Neue Amazon Provisionen für Affiliates – Was wurde geändert und was lohnt sich noch?

Kaum ändert ein größerer Anbieter im Internet etwas, gibt es einen Aufschrei der Entrüstung.

So auch in den vergangenen Tagen, als bekannt wurde, dass Amazon sein Affiliate-Vergütungsmodell ändert.

Ob das wirklich so dramatisch ist, wie manche gleich befürchtet haben, analysiere ich im Folgenden.

Zudem gehe ich darauf ein für welche Produkt-Bereiche sich das Amazon Partnerprogramm nun nicht mehr so richtig lohnt und bei welchen es vielleicht sogar mehr zu verdienen gibt.

Neue Amazon Provisionen

Vor rund einem halben Jahr habe ich mit dem Europa-Verantwortlichen für das Amazon PartnerNet telefoniert. Darin hatte er unter anderem angedeutet, dass es Änderungen bei den Werbekostenerstattungen geben wird und das man sich eher an den amerikanischen Regelungen orientieren möchte. Genaueres konnte er mir aber noch nicht sagen.

Nun hat Amazon die Katze aus dem Sack gelassen. Ab dem 1.Oktober 2014 gelten neue Standardwerbekostenerstattungssätze, die teilweise eine deutliche Veränderung bei der Vergütung mit sich bringen werden.

Ich möchte aber gar nicht in den Chor der Klagenden einstimmen, sondern habe mir mal angeschaut, was genau geändert wurde und welche positiven und negativen Auswirkungen das haben könnte.

Keine Provisionsstaffel mehr

Bisher war die prozentuale Vergütung bis auf wenige Ausnahmen für alle Produkte im Amazon-Shop gleich. Diese fing bei 5% an und steigerte sich dann in 0,5% Schritten, je mehr Produkte man pro Monat vermitteln konnte.

Ich lag in letzter Zeit öfter bei 6,5%, da ich mehr als 400 Produkte pro Monat vergütet bekam. 7% wären es gewesen, wenn ich mehr als 1.000 Produkte vermittelt hätte, wovon ich aber noch weit entfernt bin.

Richtig gut verdient haben jene, die mehr als 10.000 (8%) oder sogar mehr als 30.000 Produkte pro Monat als Affiliate vermittelt haben (9%).

Prozente je nach Produktgruppe
Dieses Vergütungs-Modell fällt nun komplett weg. Es gibt in Zukunft keine volumenabhängige Steigerung der prozentualen Vergütung mehr.

Stattdessen hat man nun verschiedene Produktgruppen unterschiedliche feste Prozentvergütungen festgelegt:

Produktkategorie

Feste Werbekostenerstattungssätze

Fernseher, Smartphones & Tablets ohne Vertragsbindung, PS4-Konsolen

1,0%

Computer, Elektronik und Foto, Elektro-Großgeräte

3,0%

Software, Musik, DVD, Games, Baumarkt, Spielzeug, Küche & Haushaltswaren, Sport & Freizeit

5,0%

Amazon Geschenkgutscheine

6,0%

Bücher*, Auto und Motorrad, Home, Garten & Freizeit, Musikinstrumente & DJ, Bürobedarf, Baby, Parfümerie & Kosmetik, Lebensmittel & Getränke, Drogerie & Bad, Drogerie & Bad - Elektrogeräte und Zubehör, Haustier

7,0%

Bekleidung, Schmuck, Gepäck, Schuhe, Uhren, digitale Produkte (eBooks*, Musik, Video, Software, Spiele, Apps), Kindle-Produkte

10,0%

Alle übrigen Produkte

7,0%

(Achtung: Die Vergütungen können sich in Zukunft ändern. Die Änderungen und die aktuellen Werte findet man im Amazon PartnerNet.)

(Eine Ausnahme gibt bei Schulen etc.. Diese bekommen bei Büchern und eBooks keine Vergütung mehr, da es dazu ein Urteil gab.)

Aufschrei
Der ersten Schock haben viele Affiliates von Fernsehern, Smartphones und Tablets bekommen. 1% ist wirklich niedrig und kaum nachzuvollziehen. Sicher ist die Marge bei Unterhaltungselektronik nicht groß und wenn die Produkte sich auch von selbst sehr gut verkaufen, hat Amazon kein großes Interesse hohe Provisionen zu zahlen.

Dennoch glaube ich, dass diese Vergütung auf Dauer zu niedrig ist. Es gibt andere Online-Shops, wo man deutlich mehr bekommt und so wird Amazon hier wohl viele Affiliates verlieren. Würde mich nicht wundern, wenn Amazon hier in Zukunft nochmal nachbessert.

