Sollte man seine Erfahrungen und Erkenntnisse teilen?

Ich hole heute mal ein Webmaster Friday Thema nach. Es lautet Erfahrungen teilen – oder besser für sich behalten?

Es geht also um die Frage, ob und wie man seine eigenen Erfahrungen beim Bloggen, beim Betreiben einer Website oder einer sonstigen beruflichen Tätigkeit mit anderen teilen sollte.

Dazu werde ich auf das Pro und Kontra eingehen und natürlich meine eigenen Erfahrungen beisteuern. ;-)

Was sind Erfahrungen wert?

Zuerst stellt sich überhaupt erstmal die Frage, was Erfahrungen Wert sind. Lohnt es sich eigene Erfahrungen zu sammeln und welche Vorteile bringen diese mit?

Hier kommt es im Detail natürlich schon auf die Art der Erfahrung an und wie man diese interpretiert, aber grundsätzlich kann man schon sagen, dass Erfahrungen sehr wichtig sind und die Grundlage aller Entwicklung darstellen.

Man kann eine Menge lesen und sich in der Theorie vieles aneignen, aber erst durch die eigenen Erfahrungen wird man Details erkennen, das Wissen vertiefen und sich selber wirklich weiterentwickeln.

Meiner Meinung nach geht es also gar nicht ohne eigene Erfahrungen, da diese jeder macht, wenn auch sicher in unterschiedlicher Ausprägung und Häufigkeit.

Es geht also weniger darum, ob man überhaupt Erfahrungen macht, sondern wie man damit umgeht.

Unsicherheit und Angst

Wenn man mit dem Bloggen beginnt, eine neue Website gestartet hat oder sich gerade in einem bestimmten Bereich selbstständig gemacht hat, ist man eigentlich immer in der selben Situation.

Man lernt eine Menge Neues und sammelt sehr viele Erfahrungen. Ich habe natürlich auch während meiner Angestelltenzeit eine Menge gelernt, aber im Vergleich dazu habe ich während meiner Selbstständigkeit noch viel, viel mehr gelernt.

Nach meiner Erfahrung lag das Problem aber zu Beginn eher darin, dass ich diese Erfahrungen und Erkenntnisse schwer einordnen konnte. Das die Erkenntnisse aus Erfahrungen in der Regel eine Interpretationssache sind, fällt es Anfängern schwer zu beurteilen, ob bestimmte Erfahrungen und Erkenntnisse wirklich relevant sind oder nicht.

  • Betrifft eine bestimmte Erkenntnis alle oder nur einen selbst?
  • Ist eine Erfahrung etwas besonderes oder haben das alle schon mehrmals durchgemacht?
  • Ist die gewonnene Erkenntnis korrekt oder kennt man selber noch nicht alle Fakten und interpretiert etwas falsch?
  • Hilft mir die Veröffentlichung einer bestimmten Erfahrung oder schadet diese mir eher?

Diese und andere Fragen sorgen gerade bei Anfängern dafür, dass man sich nicht sicher ist, ob man über bestimmte Erfahrungen berichten sollte oder lieber nicht.

Die einzige Lösung dafür ist es weiter Erfahrungen zu sammeln. Mit der Zeit lernt man immer mehr und kann die eigenen Erfahrungen besser in den großen Kontext einordnen. Das braucht einfach eine gewisse Zeit.

Know How sichern

Es gibt 2 verbreitete Sichtweisen für den Umgang mit Erfahrungen und den daraus gewonnenen Erkenntnissen.

Die eine ist, dass man das eigene Know How sichern und ja nicht darüber mit anderen sprechen sollte. Erfahrungen und gewonnene Erkenntnisse werden als Erfolgsfaktor gesehen, mit dem man der Konkurrenz einen Schritt voraus sein kann.

An dieser Sichtweise ist durchaus was dran. Es gibt Berufe und Branchen, in denen ein Wissensvorsprung wichtig ist und man das eigene Know How solange wie möglich für sich behalten möchte. Ein gutes Beispiel dafür ist die Suchmaschinenoptimierung.

Natürlich werden die Grundlagen weitergegeben und offensichtliche Entwicklung mit eigenen Erfahrungen geschildert. Aber die absoluten SEO-Profis haben sicher auch Erfahrungen gemacht, die sie für sich behalten, um für eine gewisse Zeit davon zu profitieren. Veröffentlicht man solche Erfahrungen und Erkenntnisse holt nicht nur die Konkurrenz auf, sondern natürlich erfährt auch Google davon und macht diese Erkenntnisse meist recht schnell wertlos.

Generell kann man sagen, dass es durchaus Sinn machen kann, der Konkurrenz Erfahrungen und Erkenntnisse vorzuenthalten.

