In vielen Berufen setzt man sich als Selbständiger Risiken aus, die große finanzielle Folgen haben können.
Damit dies nicht existenzbedrohend wird, gibt es die Berufshaftpflicht, die auf die jeweiligen Tätigkeiten zugeschnitten sind und die wichtigsten Risiken abdecken.
Ist so eine Berufshaftpflicht für Selbständige im Netz sinnvoll und welche Risiken kann man damit absichern? Darum geht es in diesem Artikel.
Inhalt
ToggleBerufshaftpflicht für Selbständige im Netz
Als Gründer und Selbständiger muss man oft auf das eigene Geld achten, da es dauert, bis man sich ein stabiles Vollzeiteinkommen aufgebaut hat. Deshalb sehen viele den Abschluss einer weiteren Versicherung skeptisch.
Gerade bei Selbständigen im Netz, die eine Website betreiben oder ähnliches, steht oft die Frage im Raum, welche Risiken sie überhaupt haben. Kann es überhaupt zu finanziellen Schäden in hohen Größenordnungen kommen?
Das lässt sich so pauschal natürlich nicht beantworten, da es auf die genaue Tätigkeit ankommt. Aber darüber hinaus gibt es auch Risiken, die alle Selbständigen im Netz betreffen.
Allgemeine Risiken
Zu den allgemeinen Risiken, die jeden Selbständigen im Netz treffen können, gehört zum Beispiel Verletzung von Urheberrechten. Tatsächlich gehört dieser Bereich zu den häufigsten Abmahnungsgründen und kann sehr teuer werden.
Ich musste vor einigen Jahren rund 2.000 Euro für eine Abmahnung bezahlen, weil ich ein Foto unerlaubterweise von Flickr in einem Artikel eingebaut hatte. Da solche Abmahnungen aber erst deutlich nach dem Einbau in den eigenen Seiten eintreffen, kann es sehr teuer werden, wenn es nicht bei einem Foto bleibt.
Ein weiterer Bereich, über den man durchaus stolpern kann, sind Markenrechte. Wer recherchiert bei der Wahl seiner Domain oder seine Blognamens beim Markenamt? Natürlich kann man mit etwas Vorsicht schon eine recht sichere Wahl treffen, aber 100% sicher ist man nicht.
Ich bekam mal Post wegen eine Überschrift, in der ich ein Wortspiel drin hatte, was aber dummerweise als Marke geschützt war. Freundlicherweise schicke man mir nur eine Bitte um Entfernung und keine Abmahnung, aber auch das wäre möglich gewesen.
Persönlichkeitsrechte können von einem selbst, aber vor allem von Nutzern der eigenen Website in Kommentaren oder im Forum verletzt werden. Auch das kann teuer werden.
Hinzu kommen noch das Wettbewerbsrecht und die Datenschutzgesetze. Für einen Einzelkämpfer sind diese Dinge im Detail ja auch gar nicht zu überblicken und so gibt es auch dort ein gewisses Risiko.
Risiken für bestimmte Berufsgruppen
Darüber hinaus gibt es für bestimmte Berufsgruppen spezielle Risiken.
So sind alle Dienstleister, wie z.B. Webdesigner, dem Risiko ausgesetzt, dass sie das vereinbarte Projekt nicht beenden können oder es beim Betrieb zu Fehler/Ausfällen kommt, die dem Kunden bares Geld kosten. Fällt ein gut laufender Online-Shop 24 Stunden aus, weil man selbst einen Fehler gemacht hat, wird das sehr teuer.
Wenn der große Druckauftrag für einen Kunden schief geht, bleibt man auf den Kosten sitzen und das kann ebenfalls recht teuer werden.
Aktuell stellt die aktuelle Entwicklung beim Datenschutz ein Minenfeld für Selbständige im Netz dar, das sich noch gar nicht so recht überblicken lässt.
