Welche Versicherungen für Selbstständige sind wichtig und notwendig?

Welche Versicherungen für Selbstständige sind wichtig und notwendig?Wie vieles im Leben, birgt auch die Selbstständigkeit Risiken und gegen eine ganze Reihe dieser Risiken kann man sich durch Versicherungen absichern.

Doch welche Versicherungen sind für Existenzgründer und Selbstständige wirklich wichtig oder gar notwendig?

Genau dieser Frage gehe ich im heutigen Teil der Artikelserie Selbstständig machen nach und schildere dabei auch meine eigenen Erfahrungen aus mehr als 15 Jahren Selbstständigkeit.

Versicherungen für Selbstständige

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Als ich mich vor vielen Jahren selbstständig gemacht habe, spielte das Thema Versicherungen natürlich auch eine wichtige Rolle bei der Vorbereitung.

Ich bin schon eher der Typ, der zumindest die existenziellen Risiken absichern möchte, auf der anderen Seite aber auch nicht jede noch so unwahrscheinliche Gefahr “überversichern” muss.

Und trotzdem habe ich Fehler dabei gemacht.

Meine Erfahrungen und Tipps für wichtige und eher optionale Versicherungen findet ihr im Folgenden.

Wichtige Versicherungen für Selbstständige

Unter den wichtigen Versicherungen habe ich all jene aufgelistet, die meiner Meinung nach von den allermeisten oder sogar allen Existenzgründern und Selbstständigen abgeschlossen werden sollten.

Es handelt sich entweder um Pflichtversicherungen, wie z.B. die Krankenversicherung, oder um Absicherungen gegen existenzielle Risiken. Also Risiken, welche die eigene Existenz bedrohen können.

  • Krankenversicherung

    Die Frage “Braucht man eine Krankenversicherung?” habe ich recht ausführlich hier im Blog bereits behandelt.

    Mal ganz abgesehen davon, dass man durch eine Krankheit/Verletzung sehr hohe finanzielle Kosten haben und dies sogar die Existenz der Selbstständige bedrohen kann, ist die Krankenversicherung* seit langem Pflicht.

    Ob man sich für einen Verbleib in der gesetzlichen Krankenversicherung oder für den Eintritt in die private Krankenversicherung* entscheidet, will gut überlegt sein. Beide Varianten haben ihre jeweiligen Vor- und Nachteile, wobei man vor allem als junger Mensch in der PKV deutlich spart. Deshalb gilt es sich zu informieren und Vergleichsangebote einzuholen.

    Ich bin privat versichert.

  • Berufsunfähigkeits-Versicherung

    Fast ebenso wichtig und meiner Meinung nach unverzichtbar ist die Berufsunfähigkeitsversicherung*. Der Staat hat die Versorgung bei Erwerbsunfähigkeit drastisch eingeschränkt, so dass man nur noch eine Mini-Rente bekommt, die kaum zum Leben reicht.

    Bei der Berufsunfähigkeit gibt es vom Staat überhaupt nichts mehr und deshalb ist es sehr wichtig, dass man diese verhältnismäßig günstige Versicherung auf jeden Fall abschließt. Diese sorgt dafür, dass man später, wenn man den eigenen Beruf nicht mehr ausführen kann, eine lebenslange Rente erhält.

    Allerdings sollte man auch hier genau vergleichen, da es einige Klauseln gibt, wie z.B. das “Abstrakte Verweisungsrecht”, welche später durchaus Probleme bereiten können. Mehr zur Berufsunfähigkeitsversicherung.

    Ich habe eine Berufsunfähigkeitsversicherung.

  • Lebensversicherung

    Bei den Lebensversicherungen unterscheidet man in kapitalbildende Lebensversicherung* und Risiko-Lebensversicherung*.

    Erstere ist teurer, da man neben der finanziellen Absicherung im Todesfall zusätzlich auch eine Auszahlung der Versicherungssumme erhält, wenn man nach Ablauf der Lebensversicherung noch lebt. Deshalb nutzen viele die kapitalbildende Lebensversicherung auch als Altersvorsorge.