Die PS4 als einzelnes Produkt in dieser Aufzählung finde ich interessant. Warum man einzelne Produkte hier aufführt, ist schwer zu sagen. Aber auch das lohnt sich kaum noch, bekommt man für eine typische PS4 nun noch 4 Euro Provision. Bisher waren es 10 Euro.

Ebenfalls runter gegangen ist die Provison für Computer, Elektro-Großgeräte, Elektronik und Foto. Das ist natürlich eine sehr große Produktgruppe und gerade bei günstigeren Produkten werden die Affiliates die Senkung der Provision merken.

Eine Festplatte für 100 Euro brachte bisher mindestens 5 Euro, in Zukunft nur noch 3 Euro.

Die anderen Produktgruppen sehen dagegen ähnlich wie bisher oder sogar besser aus. So bekommt man für Bücher nun immer 7% und für interessante Bereiche wie Garten, Freitzeit, Bürobedarf, Haustier etc. ebenfalls.

10 Euro Grenze fällt weg

Was viele in ihrem ersten Schock übersehen haben, ist diese Formulierung:
„Alle Qualifizierenden Käufe von Produkten sind von der Beschränkung der Werbekostenerstattung auf 10,00 EUR ausgeschlossen.“

Da diese Formulierung etwas unklar ist, habe ich bei Amazon nochmal direkt nachgefragt, ob das bedeutet, dass es keine 10 Euro Deckelung mehr gibt. Die Antwort war eindeutig:
„Die bisher geltende 10 EUR-Vergütungsgrenze pro Artikel wird ebenfalls aufgehoben.“

Das ist eine sehr gute Nachricht für viele Affiliates und ändert zudem die Herangehensweise an die Produktauswahl.

Hat es sich bisher kaum gelohnt Produkte zu bewerben, die mehr als 150-200 Euro gekostet haben (denn mehr als 10 Euro gab es nicht als Vergütung), so gibt es nun nach oben keine Grenze mehr. Ein Beamer für 1.000 Euro bringt z.B. ab Oktober 30 Euro Provision, statt wie bisher 10 Euro.

Es lohnen sich also nun auch verstärkt teurere Produkte zu bewerben, selbst wenn man davon dann nicht so viele vermittelt. Schließlich spielt die Menge nicht mehr Rolle mehr wie früher, da es keine Provisionsstaffel mehr gibt. Aber natürlich ist es immer noch das Ziel viele Sales zu machen.

Optimal ist die neue Provisionsregelungen bei teuren Produkten mit hohen Prozentvergütungen. Eine Uhr für 1.000 Euro wird in Zukunft 100 Euro Provision bringen. Bisher waren es 10 Euro.

Was lohnt sich nicht mehr?

Mit der nun in Kraft tretenden Provisionsstaffel lohnen sich Fernseher, Smartphones und Tablets weniger als früher. Zwar gibt es auch da keine Deckelung mehr, aber mit nur 1% Vergütung kommt nicht viel rum.

Ein Fernseher für 1.000 Euro bringt in Zukunft mit 10 Euro genauso viel ein wie früher. Kostet der Fernseher aber nur 500 Euro, verdient man statt 10 Euro in Zukunft nur noch 5 Euro.

Und da auch die meisten Smartphones und Tablets in dem Bereich von 200-600 Euro liegen, wird da in Zukunft weniger eingenommen werden. Nur bei Produkten über 1.000 Euro wird man mehr verdienen als bisher.

Auf den Einzelfall kommt es bei Computer, Elektro-Großgeräten, Elektronik und Foto an. Mit 3% liegt die Vergütung niedriger als bisher, aber dafür profitieren auch hier die teureren Produkte vom Wegfall der Deckelung.

Ein Notebook für 500 Euro bringt in Zukunft z.B. 15 Euro, statt wie bisher nur 10 Euro. Dafür verdient man an einem 100 Euro Monitor dann statt mindestens 5 Euro nur noch 3 Euro.

Die Grenze liegt hier bei rund 350-400 Euro, ab der die neue Provisionstaffel lukrativer als die alte wird. Günstige Produkte sind also nicht mehr so interessant.

Was lohnt sich?

Dagegen gibt es auch Produktgruppen, die von den neuen Regelungen profitieren.

