günstige Eyetracking-Analysen

Eyetracking ist eine wichtige Methode zur Analyse von Websites.

Darunter versteht man die Auswertung des Blickverlaufes. Mit Kameras wird beim „richtigen Eyetracking“ aufgezeichnet, wohin der Test-User geschaut hat und in welcher Reihenfolge zum Beispiel wichtige Elemente (Navigation, Logo, Teaser etc.) durchgegangen wurden.

So findet man dann auch heraus, ob bestimmte wichtige Elemente überhaupt nicht beachtet wurden.

Doch ein klassisches Eyetracking durchzuführen ist teuer. Man braucht die Technik dafür, Testpersonen, Zeit und das Know How. Entsprechend teuer sind die professionellen Anbieter solcher Eyetracking-Services.

Doch es gibt auch günstigere Varianten und 2 Beispiele will ich heute vorstellen.

Warum ist Eyetracking so wichtig?

Wenn wir unsere eigenen Seiten erstellen, dann ist das meist ein sehr langer Prozess. Zudem sitzen wir ständig vor unseren Seiten und haben somit natürlich ein ganz anderes Wissen über Inhalt und Funktion, als jemand, der zum ersten mal auf unsere Website kommt.

Oft ist es aber auch so, dass man selber gar nicht zur Zielgruppe der eigenen Website gehört.

Ergebnis dieser Situation ist, dass wir optimal mit unserer eigenen Website zurecht kommen, Erstbesucher deswegen aber nicht lange nicht klarkommen.

An diesem Punkt setzt Eye Tracking an. Denn wenn wir eine Website besuchen, dann schauen wir uns erstmal um. Was kommt uns bekannt vor und wie funktioniert die Navigation? Gibt es Angebote und wo steht das, was ich eigentlich suche? Das sind natürlich meist unbewusste Blickverläufe.

Durch spezielle Kameras und der zugehörigen Software analysieren Experten genau diesen Blickverlauf von Testpersonen.

Aus den Erkenntnisse der Eye Tracking Auswertung kann man meist das Layout optimieren, damit genau das als erstes wahrgenommen wird, was für den Website-Betreiber auch das wichtigste ist.

Für wen lohnt sich Eyetracking?

Es gibt viele Websites, die von Eye Tracking profitieren können. Natürlich gilt das in erster Linie für kommerzielle Angebote, wo es darum geht, die Conversion Rate zu erhöhen.

Bestes Beispiel sind sicher Shops, die durch Eye Tracking die Absprungrate verringern können und generelle Nutzungsprobleme herausfinden. Hier gibt es dazu einen interessanten Artikel.

Aber auch jede, die Leads sammeln (z.B. Anmeldung an Newsletter) können mit Eye Tracking herausfinden, ob die Seitengestaltung optimal ist.

Und so gilt das sicher für viele andere Websites auch.

Leider ist das professionelle Eye Tracking, wie oben schon angedeutet, recht teuer. Große Shops und Firmen können und sollten sich das sicher leisten. Aber für Selbständige und kleine Anbieter mag der Kostenfaktor ein Problem sein.

Doch dafür gibt es günstigere Lösungen.

Günstige Eyetracking-Analysen

Günstige Eyetracking-Analysen funktionieren ohne User und ohne Kamera. Stattdessen hat man Programme entwickelt, die automatisch eine Seite analysieren und Eyetracking-Analysen ausgeben.

Diese Software wurde natürlich basierend auf den Erkenntnissen richtiger Eyetracking Analysen programmiert und so versucht man, das reale Eyetracking zu simulieren.

Die folgenden beiden Services bieten solche simulierten Eyetracking-Analysen an.

Feng-Gui.com
Feng-Gui.com - Eye Tracking - EyetrackingFeng-Gui.com hatte ich schon mal vor einer ganzen Weile hier im Blog vorgestellt. Damals war der Service noch komplett kostenlos, das ist nun nicht mehr der Fall.

Trotzdem gibt es noch die Möglichkeit, eine Basis-Analyse durchzuführen, die bereits sehr interessant ist.

Dazu muss man einen Screenshot seiner Website erstellen. Bitte nur die Website und nicht den Browser etc.

Dann lädt man diesen Screenshot hoch und klickt auf „Heatmap“.

Feng-Gui.com - Eye Tracking - EyetrackingNach einem kurzen Moment wird eine Heatmap erzeugt, die zudem auch den Blickverlauf simuliert. Dafür sind die Zahlen in der Heatmap zuständig. Diese zeigen an, in welcher Reihenfolge die einzelnen Elemente „betrachtet“ wurden.

Mit einem Klick auf die Lupe wird die Heatmap auch noch etwas größer dargestellt, so dass man es besser erkennen kann. Rot bedeute viel Aufmerksamkeit, Gelb weniger.

Eine solche Analyse ist wie gesagt kostenlos und gibt schon mal einen ganz guten Eindruck, welche Elemente von Besuchern eher angeschaut werden als andere.

Weitere Analyse-Möglichkeiten und eine API gibt es gegen Geld.

EyeQuant
Eine recht neuer Eyetracking-Service, auf den ich vor kurzem gestoßen bin, ist EyeQuant.