Von Erfahrungen profitieren

Es gibt aber auch Vertreter der Meinung, dass man vom Teilen von Erfahrungen profitieren kann.

Wer einen Blog über SEO betreibt, kann durch einen Erfahrungsbericht mit neuen Erkenntnissen sehr profitieren und viele neue Leser gewinnen.

An diesem Beispiel sieht man schon sehr gut den Unterschied. Wer davon lebt, Leser zu gewinnen und seinen eigenen Traffic zu steigern, der sollte seine Erfahrungen auf jeden Fall nutzen.

Erfahrungen und Erkenntnisse sorgen für Individualität und machen den eigenen Blog besonders. Hier gilt es zum einen, sich gegenüber anderen Blogs zu unterscheiden und das kann man sehr gut, indem man eigene Erfahrungen einfließen lässt. Damit baut man zudem einen Ruf auf und schafft Vertrauen bei den Lesern.

Das hat bei mir in den letzten 6 Jahren gut funktioniert, zumal ich eben nicht nur über positive Erfahrungen berichtet habe, sondern auch über negative, von denen man oft sogar mehr lernen kann.

Zudem hilft mir persönlich das Schreiben über meine Erfahrungen auch bei der Aufarbeitung derselben. Oft entdecke ich bestimmte Dinge erst, wenn ich darüber berichte.

Was denn nun? Weitergeben oder nicht?

Das hängt also ganz davon ab, welche Ziele man verfolgt.

Wer auf irgendeine Weise publiziert (Blog, Website) oder darauf angewiesen ist, sich einen Ruf bei potentiellen Kunden aufzubauen (Dienstleister), der sollte seine Erfahrungen nutzen und darüber berichten.

Natürlich sollte man filtern und nicht alles öffentlich machen. Wer denkt, es sei eine gute Idee darüber zu berichten, wie er im Suff sein Auto zu Schrott gefahren hat und was er dadurch Wichtiges über Versicherungen gelernt hat, sollte das nochmal überdenken.

Natürlich kann und sollte man auch über negative Erfahrungen berichten, aber auch bei diesen sollte der positive Effekt überwiegen und nicht den eigenen Ruf schädigen.

Ich persönlich berichte sehr gern über meine Erfahrungen, weil ich vor Jahren bei anderen Bloggern viele Erfahrungen und Erkenntnisse gefunden habe. Das möchte ich nur meinerseits an andere weitergeben. Theoretische Ausführungen werden zudem viel glaubhafter, wenn man diese mit eigenen Erfahrungen belegen kann.

Erfahrungen und Zeit

Eine Frage beim Webmaster Friday war noch, ob das Teilen von Erfahrungen mit der Zeit nachlässt, wenn man ein „alter Hase“ ist.

Ich denke nicht, dass ich mittlerweile wirklich weniger Infos und Erfahrungen mit meinen Lesern teile. Eher im Gegenteil. Da ich diese mittlerweile viel besser einordnen und interpretieren kann, bin ich mir auch deutlich sicherer bei der Veröffentlichung von Erfahrungen. Ich kann viel eher einschätzen, ob eine Erfahrung relevant und die eigene Deutung Sinn macht.

Aber es kann natürlich Gründe geben, warum man weniger Erfahrungen teilt. So haben manche vielleicht das Gefühl, dass sie mehr zu verlieren haben und deshalb lieber nicht mehr über Erfahrungen berichten.

Oft ist es auch so, dass man über viele Dinge schon mal geschrieben hat. Mir persönlich fällt es zudem teilweise schwer, mich noch in Anfänger zu versetzen. Das führt dazu, dass ich manche Erfahrungen und Erkenntnisse nicht mehr teile, obwohl sie für viele „Anfänger-Leser“ meines Blogs vielleicht sehr interessant wären.

Zudem läuft bei „alten Hasen“ vieles rund und man hat Workflows entwickelt. Dann sammelt man einfach weniger neue Erfahrungen, denn Erfahrungen kann man nur dann erhalten, wenn man neue Dinge ausprobiert.

Fazit

Eigene Erfahrungen sind sehr wichtig für eine erfolgreiche Selbstständigkeit.

Allerdings hängt es sehr von der eigenen Business-Ausrichtung ab, ob man diese Erfahrungen veröffentlichen sollte oder nicht. Wer publiziert oder seinen Ruf aufbauen möchte, kann allerdings sehr stark davon profitieren.


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Peer Wandiger
Studium der BWL und langjährige Arbeit in einem mittelständischen Unternehmen. Seit 2006 selbständig als Webentwickler und Website-Betreiber, 2007 Gründung von Selbständig im Netz.

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