Wie Google an Fake-Chatbots mitverdient

Der KI-Hype hat unzählige neue Online-Geschäftsmodelle hervorgebracht, darunter – naturgemäß – auch einige schwarze Schafe. Ein aktuell sehr beliebtes Geschäftsmodell hart an der Grenze der Legalität: Chatbots, die sich als LLM-Anbieter ausgeben und verwirrte Anwender in teure Abonnements tricksen. Ein auch für Google höchst lukratives Geschäft.

Wer bei Google nach dem aufstrebenden Chatbot Claude AI sucht, bekommt claude.com erst an vierter Stelle angezeigt. Darüber: „Claude AI (2026)“, „Claude“ und „Claude AI-built Chatbot App“. Drei Anzeigen, die bei Google inzwischen kaum noch als solche erkennbar sind.

Das Geschäft von chatbotapp.ai, chatbot.app, aichatapp.ai, …

Links Claude, rechts chatbotapp.ai

Die Websites mit klangvollen Namen wie chatbotapp.ai, chatlyai.app & aichatapp.ai versuchen dabei so sehr die Chatbot-Interfaces der Anbieter zu imitieren, wie es gerade noch legal ist.

Normale Anwender, die nicht mit dem Token-Reseller-Modell der LLMs vertraut sind, gewinnen hier definitiv den Eindruck, auf der offiziellen Claude-Seite zu sein. Und schließen im nächsten Schritt ein teures Abonnement ab, wo sie für viel Geld natürlich nur einen Bruchteil der Leistung bekommen, die sie bei den Anbietern selbst (oder beim multimodalen Perplexity) erhalten würden.

Typische Trustpilot-Bewertung für die Fake-Chatbots

Davon zeugen tausende negative Erfahrungsberichte unter anderem bei Trustpilot, wo das Profil von chatbotapp.ai inzwischen sogar mit einer Warnung versehen ist. Wie das Profil mutmaßlich vorher aussah, lässt sich auf der Bewertungsseite für chat.catbotapp.ai (sic) nachvollziehen. Dort gehen im Stundentakt jubelnde einzeilige 5-Sterne-Bewertungen ein.

Warnung auf Trustpilot-Profil von chatbotapp.ai

Dass windige Geschäftsmacher die KI-Welle zu reiten versuchen, verwundert wenig. Der gefühlte Innovationsdruck gepaart mit der Überforderung durch die Vielzahl an neuen Entwicklungen und Anbietern ist hier derzeit der perfekte Sturm.

Google-Suchergebnisseite für Claude…

Höchst fragwürdig ist dabei die Rolle von Google. Während der Konzern beim Sperren von Werbeanzeigen gewöhnlich nicht zimperlich ist (und beim kleinsten Anzeichen von nackter Haut schon einmal das ganze Konto dicht macht), nimmt man das Geld von Fake-Chatbots offenbar gern. Zumindest solange sie nicht auf „Google Gemini“ bieten, wo wir derzeit ausschließlich die offizielle Google-Seite als Anzeige ausgespielt bekommen.

…und für „Gemini“
Bild von Johannes Haupt
Johannes Haupt
Studium der Kommunikationswissenschaft in Köln und Münster. Im Anschluss Volontariat beim heise Zeitschriften Verlag in Hannover und Redaktionsleiter Online beim t3n Magazin. Chefredakteur dieser Seite. Dazu Lehrbeauftragter an Deutschlands größter Fachhochschule TH Köln im Studiengang Online Redaktion. (Dozentenprofil). Johannes Haupt bei LinkedIn.

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