Dabei handelt es sich um ein Angebot der Osnabrücker Firma WhiteMatter Labs GmbH.

Auch hier analysiert eine Software einen Screenshot einer Website und gibt die Eyetracking-Analyse aus. EyeQuant basiert nach eigenen Angaben auf Studien mit 400 Teilnehmern an der Universität von Osnabrück. Darauf basierend wurde das Auswertungs-Programm entwickelt.

Dabei bietet EyeQuant aber deutlich mehr Auswertungsvarianten an, was für einen kostenpflichtigen Service natürlich auch normal ist.

Im folgenden gehe ich mal Schritt für Schritt die Analyse von Selbstaendig-im-Netz.de durch.

Nachdem man sich angemeldet hat, kann man auswählen, ob man einen Screenshot hochladen will oder eine URL eingeben möchte. Ersteres ist sicher bei der Layout-Entwicklung einer neuen Site wichtig, da es da in der Regel noch keine Website gibt. Letzteres ist natürlich bequem, wenn man existierende Seiten analysieren möchte.

Eye Tracking

Nachdem der Screenshot erstellt wurde bekommt man eine Bestätigung und es geht zum 2.Schritt.

Eye Tracking

Hier definiert man sogenannte „Regions of Interest“, also spezielle Bereiche, die man analysieren möchte. Ich habe ein paar angelegt, unter anderem die Navigation und das Newsletter-Feld.
Für diese Bereiche gibt es dann später auch konkrete Prozentangaben zum Aufmerksamkeitswert.

Eye Tracking

Im dritten Schritt werden dann die Eyetracking Analysen erstellt. 3 Varianten stehen zur Auswahl. Zum einen die klassische Heatmap, mit ihren roten, gelben und blauen Bereichen.
Des weiteren gibt es die sogenannte Hotspot-Analyse. Je größer der pinke Kreis, um so höher die Aufmerksamkeit.
Und als drittes wird gezeigt, was die meisten User in den ersten Sekunden überhaupt sehen. Der Rest wird abgegraut.

Eye Tracking

Man kann 2 Screenshots nebeneinander platzieren oder einen entsprechend größer anzeigen lassen.

Eye Tracking

Insgesamt gefallt mir die Analyse durch das EyeQuant Tool schon recht gut. Diese 3 Auswertungen plus die Prozent-Anzeige für die vorher definierten Bereiche lassen eine gute Analyse/Optimierung des Layouts zu. Hier gibt es ein paar weitere Analyse-Beispiele.

Ich würde mir allerdings noch wünschen, dass ein Blickverlauf, wie bei Feng-Gui simuliert werden würde.

Leider sind mir die genauen Preise von EyeQuant nicht bekannt. Allerdings dürfte der Service doch deutlich günstiger sein, als eine echte Eyetracking Studie.

Doch ist diese simulierte Eyetracking Auswertung genauso verlässlich wie eine echte?

Update:
Wer sich gern mal selber ein Bild von der Analyse durch EyeQuant machen will, der kann den Fabian anmailen. Dann bekommt man einen Testaccount.

Wie zuverlässig sind solche Eyetracking-Services?

Das ist ein wichtiger Punkt. Es ist ja schön, dass solche Services deutlich günstiger sind, aber wenn die Daten nicht verlässlich sind, dann ist das trotzdem rausgeworfenes Geld.

Dazu hat sich EyeQuant auch geäußert und Vergleichstests durchgeführt. Es wurden die Ergebnisse von einer Eyetracking-Studie mit echten Usern den Ergebnissen der simulierten Eyetracking-Analyse gegenübergestellt.

Und laut EyeQuant liegt man bei der Zuverlässigkeit nur knapp hinter der echten Auswertung mit Usern.

Die Genauigkeit bei EyeQuant betrug 88% gegenüber 93% bei der Studie mit echten Nutzern. Das sind zwar 5% weniger, aber dafür geht die simulierte Auswertung auch in Sekunden bei deutlich niedrigeren Kosten.

Aber natürlich werden solche simulierten Ergebnisse nie die Aussagekraft eines Tests mit der eigenen Zielgruppe erreichen. Allein schon, weil ein simuliertes Tool alle User gleich setzt. Und in der Realität sind die Ergebnisse sehr wahrscheinlich unterschiedlich, wenn ich Hausfrauen oder Computer-Freaks mit Eye-Tracking auswerte.

Dieses Beispiel zeigt sehr schön, dass die automatische Auswertung von Feng-Gui.com gut daneben liegen kann.

Fazit

Simulierte Eyetracking-Analysen sind eine kostengünstige und schnelle Alternative zu klassischen Eyetracking-Auswertungen. Die Ergebnisse sind allerdings weniger zuverlässig.

Deshalb muss jeder für sich entscheiden, ob ihm ein „richtiger“ Test das Geld wert ist oder ob es nicht reicht, eine automatische Eyetracking-Auswertung vorzunehmen.

Bild von Peer Wandiger
Peer Wandiger
Studium der BWL und langjährige Arbeit in einem mittelständischen Unternehmen. Seit 2006 selbständig als Webentwickler und Website-Betreiber, 2007 Gründung von Selbständig im Netz.

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