    Die Risiko-Lebensversicherung hat dagegen nur das Ziel, im Todesfall die Hinterbliebenen finanziell abzusichern. Stirbt man während der Versicherungszeit nicht, bekommt man auch kein Geld zurück. Dafür sind die Beiträge aber auch sehr gering.

    Wer also für das Alter vorsorgen will und mehr Geld zur Verfügung hat, wählt eine kapitalbildende Lebensversicherung. Wer als Existenzgründer wenig Geld hat und wirklich nur das Risiko des eigenen Todes für die Angehörigen absichern will, der wählt die Risiko-Lebensversicherung. Letztere würde ich auf jeden Fall empfehlen.

    Ich habe vor langer Zeit auch Lebensversicherungen abgeschlossen.

  • Private Haftpflichtversicherung

    Wer anderen Schaden zufügt, haftet dafür grundsätzlich in unbegrenzter Höhe. Das könne kleine Dinge sein, wie eine kaputte Fensterscheibe, aber auch größere Schäden. Und wer Personenschäden verursacht, sitzt richtig in der Klemme. Eine private Haftpflichtversicherung ist deshalb existenziell wichtig.

    Eine private Haftpflicht* ist relativ günstig und sichert im Fall der Fälle die eigene Existenz.

    Natürlich habe ich eine private Haftpflicht.

  • Private Altersvorsorge

    Viele meiner Leser sind noch recht jung und der eigene Lebensabend ist noch sooooo weit weg. Doch auch als junger Mensch sollte man bedenken, dass man irgendwann alt ist und man vielleicht auch nicht bis ans Lebensende arbeiten will.

    Hier kommt für Selbstständige die private Altersvorsorge* ins Spiel. Man kann zwar weiter in die gesetzliche Altersvorsorge einzahlen, aber das ist verhältnismäßig teuer und wer weiß schon, was man in 30 Jahren von der gesetzlichen Rente noch zu erwarten hat.

    Man sollte auch nicht den Fehler machen und erstmal auf bessere Zeiten warten. Ich kenne einige Selbstständige, die die Kosten für die Altersvorsorge in jüngeren Jahren nicht tragen wollten und nun um die 50 sind. Wer dann noch eine private Altersvorsorge abschließen will, zahlt im Monat mehr ein, als er später im Monat als Rente rausbekommt. Altersarmut ist die Folge.

    Hier gilt also, je jünger man eine private Altersvorsorge abschließt, umso günstiger. Und man sollte nicht vergessen, dass 1.000 Euro in 30-40 Jahren deutlich weniger wert ist, als heute.

    Ich habe mich sofort bei der Gründung um die private Altersvorsorge gekümmert und später nochmal aufgestockt.

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Optionale Versicherungen für Selbstständige

Neben den oben genannten Versicherungen, die meiner Meinung nach zwingend notwendig sind, gibt es noch eine Menge weiterer Versicherungen für Selbstständige.

Man sollte hier genau überlegen, was für einen notwendig ist und was nicht. Für manche Selbstständige und Unternehmer sind bestimmte Versicherungen sinnvoller, als für andere.

  • Betriebliche Haftpflichtversicherung

    Für Selbstständige im Netz ist diese Versicherung weniger wichtig. Wer aber einen Betrieb und Mitarbeiter hat, haftet für Schäden, die durch die berufliche Tätigkeit und die Mitarbeiter verursacht wurden. Manche Berufsgruppen müssen sogar einen Betriebshaftpflicht abschließen.

    Die Berufshaftpflichtversicherung ist aber auch für Selbstständige im Netz interessant, da z.B. teure Abmahnungen hier durchaus abgesichert werden können.

    Ich habe eine Berufshaftpflicht speziell für das Online-Business*.

  • Rechtsschutz

    Wer viel mit anderen Firmen und Kunden zu tun hat, der sollte über eine Rechtsschutzversicherung* nachdenken.

    Die Gefahr vor Gericht zu müssen oder sonstwie in rechtliche Konflikte zu geraten, ist in Deutschland nicht gerade gering. Mit einer Rechtsschutzversicherung ist man auf die Anwaltskosten jedenfalls gut vorbereitet.

  • Unfallversicherung

    Ebenso wie Krankheiten, ignorieren vor allem auch jüngere Gründer die Gefahr durch einen Unfall in Existenznot zu geraten. Unfälle passieren aber heutzutage sehr häufig und das nicht nur auf der Straße.

