Über kaum ein Thema gibt es im Web wohl so unterschiedliche Meinungen wie über „bezahlte Inhalte“.
Als vor vielen Jahren das Web langsam populär wurde, entstand auch eine „Kostenlos-Kultur“, die untrennbar mit dem Web verbunden zu sein schien.
Website-Inhalte, Fotos, Videos usw. waren kostenlos und die Nutzer hielten das für selbstverständlich. Und auch heute noch sind die allermeisten Informationen im Web kostenlos.
Doch wie sieht die Zukunft aus? Erleben bezahlte Inhalte noch den großen Durchbruch? Welche Rolle spielen dabei Apps und das mobile Web?
Und was bedeutet das alles für Selbständig im Netz?
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ToggleAlles kostenlos?
Während die meisten Menschen kein Problem damit haben, für Produkte, Dienstleistungen etc. Geld zu bezahlen, scheint das bei Informationen anders zu sein.
Umfrage kommen immer wieder zu dem gleichen Ergebnis. Nur sehr wenige Internet-Nutzer sind bereit für Inhalte Geld auszugeben. Eindeutig könnte man meinen.
Allerdings sind solche Umfragen immer mit Vorsicht zu genießen. Würde man die Internet-Nutzer fragen, ob sie Bannerwerbung mögen, würden wahrscheinlich 99% mit Nein antworten. Und trotzdem funktioniert Bannerwerbung, egal wie oft diese schon tot gesagt wurde.
Man sollte sich also nicht von Umfragen abschrecken lassen.
Trotzdem ist es heute im Web ja so, dass es eine unüberschaubare Anzahl an Informationen gibt und in vielen Bereichen muss man gar keine kostenpflichtige Alternative in Betracht ziehen.
Sind bezahlte Inhalte im Web gescheitert?
Inhalte kosten!
Machen wir uns nichts vor, Inhalte kosten Geld.
Ganz besonders, wenn diese qualitativ hochwertig aufbereitet sind. Da sitzen Autoren Stunden lang an einem Artikel und das jeden Tag, um regelmäßig Inhalte online bringen zu können.
Und auch wenn es ganz normal ist, dass man so wenig Geld bezahlen will wie möglich, sollte es allen klar sein, dass niemand davon leben kann, kostenlos zu arbeiten.
Aber auch Inhalte, die nicht professionell erstellt werden und z.B. in der Freizeit entstehen kosten etwas. Und das ist Zeit.
Es stellt sich also nicht die Frage ob Inhalte etwas kosten. Das tun sie immer. Die Frage ist, ob ich damit Geld verdienen muss/will oder eben nicht.
An der Stelle kann man also schon mal festhalten, dass es auch immer kostenlose Inhalte geben wird. Einfach weil nicht jeder „Autor“ mit seinen erstellten Inhalten Geld verdienen will/muss.
Hobby-Blogs, Foren usw. sind dafür beste Beispiele.
Werbung und andere Finanzierungsmethoden
Die meist genutzte Methode zur Finanzierung von Online-Inhalten ist die Werbung. Werbebanner gibt es auf kleinen Blogs genauso wie auf riesigen Portalen.
Der einzige Werbemarkt, der laut Prognosen in den nächsten Jahren stark wachsen wird, ist die Online-Werbung (siehe Studie „Die kommerzielle Zukunft redaktioneller Inhalte im Internet„).
Aber auch wenn mittlerweile viele Online-Portale eine große Reichweite haben, können viele von den Werbeeinnahmen einfach nicht leben.
Das hat sicher viele Gründe. Aber natürlich teilen sich die Werbebudgets im Web eben auch auf viel mehr Plattformen auf, als das z.B. im Print und TV der Fall ist.
Zudem ist auch bei den Werbepreisen im Web große Transparenz und eine gewisse „Geiz ist Geil“ Mentalität vorhanden.
Da bleibt dann für eine einzige Website vom großen Werbekuchen nicht so viel mehr übrig.
Bei mir im Blog läuft die Direktvermarktung von Bannerwerbung ganz gut. Aber zum einen könnte ich davon allein nicht leben und zum anderen funktioniert das nicht in jedem Blog oder jeder Website so gut.