So z.B. Gartengeräte, die nun mit pauschal 7% vergütet werden. Ein Prozentwert, den man früher nur schwer erreicht hat. Zudem sorgt der Wegfall der Deckelung dafür, dass man an teureren Gartengeräten nun richtig gut verdienen kann. Auch Auto & Motorad etc. ist sehr interessant mit 7%.

Weiterhin lohnen sich alle Produktgruppen, die mit 5% vergütet werden. So z.B. die Baumarktprodukte. Zwar ist der Prozentsatz mit 5% etwas niedriger als bei den meisten Affiliates bisher, aber da man mehr als 10 Euro pro Sale verdienen kann, gleicht sich das oft wieder aus.

Produktgruppen wie Bekleidung, Uhren, Schmuck, Gepäck und so weiter sind in Zukunft richtig lukrativ. Mode-Blogger werden sich freuen.

So wirkt sich das auf meine Affiliate-Websites aus

Natürlich habe ich gleich mal versucht abzuschätzen, wie sich das auf meine Nischenwebsites und Affiliatewebsites auswirkt. Da setze ich bei einigen auf Amazon.

Positive Auswirkungen wird es wohl auf meine Poolheizungs-Website haben, da es dafür nun 7% Vergütung gibt und dazu noch die 10 Euro Decklung wegfällt, an die ich oft gestoßen bin.

Ebenso wird es sich positiv auf meine Beamer-Website auswirken. Trotz der nur 3% Vergütung zahlt sich das aus, da viele Beamer 500, 600 oder mehr Euro kostet. Ein 600 Euro Beamer bringt in Zukunft 18 Euro, statt wie bisher nur 10 Euro.

Ebenso kann ich auf Selbständig im Netz mit 7% für Buch-Sales rechnen. Da wird sich wohl nicht so viel ändern.

Leichte negative Auswirkungen erwarte ich für meine Werkzeugkoffer-Website. Mit 5% liegt die Vergütung niedriger als bisher (bis zu 6,5%). Bei einem Teil der Sales wird das zwar von der weggefallenen 10 Euro Grenze aufgefangen, aber viele Sales liegen bei unter 200 Euro.

Wirklich einbrechen werden die Einnahmen deshalb aber nicht.

Unter dem Strich hoffe ich von den neuen Provisionen sogar zu profitieren.

Muss man was ändern?

Übrigens muss man an seinen Affiliate-Widgets, -Bannern und -Links nichts ändern. Die Änderungen betreffen ausschließlich die Werbekostenerstattungssätze des Amazon.de Partnerprogramms.

Es gibt keine Veränderungen bei den Werbemitteln.

Fazit

Ich finde den Aufschrei vieler Affiliates übertrieben, auch wenn man natürlich sagen muss, dass es diese auch recht unterschiedlich trifft. Wer sich bisher z.B. auf Smartphones konzentriert hat, wird definitiv weniger verdienen in Zukunft.

Bei vielen anderen Affiliates wird es dagegen nur leichte Veränderungen geben oder sogar Mehreinnahmen.

In Europa nimmt Amazon damit nun eine Angleichung vor, auch wenn die Prozentsätze nicht 1:1 von anderen Ländern übernommen wurden.

In den USA gibt es auch unterschiedliche Prozentsätze für bestimmte Produktkategorien, aber die liegen teilweise höher als hier und für alle anderen Produkte gibt es eine %-Staffelung, die auch etwas lukrativer ist als unsere bisherige.

Sehr gut finde ich den Wegfall der 10 Euro Grenze ab Oktober. Das kann für steigende Einnahmen sorgen, wenn man die richtigen Produkte bewirbt.

Generell kann man sagen, dass sich teurere Produkte nun mehr lohnen als früher und man auch nicht mehr so auf Masse gehen muss.

Eure Meinung

Was haltet ihr von den Änderungen?

Nehmt an der folgenden Umfrage teil und schreibt eure Meinung gern auch in die Kommentare.

Wie findet ihr die neuen Amazon-Vergütungen für Affiliates?

  • Mir gefällt der Wegfall der 10 Euro Grenze. (63%, 170 Stimmen)
  • Sehr gut. (27%, 72 Stimmen)
  • Geht so. (19%, 52 Stimmen)
  • Das finde ich ganz schlecht. (14%, 39 Stimmen)

Teilnehmerzahl: 271 (max. 2 Stimmen)

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Peer Wandiger
Studium der BWL und langjährige Arbeit in einem mittelständischen Unternehmen. Seit 2006 selbständig als Webentwickler und Website-Betreiber, 2007 Gründung von Selbständig im Netz.

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