250 Euro/Stunde als Social Media Berater + SaaS Startup Ignite Video [Podcast][Case Study]

2009 startete Philipp Roth zusammen mit einem Studienfreund einen Newsblog, der sich schnell zur ersten Anlaufstelle für Facebook Marketing entwickelte und nach nicht einmal zwei Jahren von einem US-Konzern gekauft wurde. Nach 15 Jahren Social Media Beratung gründete Philipp nun erneut – mit gänzlich anderer Ausrichtung.

Philipp Roth zählt seit 15 Jahren zu den renommiertesten deutschen Social-Media-Beratern. Dazu ist Philipp Mit-Gründer von Ignite Video, einem neuen SaaS-Startup an der Schnittstelle von Datenschutz und Conversion Rate Optimierung.

Im neuen Selbständig im Netz Podcast erzählt Philipp,

  • wie er seinen Newsblog über Facebook Marketing (heute allfacebook/allsocial.de) zur ersten Anlaufstelle zum Thema machte und keine zwei Jahre nach Gründung an einen US-Medienkonzern verkaufte
  • wie er innerhalb kurzer Zeit das Konferenzgeschäft von AllFacebook von 0 auf Hunderttausende Euro Jahresumsatz skalierte
  • mit was für Leistungen und Kunden Philipp Stundensätze von 125 Euro bis 250 Euro als Social Media Berater erzielt. Und wovon sein Pricing abhängt
  • warum Unternehmen bei LinkedIn & Co. nicht blind dem Algorithmus folgen sollten
  • wie er parallel zu AllFacebook und Freelancing eine Social-Media-Abteilung mit 25 Mitarbeitenden aufbaute – als 80% Stelle
  • warum er 2024 wieder unter die Gründer gegangen ist und wie das Video-Hosting-Startup Ignite Video gegen Vimeo & Co. bestehen will
  • wie er all diese Tätigkeiten mit Betreuung seiner zwei kleinen Kinder in Einklang bringt

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Geschichte, Gründer, Angebot

Philipp Roth

Als Facebook und damit auch Facebook-Werbung in Deutschland im Jahr 2009 Richtung Fahrt aufnahm, vermisste der Social-Media-Berater Philipp Roth (heute 40 Jahre alt) ein lokales Informationsangebot. Kurzerhand setzte er zusammen mit seinem Studienfreund und ehemaligen WG-Mitbewohner Jens Wiese den Blog Facebook-Marketing.de auf (inzwischen allfacebook bzw. allsocial).

Auch dank Facebook-Traffic entwickelte sich die Seite schnell zum größten deutschsprachigen B2B-Portal zu Facebook und erzielte zeitweise 250.000 Besucher pro Monat. Philipp kündigte in dieser Zeit seinen Agenturjob und fokussierte sich ganz auf den Ausbau der Seite.

Geld verdienten Jens und Philipp vor allem dadurch, dass sie die Seite als Lead-Kanal für ihre eigenen Beratungstätigkeiten nutzen. Dank seiner Reputation als Betreiber von Facebook Marketing konnte Philipp Stundensätze von 250 Euro für Vorträge, Schulungen und Strategieberatung erzielen.

Schon im Jahr 2011, also zwei Jahre nach dem Start, verkauften Jens und Philipp die Seite für einen sechsstelligen Betrag an einen US-Konzern, der ein gleichartiges Angebot in den USA betrieb. Neben dem Finanziellen reizte es Philipp vor allem, sich ganz aufs Redaktionelle und auf seine Beratung fokussieren zu können.

Philipp blieb nach dem Verkauf noch fast 10 Jahre als Chefredakteur der Seite an Bord. In diesem Zeitraum war er unter anderem Mitorganisator der Allfacebook Konferenzen mit zeitweise 2x 1.000 Teilnehmern pro Jahr.

Philipp führte sein Beratungsgeschäft fort und baute parallel dazu und zu seiner Mitarbeit bei AllFacebook das Social-Media-Team einer Agentur von Null auf 25 Mitarbeitende auf.

Im Jahr 2021 stieg Philipp dann endgültig bei allfacebook aus, 2024 kehrte er dann auch seinem Agenturjob den Rücken. 15 Jahre nach dem Start von facebook-marketing.de ist Philipp seither wieder Gründer und macht daneben nur noch vereinzelt Social-Media-Beratung.

Seit einigen Monaten baut Philipp als Co-Founder Ignite Video auf. Das Video-Hosting-Startup erlaubt die Wiedergabe von dort gehosteten Videos, auch wenn der Nutzer das Cookie-Consent-Banner abgelehnt hat (laut Philipp liegt die Ablehnrate je nach Website bei 20-80 Prozent).

Vor allem bei Autoplay-Videos – etwa auf den Produktseiten eines Online-Händlers – macht das einen enormen Unterschied in der Nutzbarkeit und in der Konsequenz in der Conversion Rate einer Seite. Ignite Video positioniert sich damit an der Schnittstelle von Datenschutz und Online Marketing.