Darüber hinaus gibt es viele weitere Tätigkeiten im Online-Business, die mehr oder weniger große Risiken beinhalten. Selbst als Berater ist man nicht außen vor, sondern kann in Anspruch genommen werden.
Wer ein Büro mit Kundenverkehr hat, kann durch Personen- und Sachschäden sehr schnell in Probleme kommen.
Was bringt eine Mediahaftpflicht für Website-Betreiber?
Ich habe mich nach meiner Abmahnung natürlich auf die Suche nach einer Absicherung gemacht, um zukünftige finanzielle Schäden zumindest nicht existenzbedrohend werden zu lassen.
Leider hat sich schnell herausgestellt, dass eine normale Rechtschutzversicherung für Abmahnungen und ähnliches nicht zuständig ist.
Bei meiner Recherche bin ich dann auf den Anbieter Hiscox gestoßen, der eine Mediahaftpflicht im Angebot hatte und bis heute hat. Dies hat unter anderem auch meine Tätigkeiten als Blogger und Webdesigner abgedeckt. Gerade Abmahnungen und ähnliches wollte ich damit in Zukunft abdecken und das war damit möglich. Es handelt sich um eine Mischung aus Vermögensschadenhaftpflicht und Berufshaftpflicht.
Natürlich kostet so einen Mediahaftpflicht ein paar hundert Euro im Jahr, wobei der genaue Preis unter anderem vom Nettoumsatz, der gewünschten Höhe der Versicherungssumme für die Vermögensschadenhaftpflicht und optionalen Leistungserweiterungen abhängt.
Für Startups und Existenzgründer gibt es im ersten Versicherungsjahr einen Nachlass von 15 % auf den Versicherungsbeitrag. Dabei darf die Gründung nicht länger als 12 Monate zurückliegen.
Ich habe nun seit vielen Jahren die Mediahaftpflicht und die Beiträge sind in der Zeit sogar gesunken, obwohl der Leistungsumfang gestiegen ist. Zudem schlafe ich seitdem deutlich ruhiger. :-)
Keine Haftung bei GmbH oder UG?
Wer nun eine GmbH oder eine UG geründet hat, sieht sich meist sicher vor finanziellen Risiken, da man ja nun Geschäftsführer ist. Doch das ist ein Trugschluss.
Gerade bei Ein-Personen-GmbH greift die Haftung in vielen Fällen auch auf den Geschäftsführer durch, z.B. bei Rechtsverletzungen und wenn die vielfältigen Sorgfaltspflichten des Geschäftsführers verletzt werden.
Aber auch bei einer richtigen GmbH gibt es keine 100% Sicherheit für den Geschäftsführer.
Deshalb sollte man auch dann über eine Berufshaftpflicht nachdenken, wenn man eine solche Rechtsform gewählt hat.
Fazit
So einfach und risikolos der Start in die Online-Selbständigkeit oft auch wirkt, es gibt eine Menge Fallen, in die man treten kann.
Gerade online mahnt es sich so einfach ab wie sonst nirgendwo und da reicht schon ein mieser Konkurrent, der einen versucht rauszudrängen. Zumal man aber auch selbst nicht vor Fehlern gefeit ist, in Anbetracht der unüberschaubaren rechtlichen Anforderungen, die sich zudem immer wieder verändern.
Ob eine Berufshaftpflicht im Einzelfall sinnvoll ist, sollte man auf jeden Fall prüfen, um nicht später ein böses Erwachen zu erleben.
Ähnliche Artikel:
- Crowdfunding für Blogger, Podcaster und andere - Interview mit Steady
- Familie, Partnerschaft und andere Herausforderungen für Selbständige - Interview
- 10 kostenlose SEO-Tools für Webmaster, Blogger und Affiliates
- Zeitplanung für selbständige Blogger - Tipps und Leitfaden
- Gewerbeanmeldung für Blogger, Affiliates und Website-Betreiber notwendig?