Neben der Bannerwerbung gibt es noch andere Einnahmequellen, die eine Alternative zu bezahlten Inhalten darstellen. So ist Affiliate-Marketing eine neue Einnahmequelle, die es offline so nicht gab.
Und auch aktuelle Trends wie etwa Flattr sind interessant, werden aber nach meiner Meinung keine wirkliche Veränderung an der Situation herbeiführen. Zu Flattr aber nochmal separat in einem Artikel mehr.
Bleibt also festzuhalten, dass Werbe-Einnahmen und auch andere Einnahmequellen gut funktionieren können, aber meist nicht wirklich alle Kosten decken bzw. Gewinn abwerfen.
Hier kann und muss bezahlter Content in Zukunft also seinen Beitrag leisten.
geschlossene vs. offene Systeme
Ein wichtiger Aspekt für die Zukunft bezahlter Inhalte ist in meinen Augen der Wandel von offenen zu geschlossenen Systemen.
Bisher war das Internet ja immer gleich zu setzen mit dem Browser. Jeder konnte veröffentlichen und jeder konnte auf alles zugreifen.
Der Browser ist kostenlos und unterliegt keinen Einschränkungen.
Mit dem Durchbruch der mobilen Internet-Nutzung (Smartphones, Tablets usw.) könnte sich das aber ändern.
Natürlich gibt es auch da Browser, aber die Nutzung des Internets verlagert sich immer mehr auf Apps (Anwendungen), die bestimmte Informationen aus dem Internet holen bzw. bestimmte Interaktionen mit dem Internet zulassen.
Ein gutes Beispiel dafür ist Apple. Auf dem iPhone und auch auf dem iPad sind Apps sehr beliebt und verändern zum Teil auch die Internet-Nutzung.
Und das könnte dazu führen, dass viele User in Zukunft eher bereit sind, für Internet-Inhalte zu bezahlen.
Denn oft liegt es daran, dass die Denkweise von Internet-Nutzern einfach schon so eingefahren ist, dass alles was im Browser steht kostenlos sein muss.
Bietet man die selben Informationen aber in anderer Form an (z.B. ein eBook, Buch, Hörbuch oder eben einer App), dann ist ein Teil zumindest eher bereit dafür zu zahlen.
Und solche geschlossene Systeme haben dann ja auch den Effekt, dass man oft eben nicht einfach zu einem passenden kostenlosen Angebot wechseln kann, wenn man das geschlossene System nutzen will.
Und anders als im „normalen“ Web, können Inhalte auch nicht so einfach kopiert werden.
Das mobile Web und die damit einhergehende andere Nutzung des Webs können also durchaus in Zukunft dazu beitragen, dass bezahlte Inhalte mehr genutzt werden.
Faktoren für zahlende Kunde
In einem sind sich viele Experten aber einig. Bezahlte Inhalte müssen, um genügend Abnehmer zu finden, möglichst viele der folgenden Faktoren erfüllen:
- Einzigartig
Inhalte die einzigartig sind, also nicht woanders kostenlos zu bekommen sind, werden sich natürlich, wenn Bedarf daran besteht, gut verkaufen. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass Inhalte, die es auch an vielen anderen Orten im Web kostenlos gibt, kaum zahlende Käufer finden werden. - Schneller
Für einen Teil der Nutzer ist es sehr wichtig die Inhalte schnell zu bekommen. So habe ich vor einer Weile über Börsen-/Trading-Info-Anbieter gelesen, die aktuelle News 1 Stunde später kostenlos veröffentlichen. Wer diese aber 1 Stunde eher haben möchte, muss dafür Geld bezahlen. Und dies tun wohl viele. - Einfacher
In einer hektischen Zeit mit sehr vielen externen Reizen und einem Informationsüberangebot sind viele Nutzer auch bereit Geld für Inhalte zu bezahlen, wenn sie diese Infos dadurch einfacher bekommen. Immer wieder wundern sich hier Leser darüber, dass eBook sich teilweise gut verkaufen, da es die Infos ja auch alle im Netz gibt. Aber es macht halt für viele einen Unterschied, ob sie stunden- oder tagelang nach Infos suchen müssen oder dies für einen Betrag X vermeiden können. - Besser
Natürlich ist dies das beste Argument für bezahlte Inhalte. Wenn ich einfach bessere Informationen als alle anderen anbiete, dann ist dies das beste Verkaufsargument. Allerdings ist dieser Punkt meist auch am schwersten umzusetzen. - Exklusiv
Hier spielt Psychologie rein. Für einen Teil der Nutzer ist es bares Geld wert, etwas zu bekommen, was nur wenige bekommen. - Image
Wer ein gutes Image hat, der besitzt auch Vertrauen. Und die Nutzer vertrauen dann darauf, dass die kostenpflichtigen Inhalte das Geld auch Wert sind.
