent waren die Regel. Rupert Murdoch bezeichnete die Anzeigenerlöse einst als “rivers of gold”. Oder wie es ein deutscher Verleger mir gegenüber mal am Rande einer Tagung formuliert hatte: Die Lizenz, im Nachkriegsdeutschland eine Zeitung herausbringen zu dürfen, war über Jahrzehnte hinweg eine Lizenz zum Gelddrucken.“

    Mitte der 1990er Jahre begannen in den Verlagen die Diskussionen um die Kosten. Immer neue Ideen, Geld einzusparen, lagen auf dem Tisch. Dazu gehörten unter anderem auch die Umfänge der täglichen Ausgaben. Natürlich stand ein Posten ganz oben: Personal. Freie Stellen wurden nicht mehr besetzt, Haustarife untergruben gewerkschaftlich ausgehandelte Flächentarife, Volontäre ersetzten Redakteure und die Arbeitsbelastung durch immer neue Aufgaben nahm für jeden einzelnen stetig zu. Und das alles zu Lasten der Qualität. Auf der anderen Seite wurden die Zeitungs-Abo-Preise kontinuierlich erhöht. Da grenzen Abo-Einbrüche von fünf bis zehn Prozent pro Jahr beinahe schon an ein Wunder. Eigentlich müssten es viel mehr sein. Dem treuen Leser sein Dank! Nur – wie lange noch? Ich fahre seit geraumer Zeit viel mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Betrat man vor drei Jahrzehnten einen Zug oder einen Bus, versteckten die Mitfahrer ihre Köpfe hinter grau-weißem Zeitungspapier. Heute, im Zeitalter von web 2.0, ist dieses Bild aus der Öffentlichkeit beinahe ganz verschwunden. Die Blicke der Reisebegleiter sind aufs Smartphone oder Tablet gerichtet, Finger wischen von Nachricht zu Neuigkeit und der neue Facebook-Eintrag wird noch schneller getippt, als ich es auf einer großen Tastatur mit dem guten Zehn-Finger-Prinzip jemals könnte. Bei meinen Kindern, der „Gen Y“, hab ich gar den Eindruck, dass das Smartphone inzwischen ein Teil der Hand ist.

    Ich habe in meiner Ausbildung einmal gelernt, so zu schreiben, dass selbst „Tante Trinchen“ versteht, was ich meine. Leider lebt „Tante Trinchen“ heute nicht mehr, ihr Abo wurde gekündigt. Ihre Töchter und Söhne haben Laptops, Tablets und Smartphones kennen und nutzen gelernt, ihre Enkel sind quasi ins World Wide Web hineingeboren worden. Sie verschlingen Neuigkeiten wie das schwarze Loch die Materie. Ich habe bewusst Neuigkeiten und nicht Nachrichten geschrieben. Nachrichten schreiben Menschen, die ihr Handwerkszeug verstehen, Neuigkeiten kann jeder verbreiten. Das soll nicht heißen, dass Neuigkeiten an sich schlecht sind. Sie sind nur eben anders – vor allem aber kostenlos. In diesem Umfeld haben Unternehmen längst erkannt, welch neue Möglichkeiten entstanden sind. PR-Arbeit hat sich damit grundlegend verändert. Unternehmensnachrichten werden nicht mehr nur via Printausgabe in die Öffentlichkeit getragen. Sie werden inzwischen gepostet, gebloggt oder im eigenen YouTube-Channel gezeigt. So verfügt Coca Cola beispielsweise längst über das eigene Online-Magazin „Journey“. Gut geschriebene Themen liefern dem Leser umfangreiche Informationen. Allerdings: Die Texte bleiben nur an der Oberfläche – nachvollziehbar. Kritischen Journalismus gibt es an anderer Stelle – noch beinahe kostenlos.

    Wo geht die Reise nun hin? Wird es die Zeitung an sich in einigen Jahren nicht mehr geben? Wird der gute, kritische Journalismus, der auf einer sauberen Recherche und nicht auf einer Copy/Paste-Mentalität und schnell-mal-posten-Einstellung beruht, aussterben? Ich glaube: Nein. Die Verlage müssen sich nur dringend auf die veränderte Situation einstellen, was leider immer noch viel zu wenige tun. Die Zeitung von gestern ist längst nicht mehr die Zeitung von heute – eine ausschließlich gedruckte. Mit dem Aufkochen gedruckter Nachrichten in der digitalen Welt ist es vorbei. Ich bin davon überzeugt, dass viele Menschen bereit sind, für die gute Geschichte, die exklusive Nachricht oder den informativen Hintergrundbericht zu bezahlen. Wir als User müssen umerzogen werden. Das wird sicherlich nicht von heute auf morgen gehen. Es wird eine Weile dauern, bis die Fehler von einst ausgebessert sind und sich das digitale Zeitungs-Abo, und damit meine ich eben NICHT das E-Paper, durchgesetzt hat. Es muss nur endlich was passieren. Mut auf Seiten der Verlage ist gefragt. Und, und da schließe ich mich Richard Gutjahr an, das Bezahlsystem sollte einheitlich aber vor allem leicht zu handhaben sein. So leicht, dass selbst die Kaffeeklatsch-Freundinnen von „Tante Trinchen“, die noch unter uns weilen, es verstehen und nutzen können. Denn auch sie wissen, dass Qualität seinen Preis hat – wie die Waschmaschine der Marke Bosch, die bei ihnen schon seit 30 Jahren fleißig montags ihren Dienst tut und Onkel Heinrichs Schießer-Feinripp, übrigens auch schon 20 Jahre alt, reinweiß strahlen lässt. Guter Journalismus kostet genau so etwas.

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