Wie Steadys mehr als 260.000 zahlende Mitglieder die deutsche Creator Economy unabhängig machen. Und was für Inhalte besonders gut funktionieren.
Sebastian Esser ist Gründer und Geschäftsführer von Steady, der größten deutschsprachigen Plattform zur Monetarisierung von Inhalten (Podcasts, Newsletter, Online-Artikel, …).
Steady hat mehr als 260.000 zahlende Mitglieder, deren Beiträge sich auf Content Creators jeder Größe und Ausrichtung verteilen.
2.000 Content Creators verdienen monatlich mehr als 100 Euro pro Monat mit Steady. Um die 100 bekommen sogar mehr als 10.000 Euro monatlich überwiesen.
Im Selbständig im Netz Podcast erzählt Sebastian (Website, LinkedIn, Newsletter „Blaupause“),
- warum Steady nur Mitgliedschaften, aber nicht den Verkauf von Digital-Produkten anbietet
- wie sich Steady von der US-Konkurrenz wie Patreon, Substack, Ghost, Kit und Beehiiv abgrenzt
- wie Steady mit einer neuen Community-App zur Alternative von Skool wird – und was dabei die Herausforderungen sind
- was für Themen und Content-Formate sich am besten zur Bezahlung durch Mitglieder eignen
- was Content Creators angesichts von Google AI Overviews und ChatGPT jetzt tun sollten – und was auf keinen Fall
Weiterlesen: 5 große deutsche Paid Communitys (> 51.000 Euro/Monat)
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Geschichte, Gründer, Angebot

Vor der Online-Abo-Plattform gründete Sebastian Esser bereits ein anderes viel beachtetes Medienunternehmen, dessen Entwicklung eng mit der von Steady verknüpft ist. Das Online-Magazin Krautreporter war ein Pionier des leserfinanzierten Journalismus: Im Jahr 2014 waren bei einem Crowdfunding 15.000 Menschen bereit, das Projekt mit 60 Euro zu unterstützen.
Mit von den Lesern eingesammelten 900.000 Euro musste nicht nur die Redaktion bezahlt, sondern auch eine Payment-Infrastruktur für Abo-Inhalte aufgebaut werden, wie es sie damals noch nicht gab.
In dieser Zeit wurde Sebastian oft von anderen Content Creators gefragt, wie Krautreporter ihre Abrechnung machten. Die Idee für Steady war geboren. Maßgeblich angeschoben durch eine Google-Förderung ging Steady 2016 ans Netz.
Heute steht die Plattform bei 18 Millionen Euro Jahresumsatz durch 260.000 zahlende Mitglieder. Das macht Steady zur zweitgrößten deutschen Online-Abo-Plattform, direkt hinter BILD.
Unbeeindruckt von Wirtschaftskrise und vielfältiger US-Konkurrenz wächst Steady kräftig (+26% in 2024). Und ist profitabel.
Die regelmäßigen Beiträge der Steady-Mitglieder verteilen sich auf Content Creators jeder Größe und Ausrichtung. Bezahlt wird für exklusive Newsletter und Podcasts, für werbefreie Online-Artikel und vieles mehr. 90 Prozent aller Zahlungen werden an die Partners durchgereicht, 10 Prozent behält Steady ein.
2.000 Content Creators verdienen monatlich mehr als 100 Euro pro Monat mit Steady. Um die 100 Partner bekommen sogar mehr als 10.000 Euro monatlich überwiesen. Dazu zählen so unterschiedliche Publikationen wie das Medienmagazin „Übermedien“ (> 43.818 Euro/Monat) der Spiele-Podcast „Auf ein Bier“ (39.679 Euro/Monat) und der Rezepte-Blog „Brotschau“ (> 28.420 Euro/Monat) (mehr dazu).
Anders als Wettbewerber wie Kit und Beehiiv bietet Steady nur Abo-Modelle an, keine Einmal-Käufe für Digital-Produkte wie Online-Kurse oder Coachings. Man fokussiere sich ganz auf wiederkehrende Zahlungen, um besonders langfristige und nachhaltige Geschäftsmodelle zu ermöglichen.