Kombiniert man diese Faktoren, dann kann man wirklich Inhalte erzeugen, für die viele User bereit sind Geld zu bezahlen.
Bietet man z.B. Finanzinfos an, die sonst nur aufwendig zusammen zu tragen sind (Einfacher), versendet diese umgehend bei bekannt werden, am besten noch vor den News-Seiten (Schneller), fügt eigene Expertenanalysen hinzu (einzigartig) und bietet diese Infos nur 100 Leuten an (Exklusiv), dann kann man dafür (natürlich wenn es grundsätzlich eine Zielgruppe dafür gibt) viel Geld verlangen und es wird Leute geben, die dafür zahlen.
Ein anderes Beispiel sind Membership-Sites, also Websites nur für zahlende Mitglieder. Wenn jemand einzigartige Inhalte einer begrenzten Zahl von Nutzern anbietet und dieser jemand auch noch ein gutes Images bei der Zielgruppe besitzt, dann finden sich auch viele, die dafür zahlen.
Voraussetzung ist natürlich immer, dass die Inhalte für eine Zielgruppe relevant sind. Wenn es keine Zielgruppe für die Inhalte gibt oder die Inhalte für die Zielgruppe nicht relevant sind, dann nutzen natürlich auch die Faktoren nichts.
Gute Beispiele für bezahlte Inhalte findet man auf upload-magazin.de.
Nur die Nische oder die Masse?
Im Gegensatz zu Werbung im Web, funktionieren bezahlte Inhalte vor allem in Nischen und bei kleinen Zielgruppen.
Das liegt unter anderem daran, dass man die Inhalte sehr genau auf die Bedürfnisse einer Zielgruppe zuschneiden kann. Zudem gibt es in der Regel weniger Konkurrenz durch kostenlose Infos.
Deshalb denke ich, dass auch relativ kleine Websites und Blogs mit bezahlten Inhalten Geld verdienen können.
Das heißt aber nicht, dass sich bezahlte Inhalte und z.B. Werbeeinnahmen ausschließen. Wie oben schon erwähnt, wird man meist nur durch eine Kombination von Einnahmequellen in den Gewinnbereich kommen.
Insofern macht es oft Sinn, für die große Masse z.B. auf Bannerwerbung zu setzen und für einzelne Unter-Zielgruppen bezahlte Zusatz-Inhalte anzubieten.
Was bedeutet das alles für Selbständige im Netz?
Wer als Selbständiger im Netz von Inhalten lebt, die er online bereit stellt, sollte das Thema „bezahlte Inhalte“ nicht unterschätzen.
Man sollte zwar nicht erwarten, dass dies die einzige und auf jeden Fall glücklich machende Einnahmequelle sein wird.
Aber in Zukunft wird bezahlter Content wahrscheinlich besser akzeptiert sein. Das zeigt z.B. eine Umfrage. Neben gebildeteren Nutzern sind vor allem jüngere Nutzer eher bereit, Geld für Inhalte auszugeben.
Es müssen aber die genannten Faktoren dabei sein, um bezahlte Inhalte wirklich erfolgreich einführen zu können.
Und insgesamt macht es eben die Mischung. Bannerwerbung wurde schon so oft totgesagt. Und es gibt sie immer noch und sie ist profitabler denn je.
Es wird also auch in Zukunft eher eine Evolution und keine Revolution beim Geld verdienen im Web sein.
Im Artikel „So verdienen Blogger mit kostenpflichtigen Inhalten“ habe ich schon mal einige Möglichkeiten vorgestellt und auch Tipps zur Vermarktung der bezahlten Inhalte gegeben.
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