    Gerade auch im Haushalt, in der Freizeit und im Büro passiert sehr viel. Eine Unfallversicherung* ist da anzuraten.

    Eine Unfallversicherung habe ich ebenfalls.

  • Krankenhaustagegeld-Versicherung

    Ich habe eine Krankenhaustagegeld-Versicherung*. Diese zahlt nach einem wählbaren Zeitraum einen täglich Betrag, so lange man im Krankenhaus liegt. Das ist besonders für lange Krankenhaus-Auffenthalte wichtig.

    Dies ist natürlich besonders bei Selbstständigen interessant, die Dienstleistungen anbieten und wo der eigene Ausfall gleichbedeutend mit dem Ausfall der Einnahmen ist. Hat man gute passive Einnahmen ist das oft nicht so dramatisch.

  • Krankentagegeldversicherung

    Die Krankentagegeld-Versicherung* ist die Alternative zur Lohnfortzahlung bei Angestellten. Man bekommt hier täglichen einen Betrag, wenn man krank ist, auch wenn man nicht im Krankenhaus ist. Allerdings meist erst ab einem bestimmten Tag, also nicht sofort, wie das bei Angestellten ist.

    Diese Versicherung ist teurer, als die Krankenhaustagegeld-Versicherung. Je eher man das Krankentagegeld erhalten will, umso teurer wird es zudem. Gerade Selbstständig im Netz arbeiten aber eigentlich immer, auch wenn sie so krank sind, dass Angestellte zu Hause bleiben würden.

  • Autoversicherung

    Wer als Selbstständiger viel unterwegs ist, der braucht sein Auto natürlich. Eine Auto-Versicherung* macht da natürlich vor allem Sinn, wenn man ein recht neues Auto hat.

    Wer es sich also nicht leisten kann, ohne Auto seine Selbstständigkeit auszuüben und sich auf die Schnelle auch kein neues leisten könnte, der sollte eine Autoversicherung auf jeden Fall in Betracht ziehen.

  • Gewerbeversicherung

    Dies ist ein sehr komplexes Thema und umfasst viele Einzelversicherungen. Je nach Branche und eigener Situation kann eine Gewerbeversicherung* Sinn machen, um z.B. Produktionsausfälle oder anderes abzusichern. Die Betriebs-Haftpflicht zählt auch zu den Gewerbeversicherungen.

    Hier sollte man sich auf jeden Fall vom Profi beraten lassen, um am Ende nicht falsch oder schlecht versichert zu sein.

  • Berufsgenossenschaft

    Man kann sich übrigens auch über die Betriebsgenossenschaft versichern lassen. Dann ist man gegen einen Arbeitsunfall abgesichert. Es gibt auch Verletztengeld und im Fall der Fälle sogar eine Rente.

    Für “Büro-Arbeiter” ist das sehr günstig, aber oft auch gar nicht notwendig. Ich habe das jedenfalls mittlerweile gekündigt. Wer Mitarbeiter hat, der muss diese dort versichern.

  • Arbeitslosenversicherung

    Über die Arbeitslosenversicherung habe ich hier im Blog ebenfalls schon ausführlich berichtet. An sich eine gute Idee, aber durch aktuelle Gesetzesänderungen nicht mehr ganz so günstig.

    Hier muss jeder für sich selbst einschätzen, wie groß das Risiko des Scheiterns und der Arbeitslosigkeit ist. Man kann auf jeden Fall in den ersten 3 Monaten der Selbstständigkeit weiter in die gesetzliche Arbeitslosenversicherung einzahlen und wenn man scheitert, bekommt man Arbeitslosengeld.

    Ich hatte früher eine private Arbeitslosenversicherung, habe diese aber sehr schnell gekündigt, als meine Selbstständigkeit gut lief.

Weitere Versicherungen

Es gibt neben den genannten Versicherung natürlich noch viele weitere für Selbstständige.

Diese sind aber für die meisten Existenzgründer und Selbstständigen nicht so wichtig. Man sollte sich im Einzelfall aber durchaus mal bei der einen oder anderen Versicherung informieren, welche speziellen Versicherungen es für die spezielle Tätigkeit gibt. Das kann im Einzelfall durchaus sinnvoll sein.