Je nach Anzahl der Videos und nach Traffic kostet Ignite Video 10-160 Euro monatlich bei jährlicher Abrechnung (wofür sich 90 Prozent der bisherigen Kunden entscheiden). Preislich kann es das Startup aufgrund der viel kleineren Infrastruktur nicht aufnehmen mit Vimeo und muss sich entsprechend über den Mehrwert bei Datenschutz und Usability differenzieren.

Umsätze, Aufwand und Team

Wenige Monate nach dem Start hat Ignite Video bereits Kunden wie Phantasialand, Asics und Vodafone. Die Gesamtumsätze sind allerdings noch minimal. Philipp und sein Mitgründer Jan Peiniger zahlen sich entsprechend keine Gehälter und stecken jeden Euro ins Produkt und seine Vermarktung.

Neben den beiden Gründern arbeiten nur externe Mitarbeiter und Agenturen am Produkt, etwa an der Programmierung. Die Einstellung weiterer Mitarbeiter ist geplant, vor allem der Support wäre sonst schnell ein Flaschenhals.

Wachstum und Kundenherkunft

Philipp sucht aktuell nach funktionierenden und nachhaltigen Online Marketing Kanälen zur Kundengewinnung. Eine Herausforderung ist der lange Sales Zyklus – „eine B2B-Firma mit 50 bis 500 Videos wechselt nicht aus einer Laune heraus ihren Video-Host“.

Aktuell rechnet er mit einem Werbebudget von 2-3 Monatseinnahmen für die Akquise, was bei kleinen Kunden 30 Euro und bei großen Kunden 200 Euro entspricht. Ein erster Testlauf mit Google Ads war mit einem Zeitabstand von drei Monaten erfolgreich, allerdings stellt sich die Frage nach der Skalierung des Kanals.

Gute Erfahrungen hat Ignite Video außerdem mit dem Einsatz von SalesViewer gemacht, ein Tracking-Tool, das die IP-Adressen der Besucher ihrer Website in Firmennamen „übersetzt“ und so beim Vertrieb hilft.

Eine weitere Option sind Online-Tool-Verzeichnisse wie OMR Reviews (auf der OMR ist Ignite Video übrigens auch mit Stand vertreten). Hier ist aber nur eine CPC-Abrechnung für Philipp eine Option, einmalige Gebühren von teilweise mehreren Tausend Euro erachtet er für ein so nischiges Produkt als sehr gewagt.

Eine naheliegende Vertriebsstrategie ist außerdem, Unternehmensseiten zu scrapen und zu kontaktieren, die derzeit ihre Videos nicht DSGVO-konform eingebunden haben (also auch bei Ablehnung von Cookies wiedergeben). Diese Option will Philipp aber erst angehen, wenn Produkt und Sales Funnel wirklich reif sind.

Tools und Techniken

Neben dem schon erwähnten SalesViewer nutzt Philipp Slack zur Kommunikation, Asana fürs Projektmanagement und Figma für alles rund ums Design – inklusive Präsentationen. Für CRM und E-Mail-Versand kommt Brevo zum Einsatz. Chatbot der Wahl ist für Philipp ChatGPT.

Learnings und Ausblick

Die wichtigsten Takeaways und Tipps von Philipp:

  • Timing ist der Schlüssel. Facebook-Marketing.de konnte so schnell so erfolgreich werden, weil sie in einem gerade erst entstehenden Nachfragemarkt mit wenig Angebot früh dabei waren.
  • Wenn du in geschäftlichen Dingen – vor allem mit rechtlichem Einschlag – unerfahren bist, frag Kontakte, die sich mit sowas auskennen. Beim Verkauf an einen US-Medienkonzern bekam Philipp viele wertvolle Ratschläge, die bei Nicht-Befolgung verhängnisvoll hätten werden können
  • Konsistenz gewinnt. Im Facebook-Marketing-Blog haben Philipp und sein damaliger Partner Jens Wiese über 12 Jahre hinweg jeden Tag (!) mindestens einen Beitrag veröffentlicht
  • Folge im Social Web nicht blind Algorithmen, sondern überlege dir, was eigentlich deine KPIs sind. Wenn du etwa bei LinkedIn Klicks für deine Website erzeugen willst, kann es eine gute Idee sein, die Links dorthin in deine Beiträge einzufügen, auch wenn sie damit erstmal weniger Sichtbarkeit haben (aber netto vielleicht trotzdem mehr Klicks).

Bei Ignite Video haben sich Philipp und Jan zwei Jahre Zeit gegeben, um Traction für das Produkt zu finden. Eine wesentliche Herausforderung ist es hier, zunächst einmal überhaupt Bewusstsein für das Problem herzustellen, welches das Tool adressiert.


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Johannes Haupt

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