Was dagegen schon auf dem Plan steht, ist eine verstärkte Integration von Community-Funktionen. Im Vergleich zu Lern-Plattformen wie Skool mit ihren Foren-Strukturen orientiert sich die neue Steady-Social-App eher an Content-Streams.
Learnings
Die wichtigsten Takeaways.
Newsletter first. Zwar generieren Podcasts bei Steady den mit Abstand höchsten Umsatz pro Kunde, das Format ist aber extrem schwer zu wachsen. Der Markt ist gesättigt, bei Spotify und Apple Podcast gibt es praktisch keine Viralität.
Ein Newsletter ist gerade zum Start ein besserer Ausgangspunkt für ein Content Flywheel. Und auch hier lässt sich eine gewisse parasoziale Beziehung aufbauen, weil du die Adressaten ablenkungsfrei in der Intimität ihrer persönlichen E-Mail-Inbox erreichst.
Conversion Rate: Die 5-Prozent-Regel. Im Mittel gibt es bei etwa 5 Prozent einer Community eine Zahlungsbereitschaft für Inhalte. Das bezieht sich freilich nicht auf sehr lose Followings auf Instagram & Co, sondern etwa auf E-Mail-Abonnenten.
Kennst du als Content Creator deine Conversion Rate und deine Churn (wie lange Bezahl-Mitglieder an Bord bleiben), kann die Mitgliedergewinnung sehr fundiert skaliert werden. Liegt die Customer Lifetime Value etwa bei 200 Euro (100 Euro Jahresbeitrag, Mitglieder bleiben im Schnitt zwei Jahre dabei) und die Conversion Rate bei 5 Prozent, dann ist jede eingesammelte E-Mail-Adresse 10 Euro wert.
Partner-Akquise: Leuchttürme reichen aus. Lange Zeit hat sich Steady damit abgemüht, einer Vielzahl von Content Creators die Vorzüge der Plattform näher zu bringen. Eine mühsame und kleinteilige Arbeit, auch angesichts der geringen Margen.
Im Laufe der Zeit merkte Sebastian, dass es ausreicht, die größten Creators eines bestimmten Verticals zu bekommen. Wenn etwa der größte Popkultur-Podcast auf einmal exklusive Folgen über Steady verkauft, schauen sich das alle anderen Podcaster im Themenfeld ebenfalls näher an.
Mitglieder bezahlen für Persönlichkeit und Bindung. Sebastian hat die Erfahrung gemacht, dass Prominente mit riesigen Reichweiten oftmals schlechter bei Steady funktionieren als mittelgroße Communities, deren Mitglieder eine große Identifikation mit den Creators mitbringen.
Paid Communities funktionieren dann am besten, wenn die Medienmarke einen großen Nutzwert und eine große Bindung vereinen. Für eine bezahlte Mitgliedschaft braucht es einen klaren Mehrwert, ansonsten handele es sich um eine Spende.
„Das schmutzige Geheimnis der Subscription Economy“. Als Krautreporter 2014 an den Start ging, zahlten 15.000 Mitglieder jeweils 60 Euro für eine einjährige Unterstützung. Dabei handelte es sich wohlgemerkt nicht um ein Jahres-Abo – zur Verlängerung brauchte es eine aktive zweite Zahlung.
Dieses Setup bereitete Sebastian und seinem Team viel Kopfzerbrechen. Denn psychologisch mussten die Krautreporter-Mitglieder nach einem Jahr ihre einstige Kaufentscheidung – damals gefällt inmitten einer positiven Emotionalität und Neugierde – noch einmal aktiv treffen.
Bei einem Abo-Modell müssen sich Mitglieder dagegen umgekehrt aktiv zu einer Beendigung der Mitgliedschaft entscheiden. Wobei oft die mentale Trägheit siegt und das laufende Abo einfach nicht angefasst wird. Entsprechend machte Sebastian wiederkehrende Zahlungen zur DNA von Steady. Was sich auch im Firmennamen widerspiegelt.
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