In der Regel kommt man allerdings mit den wichtigen Versicherung plus den gewünschten optionale Versicherungen sehr gut zurecht. Als Selbstständiger im Netz ohne Mitarbeiter ist das in der Regel ausreichend.

Achtung bei der Wahl der Versicherung

Es ist sehr wichtig, dass man sich informiert und mehrere Angebote einholt. Nur durch neutrale Informationen und Vergleichsangebote kann man sicher sein, dass man nicht übervorteilt wird oder sich überversichert.

Also bitte das Thema Versicherungen nicht nebenbei abhandeln und auch immer das Kleingedruckte lesen, auch wenn es nicht einfach ist und dauert.

Ich habe für die wichtigsten Versicherungen auch nochmal konkrete Tipps und Hinweise zur Auswahl und Beurteilung gegeben.

Welche Versicherungen für Selbstständige sind wichtig und notwendig?

Viele Existenzgründer sehen Versicherungen vor allem als Kostenfaktor, den sie am liebsten vermeiden würden. Und natürlich verstehe ich das auch, da man zu Beginn der Selbstständigkeit wirklich gut mit seinem Geld rechnen muss.

Man sollte sich allerdings genau überlegen, welche negativen Folgen Krankheiten, Unfälle, Berufsunfähigkeit und andere, leider zum Leben gehörende Situationen haben können.

Ich empfehle auf jeden Fall die Absicherung von existenzbedrohenden Risiken.

So geht es weiter
Im nächsten Teil der Artikelserie Selbstständig machen im Netz geht es um “Kosten”.

Welche Kosten kommen auf Selbstständige im Netz zu und wie beziehe ich diese z.B. in meine Kalkulation und Planung mit ein.

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2 Gedanken zu „Welche Versicherungen für Selbstständige sind wichtig und notwendig?“

  1. Moin,
    aus Überzeugung bin ich damals in der gesetzlichen Krankenversicherung geblieben. Ich finde es gerechter als die PKV. Sobald Kinder da sind ist die PKV meist nicht günstiger als die GKV – und im Alter sowieso. Weiterhin will ich mich nicht mit den Details einer Krankenversicherung auseinandersetzen – was für alle gut ist reicht für mich auch aus. Bei der PKV muss man sich mit beschäftigen , Rechnungen vorstrecken und solche Späße. Ich gebe einfach meine AOK Karte ab und bin fertig :)

    Thema Lebensversicherung. Ich habe mal vom Grundsatz gehört: Vermische niemals Vorsorge und Versicherung. Eine Kapitalbildende Lebensversicherung ist genau das. Man kann nur das Paket kündigen aber nicht eines davon, und die Performance ist schlecht vergleichbar. Deshalb habe ich eine Risikolebensvrsicherung (kostet nicht viel und der Versicherungsfall ist ziemlich eindeutig definiert) und zusätzlich ETF Sparplan + ETF-Rürup. Das muss reichen.

    Alles nur meine persönliche Meinung.

    Antworten
  2. Hi Peer,
    wenn man als Selbstständiger anfängt (vor allem im Online Bereich) halte ich eine Berufsunfähigkeitsversicherung für total überzogen, auch wenn ich eigentlich dafür Werbung machen müsste hier. Die monatlichen Kosten hierfür sind nicht ohne und am Anfang hat man meistens eh das Geld nicht über und falls doch, investiert man es lieber in Wachstum. Zudem sind viele Berufe nicht so gefährdet wie z.B. Handwerker oder Berufe mit hohen psychischen Stress. Je nach Lebenslage sieht es bei der Lebensversicherung ähnlich aus. Was die private Altersvorsorge angeht, kann man auch geteilter Meinung sein. Wenn man sein ganzes Geld in den ersten Jahren in das Wachstum des Unternehmens steckt, finde ich es auch legitim auf die Altersvorsorge kurzfristig zu verzichten. Läuft das Business erstmal, kann man das Thema dann ganz anders angehen. Hier müsste man nur drauf achten, dass man nicht sein Leben lang Sachen aufbaut, die am Ende doch kein Geld bringen :-)
    Gruß
    Gregor

    Antworten

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